Im Jahr 1884 wurde auf der Kongokonferenz in Berlin, Afrika zwischen den Großmächten aufgeteilt. Das Deutsche Reich wurde aufgrund dieser Aufteilung flächenmäßig zur viertgrößten Kolonialmacht, eine der größten Kolonien sollte Deutsch Südwestafrika werden, welches 1884 unter den Schutz des Deutschen Reichs gestellt wurde. Bis zur Kapitulation am 09. Juli 1915 sollte das auch so bleiben.
Die Hausarbeit soll die Entstehung der Konflikte zwischen dem Stamm der Herero, die Eskalation und die Aspekte der Kriegsführung der deutschen Schutztruppen unter Lothar von Trotha beleuchten und einmal mehr hinterfragen, ob man im Fall des Hererokrieges von einem Genozid sprechen kann und welche Kriterien erfüllt sein müssen, damit es sich um Völkermord handelt. In der Frage der Absicht von Trothas gehen die Meinungen bis heute auseinander, Fakt ist allerdings, dass er nach seiner Rückkehr aus Deutsch Südwestafrika vom öffentlichen Leben weitestgehend gemieden und in den Ruhestand geschickt wurde.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Kolonie Deutsch Südwestafrika
3. Die Beteiligten
3.1.Die deutsche Schutztruppe
3.2.Die Herero
3.3.Die Nama
4. Der Hererokrieg
4.1.Die Entstehung des Konflikts unter Leutwein
4.2.Der Einsatz von Lothar von Trotha
4.3.Die Eskalation in der Schlacht am Waterberg
5. Genozid
5.1.Definition
5.2.Die Situation in Deutsch Südwestafrika
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die historischen Ursachen, den Verlauf und die Folgen des Hererokrieges in Deutsch-Südwestafrika. Ziel ist es, das Handeln der deutschen Schutztruppen unter Lothar von Trotha kritisch zu beleuchten und zu analysieren, ob die Ereignisse nach modernen Kriterien als Genozid einzustufen sind.
- Kolonialpolitik des Deutschen Reiches in Südwestafrika
- Soziokulturelle Hintergründe der Völker der Herero und Nama
- Die Rolle von Lothar von Trotha und die Eskalation am Waterberg
- Analyse des Begriffs Genozid im historischen Kontext
- Aufarbeitung der kolonialen Schuld durch die Bundesrepublik Deutschland
Auszug aus dem Buch
4.2. Der Einsatz von Lothar von Trotha
Nach der Abberufung Leutweins im Mai 1904, übernahm von Trotha die Befehlsmacht über die Schutztruppe und wurde zum Gouverneur ernannt.
Sein Auftrag lautete den Aufstand der Herero niederzuschlagen. In seinem „Aufruf an das Volk der Herero “ forderte er die Aufständischen zur Auslieferung von Anführern auf und kündigte die Vertreibung des Volkes und die Tötung männlicher Volksangehöriger an: „Das Volk der Herero muss jedoch das Land verlassen. Wenn das Volk dies nicht tut, so werde ich es mit dem Groot Rohr dazu zwingen. Innerhalb der Deutschen Grenze wird jeder Herero mit und ohne Gewehr, mit oder ohne Vieh erschossen, ich nehme keine Weiber und Kinder mehr auf, treibe sie zu ihrem Volke zurück oder lasse auf sie schießen. Dies sind meine Worte an das Volk der Hereros. Der große General des mächtigen deutschen Kaisers.“
Von Trotha war aufgrund seines Charakters im Kreise der Schutztruppe unbeliebt und hatte des Öfteren Zwistigkeiten innerhalb des Machtgefüges. Er wurde als machtgierig, unnachgiebig und unbelehrbar beschrieben, was ihn auch in Deutsch Südwestafrika zu einer eher verachteten Persönlichkeit machte. Da er sich jedoch bereits in China verdient gemacht hatte, dachte man im der deutschen Heimat, dass er auch das Problem mit den aufständischen Herero lösen könne, obwohl auch dort Widerstand gegen die hohen Kriegsausgaben aufkam. Im Jahr 1907 sollte es aufgrund der Kritik an der Kolonialpolitik und den hohen Ausgaben zur sogenannten „Hottentottenwahl“ kommen, welche über einen Nachtragsetat bestimmen sollte. Zentrum und SPD forderten eine Kursänderung in der Kolonialpolitik und personelle Änderungen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung skizziert die koloniale Aufteilung Afrikas 1884 und definiert die Fragestellung bezüglich der Einstufung des Hererokrieges als Genozid.
