Die Maske ist eines der zentralen Leitmotive in Arthur Schnitzlers 1926 erschienener Traumnovelle. Auch in der Verfilmung von Stanley Kubrick unter dem Namen Eyes Wide Shut (Erscheinungsjahr 1999) hat die Maske eine elementare Relevanz. Die vorliegende Arbeit zeigt auf, welche Bedeutung die Maske symbolisiert und inwiefern die Maske für den Handlungsverlauf eine Bedeutung hat. In den bislang veröffentlichten Werken, die Vergleiche zwischen Film und Novelle angestellt haben, hat sich vor allem Julia Freytag hervorgetan. Sie vertritt die Theorie, dass die Maske neben dem Gesicht vor allem die Scham verhüllt. Im Gegensatz zu Freytags Werk, wird die Bedeutung der Maske von anderen Autoren zwar aufgegriffen, jedoch in deutlich geringerem Umfang. Die elementarsten Erörterungen der bisherigen Forschung und die zentralen Aussagen von Freytag werden in der vorliegenden Arbeit zusammengefasst und sollen mit weiteren, eigenen Gedanken einen Überblick über die Bedeutung des Maskenmotivs in der Traumnovelle sowie in Eyes Wide Shut geben.
In der heutigen Gesellschaft wird die Maske zunächst mit dem Karneval bzw. dem Fasching in Verbindung gebracht. Die Maske ist Teil der Verkleidung, mit der man den Winter vertreiben möchte. Die Wurzel der Maske liegt jedoch in ihrer rituellen Bedeutung zur Abschreckung böser Geister oder Anbetung von Gottheiten, vor allem in afrikanischen Kulturen. In Theatern, Musicals und Opern spielt die Maske nach wie vor eine große Rolle, um den Darstellern zu ermöglichen eine bestimmte Rolle zu verkörpern. Dass auch Gesichtsausdrücke als Maske bezeichnet werden können, weil man dem Gesprächspartner keine Gefühle offenbaren will, zeigt Abschnitt 3.4. Zunächst werden in der vorliegenden Arbeit aber die Szenen aus der Traumnovelle betrachtet, in denen die Maske eine Bedeutung hat. Im zweiten Abschnitt werden die Maskenmotive aus Eyes Wide Shut aufgegriffen und analysiert. Im Anschluss wird ein Vergleich gezogen, inwiefern Arthur Schnitzler und Stanley Kubrick die Masken in ihren Werken einsetzen, wo Gemeinsamkeiten und wo die größten Unterschiede bestehen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Maske in Arthur Schnitzlers Traumnovelle
2.1 Die Dominos auf der Redoute
2.2 Die Geständnisse
2.3 Fridolins Rolle als Arzt
2.4 Nachtigall als Eintrittskarte zum Maskenball
2.5 Fridolin beim Maskenverleiher Gibiser
2.6 Der geheimnisvolle Maskenball
2.7 Die Maske auf dem Ehebett
3. Die Maske in Stanley Kubricks „Eyes Wide Shut“
3.1 Die erste Einstellung – Der Zuschauer als Bill
3.2 Die Masken bei Domino
3.3 Bills Rolle als Arzt
3.4 Bills Gesicht als Maske
3.5 Der geheimnisvolle Maskenball und die Orgie
3.6 Die Maske auf dem Ehebett
4. Zusammenfassung & Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die symbolische und handlungstragende Bedeutung der Maske als zentrales Leitmotiv in Arthur Schnitzlers „Traumnovelle“ sowie in der filmischen Adaption „Eyes Wide Shut“ von Stanley Kubrick. Dabei liegt der Fokus auf der Analyse, wie die Maskierung als Schutzmechanismus für die Scham der Protagonisten dient, während sie gleichzeitig ihre unbewussten Triebe und Begehrlichkeiten verbirgt.
