Wie legten die USA die Kuba-Krise von 1962 bei und welche Auswirkungen hatte die Beilegung auf den Kalten Krieg?


Hausarbeit, 2016
17 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Konfliktentstehung und Bedrohungslage

3. Beilegung der Kuba-Krise
3.1 Die erste Reaktion
3.2 Beilegungsoptionen
3.3 Konfliktlösung

4. Auswirkungen auf den kalten Krieg

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Heute beschreiben Zeitungen die Kuba-Krise von 1962, mehr als 50 Jahre nach deren Ende, als „der gefährlichste Moment in der Geschichte der Menschheit“1, oder auch als Augenblick „als die Welt vor dem Abgrund stand“2.

Die Kuba-Krise ereignete sich zwölf Jahre nach Ende des zweiten Weltkrieges und wurde zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der ehemaligen Sowjetunion ausgetragen. Sie dauerte 13 Tage an und drehte sich um die Stationierung sowjetischer Raketen auf der Insel Kuba und die darauffolgende Konfrontation der USA und der UdSSR.

In der folgenden Arbeit, soll es um die Frage gehen, wie es der USA gelang, die Kuba- Krise beizulegen und welche Auswirkungen die Beilegung auf den kalten Krieg hatte. Der Relevanz dieser Themenfrage kommt hohe Bedeutung zu, da die Kuba-Krise bis heute als eine der schwersten Krisen auf internationaler Ebene gilt. Anhand der Beantwortung dieser Frage, lässt sich das Krisenverhalten einer Weltmacht in einer problematischen Zeit, 10 Jahre nach dem zweiten Weltkrieg, erkennen. Die Arbeit legt den Schwerpunkt auf den ersten Teil der Themenfrage, also auf die Frage, wie die USA die Kuba-Krise beigelegt hat. Hierbei werden insbesondere die Aussagen und Entscheidungen des Präsidenten näher untersucht. Meinungen anderer Personen werden zumeist zusammengefasst und es wird nicht näher auf die Personen eingegangen, da diese anders als der Präsident keine Entscheidungen trafen, sondern lediglich in beratender Position tätig waren.

Die Reaktion anderer Länder wie beispielsweise der NATO- Staaten wird nicht näher behandelt. Die Arbeit stützt sich größtenteils auf Abschriften von Tonbandaufzeichnungen von Regierungstreffen, öffentliche Reden und einzelne Aussagen, welche in der Krise vom amerikanischen Präsidenten und anderen Regierungsmitgliedern getroffen wurden. Desweiteren werden Briefe des amerikanischen und des sowjetischen Präsidenten sowie auch aufgezeichnete Gespräche von Treffen beider Länder zur Krisenzeit analysiert. Durch viele veröffentlichte geheime Regierungsdokumente, welche die Gespräche der Politiker meist wörtlich aufzeigen, befinden sich die Forschungsliteratur und die Interpretation der Quellen auf einem aufgeprägten Stand. Das Thema Kuba-Krise ist auf amerikanischer Seite weitestgehend durchleuchtet.

Gegliedert ist die Arbeit in drei große Bereiche. Zunächst wird die Entstehung der Kuba- Krise auf der Grundlage des zweiten Weltkrieges, sowie die Bedrohungslage erläutert. Anschließend wird die Beilegung der Kuba-Krise durch die USA näher betrachtet. Dies stellt den Kern der Arbeit dar. Hierbei wird zunächst die erste Reaktion der USA auf die Ereignisse auf Kuba erörtert. Darauffolgend werden die Optionen zur Beilegung der Krise aufgezeigt und diskutiert. Die Arbeit soll die größtenteils zerfahrene Diskussion in der Krisenzeit aufzeigen und verzichtet daher auf eine strikte dialektische Erörterung des Themas. Stattdessen wird die freie Diskussion in der Krise dargestellt und analysiert.

Infolgedessen wird die Lösung des Konflikts durch die USA geschildert. Schlussendlich werden die Auswirkungen der Kuba Krise auf den kalten Krieg und die Beziehung zur Sowjetunion dargelegt.

