Mehrsprachigkeit und sprachsensibler Unterricht in allen Fächern


Seminararbeit, 2015

11 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1. Exzerpt zu einem wissenschaftlichen Grundlagentext

2. Dokumentation und Reflexion: Wechsel der Darstellungsform im Rahmen einer Unterrichtseinheit

3. Praxisbezogene Übertragung eines im Seminar besprochenen Ansatzes auf das eigene Unterrichtsfach

4. Bibliographie

5. Anhang

1. Exzerpt zu einem wissenschaftlichen Grundlagentext

Im folgenden Text möchte ich den Artikel „ Scaffolding - Möglichkeiten im Fachunterricht sprachliche Kompetenzen zu vermitteln“, verfasst von Gabriele Kniffka im Jahre 2012, exzerpieren. Die Hauptthese der Autorin ist, dass man im Fachunterricht wie Geographie oder Chemie sprachschwachen Schülern[1] durch die Methode des Scaffolding geholfen werden kann ihre sprachlichen Fähigkeiten weiter auszubauen und die gelernten Fachinhalte besser aufzunehmen.

Im ersten Teil des Artikels leitet die Autorin den Begriff „Kompetenzen in den Bildungssprachlichen Varietäten“ auf und zeigt, dass die Sprache eine wesentliche Rolle in der Schullaufbahn des Kindes spielt. So zeigt sie auf, dass ein Schüler, der bereits von seinem Haushalt sprachlich durch das Lesen von Geschichten oder Versreime gefördert wird im schulischen Leben eher Erfolg haben werde, als jemand der aus einer bildungsfernen Familie stammt, in der all diese bereits genannten Fertigkeiten nicht geübt werden. Die soziale Herkunft beeinflusst sozusagen den schulischen Werdegang, aufgrund der bis dorthin erworbenen sprachlichen Fertigkeiten. Schüler, deren Erstsprache nicht das Deutsche ist und bis zur Einschulung noch nicht genügend Kompetenzen in ihrer L1 erreicht haben, werden laut Kniffka mehr Probleme haben als andere, weil ihre Erstsprache noch nicht so weit ausgebaut ist, dass sie bereits zum Deutschen Transferbasen herstellen können. Zuletzt erwähnt die Autorin, dass durch den Übergang von der Primarstufe zur Sekundarstufe 1 mehr Probleme hinzukommen, weil die Schüler sich in mehreren Fächern adäquat ausdrücken sollen. Hierbei spricht sie von einem Konflikt zwischen dem Erlernen der Themen und der dort verwendeten Fachsprache (vgl. S. 1f.)

Der nächste Absatz behandelt den Begriff „Fachsprache“, was eine sprachliche Varietät für bestimmte Fachgebiete darstellt. Hierbei wird Fuck (2000) zitiert, um diesen Begriff noch deutlicher hervorzuheben. Anschließend nennt sie verschiedene linguistische Merkmale der Fachsprache genannt. Beispielsweise ist sie von sehr vielen Fachtermini geprägt, die veranlassen, dass bestimmte Angelegenheiten präziser ergriffen werden. Zusätzlich werden normale Wörter wie „Dorf“ oder „Stadt“ im Geographieunterricht zu gewissen Fachbegriffen und dürfen somit nicht mehr allgemein verwendet werden. Auf syntaktischer Ebene lässt sich erschließen, dass es überwiegend Parataxe verwendet wird, wobei das Passiv, uneingeleitete Konditionalsätze und unpersönliche Äußerungen mit „man“ zu Verwirrung führen können. Kniffka meint außerdem, dass die verschiedenen Textformen, die in den jeweiligen verschiedenen Fächern gelesen werden ebenso eine Hürde für sprachschwache Schüler darstellen und betont, dass sehr viele Schüler nicht mit Operatoren wie „beschreibe“, „erkläre etc. umgehen können. Damit sie ihre These noch mehr hervorhebt zitiert sie Cummins (1981), der ihre ebenfalls eine ähnliche Ansicht wie sie vertrat. Zum Schluss schlägt sie ihre Lösung für dieses Problem vor, welches das Scaffolding sei (vgl. S.3ff.).

