Die Bedeutung und der Einfluss der Académie Francaise. Sprachpolitik damals und heute


Hausarbeit (Hauptseminar), 2017

18 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Geschichte der Académie Française
2.1. Die Gründung
2.2. Die Entstehung des Institut de France

3. Ziele und Aufgaben der Académie Française
3.1. Ziele und Aufgaben damals
3.1.1. Der bon usage
3.1.2. Das Wörterbuch
3.2. Ziele und Aufgaben heute
3.2.1. Das Wörterbuch

4. Die Bedeutung der Académie Française
4.1. Die Bedeutung der Akademie damals
4.2. Die Bedeutung der Akademie heute

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Vergleicht man die Sprachpolitik in den romanischen Ländern miteinander, so fällt auf, dass Frankreich eine besondere Stellung einnimmt. Dort gibt es, wie in keinem anderen Land Europas, ein großes öffentliches Interesse an der Sprache. Vor allem die Franzosen haben ein sehr ausgeprägtes Sprachbewusstsein. Außerdem hat Frankreich, von allen romanischen Ländern, die längste und wirkungsvollste „sprachplanerische Tradition“ (Braselmann 1999, 1). Bereits die Ordonnance de Villers-Cotter ê ts, im Jahr 1539, legte fest, dass in gerichtlichen Schriftstücken Französisch statt Lateinisch verwendet werden soll. 1793 sollte dies auch für alle öffentlichen Schriftstücke und Urkunden Anwendung finden (vgl. Braselmann 1999, 4).

Die sprachplanerische Tradition setze sich weiter fort und die Acad é mie Fran ç aise spielte dabei stets eine wichtige Rolle. Seit ihrer Gründung versucht sie, durch ihre Sprachpflege, die französische Sprache zu schützen und verleiht ihr somit einen besonderen Wert. Die Akademie zählt heute noch zu den prestigereichsten Institutionen in Frankreich und ist trotz ihres Konservativismus sehr präsent.

Im Folgenden gilt es herauszufinden welche Rolle die Acad é mie Fran ç aise für das Französische, sowohl von damals als auch von heute, spielt, wobei das Hauptaugenmerk auf das 17. und 20. Jahrhundert liegt. Es wird zunächst die Geschichte der Acad é mie Fran ç aise präsentiert, um die Entwicklung dieser Institution nachvollziehen zu können. Außerdem werden ihre Ziele und Aufgaben erläutert, die - vor allem im 17. und 18. Jahrhundert- andere als heute waren. Diese sind für die Wandlung des Ansehens und die gesellschaftliche Wichtigkeit der Akademie bedeutsam. Damit ein Vergleich gezogen werden kann aber auch damit ihr Einfluss auf das Französische festgestellt werden kann, wird zum Schluss sowohl die Bedeutung der Acad é mie Fran ç aise zur Zeit ihrer Gründung analysiert als auch ihre Bedeutung heute.

2. Die Geschichte der Acad é mie Fran ç aise

2.1. Die Gründung

Die Gründung der Acad é mie Fran ç aise geht auf einen kleinen Literatenkreis zurück. Es handelte sich bei diesem Kreis um einen privaten Gesprächszirkel, in dem Liebhaber der Literatur ihre Gedanken über Sprache austauschten. Er wurde von dem bekannten Poeten Antoine Godeau und dem damaligen Sekretär des Königs, Valentin Conrart initiiert (vgl. Rodrega 1996, 15). Man nannte diese Art von Personen „gens de lettres“ (Frey 2000, 6).

Ein erstes Treffen des Zirkels fand im Jahr 1619 statt. Godeau las in Anwesenheit bekannter Literaten seine Werke vor, woraufhin diese miteinander besprochen wurden. Ab diesem Zeitpunkt wiederholten die Literaten diese Art von Veranstaltung wöchentlich. Verschiedene Schriftsteller machten bei den Treffen mit, indem sie die unterschiedlichsten Themen ihrer Literatur besprachen. Mögliche Themen waren zum Beispiel: Liebe, Gefühle, Freundschaft, Ansichten zu Politik und Gesellschaft, usw. Die Teilnehmer lasen sich ihre Werke vor und übten Kritik aneinander. Da die Treffen oft mit einem gemeinsamen Spaziergang oder einem Essen beendet wurden, hatten sie einen familiären Charakter. Außerdem schworen sich die Mitglieder Verschwiegenheit nach außen hin zu bewahren (vgl. Rodrega 1996, 15).

Nachdem zwei Mitglieder des Zirkels im Jahr 1634 ihr Schweigen gebrochen hatten, erfuhr Kardinal Richelieu von den Treffen. Dieser, der selbst Meister der Sprache war, war begeistert von den Berichten der Literaten. Er wollte aus dem Französischen ein „diplomatisches Instrument“ (ebd., 19) machen, d. h. die Sprache sollte klar, präzise und eindeutig werden. Richelieu war überzeugt, dieses Ziel durch die intensive Beschäftigung mit der Sprache erreichen zu können. So kam ihm die Idee, die Treffen zu institutionalisieren und eine geordnete Akademie unter königlicher Aufsicht zu gründen.

Ab diesem Zeitpunkt wurde lange Zeit an den Statuten gearbeitet. Nachdem Richelieu mit den Entwürfen einverstanden war, verlieh ihnen auch König Ludwig der XIII, am 22. Februar 1635, Gesetzeskraft (vgl. ebd., 21). Die Statuten enthielten zu diesem Zeitpunkt fünfzig Artikel, in denen die Organisation, die Mitgliedschaft und die Aufgaben der Academie Fran ç aise geregelt waren.

