Im Anschluss an den Besuch des Theaterstücks "Wir sind keine Barbaren" von P. Löhle, entstand diese Hausarbeit. Da es sich hierbei um ein komisches Stück voller Tragik handelt, soll der Versuch unternommen werden, eine Einordnung des Stücks innerhalb der Begriffe Tragödie, Komödie, Drama und, im Hinblick auf Dürrenmatt, Tragikomödie vorzunehmen.
Gliederung
1. Ein komisches Stück, das tragisch endet
2. „Wir sind keine Barbaren“ - Ein Theaterstück im Stile Dürrenmatts?
2.1 Herkunft des Dramas
2.2 Tragik und Komik im Theaterstück „Wir sind keine Barbaren“
3. Es kann nur eine Dramaturgie geben – die des Komischen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Theaterstück „Wir sind keine Barbaren“ von Philipp Löhle hinsichtlich seiner tragikomischen Struktur und vergleicht diese mit dramaturgischen Konzepten Friedrich Dürrenmatts, um die gesellschaftspolitische Reflexion innerhalb des Stücks zu beleuchten.
- Analyse der tragikomischen Elemente im Werk
- Kommunikation und gesellschaftliche Rollenbilder
- Die Funktion des Chores als soziales Spiegelbild
- Dürrenmatts Einfluss auf die zeitgenössische Dramaturgie
- Politische Dimensionen und Radikalisierung
Auszug aus dem Buch
Tragik und Komik im dramatischen Theaterstück „Wir sind keine Barbaren“
Wie das Drama seinen Ursprung in der griechischen Antike hat, so ist auch der Begriff „Barbar“ griechischen Ursprungs und sicher nicht zufällig für den Titel ausgewählt worden. Der Titel greift einen Begriff auf, der erstmals von den Griechen verwendet wurde, um jene zu benennen, die in ihren Augen keine eigene Kultur, Sprache, Kunst und Manieren besaßen. Sie bezeichneten mit diesem Wort als Erste einen ihnen fremden Menschen, der sich vor allem dadurch von ihnen unterschied, dass er als Nicht-Grieche identifiziert werden konnte. Der Begriff „Barbar“ enthält eine negative Wertung und impliziert eine Andersartigkeit, mit der sich der Verwender nicht identifizieren möchte. Die Verwendung dieses Wortes ist allerdings lediglich aus einer subjektiven Betrachtungsposition heraus möglich. Wer ein „Barbar“ ist, liegt immer im Auge des Betrachters. Der Titel des Stücks suggeriert in diesem Sinn wohl, dass wir (die Zuschauer, die Deutschen, die Leser) nicht unzivilisiert, wild oder roh sind. Wir sind die intellektuellen Gewinner, die Hüter der Moral und Ordnung. Dieses „Wir“ wird dem Publikum gleich zu Beginn des Stücks durch den Auftritt des Chores verbildlicht, der laut skandiert, dass „Wir“ wir sind. Bereits in der antiken Tragödie betrat der Chor zuallererst die Bühne. Die chorale Sprechweise vermittelt den Eindruck eines starken Kollektivs und versetzt den Zuschauer oder den Leser sogleich in eine erhabene Stimmung. Der Chor ermöglicht es dem Leser, das typisch deutsche meiner Ansicht nach allgemein europäische Werte- und Normensystem wiederzuerkennen. Jeder Einzelne in seinem Anspruch auf Eigenständigkeit und Individualität ist ein Bestandteil der Gesellschaft. Es ist immer fraglich, ob es überhaupt möglich ist, ganz anders zu sein als die anderen. Hierin deutet sich bereits zu Beginn eine soziopolitische Reflexionsebene an, die dem Leser einen sprichwörtlichen Spiegel vorzuhalten gedenkt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Ein komisches Stück, das tragisch endet: Die Einleitung beleuchtet die Ambivalenz des Stücks und die Relevanz des Dürrenmattschen Verständnisses von Tragikomödie für die heutige Zeit.
2. „Wir sind keine Barbaren“ - Ein Theaterstück im Stile Dürrenmatts?: Dieses Hauptkapitel analysiert die historischen Ursprünge des Dramas und die spezifische Wirkung von Tragik und Komik auf das moderne Publikum.
3. Es kann nur eine Dramaturgie geben – die des Komischen: Hier erfolgt eine vertiefende dramaturgische Analyse, die das Verhalten der Figuren, die Rolle des Chores und den aktuellen politischen Kontext miteinander verknüpft.
Schlüsselwörter
Theaterstück, Wir sind keine Barbaren, Philipp Löhle, Friedrich Dürrenmatt, Tragikomödie, Chor, Gesellschaftskritik, Dramaturgie, Identität, Rassismus, Moderne, Politik, Zuschauerreflexion, Soziopolitik, Humanismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert das zeitgenössische Stück „Wir sind keine Barbaren“ von Philipp Löhle und untersucht, wie dieses Werk tragikomische Mittel einsetzt, um gesellschaftliche Probleme abzubilden.
Welche Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Zentral sind die Untersuchung des tragikomischen Potenzials, die Rolle der Gesellschaft als Spiegelbild sowie die Auseinandersetzung mit Identitätsfragen und Fremdenfeindlichkeit.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie das Stück durch die Verbindung von Tragik und Komik den Zuschauer zur Reflexion über gesellschaftliche Machtstrukturen und eigenes Verhalten zwingt.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt eine strukturelle Theateranalyse in Anlehnung an Dürrenmatts dramaturgische Konzepte sowie eine soziopolitische Einordnung des Stoffes.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Herkunft des dramatischen Begriffs „Barbar“, der Funktion des Chores als moralische Instanz und dem Verhalten der Protagonisten vor dem Hintergrund aktueller gesellschaftlicher Radikalisierung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Wesentliche Begriffe sind Tragikomödie, gesellschaftliche Reflexion, Dramaturgie, Identität und der Chor als stellvertretendes Kollektiv.
Welche Funktion hat der Chor in diesem speziellen Stück?
Der Chor fungiert laut der Analyse als Personifikation der Gesellschaft, die durch Wiederholung und Bedrohlichkeit den Einzelnen unter Druck setzt und eine politische Entwicklung in Richtung einer Diktatur andeutet.
Wie bewertet die Autorin das Ende des Stücks?
Das Ende wird als zwiespältig betrachtet: Einerseits gibt es einen heiteren Ausklang, andererseits bleibt eine düstere Bedrohlichkeit, da die Figuren die Geschehnisse einfach zu vergessen scheinen.
- Quote paper
- Jennifer Braune (Author), 2016, "Wir sind keine Barbaren". Eine Tragikomödie im Stile Dürrenmatts?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/378022