Seit dem Erscheinen des ersten Bandes der "Die Tribute von Panem"-Romantrilogie von Suzanne Collins zeichnet sich eine regelrechte Schwämme des Jugendbuchmarktes mit dystopischen Romanen für Kinder und Jugendliche ab. Ulm bezeichnet die Zeit nach der Erstveröffentlichung 2008 des ersten Bandes der Trilogie gar als Zeitalter „Post-Panem“.
Die vorliegende Hausarbeit befasst sich mit der Umsetzung klassischer dystopischer Merkmale innerhalb der Kinder- und Jugendliteratur am Beispiel des ersten Bandes der Trilogie Suzanne Collins‘, "Die Tribute von Panem - Tödliche Spiele". Da sich die Arbeit mit einem Roman beschäftigt, welcher vornehmlich an kinder- und Jugendliche adressiert ist, soll zunächst der Versuch einer Begriffsdefinition der KJL erfolgen. Anschließend gilt es, "Die Tribute von Panem - Tödliche Spiele" begründet innerhalb dieses Systems einzuordnen. Daraufhin folgt die Definition der literarischen Gattung der Dystopie, welche sich vornehmlich an dem Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft orientiert. Diese liefert das Fundament, um die Dystopie als jugendliterarische Gattung zu etablieren und gleichzeitig von anderen Genres innerhalb der Landschaft der KJL abzugrenzen.
Als Herzstück der Arbeit sollen mithilfe Elena Zeißlers Dissertation Dunkle Welten. Die Dystopie auf dem Weg ins 21. Jahrhundert dystopische Merkmale zunächst aufgezeigt werden, um sie dann innerhalb des ersten Bandes der "Die Tribute von Panem"-Trilogie zu verordnen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1 Definition der Kinder- und Jugendliteratur
2.2 Einordnung in die Kinder- und Jugendliteratur
2.3 Von der Utopie zur Dystopie
2.4 Die Dystopie als jugendliterarische Gattung
2.5 Dystopische Merkmale in Panem
2.5.1 Etablierung der totalitären Ordnung
2.5.2 Aufrechterhaltung des Status Quo
2.5.3 Widerstand des Außenseiters
3. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Anwendung klassischer dystopischer Gattungsmerkmale im Roman "Die Tribute von Panem – Tödliche Spiele" von Suzanne Collins, um das Werk innerhalb der Kinder- und Jugendliteratur zu verorten und dessen dystopische Struktur im Kontext der Leseradäquatheit zu analysieren.
- Grundlagen und Definition der Kinder- und Jugendliteratur
- Die literarische Gattungsentwicklung von der Utopie zur Dystopie
- Merkmale der Dystopie als jugendliterarische Gattung
- Analyse dystopischer Strukturen wie totalitäre Ordnung und Status-Quo-Sicherung
- Die Rolle des jugendlichen Außenseiters als Hoffnungsträger
Auszug aus dem Buch
2.5.1 Etablierung der totalitären Ordnung
Versteht man unter einer totalitären Ordnung in erster Linie „die Vereinheitlichung aller Lebensbereiche nach bestimmten Zielvorstellungen unter Führung einer Partei […], die uneingeschränkte Macht ausübt“52, so lässt sich auch das Herrschaftssystem in Panem als totalitär bezeichnen. Der Staat Panem wird zentral vom Kapitol aus regiert, welches gleichzeitig der Sitz des diktatorisch herrschenden Staatsoberhaupts Präsident Snow ist.
Den optimalen Nährboden für das Entstehen totalitärer Gesellschaftsentwürfe liefert hierbei die Zäsur,53 welche auch als Ausgangspunkt dystopischer Gesellschaften gesehen werden kann. Die Dystopie beginnt bei der Darstellung ihrer Zukunftswelten […] in medias res mit der Beschreibung der dystopischen Wirklichkeit, wobei der Rezipient diese fremde Welt mit den Augen der Dystopiebewohner sieht.54
Auch diesen Merkmalen trägt der Entwurf der Diegese Suzanne Collins‘ Bestsellers Rechnung: Nachdem Nordamerika durch Naturkatastrophen und Kriege größtenteils zerstört wurde, herrscht das übermächtige Kapitol über den Staat Panem. Die Handlung des Romans etabliert sich in medias res55 in einer geschlossenen sekundären Welt, welche der Leser durch die Augen der autodiegetischen Erzählinstanz Katniss Everdeen erfährt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema ein, erläutert die Relevanz der dystopischen Jugendliteratur und definiert das methodische Vorgehen sowie die Zielsetzung der Arbeit.