2. Die Kolonie Deutsch Südwestafrika: Dieses Kapitel erläutert die Gründung der Kolonie, die Schutzverträge mit indigenen Stämmen und die administrativen Strukturen unter Leutwein.
3. Die Beteiligten: Es werden die militärischen Strukturen der Schutztruppe sowie die Lebensweise und soziokulturellen Traditionen der Herero und Nama vorgestellt.
4. Der Hererokrieg: Der Abschnitt analysiert die Konfliktursachen, den Befehl von Lothar von Trotha und den entscheidenden Kriegsverlauf in der Schlacht am Waterberg.
5. Genozid: Hier wird der theoretische Begriff Genozid definiert und die historische Situation in Südwestafrika kritisch auf die Erfüllung dieser Kriterien geprüft.
6. Fazit: Das Fazit fasst die späte historische Aufarbeitung in Deutschland zusammen und reflektiert die heutige moralische Verantwortung gegenüber den Nachfahren der Opfer.
Schlüsselwörter
Hererokrieg, Deutsch-Südwestafrika, Lothar von Trotha, Genozid, Schutztruppe, Herero, Nama, Kolonialgeschichte, Schlacht am Waterberg, Völkermord, Konzentrationslager, koloniale Schuld, Namibia, indigene Völker, historische Aufarbeitung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der deutschen Kolonialherrschaft in Deutsch-Südwestafrika und dem darin stattgefundenen Krieg gegen die Stämme der Herero und Nama Anfang des 20. Jahrhunderts.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zu den Schwerpunkten zählen die koloniale Verwaltung, die soziokulturelle Identität der indigenen Gruppen, die Eskalation militärischer Gewalt sowie die moderne juristische und moralische Bewertung dieser Ereignisse.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Hauptziel ist die Untersuchung der Kriegsführung Lothar von Trothas und die Beantwortung der Frage, ob der Hererokrieg unter Berücksichtigung moderner Definitionen als Genozid zu werten ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer historischen Analyse von Fachliteratur, Quellentexten und Zeitzeugendokumenten, um die damaligen Ereignisse wissenschaftlich einzuordnen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der Akteure, die Eskalation des Konflikts am Waterberg, die Taktik der Vernichtung sowie eine definitorische Auseinandersetzung mit dem Begriff Genozid.
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Wichtige Schlagworte sind Hererokrieg, Genozid, Lothar von Trotha, Schutztruppe, koloniale Schuld und die Schlacht am Waterberg.
Warum wird der "Aufruf an das Volk der Herero" in der Arbeit so betont?
Dieser Aufruf ist zentral, da er die explizite Vernichtungsabsicht von Trothas verdeutlicht und ein wesentliches Beweiselement für die Einstufung des Kriegsgeschehens als Völkermord darstellt.
Welche Rolle spielte Heidemarie Wieczorek-Zeul für die historische Aufarbeitung?
Sie gilt als erste deutsche Politikerin, die im Jahr 2004 offiziell die moralische Verantwortung der Bundesrepublik für die Verbrechen in der ehemaligen Kolonie anerkannte und um Vergebung bat.
- Citar trabajo
- Magdalena Karola Schlichtinger (Autor), 2014, Der Hererokrieg 1904 und die Aspekte der Kriegsführung. Genozid in Deutsch-Südwestafrika?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/377868