In dieser Arbeit wird versucht, auf die Problematik des Toleranzbegriffs einzugehen, der von einer vielfältigen Betrachtungsweise geprägt ist und nicht immer eindeutig sein kann. Im ersten Kapitel werden die Entstehung, Entwicklung und moderne Auffassungen von dem Toleranzbegriff, auch seinem Gegenpol – Intoleranzbegriff, skizzenhaft dargestellt. Zwei Toleranzkonzeptionen von John Locke und Pierre Bayle werden ausführlicher dargestellt, da viel von unserem modernen Toleranzverständnis auf ihre damals revolutionären Ideen zurückgeht. Das Kapitel vermittelt auch einen Überblick über die Vielfalt der modernen Definitionen und Auffassungen, die aus unterschiedlichen Disziplinen wie Theologie, Philosophie, Pädagogik und Psychologie stammen. Vier Toleranzkonzeptionen von Rainer Forst werden daraufhin beispielsweise präsentiert.
Kapitel 2 befasst sich mit dem komplexen Thema der Grenzen von Toleranz. Was ist noch akzeptabel und was ist derartig normabweichend, dass die Toleranz nicht mehr möglich ist? Dabei sind drei unterschiedliche Ebenen der Toleranz zu unterscheiden: Staat, Gesellschaft, Individuum.
Im Kapitel drei wird schließlich versucht, die Toleranzproblematik aus der interkulturellen Sicht zu beleuchten und ihre Relevanz im Dialog der Kulturen zu bestimmen. Die Bedingungen der Interkulturalitätssituation für den interkulturellen Dialog und den Toleranz-Dialog werfen dabei die Frage nach einem interkulturell orientierten und kulturübergreifenden "neutralen" Toleranzkonzept.
Inhaltsverzeichnis
0. Einleitung
1. Was ist Toleranz? (Vorgeschichte und Definitionen)
1.1 Geschichte des Toleranzbegriffs
1.2 Die Toleranz von heute
1.3 Vier Konzeptionen der Toleranz (nach Forst)
1.4 Toleranz und Intoleranz
2. Grenzen der Toleranz
3. Toleranz und Interkultureller Dialog
4. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Vielschichtigkeit und Problematik des Toleranzbegriffs in einer globalisierten Welt. Im Fokus steht dabei die Forschungsfrage, wie ein interkulturell orientiertes Verständnis von Toleranz definiert werden kann, um in einer multikulturellen Gesellschaft als Prinzip friedlichen Zusammenlebens zu fungieren und dabei zugleich notwendige Grenzen der Toleranz zu wahren.
- Historische Entwicklung des Toleranzgedankens
- Moderne Definitionen und Toleranzkonzeptionen (u.a. nach Rainer Forst)
- Die Dialektik von Toleranz und Intoleranz
- Philosophische und rechtliche Aspekte der Toleranzgrenzen
- Toleranz als Basis für den interkulturellen Dialog
Auszug aus dem Buch
1.1 Geschichte des Toleranzbegriffs
Die Toleranzidee hat eine lange Geschichte, und um einen tieferen Einblick in das Konzept der Toleranz zu erlangen, ist es notwendig, sich erstmals mit der Entwicklung des Toleranzgedankens auseinanderzusetzen.
Der Begriff hat seinen Ursprung im Lateinischen (tolerare: ertragen, aushalten). Er bezog sich in der ersten Linie auf das Zusammenleben der unterschiedlichen Religionen und bedeutete zunächst Duldsamkeit der fremden Glaubensrichtungen. Bereits in der Antike wurde „tolerantia“ als eine christliche Tugend angesehen.
Der deutsche Begriff „Toleranz“, gebildet vom Lateinischen, geht auf Martin Luther zurück und wurde von ihm im Zusammenhang mit der staatlichen Gewalt gegen Einzelnen in den Glaubensangelegenheiten verwendet (vgl. Klueting, 2004, S. 58 – 59).
