Was wird im Zusammenhang dieser Arbeit unter Presse verstanden und welche Aspekte behandelt? Die heute zur Definition verwendeten Merkmale eines ungebundenen Druckwerkes von mäßigem Seitenumfang, das sich durch Aktualität, Universalität, Publizität und Periodizität auszeichnet, sollen als Eingrenzungen des Pressebegriffs dienen. In der französischsprachigen Fachliteratur findet man den Ausdruck „presse écrite“, ´geschriebene Presse´. Bleibt eine wahre Flut an periodisch erscheinenden Druckprodukten, seien es Zeitungen oder Zeitschriften in all ihren vielfältigen Ersche inungsformen. Wie kam es zur Entwicklung dieser Masse, zur Industrialisierung der Presse in Frankreich? Um diese Frage zu beantworten, werde ich Aspekte der politischen, technischen und sozialen Entwicklung und die Besonderheiten der französischen Presse behandeln. Zum einen soll eine retrospektive Sicht Aufschluss über die geschichtliche Entwicklung geben, zum anderen soll das für die französische Presse Charakteristische gezeigt werden. Der Schwerpunkt liegt dabei auf dem Bereich Tageszeitung. So soll gezeigt werden, wie aus der Presse als intellektuelles Produkt in kleinen Auflagen für erlesenes Publikum ein kommerzielles Massenmedium wird, wie die heutige Pressesituation in Frankreich aussieht und welche Perspektiven sich ergeben.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. DIE PRESSE ANFANG DES 19. JAHRHUNDERTS
2.1 Die Ausgangssituation
2.2 Politische Repressionen
2.3 Die wirtschaftliche Situation
2.4 Die gesellschaftliche Situation
3. DAS GOLDENE ZEITALTER DER FRANZÖSISCHEN PRESSE
3.1 Politische Rahmenbedingungen
3.2 Technische Voraussetzungen
3.3 Gesellschaftliche Veränderungen
3.4 Der Beginn der kommerziellen Massenpresse
3.5 Die vier Großen
4. STAGNATION UND KRISE IM 20. JAHRHUNDERT
4.1 Der Einbruch Anfang des 20. Jahrhunderts
4.2 Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges
4.3 Presseindustrie und Pressekonzentration
4.4 Die Preisentwicklung auf dem französischen Pressemarkt
4.5 Die Entwicklung der französischen Zeitschriften
5. DIE FRANZÖSISCHE PRESSE UND IHRE BESONDERHEITEN
5.1 Zentralisierung versus Regionalisierung
5.2 Pressesubventionen
5.3 Die Presse in der französischen Medienlandschaft
5.3.1 Presse und Fernsehen
5.3.2 Presse und Neue Medien
5.4 Perspektiven
6. ZUSAMMENFASSUNG
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung und Industrialisierung der Presse in Frankreich vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart, um die Ursachen für ihren Wandel vom intellektuellen Produkt zum kommerziellen Massenmedium sowie die heutige Krise der Tagespresse zu analysieren.
- Politische und rechtliche Rahmenbedingungen der Presseentwicklung
- Technischer Fortschritt und die Entstehung der Massenpresse
- Sozioökonomische Faktoren und Auswirkungen von Krisenzeiten
- Die Besonderheiten der französischen Presselandschaft (Zentralisierung und Subventionen)
- Konkurrenz durch neue Medien und Perspektiven der Printpresse
Auszug aus dem Buch
3.3 Gesellschaftliche Veränderungen
Das 19. Jahrhundert ist eine Zeit der „mutations sociales“30, der gesellschaftlichen Umwälzungen. Durch Urbanisation und Industrialisierung gewinnen neue soziale Schichten an Gewicht. Neben dem einfachen Bürger, dem Arbeiter aber auch der bislang nur wenig erreichten Landbevölkerung werden sogar Frauen und Kinder von der französischen Presse als Leser entdeckt. Als gegenseitig befruchtenden Prozess kann man die Verbesserung der Bildung, das steigende politische Interesse und die Verbreitung der Informationen bis in entlegene Gegenden sehen. 31
In den 80er Jahren des 19. Jahrhundert sorgt das Loi Ferry, das Gesetz zur Schulpflicht, für einen kontinuierlichen Anstieg der Lesekundigen. Gibt es 1869 noch 27 % Analphabeten, sind es 1914 nur noch 14 % der Franzosen, die nicht lesen oder schreiben können. Diese grundlegenden Wandlungen und die Verbesserung der Lebensweise haben die Neugier und die Lust am Lesen bei einem Großteil der Bevölkerung geweckt:32
„Oft galt die Zeitung als Verlängerung der Schule. Dank ihr hat sich die Gewohnheit zu lesen in den Volksmassen verwurzelt. […] Sie hat eine historische Rolle bei der Entwicklung der Demokratie gespielt.“33
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Definition des Pressebegriffs und Vorstellung der zentralen Fragestellung bezüglich der industriellen und sozialen Entwicklung der französischen Presse.