2.2. Die Entstehung des Institut de France

Im 18. Jahrhundert sollten alle Akademien des Landes in Staatsbesitz übergeben werden. Deshalb wurde die Acad é mie Fran ç aise als königliche Akademie abgeschafft und es wurde das Institut National gegründet. Dieses Institut sollte alle Domänen des Geistes vereinen. Unter Napoleon wurde das Institut National nochmals umgestaltet. Ihm gefiel die Idee einer Wiederherstellung der Acad é mie Fran ç aise und deshalb entstanden daraufhin fünf Akademien unter dem Namen Institut de France. Im Institut de France gab es dann, für jeden wissenschaftlichen Bereich, eine eigene Akademie, die ihre eigenen Mitglieder wählte. Alle Akademien waren somit selbstständig, trotzdem waren sie aber auch durch die Zugehörigkeit zum Institut miteinander verbunden. Auf diese Weise entwickelte sich die Zusammenstellung des Institut de France weiter.

Heute bilden die fünf folgenden Akademien das Institut de France: die Acad é mie Fran ç aise, die Acad é mie des Inscriptions et Belles Lettres, die Acad é mie des Sciences, die Acad é mie des Beaux-Arts und die Acad é mie des Scienes morales et politiques (vgl. ebd., 34), wobei die Acad é mie Fran ç aise die älteste von allen ist.

In diesem Kapitel haben wir gesehen, dass die Acad é mie Fran ç aise seit ihrer Gründung zwar institutionelle Veränderungen erlebt hat, sie allerdings immer noch, mehr oder weniger, unter den gleichen Bedingungen wie zur Gründungszeit existiert.

Im nächsten Kapitel soll die Entwicklung der Ziele und Aufgaben der Acad é mie Fran ç aise deutlich werden.

3. Ziele und Aufgaben der Acad é mie Fran ç aise

3.1. Ziele und Aufgaben damals

In den Gründungsbriefen, den so genannten Lettres Patentes, wurden die Richtlinien der Acad é mie Fran ç aise festgehalten. Darunter zählten zum Beispiel die offiziellen Tätigkeiten der Akademie und deren Organisation. Beispielsweise wurde in ihnen bestimmt, dass der Sitz der Acad é mie Fran ç aise in Paris sein sollte oder dass die Mitgliederzahl auf vierzig zu beschränken sei. Die primäre Aufgabe der Acad é mie Fran ç aise war damals die Arbeit an der französischen Sprache und deren Fixierung im Dictionnaire (vgl. ebd., 23). In Artikel 24 der Statuten steht dazu folgendes:

„La pricipale fonction de l´Académie sera de travailler avec tout le soin et toute la diligence possible à donner des règles certaines à notre langue et à la rendre pure, éloquente et capable de traiter les arts et les sciences“ (http:// www.academie-francaise.fr/sites/academie-francaise.fr/files/ statuts_af_0.pdf, Zugriff: 23.01.2017)

Dieser Artikel zeigt, dass eine „Sprachreinigung“ (Popelar 1976, 202) erwünscht war. Es wurde ebenfalls festgelegt, wie man bei der Sprachreinigung und -normierung vorzugehen hat:

„Les meilleurs auteurs de la langue françoise seront distribués aux académiciens pour observer tant les dictions que les Phrases qui peuvent servir de règles générales et en faire rapport à la Compagnie, qui jugera de leur travail et s´en servira aux occasions.“ (Frey 2000, 16)

Die wichtigsten Aufgaben waren also die französische Sprache rein zu halten, Ausdrucksformen festzulegen und Schwierigkeiten zu klären. Zu diesem Zweck veröffentlichte die Akademie auch das Wörterbuch (s. Kapitel 3.1.2.).

3.1.1. Der bon usage

Der Begriff des bon usage wurde von Claude Favre de Vaugelas, einem führenden Mitglied der Acad é mie Fran ç aise, eingeführt. Was dieser genau mit dem Begriff meint, erklärt er im berühmten Vorwort des ersten Wörterbuchs der Akademie:

„C´est la façons de parler de la plus saine partie de la cour, conformément à la façon d´écrire de la plus saine partie des auteurs du temps. Quand je dis la cour, j´y comprens les femmes comme les hommes, & plusieurs personnes de la ville où le prince reside, qui par la communication qu´elles ont avec les gens de la cour participent à sa politesse“ (http://www.academie- francaise.fr/le-dictionnaire-les-neuf-prefaces/preface-de-la-premiere- edition-1694, Zugriff: 23.01.2017).

Vaugelas spricht hier vom „idealen Höfling“ (Rodegra 1996, 11), den so genannten honn ê te homme, der finanziell unabhängig ist. Er beherrscht die perfekten höfischen Umgangsformen und kann sich außerdem zu allen Wissensgebieten äußern. Seine wichtigste Tätigkeit ist die Übung der „gepflegten Konversation“ (ebd.). Das Volk wurde von Vaugelas im Vorwort ausgeschlossen:

„Selon nous le peuple n´est maître que du mauvais usage“ (http:// www.academie-francaise.fr/le-dictionnaire-les-neuf-prefaces/preface-de-la- premiere-edition-1694, Zugriff: 23.01.2017).

Die Sprache des Volkes galt als minderwertig und wurde als mauvais usage bezeichnet (vgl. Braselmann 1999, 4).

[...]

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Details

Titel
Die Bedeutung und der Einfluss der Académie Francaise. Sprachpolitik damals und heute
Hochschule
Universität zu Köln
Note
1,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
18
Katalognummer
V378115
ISBN (eBook)
9783668554139
ISBN (Buch)
9783668554146
Dateigröße
490 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
sprachpolitik, Académie Française
Arbeit zitieren
Sabina Basic (Autor), 2017, Die Bedeutung und der Einfluss der Académie Francaise. Sprachpolitik damals und heute, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/378115

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