Im 16. Jahrhundert taucht der Begriff Toleranz in ganzem Europa auf und wird im Zusammenhang mit den religiösen Angelegenheiten und Konflikten benutzt (vgl. Forst, 2000a, S. 10). Die Forderung nach Religionsfreiheit und Wachstum des Protestantismus führen zu der Anerkennung der Konfessionsspaltung in Westeuropa, wofür z. B. der Augsburger Religionsfrieden von 1555 und Edikt von Nantes 1598 den Beweis liefern können. Das waren die wichtigen Ereignisse, die die faktische Existenz zweier christlicher Konfessionen in einer politischen Formation erst ermöglicht haben. Es kam aber trotzdem zu den zahlreichen Religionskonflikten und die Grenzen der christlichen Toleranz im Umgang mit den Andersgläubigen und Häretikern wurden immer noch nicht klar definiert.
Die Aufklärungszeit brachte mit sich die neuen Toleranzforderungen. Bayle, Spinoza, Voltaire, Lessing, Locke sind einige, die zu der Ausdehnung des neuzeitlichen Toleranzbegriffs viel beitrugen. Es wird im Folgenden versucht, den Ideen von John Locke und Pierre Bayle als Vordenkern des modernen Toleranzbegriffs auf den Grund zu gehen.
Zusammenfassung der Kapitel
0. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Aktualität des Themas Toleranz im Kontext von Globalisierung und Multikulturalität ein und skizziert die methodische Vorgehensweise der Arbeit.
1. Was ist Toleranz? (Vorgeschichte und Definitionen): Dieses Kapitel beleuchtet die historische Entwicklung, moderne Begriffsbestimmungen und die vier Konzeptionen der Toleranz nach Rainer Forst.
2. Grenzen der Toleranz: Hier werden die philosophischen und rechtlichen Schwierigkeiten der Grenzziehung bei der Ausübung von Toleranz, insbesondere im Kontext von Extremismus, thematisiert.
3. Toleranz und Interkultureller Dialog: Dieses Kapitel analysiert Toleranz als notwendige Bedingung für den Dialog zwischen Kulturen und untersucht die Anforderungen an ein kulturübergreifendes Toleranzkonzept.
4. Zusammenfassung: Das abschließende Kapitel fasst die zentralen Argumente der Arbeit zusammen und reflektiert über die Komplexität der Toleranzfrage in der heutigen Zeit.
Schlüsselwörter
Toleranz, Interkultureller Dialog, Multikulturalität, Menschenrechte, Toleranzkonzepte, Rainer Forst, Geschichte der Toleranz, Toleranzgrenzen, Intoleranz, Identität, Interkulturelle Kompetenz, Religionsfreiheit, Weltanschauung, Angewandte Toleranz, Diskurs.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Bedeutung, Entwicklung und den Grenzen von Toleranz in einer multikulturellen Gesellschaft und untersucht, wie diese als Grundlage für den interkulturellen Dialog dienen kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die historische Genese des Begriffs, philosophische Toleranztheorien, die Abgrenzung zur Intoleranz und die Rolle von Toleranz in der interkulturellen Kommunikation.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Interpretationsvielfalt des Toleranzbegriffs aufzuzeigen, die Problematik der Grenzziehung zu analysieren und ein Verständnis für Toleranz im interkulturellen Kontext zu entwickeln.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Analyse, die historische Perspektiven, philosophische Konzepte und aktuelle interkulturelle Forschungsergebnisse miteinander verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die historische Entwicklung, moderne Toleranzkonzeptionen (besonders nach Rainer Forst), die Dialektik von Toleranz und Intoleranz, die Grenzen der Toleranz sowie deren Relevanz für den interkulturellen Dialog.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Toleranz, Interkultureller Dialog, Multikulturalität, Menschenrechte und Toleranzgrenzen.
Was genau meint Rainer Forst mit der „Erlaubnis-Konzeption“?
Hierbei gibt die Autorität oder Mehrheit der Minderheit die Erlaubnis für ihre Überzeugungen, solange die Vormachtstellung der Autorität nicht in Frage gestellt wird; Ziel ist hier die Konfliktvermeidung.
Warum ist Toleranz laut der Arbeit eine „Überlebensfrage“?
In einer sich internationalisierenden Welt wird Toleranz zu einer Sicherheitsfrage, da ein Mangel an Toleranz zu tiefgreifenden sozialen Konflikten und Diskriminierung führen kann.
- Quote paper
- Jana Wollmann (Author), 2012, Der umstrittene Begriff Toleranz. Ihre Begriffsgeschichte, Grenzen und Rolle im interkulturellen Dialog, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/377876