2. DIE PRESSE ANFANG DES 19. JAHRHUNDERTS: Analyse der schwierigen Anfangsphase, geprägt durch hohe Produktionskosten, politische Repressionen und ein limitiertes Lesepublikum.
3. DAS GOLDENE ZEITALTER DER FRANZÖSISCHEN PRESSE: Darstellung der Faktoren, die ab Mitte des 19. Jahrhunderts den Aufstieg zur kommerziellen Massenpresse ermöglichten, darunter technischer Fortschritt und gesellschaftlicher Wandel.
4. STAGNATION UND KRISE IM 20. JAHRHUNDERT: Untersuchung der Krisenfaktoren wie Zensur, Konkurrenzmedien und wirtschaftliche Probleme, die den Abwärtstrend der Tagespresse einleiteten.
5. DIE FRANZÖSISCHE PRESSE UND IHRE BESONDERHEITEN: Diskussion über die starke Zentralisierung in Paris, das System der staatlichen Pressesubventionen und das schwierige Verhältnis zu elektronischen Medien.
6. ZUSAMMENFASSUNG: Synthese der historischen Erkenntnisse und Ausblick auf die Zukunft der Presse als demokratisches Element unter dem Einfluss wirtschaftlicher Interessen.
Schlüsselwörter
Französische Presse, 19. Jahrhundert, Massenmedium, Industrialisierung, Tageszeitung, Pressefreiheit, Zensur, Pressekonzentration, Medienlandschaft, Staatssubventionen, Analphabetismus, Neue Medien, Journalismus, Gesellschaftlicher Wandel, Zeitungsgeschichte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beleuchtet die geschichtliche Entwicklung der französischen Presse ab dem 19. Jahrhundert bis in die heutige Zeit und analysiert, wie diese zu einem Massenmedium wurde und mit welchen aktuellen Herausforderungen sie konfrontiert ist.
Welche thematischen Schwerpunkte werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf den politischen Rahmenbedingungen, der technischen Evolution, dem soziologischen Wandel des Leseverhaltens sowie den wirtschaftlichen Strukturen und Krisen innerhalb der französischen Presselandschaft.
Was ist die zentrale Forschungsfrage?
Die Arbeit fragt nach den Ursachen für den Wandel der Presse von einem elitären intellektuellen Produkt hin zu einem kommerziellen Massenmedium und untersucht die heutige Situation sowie zukünftige Perspektiven der Branche.
Welche methodische Vorgehensweise wurde gewählt?
Es handelt sich um eine medienhistorische und deskriptive Analyse, die retrospektiv die Entwicklung der Presse betrachtet und Besonderheiten wie staatliche Subventionen und regionale vs. nationale Strukturen gegenüberstellt.
Welche Aspekte stehen im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil behandelt den Aufstieg der Presse im 19. Jahrhundert, den Einbruch im 20. Jahrhundert durch Krisen und neue Medien sowie die spezifische Struktur der französischen Medienbranche.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Französische Presse, Industrialisierung, Massenmedium, Pressekonzentration und Medienwandel.
Warum war das Lesen im 19. Jahrhundert eine Hürde für die Presse?
Die Arbeit zeigt, dass hohe Analphabetenquoten und der Status der Zeitung als Luxusgut die Verbreitung massiv einschränkten, was erst durch Bildungsgesetze und technische Innovationen überwunden wurde.
Welche Rolle spielt der Staat für die französische Presse?
Der französische Staat greift durch umfangreiche Subventionen tief in das wirtschaftliche Geschehen ein, um die Pressefreiheit und die finanzielle Stabilität der Publikationen trotz ökonomischer Krisen zu sichern.
- Citation du texte
- Franziska Moschke (Auteur), 2002, Die Entwicklung der Presse in Frankreich ab dem 19. Jahrhundert, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/37788