In dieser Bachelorarbeit beschäftigten wir uns mit dem Vater-Sohn-Konflikt in den ausgewählten Novellen Theodor Storms. In dem ersten Teil der Arbeit wurden die biographischen Angaben des Schriftstellers sowie Informationen über sein Werk angeführt. In dem zweiten Teil interpretierten wir die Vater-Sohn-Beziehung in vier Novellen, wobei wir Rücksicht auf die darwinistische Denkweise nahmen, die auf Storms Spätwerk den größten Einfluss ausübte. Wir legten die Entkräftigung der darwinistischen Thesen – Vererbung erworbener Eigenschaften und sozialer Darwinismus – für das Ziel der Arbeit fest. Weiterhin bemühen wir einen Beweis für den Zusammenhang zwischen dem Vater-Sohn-Motiv und Storms Beziehung mit dem eigenen Sohn zu erbringen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Storms Biographie und Werk
2.1 Schulweg
2.2 Preußischer Exil
2.3 Husumer Zeit nach 1864
2.4 Altersjahre
2. 5 Storms Erziehungsmethoden
3 Carsten Curator: Vater, der sich für Opfer des eigenen Sohnes hielt
3.1 Grundinformationen über die Novelle
3.2 Charakteristik des Vaters Carsten Curator
3.3 Vater-Sohn-Beziehung und die Ursachen des Konfliktes
4 Der Herr Etatsrat: Vater als eine kaltblutige Bestie
4.1 Grundinformationen über die Novelle
4.2 Charakteristik des Vaters Herr Etatsrat
4.3 Vater-Sohn-Beziehung und die Ursachen des Konfliktes
5 Hans und Heinz Kirch: Geld und Stellung oder eigener Sohn?
5.1 Grundinformationen über die Novelle
5.2 Charakteristik des Vaters Heinz Kirch
5.3 Vater-Sohn-Beziehung und die Ursachen des Konfliktes
6 Bötjer Basch: Vater, der sich keine eitlen Hoffnungen macht
6.1 Grundinformationen über die Novelle
6.2 Charakteristik des Vaters Daniel Basch
6.3 Vater-Sohn-Beziehung und die Ursachen des Konfliktes
7 ZUSAMMENFASSUNG
8 RESUMÉ
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Vater-Sohn-Konflikt in vier ausgewählten Novellen von Theodor Storm. Ziel der Analyse ist es, die biographischen Anlässe für diese Thematisierung sowie die zugrunde liegenden Erziehungsmethoden und gesellschaftlichen Erwartungen kritisch zu hinterfragen und die Bedeutung positiver zwischenmenschlicher Kommunikation für das Gelingen der Vater-Sohn-Beziehung zu belegen.
- Analyse von Vaterfiguren und Erziehungsmethoden bei Theodor Storm
- Einfluss darwinistischer Denkweisen und gesellschaftlicher Konventionen
- Vergleich der Vater-Sohn-Konflikte in vier verschiedenen Novellen
- Bedeutung von Kommunikation und Distanz im familiären Kontext
Auszug aus dem Buch
3.1 Grundinformationen über die Novelle
Zu dem Spätwerk Storms gehört die Novelle „Carsten Curator“. Die Novelle aus der Feder des norddeutschen Autors erschien im Jahre 1877 in der deutschen Zeitschrift „Westermanns Illustrierten“. Storms ältester Sohn bereitete seinem Vater in dieser Schaffensperiode ziemlich viele Sorgen, weil er während seines Medizinstudiums seinen Lastern frönte. Hans Woldsen huldigte dem Alkohol und starb an die Folgen der Alkoholsucht. Die Novelle stützt sich um Ereignisse aus dem persönlichen Leben des Schriftstellers. Toben seines Sohnes, den Storm in seinen Briefen als seine „unglückliche Liebe“ bezeichnete, gefährdete Storms Kreativität und Schaffen. Storm schrieb über die Untugenden seines Sohnes Folgendes: „Es ist keine Sorge mehr, es ist ein Entsetzen, das mir mein Blut vergiftet hat, ich bin dem gegenüber völlig rathlos“ (Jackson, 2001, S. 224).
Aufgrund dessen kann man mehrere Parallelen zwischen der Novelle „Carsten Curator“ und dem privaten Leben Storms ziehen. In der Novelle „Carsten Curator“ geht es um einen Vater, der seinen Sohn verstießt. Dieser Vater hatte den Mut, eigenen Sohn auszutreiben. Im Unterscheid zu Storm, der nie fähig war, eigenen Sohn zu verstoßen. (vgl. Altmann, 1980, S. 101). Außerdem vergleicht Altmann die Novelle „Carsten Curator“ zu einem „inneren Befreiungsakt“, der gerade durch die Parallelen mit der Beziehung des Autors zu seinem eigenen Sohn veranschaulicht wird.
Für den Handlungsort wählte Storm die nordfriesische Landschaft, genauer ein Hafenstädtchen, in dem Seehandel blühte und an seine Vaterstadt Husum erinnert. In der Novelle wird eine kleinbürgerliche Gesellschaft geschildert, in der erwartet wird die Konventionen und Sitten zu verfolgen. Um den gesellschaftlichen Erwartungshorizont zu erfüllen, müssen sich die Bürger an diese Gewohnheiten anzupassen. „Die Novelle basiert auf zwei Konflikten: dem Konflikt zwischen persönlichem Wunsch und gesellschaftlicher Konvention einerseits und zwischen individueller Neigung und sozialer Verantwortung andererseits (...)“ (Schuster, 1971, S. 153).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Bedeutung des Familiensystems ein und stellt den Vater-Sohn-Konflikt als zentrales, autobiographisch geprägtes Motiv in Storms Schaffen vor.
2 Storms Biographie und Werk: Dieses Kapitel skizziert das Leben Theodor Storms, seine familiäre Prägung, berufliche Stationen sowie seine Erziehungsmethoden, die den Grundstein für die literarische Auseinandersetzung mit Vaterfiguren legen.
3 Carsten Curator: Vater, der sich für Opfer des eigenen Sohnes hielt: Die Analyse dieser Novelle verdeutlicht den Konflikt vor dem Hintergrund darwinistischer Prädeterminierung und zeigt die Unfähigkeit des Vaters auf, eine tragfähige emotionale Beziehung zu seinem Sohn aufzubauen.
4 Der Herr Etatsrat: Vater als eine kaltblutige Bestie: Das Kapitel beleuchtet eine Vaterfigur, die durch Gleichgültigkeit und soziale Isolation gekennzeichnet ist und die eigenen Kinder als bloße Instrumente der Selbstdarstellung missbraucht.
5 Hans und Heinz Kirch: Geld und Stellung oder eigener Sohn?: Hier wird der Fokus auf den Einfluss kapitalistischer Werte und bürgerlicher Standesdünkel gelegt, die eine authentische Vater-Sohn-Beziehung verhindern und zum familiären Verfall führen.
6 Bötjer Basch: Vater, der sich keine eitlen Hoffnungen macht: Diese Novelle wird als Kontrastbeispiel analysiert, da hier die väterliche Liebe und die Fähigkeit zur Akzeptanz des Sohnes trotz familiärer Schwierigkeiten ein versöhnlicheres Ende ermöglichen.
7 ZUSAMMENFASSUNG: Zusammenfassende Betrachtung der vier analysierten Novellen, die als Kernproblem eine mangelnde Kommunikation und eine belastende Distanz identifiziert.
8 RESUMÉ: Zusammenfassende Schlussfolgerung über die Relevanz der Untersuchung und die Bedeutung von Kommunikation und Erziehung für das menschliche Miteinander.
Schlüsselwörter
Theodor Storm, Vater-Sohn-Konflikt, Erziehungsmethoden, Kommunikation, Literaturanalyse, Novelle, Familie, gesellschaftliche Normen, Darwinismus, Autorität, Distanz, soziale Verantwortung, psychologische Aspekte, bürgerliche Gesellschaft, Identitätsfindung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der literarischen Darstellung von Vater-Sohn-Konflikten in vier ausgewählten Novellen des deutschen Schriftstellers Theodor Storm und untersucht dabei die zugrunde liegenden Erziehungsstile und deren Auswirkungen.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Zentrale Themen sind die Vater-Kind-Beziehung, die Macht der Erziehung, der Einfluss gesellschaftlicher Konventionen und Erwartungen sowie die Auswirkungen einer gestörten Kommunikation innerhalb der Familie.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Storm eigene biographische Erfahrungen und zeitgenössische Einflüsse wie den Sozialdarwinismus in seine Novellen einfließen ließ und warum diese Konflikte oft in einem familiären Untergang münden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine analytische Vorgehensweise, bei der textanalytische Methoden mit literaturwissenschaftlichen und psychologischen Ansätzen kombiniert werden, um die Vaterfiguren und deren Verhalten zu interpretieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in vier Kapitel, die jeweils eine Novelle detailliert interpretieren: „Carsten Curator“, „Der Herr Etatsrat“, „Hans und Heinz Kirch“ und „Bötjer Basch“.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Vater-Sohn-Konflikt, Erziehung, Kommunikation, Gesellschaftskritik, Poetischer Realismus und autobiographische Spuren charakterisiert.
Welche Rolle spielt der Alkoholismus in den untersuchten Werken?
Der Alkoholismus wird häufig als Symptom einer gestörten Familienbeziehung und als Folge von Leistungsdruck oder Enttäuschung dargestellt, der sowohl Väter als auch Söhne in den Ruin treibt.
Wie unterscheidet sich die Novelle „Bötjer Basch“ von den anderen?
„Bötjer Basch“ hebt sich durch eine positivere Vater-Sohn-Beziehung hervor, bei der der Vater den Sohn trotz familiärer Distanz bedingungsloser liebt, was letztlich zu einem glücklicheren Ende führt als in den anderen Fällen.
Welchen Einfluss hat das gesellschaftliche Umfeld auf die Protagonisten?
Gesellschaftliche Erwartungen an Stand, Beruf und Erfolg fungieren oft als zerstörerische Kraft, die den Vater daran hindert, seinen Sohn als eigenständiges Individuum mit individuellen Bedürfnissen wahrzunehmen.
- Citation du texte
- Iveta Mašlonková (Auteur), 2017, Vater-Sohn-Konflikt in Theodor Storms Novellen "Carsten Curator", "Hans und Heinz Kirch", "Herr Etatsrat" und "Bötjer Basch", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/378010