2. Hauptteil: Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Begriffsbestimmungen der Kinder- und Jugendliteratur sowie der Dystopie und wendet diese Merkmale anschließend konkret auf das Analyseobjekt an.
2.1 Definition der Kinder- und Jugendliteratur: Dieses Kapitel erörtert die Komplexität einer allgemeingültigen Definition der Kinder- und Jugendliteratur und diskutiert verschiedene Kategorisierungsansätze.
2.2 Einordnung in die Kinder- und Jugendliteratur: Hier wird der untersuchte Roman in das System der Kinder- und Jugendliteratur eingeordnet und die Bedeutung des Wandels des Kindheitsbildes beleuchtet.
2.3 Von der Utopie zur Dystopie: Dieses Kapitel zeichnet die historische Entwicklung der Dystopie aus der Utopie nach und definiert die zentralen Merkmale der Gattung.
2.4 Die Dystopie als jugendliterarische Gattung: Hier wird das spezifische Spannungsfeld der Dystopie im jugendliterarischen Kontext und die Abgrenzung zu anderen Genres wie Science Fiction oder Fantasy untersucht.
2.5 Dystopische Merkmale in Panem: Dieses Kapitel bildet den Kern der Analyse, in dem spezifische dystopische Grundstrukturen auf das Beispiel Panem übertragen werden.
2.5.1 Etablierung der totalitären Ordnung: Die Analyse konzentriert sich hier auf die hierarchische Machtstruktur des Kapitol-Regimes und die autodiegetische Perspektive der Protagonistin.
2.5.2 Aufrechterhaltung des Status Quo: Dieser Abschnitt befasst sich mit den Überwachungsmechanismen, der Geschichtsmanipulation und der Rolle der Hungerspiele als Druckmittel.
2.5.3 Widerstand des Außenseiters: Hier wird die Entwicklung der Protagonistin von der inneren Distanzierung hin zur aktiven Rebellion als zentrales Motiv der Dystopie analysiert.
3. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt die erfolgreiche Einordnung des Romans als dystopischen Text innerhalb der aktuellen Jugendliteratur.
Schlüsselwörter
Dystopie, Kinder- und Jugendliteratur, Suzanne Collins, Tribute von Panem, Totalitarismus, Herrschaftssystem, Katniss Everdeen, Hungerspiele, Widerstand, Adoleszenzroman, Gattungskonventionen, Zukunftsvision, Literaturwissenschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, wie klassische dystopische Merkmale in dem Jugendroman "Die Tribute von Panem" von Suzanne Collins umgesetzt werden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Themen sind die Definition der Kinder- und Jugendliteratur, die Gattungsgeschichte der Dystopie und deren spezifische Merkmale wie Unterdrückung, Überwachung und Widerstand.
Was ist die primäre Forschungsfrage der Arbeit?
Die Arbeit fragt danach, wie sich dystopische Gattungskonventionen auf den ersten Band der Panem-Trilogie anwenden lassen und wie das Werk an die Leseradäquatheit jugendlicher Rezipienten angepasst ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die sich an theoretischen Grundlagen wie Elena Zeißlers Dissertation zur Dystopie und verschiedenen Fachlexika orientiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil behandelt die theoretische Einordnung der Kinder- und Jugendliteratur, die Abgrenzung der Dystopie von Utopie, Science Fiction und Fantasy sowie die konkrete Analyse von Panem anhand der Kategorien totalitäre Ordnung, Status-Quo-Sicherung und Widerstand.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Dystopie, Totalitarismus, Kinder- und Jugendliteratur, Rebellion, Herrschaftssystem und literarische Gattungsmerkmale.
Wie unterscheidet sich die Dystopie im Roman von klassischen Vorbildern?
Im Gegensatz zu klassischen Dystopien, in denen der Widerstand oft in psychischer Zerstörung endet, etabliert Collins den jugendlichen Außenseiter als Hoffnungsträger, der das System in Frage stellt.
Welche Rolle spielt die "Ernte" im Kontext des totalitären Systems?
Die "Ernte" und die damit verbundenen Hungerspiele dienen als zentrales Druckmittel des Kapitols, um die Distrikte durch Angst, Zensur und die Opferung der eigenen Kinder zu unterwerfen.
Warum spielt die Perspektive von Katniss Everdeen eine wichtige Rolle?
Die autodiegetische Erzählweise ermöglicht es dem Leser, die fremde dystopische Welt unmittelbar durch die Augen der Protagonistin zu erleben und ihre innere Entwicklung zur Rebellin mitzuvollziehen.
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- Jana Alena Jung (Author), 2017, Dystopische Elemente in Suzanne Collins' "Die Tribute von Panem", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/377948