Der darauffolgende Abschnitt behandelt das Scaffolding und sie beginnt damit, diesen Begriff vorzustellen, indem sie Gibbons (2002) betont, dabei sagt sie, dass bei diesem Verfahren eine kompetente Person einer weniger kompetenten Person beisteht und ihm hilft seine Aufgaben erfolgreich zu vollenden. Somit soll der Lehrer sprachschwachen Schülern zur Seite stehen und ihnen eine Art „Baugerüst“ sein, damit diese ihre Aufgaben erfolgreich abschließen können. Dabei ist diese Hilfe nur temporär und soll dem Lerner helfen zu verstehen, wie er lernt. Danach nennt sie außerdem einige wichtige Gründe für die Einführung des Scaffolding, wie zum Beispiel, dass der Fachlehrer ebenfalls dafür verantwortlich ist, die sprachlichen Fähigkeiten in diesem Fach bereitzustellen oder klarstellt, dass gewisses Fachwissen, nur mit einer gewissen Sprache erklärt und beschrieben werden kann. (vgl. S. 6ff.).

Nun Artikels erklärt Kniffka Gibbons Model zum Thema Scaffolding, wobei sie sowohl die Aspekte des Makro- Scaffoldings (Bedarfsanalyse, Lernstandanalyse, Unterrichtsplanung), als auch des Mikro- Scaffoldings (Unterrichtsinteraktion). Dementsprechend berücksichtigt die Lehrkraft, bevor sie eine neue Unterrichtsreihe beginnt, welche sprachlichen Mittel von den Lernern erworben werden müssen und misst hierfür den Sprachstand der Klasse. Mit diesem Wissen plant sie dann den Unterricht weiter, sodass sie sicher sein kann, dass sie die fachsprachlichen Fähigkeiten der sprachschwachen Schüler fordert (Makro- Scaffolding). Gleichzeitig muss die Lehrkraft jedoch darauf achten wie die Schüler-Lehrer-interaktion verläuft, d.h., dass sie die Aufgaben langsam und deutlich erklären soll, sodass sie für den Schüler verständlich sind und sie muss ebenfalls Geduld zeigen, da sprachschwache Schüler manchmal mehr Zeit brauchen, um gewisse Fragen beantworten zu können, weil sie Probleme mit der sprachlichen Formulierung haben(Mikro- Scaffolding), um diese beiden Ebenen des Scaffoldings zu verdeutlichen verwendet die Autorin Graphiken und Beispiele aus dem Unterricht (S. 8 ff.).

Zum Schluss nennt die Autorin neben den ganzen Vorteilen des Scaffoldings ebenfalls einige Nachteile. Zunächst sei diese Methode sehr zeitaufwändig, wenn der Lehrer sich mit jedem sprachschwachen Schüler zusammensetzen müsse, um mit ihm einige sprachliche Strukturen zu besprechen. Außerdem fehlt es vielen Fachkräften an Fachwissen bezüglich dieses Themas, da sie beispielsweise keine Kenntnisse über die Theorien von Deutsch als Zweitsprache besitzen. Ebenfalls ist es schwer für Lehrer den fachsprachlichen Bedarf zu ermitteln. Kniffka beendet ihren Artikel mit einer Zusammenfassung ihres Textes (14 f.).

Meiner Meinung nach ist die Methode des Scaffolding ein sehr wirkungsvoller Weg, um sprachschwachen Schülern zu helfen. Schüler bekommen Hilfestellung bei gewissen Aufgaben, die sich jedoch nur auf die Sprache beziehen und nicht auf den Inhalt, so erwirbt der Lerner durch das Scaffolding die Fähigkeit sich auf das Fachwissen zu beziehen und löst sich nach und nach von dem Lehrer. Fachkräfte, die nicht mit dem Gebiet Deutsch als Zweitsprache vertraut sind, haben die Möglichkeit gewisse Seminare zu besuchen. Ebenfalls ist es wichtig, dass während der universitären Ausbildung von Lehrkräften das Problem der Fachsprache kenntlich gemacht wird, da die Lehrer die Schüler auf die Ausbildungen oder Universitäten vorbereiten müssen, wo sie noch mehr mit der Fachsprache in Berührung kommen werden. Bezüglich dem zeitlichen Problem kann ich nur sagen, dass das Scaffolding nur zu Beginn als Stütze gebaucht wird und nicht über die gesamte Schulzeit hinweg.

