Aus- und Weiterbildung ist die Grundlage für wirtschaftliche und gesellschaftliche Lebenschancen und in der heutigen Wissensgesellschaft von zunehmender Bedeutung. Bildung ist die Voraussetzung für eine aktive Teilhabe am Arbeitsmarkt, wodurch auch Zugänge zur Teilhabe in anderen wichtigen Lebensbereichen eröffnet werden. Es gibt eine wachsende Bedeutung von Wissen in fast allen Lebensbereichen, besonders in der Wirtschaft, sowie eine zunehmende Relevanz der Berufs- und Hochschulbildung. Auf Grund dieser zunehmenden Relevanz bezieht sich folgende Arbeit auf den Bereich der Bildungsexpansion.
Die Arbeit gliedert sich in fünf Teile. Zunächst soll die Fragestellung näher erläutert werden. Dazu wird die Forschungshypothese formuliert und es folgt eine terminologische Klärung. Anschließend erfolgt die theoretische Rahmung der Arbeit, dazu werden Divergenz- und Konvergenzansatz und der Neo-Institutionalismus mit dem darin enthaltenen Konzept der institutionellen Isomorphie dargestellt. Es handelt sich dabei um einen Ansatz, der den Prozess globaler Angleichung systematisch und historisch untersucht. Es wird auf wichtige Vertreter des Neo-Institutionalismus eingegangen: Meyer und Rowan und Powell und DiMaggio. Ihre wesentlichen Grundannahmen und Perspektiven zum soziologischen Neo-Institutionalismus sollen aufgezeigt werden.
Daran schließt sich eine empirische Überprüfung der Forschungshypothese an, es wird Bezug auf die Daten der Untersuchung von Reisz und Stock aus dem Jahr 2007 genommen. Ein Fazit und ein kurzer Ausblick auf weitere mögliche Forschungsansätze für die Zukunft beschließen die Arbeit. Zunächst soll die Fragestellung und deren zentrale Begriffe erläutert werden und die zwei Ansätze vorgestellt werden, die die theoretische Grundlage der Arbeit bilden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretische Rahmung – Divergenz- und Konvergenzansatz
2.1. Divergenzansatz nach Immanuel Wallerstein (1974)
2.2. Konvergenzansatz
3. Empirische Untersuchung der EACEA (2012)
3.1. Empirische Untersuchung nach Reisz/Stock
4 . Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Frage, ob in den vergangenen fünf Jahrzehnten eine internationale Homogenisierung der Bildungsexpansion innerhalb Europas stattgefunden hat. Dabei wird die Forschungshypothese geprüft, dass ein Prozess der Angleichung von Bildungsstrukturen und -normen zu beobachten ist, und diese Hypothese anhand empirischer Daten aus einer Längsschnittstudie kritisch hinterfragt.
- Vergleich von Divergenz- und Konvergenzansätzen in der Soziologie.
- Darstellung des Konzepts der institutionellen Isomorphie nach dem Neo-Institutionalismus.
- Analyse der Bildungsexpansion im tertiären Sektor in 33 europäischen Ländern.
- Empirische Überprüfung der Konvergenzthese mittels statistischer Regressionsmodelle.
Auszug aus dem Buch
Mechanismen der Isomorphie
Differenziert wird zwischen zwanghaften, mimetischen und normativen Mechanismen der Isomorphie. Es handelt sich dabei um drei Prozesse, durch die Homogenisierung erzeugt wird. Folgend soll auf die einzelnen Prozesse näher eingegangen werden. Der erste Mechanismus zur Herstellung von Strukturangleichung ist der erzwungene Isomorphismus. Hier wirkt der Staat formalen oder informalen Druck auf Organisationen mit Hilfe von Gesetzen und Regelungen aus. Zwang entsteht auch durch Abhängigkeit anderer Organisationen gegenüber und als Folge kultureller Erwartungen.
Durch Nachahmung hervorgerufener Isomorphismus oder auch mimetischer Isomorphismus kommt laut DiMaggio und Powell bei hoher Unsicherheit über Ursache-Wirkungs-Zusammenhängen, heterogenen Umwelterwartungen und Mangel an Problemlösungstechniken zustande. Es kommt zu Prozessen gegenseitiger Beobachtung und Imitation, bevorzugt bei erfolgreicheren oder legitimer erscheinenden Organisationen aus dem gleichen Organisationsfeld. Nicht immer ist sich die Organisation bewusst, dass Nachahmung stattfindet. Organisationen suchen nach Lösungen, die mit möglichst geringem Aufwand ihre Probleme beheben, dies wird u.a. durch Benchmarking, also dem direkten Vergleich mehrerer Unternehmen bezüglich Effizienz und internen Prozessen bewirkt.