- Vergleichende Analyse des Maskenmotivs in Literatur und Film
- Die Funktion der Maske als Grenze zwischen Innen- und Außenwelt
- Rolle von Scham und voyeuristischem Begehren
- Einfluss der Maskierung auf die Identitätsbildung der Hauptfiguren
- Unterschiede in der Inszenierung von Anonymität und Bloßstellung
Auszug aus dem Buch
2.6 Der geheimnisvolle Maskenball
Auf dem Ball angekommen, wähnt sich Fridolin dem ersehnten Abenteuer so nah wie nie zuvor. Trotz der Warnungen und Drohungen, dass es ihm „schlimm“ (SCHNITZLER, S. 44) erginge, wenn er bliebe und als Fremder entdeckt würde, will er bleiben und tut dies gar mit „einem heroischen Ton, den er an sich nicht kannte“ (ebd.) kund. Diese Selbstsicherheit wird ihm durch seine Maske verliehen. Sie funktioniert wie eine Trennwand zwischen Innen, Fridolins Scham, und Außen, den Verlockungen durch die Frauen (FREYTAG, S. 57). Mit dem Persönlichkeitsverlust durch das Eintauchen in die Anonymität der Maske wird das soziale Ich Fridolins von seinen Trieben getrennt (vgl. KROTKOFF, 1972, S. 86). Diese ist er nun fest gewillt auszuleben, da er seine Scham verborgen hat. Selbst die scharfe Drohung einer anwesenden Frau kann ihn nicht davon abhalten. „Mit dem Frieden deines Daseins wäre es vorbei für immer. Geh!“ (SCHNITZLER, S. 46). Dennoch will er sie davon überzeugen, mit ihm ein Abenteuer einzugehen, auch wenn sein Leben dabei auf dem Spiel steht. Dem Leser wird allerdings schon kurz zuvor wieder angedeutet, dass Fridolin erneut nicht sein Ziel erreichen wird. Denn als sich die Türen im Ballsaal öffnen, entledigen sich die Männer ihren Mönchskutten zugunsten von festlichen Trachten, während Fridolin als einziger Mönch zurückbleibt. Diese Szene symbolisiert, dass die oben erwähnte Grenze, die die Maske und das Kostüm darstellen, Fridolin gefangen hält und er doch nicht in der Lage sein wird, seine inneren Bedürfnisse auszuleben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das zentrale Leitmotiv der Maske in Schnitzlers „Traumnovelle“ und Kubricks Verfilmung sowie Darlegung des Forschungsinteresses.
2. Die Maske in Arthur Schnitzlers Traumnovelle: Analyse der Maskenszenen in der Novelle, die als Ausdruck von Scham, Geheimnis und dem Ringen mit unbewussten Trieben fungieren.
3. Die Maske in Stanley Kubricks „Eyes Wide Shut“: Untersuchung der filmischen Inszenierung des Maskenmotivs, wobei der Fokus besonders auf der psychologischen Wirkung und der Orgie liegt.
4. Zusammenfassung & Schlussbemerkung: Synthese der Ergebnisse und Gegenüberstellung der Arbeitsweisen von Autor und Regisseur im Hinblick auf das Maskenmotiv.
Schlüsselwörter
Traumnovelle, Eyes Wide Shut, Arthur Schnitzler, Stanley Kubrick, Maske, Scham, Medientransfer, Literaturverfilmung, Voyeurismus, Anonymität, Identität, Psychologie, Motivik, Maskenball, Verfilmung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Bedeutung und Funktion der Maske als zentrales Motiv in Arthur Schnitzlers „Traumnovelle“ sowie Stanley Kubricks Film „Eyes Wide Shut“.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die Konzepte der Scham, die Entstehung voyeuristischer Begehren, die Funktion der Anonymität durch Maskierung und das Scheitern der Protagonisten bei der Suche nach außerehelichen Abenteuern.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es aufzuzeigen, welche Bedeutung die Maske symbolisiert, wie sie den Handlungsverlauf beeinflusst und wo Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede in der filmischen und literarischen Umsetzung liegen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine vergleichende Literatur- und Filmanalyse sowie die Einbeziehung fachwissenschaftlicher Forschungsliteratur, insbesondere von Julia Freytag.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert schrittweise die verschiedenen Schlüsselszenen, in denen Masken in der Novelle und im Film auftauchen, von der Vorbereitung des Maskenballs bis hin zum „Demaskierungsmoment“ auf dem Ehebett.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Maske, Traumnovelle, Eyes Wide Shut, Scham, Voyeurismus, Anonymität und Identitätsverlust.
Welche besondere Bedeutung hat das Kostüm des Mönchs in der „Traumnovelle“?
Das Mönchskostüm symbolisiert einen Zölibat, der in direktem Widerspruch zu Fridolins Suche nach einem sexuellen Abenteuer steht und sein Scheitern vorwegnimmt.
Wie unterscheidet sich die Darstellung der Bloßstellung zwischen Novelle und Film?
Während in der „Traumnovelle“ das Symbol der Maske zentral bleibt, erzwingt Kubrick im Film eine physische Demaskierung Bills vor der Gesellschaft, was die Scham und die drohende Gefahr stärker dramatisiert.
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- Falko Schwetz (Author), 2015, Die Bedeutung der Maske in Arthur Schnitzlers "Traumnovelle" sowie in Stanley Kubricks Verfilmung "Eyes Wide Shut", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/377870