2. Dokumentation und Reflexion: Wechsel der Darstellungsform im Rahmen einer Unterrichtseinheit

Der DFU schlägt fünf Darstellungsebenen und Darstellungsformen dar, die genutzt werden sollen, um den Lernprozess der Schüler zu vereinfachen und um sprachschwachen Schülern im Unterricht zu begegnen. Im Kommenden möchte ich gerne eine Unterrichtseinheit vorstellen, die anhand dieser Darstellungsebenen aufgebaut ist. Hierfür habe ich mich für das Fach Englisch entschieden, zum Thema „Science Fiction“, bezogen auf die 10. Klasse des Gymnasiums.

Damit ich das Arbeiten mit den verschiedenen Darstellungsebenen erleichtern kann, habe ich mich entschieden im Anhang eine Skizze hinzuzufügen, damit der Aufbau meiner Überlegungen verständlicher wirkt und genauer nachvollzogen werden kann. Man sollte wissen, dass die Darstellungsebenen aufeinander aufbauen und es sowohl kompliziertere Ebenen gibt, als auch leichtere. Zusätzlich gibt es nach Leisen fachliche, didaktische, methodische, lernpsychologische und pädagogische gründe, wieso man mit diesen Darstellungsebenen arbeiten soll. Beginnen möchte ich aus diesem Grund mit der gegenständlichen Ebene, auf der nach Leisen ein Realexperiment stattfinden kann. Sprachliche Förderung findet hierbei durch das Handlungsbegleitende Sprechen statt (2010, 197). Hier sollen die Schüler, nachdem sie einen Science-Fiction-Film gesehen haben, Gegenstände nachbauen. Dazu erhalten sie verschiedene Materialien, dürfen sich jedoch nur auf Englisch unterhalten. Durch diese Methode soll die Sprache anschaulich gemacht werden. Schüler, die Deutsch nicht als Zweitsprache lernen, werden im Englischunterricht durch diese Methode nicht direkt ins kalte Wasser geschmissen, sondern können sich mit den Mitschülern nonverbal verständigen. Außerdem ist die Atmosphäre angenehmer, weil der Fokus dieser Einstiegsarbeit auf die zu konstruierenden Produkte liegt und nicht auf den Sprachgebrauch. Folglich haben die sprachschwachen Schüler keine Hemmungen sich auf Englisch auszudrücken und sie können gegebenenfalls von sprachstärkeren Schülern verbessert werden. Durch die angenehme Atmosphäre würde niemand in dem Klassenraum sich demotiviert wühlen, weil alle ein Science-Fiction-Produkt herstellen wollen und der Schwerpunkt dieser Stunde nicht auf dem Gebrauch der englischen Sprache liegt (vgl. ebd.).

Auf der zweiten Ebene, der bildlichen Ebene, werde ich mit den Schülern zusammen Textausschnitte aus George Orwells 1984 lesen. Die Schüler werden später gebeten, Standbilder zu erstellen oder Zeichnungen anzuwenden. Hierbei wird darauf geachtet, dass das rezipierte Wissen durch das Lesen des Romans durch eine non-verbale Tätigkeit ausgedrückt werden kann. Erneut ist hier die Sprache, die innerhalb der Gruppen gesprochen werden soll das Englische und nicht das Deutsche. In dieser zweiten Arbeitsphase müssen die Schüler mehr miteinander kommunizieren und die Sprache rückt weiter in den Vordergrund, ist jedoch noch nicht ausschlaggebend. Hierbei ist außerdem zu erwähnen, dass die Schüler miteinander Deutsch reden werden, auch wenn die gewünschte Sprache das Englische ist. Folglich wird im Fremdsprachenunterricht ebenfalls die deutsche Sprache verwendet, wodurch Schüler mit Migrationshintergrund ebenfalls die Gelegenheit bekommen mit ihren Mitschülern auf Deutsch sprechen zu können (vgl. Leisen 2003, 196).