Der dritte Mechanismus, der zur Herstellung von Isomorphie führt, ist der normative Druck. Normativer Druck entsteht durch die zunehmende Professionalisierung von Berufsgruppen. Dass Professionalisierung eine Quelle des Isomorphismus darstellt, kann beispielsweise im Managementbereich festgestellt werden. Hier kommt es zu einer Angleichung von kognitiven Wissensinhalten, die über die einzelnen Personen dann in die Organisationen hineingetragen werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung begründet die Relevanz der Bildungsexpansion in der Wissensgesellschaft und stellt die theoretischen Ansätze sowie die methodische Vorgehensweise der Arbeit vor.
2. Theoretische Rahmung – Divergenz- und Konvergenzansatz: Dieses Kapitel erläutert den Divergenzansatz von Immanuel Wallerstein sowie den Konvergenzansatz des Neo-Institutionalismus, um den theoretischen Rahmen für die Analyse der Globalisierung von Bildungssystemen zu schaffen.
2.1. Divergenzansatz nach Immanuel Wallerstein (1974): Hier wird das Weltsystem-Modell vorgestellt, das Divergenzen zwischen den Regionen der Welt betont und soziale Ungleichheiten in einem kapitalistischen System analysiert.
2.2. Konvergenzansatz: Dieser Abschnitt behandelt die neo-institutionalistische Perspektive auf die institutionelle Isomorphie und erklärt, warum sich Organisationen in ihren Strukturen angleichen, auch wenn dies nicht zwingend zu Effizienzsteigerungen führt.
3. Empirische Untersuchung der EACEA (2012): Dieses Kapitel präsentiert Daten der EACEA zum Anstieg der Studentenzahlen im tertiären Sektor in 33 europäischen Ländern zwischen 2000 und 2009.
3.1. Empirische Untersuchung nach Reisz/Stock: Hier werden Regressionsmodelle von Reisz und Stock genutzt, um den Zusammenhang zwischen wirtschaftlicher Entwicklung und Bildungsexpansion in Ost- und Westeuropa zu untersuchen.
4 . Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass die Hypothese einer homogenen Bildungsexpansion innerhalb Europas falsifiziert werden muss.
Schlüsselwörter
Bildungsexpansion, Konvergenzansatz, Divergenzansatz, Neo-Institutionalismus, Isomorphie, Weltkultur, tertiäre Bildung, EACEA, Reisz/Stock, Organisationstheorie, Weltsystemtheorie, Strukturangleichung, Bildungspolitik, Längsschnittstudie, europäische Bildungssysteme.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob Bildungsexpansion in Europa einem homogenen, international angleichenden Trend folgt oder ob weiterhin signifikante Unterschiede bestehen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Arbeit verknüpft soziologische Globalisierungstheorien, insbesondere den Divergenz- und Konvergenzansatz, mit empirischen Daten zur Entwicklung tertiärer Bildungssysteme.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Prüfung der Forschungshypothese, dass innerhalb Europas eine Homogenisierung der Bildungsexpansion stattgefunden hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit kombiniert eine theoretische Auseinandersetzung mit soziologischen Konzepten mit der Auswertung von Sekundärdaten, speziell durch den Vergleich statistischer Regressionsmodelle.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Begriffsbestimmung, die Darstellung der Isomorphie-Mechanismen sowie die empirische Analyse von Studentenzahlen und ökonomischen Daten durch verschiedene Studien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind vor allem Bildungsexpansion, Isomorphie, Neo-Institutionalismus und der Vergleich zwischen ost- und westeuropäischen Entwicklungspfaden.
Wie definiert der Neo-Institutionalismus das Phänomen der Angleichung?
Er betrachtet Angleichung als institutionelle Isomorphie, die primär durch Legitimitätsdruck und Nachahmung (Mimesis), staatlichen Zwang oder professionelle Standards entsteht, statt durch reine Effizienzgründe.
Welches zentrale Ergebnis liefert der Vergleich der Reisz/Stock-Daten?
Es zeigt sich eine deutliche Heterogenität: Während in Westeuropa wirtschaftliche Entwicklung und Bildungsexpansion eng korrelieren, ist dieser Zusammenhang in Osteuropa kaum feststellbar.
- Citation du texte
- Anonym (Auteur), 2010, Die Relevanz von Bildung. Kommt es zu einer internationalen Homogenisierung der Bildungsexpansion?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/378096