2. Konfliktentstehung und Bedrohungslage

Das Ende des zweiten Weltkrieges am 8. Mai 1945 stellte gleichzeitig den Beginn des kalten Krieges zwischen der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten von Amerika dar. Beide Länder gingen aus dem Weltkrieg als große Sieger hervor und etablierten sich nach dem zweiten Weltkrieg als die beiden einzigen Supermächte auf dem Globus. Auf Seiten der USA wurde 1949 die North Atlantic Treaty Organization (NATO) gegründet, welche als militärisches Verteidigungsbündnis dienen sollte.3 Auf sowjetischer Seite wurde 1955 der Warschauer Pakt gegründet.4 Die kommunistisch geführte Sowjetunion unter Staatschef Nikita Chruschtschow und die kapitalistisch geführten Vereinigten Staaten von Amerika unter Präsident John F. Kennedy konkurrierten in zwei unterschiedlichen wirtschaftspolitischen Ideologien.5 Aus den Spannungen zwischen der USA und der Sowjetunion ging ein militärisches und wirtschaftliches Wettrüsten der Systeme hervor.6 Die USA, welche die weltweite Ausbreitung des Kommunismus nach dem zweiten Weltkrieg fürchtete, rief eine Eindämmungspolitik („Containment-Politik“) ins Leben, welche die Ausbreitung des Kommunismus verhindern sollte.7

Den Mittelpunkt der Spannungen bildete das nach Ende des zweiten Weltkrieges in vier Besatzungszonen geteilte Deutschland. Am 27. November 1961 forderte der Staatschef Chruschtschow die westlichen Besatzungstruppen auf, das in sowjetischen Besatzungsgebiet liegende West-Berlin zu räumen, andernfalls werde die UdSSR einen separaten Friedensvertrag mit der DDR schließen und somit ein Abzug der Amerikaner aus West-Berlin erzwingen.8 Die Forderung des sowjetischen Präsident wurde vom der USA und den weiteren Besatzungsmächten gänzlich abgelehnt.9 Chruschtschow wertete dieses Ablehnen als grundsätzlichen mangelnden Respekt der USA gegenüber der Sowjetunion und fürchtete eine Schwächung der Sowjetunion im kalten Krieg.10

Die Sowjetunion unter Präsident Chruschtschow war den USA im Wettrüsten weit unterlegen.11 Auch die geographische Lage machte es Chruschtschow schwer auf die militärisch starke USA Druck auszuüben. Desweiteren fühlte sich Chruschtschow durch einen um die Sowjetunion gespannten Raketengürtel der USA, bestehend aus in der Türkei, Italien und England stationierter Raketen, permanent militärisch unterlegen.12 1961 versuchte die USA durch einen Angriff kubanischer Exilanten, welcher durch verdeckte Unterstützung des amerikanischen Geheimdienstes CIA durchgeführt wurde, die kommunistisch geführte Revolutionsregierung Kubas unter Staatsoberhaupt Fidel Castro zu stürzen. Der Angriff der USA scheiterte. Aufgrund des Ereignisses in der Schweinebucht, nahm die Sowjetunion diplomatische Beziehungen zu Kuba auf. In der darauffolgenden Zeit unterstützte die Sowjetunion Kuba wirtschaftlich und militärisch.13 Kuba stand seit 1960 unter permanenter Beobachtung amerikanischer Aufklärungsflugzeuge.14

Aus den neuen Beziehungen der Sowjetunion zu Kuba erhoffte sich Chruschtschow die strategisch-geographische Unterlegenheit gegenüber den USA beseitigen zu können.15 Hierfür stationierte er in einer Geheimmission mit dem Namen „Operation Anadyr“ 40.000 sowjetische Soldaten, sowie nukleare Mittelstreckenraketen auf der Insel Kuba.16

Am 15. Oktober 1962 entdeckten US- amerikanische Aufklärungsflugzeuge mehrere von der Sowjetunion stationierte Raketen, welche auf die USA gerichtet waren.17 Das Sichten der sowjetischen Raketen auf Kuba durch die Amerikaner stellte den Beginn der KubaKrise dar, welche vom 15. Oktober 1962 bis 28. Oktober 1962 andauerte.

3. Beilegung der Kuba-Krise

3.1 Die erste Reaktion

Für die USA kam eine Stationierung der Raketen nicht überraschend. Seit dem Fehlschlag der „Invasion in der Schweinebucht“ wurden weitreichend Lösungen für einen möglichen politisch-militärischen Konflikt in der Karibik diskutiert. Ausschlaggebend für diese Überlegungen waren die zunehmenden militärischen Unterstützungen der Sowjetunion auf Kuba seit diesem Zeitpunkt.18 Schon frühzeitig wurden verschiedene Maßnahmen diskutiert, um eine Eskalation im Härtefall schnell beilegen zu können. Schon am 13. September 1962, also etwa ein Monat vor der tatsächlichen Stationierung der Raketen, drohte Kennedy in einer öffentlichen Konferenz:

„If at any time the Communist builtup in Cuba were to endanger or interfere with our security in any way (…) or become an offensive military base or significant capacity for the Soviet Union, then this country will do whatever must be done to protect its own security and that of ist allies.19

Diese Aussage zeigt, dass sich Präsident Kennedy dessen bewusst war, dass die Sowjetunion Kuba als Basis für mögliche Angriffe gegen die USA nutzen könnte. Sollte dies der Fall sein und die Sowjetunion beispielsweise Angriffswaffen auf Kuba stationieren, sprach er davon, vor nichts zurückzuschrecken um sein Land vor dieser Gefahr zu schützen. Aufgrund dessen berief der Präsident 150.000 Reservisten für mögliche militärische Ernstfälle ein.20

Kennedy stellte sich hier öffentlich als angriffslustiger, Präsident dar. In seiner Rede einen Monat vor der tatsächlichen Stationierung von Mittelstreckenraketen auf Kuba schien es, als würde er bedingungslos einen Krieg beginnen, sollte es zu einer Stationierung kommen.

Erster Adressat der Konferenz war jedoch nicht die Sowjetunion, sondern die NATOStaaten, bei welchen Kennedy sich bereits frühzeitig um Unterstützung bemühte.21 Auch innenpolitisch folgte am 27. September 1962 die Unterstützung für das Vorgehen gegen Kuba durch den Kongress. Dieser stellte dem Präsidenten eine Vollmacht für jede Form militärischer Gewaltanwendung gegen Kuba aus.22

Am 16. Oktober 1962 wurden die wichtigsten Regierungsmitglieder der USA vom Präsidenten zum sogenannten Executive Commitee („ExComm“) zusammengerufen um über das weitere Vorgehen zu beraten. Zu den bedeutendsten Mitgliedern zählten D. Rusk (Außenminster), G. Ball (stellvertretender Außenminister), R. McNamara

(Verteidigungsminister), J. McCone (Chef der CIA), M. Taylor (Vorsitzender der vereinigten Stabschefs), McG. Bundy (Sicherheitsberater) und sein Bruder, der Justizminister Robert Kennedy.23

Der Präsident hatte nach der amerikanischen Verfassung als exekutive Gewalt die Rolle des Oberbefehlshabers der Streitkräfte inne.24 Der Zusammenschluss des ExComm war formell demnach nur als ein beratendes Gremium des Präsidenten anzusehen. Kennedy traf letztendlich alle Entscheidungen.

Das Executive Commitee wurde vor der Öffentlichkeit geheim gehalten, da man vermeiden wollte, dass die Mitteilung der Raketensichtung auf Kuba die Sowjetunion erreicht.

Es bestand Einigkeit darüber, dass der Konflikt möglichst schnell beigelegt werden soll. Wie aus dem Memorandum des ExComm, sowie der Aussage Kennedys „it makes them look like they’re equal with us (…)“25 hervorgeht, bestand zudem Einigkeit darüber, dass sowjetische Raketen nahe der Vereinigten Staaten von Amerika nicht geduldet werden konnten.26

[...]


1 Wetzel, Hubert: „Der gefährlichste Moment in der Geschichte der Menschheit“. In: http://www.sueddeutsche.de/politik/jahre-kuba-krise-der-gefaehrlichste-moment-in-der-geschichte- der-menschheit-1.1495707. [15.10.2012], zuletzt geprüft: 27.09.2016, 13:13.

2 Seher, Dietmar: „Als die Welt vor dem Abgrund stand-vor 50 Jahren begann die Kuba-Krise“. In: http://www.derwesten.de/politik/als-die-welt-am-abgrund-stand-vor-50-jahren-begann-die-kuba-krise- id7198003.html. [15.10.2012], zuletzt geprüft: 27.09.2016, 13:18.

3 Gaddhis, John L.: The Cold War. A New History. New York 2005. S. 34.

4 Henretta, James A.: America’s History. Bedford/St. Martins 42000. S. 875.

5 Zitiert nach ebd. S. 867f.

6 Zitiert nach ebd S. 867.

7 Zitiert nach ebd. S. 870f.

8 Wettig, Gerhard: Die Streitkräfte der USA während der Kubakrise. In: Filippovych, Dimitrij N.: Vor der Abgrund. Die Streitkräfte der USA und der UdSSR sowie ihre deutschen Bündnispartner in der Kubakrise. München 2005. S. 1.

9 Freedman, Lawrence: Kennedy’s Wars. Berlin, Cuba, Laos, and Vietnam. New York 2000. S. 59f.

10 Wettig in: Filippovych: Vor dem Abgrund. S. 4.

11 Biermann in: Filippovych: Vor dem Abgrund. S. 15.

12 Greiner, Bernd: Kuba-Krise. Nördlingen 11988. S. 22.

13 Greiner: Kuba-Krise. S. 19f.

14 Freedman: Kennedy’s Wars. S. 125f.

15 Wettig in: Filippovych: Vor dem Abgrund. S. 4.

16 Zitiert nach ebd. S. 40.

17 Divine, Robert A.: The Cuban Missile Crisis. New York 21988. S. 18.

18 Memorandum of Discussion on Cuba [28.01.1961]. In: White, Mark J.: The Kennedys and Cuba. The Declassified Documentary History. Chicago 1999. S. 16.

19 Zitiert nach Presidential News Conference [03.09.1962]. In: ebd. S. 155.

20 Greiner: Kuba-Krise. S. 26.

21 Zitiert nach ebd.

22 Zitiert nach ebd. S. 26f.

23 Zitiert nach ebd. S. 35.

24 Hirner, Thomas M.: Die Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika. S. 427. In: Zeitschrift für das juristische Studium 4 (2011) S. 425-429.

25 Zitiert nach: Abschrift „ExComm“ 16. Oktober II. S.12. In: Biermann, Harald: John F. Kennedy und der Kalte Krieg. Die Außenpolitik der USA und die Grenzen der Glaubwürdigkeit. Paderborn 1997. S. 174.

26 White, Mark J.: The Kennedys and Cuba. The Declassified Documentary History. Chicago 1999. S.174.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Wie legten die USA die Kuba-Krise von 1962 bei und welche Auswirkungen hatte die Beilegung auf den Kalten Krieg?
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Note
2,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
17
Katalognummer
V378148
ISBN (eBook)
9783668555150
ISBN (Buch)
9783668555167
Dateigröße
677 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kuba Krise, Beilegung, kalter Krieg, 1962, nach Kuba Krise, Ende Kuba Krise, Kennedy
Arbeit zitieren
Julian Ibald (Autor), 2016, Wie legten die USA die Kuba-Krise von 1962 bei und welche Auswirkungen hatte die Beilegung auf den Kalten Krieg?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/378148

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