Die nächste Ebene ist die sprachliche Ebene, sind es überwiegend Texte die sich als angemessene Darstellungsform anbieten. Grafisch orientierte Darstellungen können hierbei jedoch ebenfalls hilfreich sein. Schüler sollen hier erstmals mit der Fachsprache des Themengebiets in Berührung kommen. Aus diesem Grund würde ich die Schüler auf Gruppen verteilen und einige Fachtermini des Science-Fiction-Vokabulars mithilfe der gelesenen Romane ausführlich erklären lassen. Dementsprechend sollen Begriffe wie „IVF“ oder „Bokanovsky Process“, die zur englischen Fachsprache gehören auf einfachem Englisch aufgeschrieben werden. Höchstwahrscheinlich werden die Schüler hier Probleme haben die verschiedenen Termini zu verstehen, weil dies der erste Moment sein wird, indem die Schüler die Fachsprache des Englischen benutzen müssen. Aus diesem Grund wird die Unterrichtssprache öfters das Deutsche sein, wobei die Lehrkraft dabei sicherstellen kann, dass diese Fachsprache bei den Schülern im Deutschen sitzt, somit kann eine Lernstandevaluation stattfinden, um das Niveau der Klasse zu evaluieren, immerhin dürfen die Schüler nicht überfordert werden (vgl. ebd., 17).

Die nächste Ebene heißt symbolische Ebene und „verlangt vom Lerner ein höheres Abstraktvermögen“, folglich sollen symbolische Elemente wie Tabellen oder Graphiken verschriftlicht werden. In meinem Beispiel würden die Schüler die Aufgabe erhalten einen Comicstreifen zu einer Geschichte zu schreiben. Die Aufgabe der Lerner besteht darin den abstrakten Gegenstand in ein sprachliches Endprodukt zu verwandeln, das bereits relativ komplex ist. Um sprachschwachen Schülern im Unterricht zu begegnen, bietet sich an dieser Stelle das Scaffolding an, somit würde die Lehrkraft zusammen mit dem sprachschwachen Lerner den Comicstreifen zunächst auf Deutsch besprechen, um sicher zu stellen, dass ein positiver Transfer ins Englische stattfinden kann. Gleichzeitig können Defizite des deutschen Sprachgebrauchs festgestellt werden und die Lehrperson kann darauf eingehen (ebd.).

Die letzte Ebene ist die mathematische Ebene, die im Englischunterricht in der Regel keinen Gebrauch hat. Es ist die komplexeste Ebene und besteht in der Regel nur aus mathematischen Termen, die eine Formel ergeben. Gegenfalls könnte die Lehrperson, wenn sie naturwissenschaftliche Themen anspricht demonstrieren, dass die mathematische Sprache überall gleich geschrieben, jedoch unterschiedliche ausgesprochen wird (vgl. Leisen 2010, 203).

[...]


[1] Ich verwende in diesem Portfolio ausschließlich die männliche Form von Substantiven und Pronomina. Weibliche Leser sollen sich nicht gestört fühlen, jedoch ist dieses aus Platzgründen nicht möglich.

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Mehrsprachigkeit und sprachsensibler Unterricht in allen Fächern
Hochschule
Universität Siegen  (DSSZ)
Veranstaltung
Sprachsensibler Unterricht
Note
1,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
11
Katalognummer
V378019
ISBN (eBook)
9783668553231
ISBN (Buch)
9783668553248
Dateigröße
517 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
DSSZ, DaF, Mehrsprachigkeit, Bilingual, Plurilingual, Scaffolding
Arbeit zitieren
Ibrahim Kaddoura (Autor), 2015, Mehrsprachigkeit und sprachsensibler Unterricht in allen Fächern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/378019

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Mehrsprachigkeit und sprachsensibler Unterricht in allen Fächern



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden