In vielen sozialen Einrichtung werden mittlerweile Tiere gehalten und gepflegt. Das Forschungsvorhaben intendiert herauszufinden, welche Bedeutung Kinder Tieren innerhalb der stationären Kinder- und Jugendhilfe beimessen. Dazu wurden die Kinder der Wohngruppe mithilfe von Leitfadeninterviews befragt und gebeten, Fotos aufzunehmen.
Die Forschungsarbeit ist dabei nach folgenden Schwerpunkten gegliedert. Teil I zeigt theoretische Grundlagen zum Thema auf. Außerdem werden theoretische Denkmodelle zur Erklärung der Mensch-Tier-Beziehung vorgestellt. Daran anschließend, wird der aktuelle Stand der Forschung thematisiert und Wirkungen der Mensch-Tier-Beziehung näher beleuchtet. Zunächst werden körperliche Auswirkungen vorgestellt, anschließend soll dargestellt werden, welche Auswirkungen der Umgang mit Tieren auf Sprache und Kommunikation hat. Folgend wird die Förderung von sozialer und emotionaler Kompetenz thematisiert und ein vierter Abschnitt beschäftigt sich speziell mit Auswirkungen von tiergestützten Interventionen bei Kindern mit Auffälligkeiten in emotionalen und sozialen Verhalten und Erleben.
Im darauf folgenden Kapitel 3 wird die Bedeutung von Tieren in der sozialpädagogischen Arbeit empirisch untersucht. Die Vorteile eines Leitfadeninterviews und die Vorstellung des verwendeten Leitfadens schließen sich an. Der Ablauf der Untersuchung wird im nächsten Schritt beschrieben, um daran anschließend auf die verwendete Auswertungsmethode einzugehen. Abschließend erfolgt ein Fazit.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Teil I – Theorie
2.1.1. Definition Tiergestützte Pädagogik/Intervention
2.1.2. Theoretische Denkmodelle zur Erklärung der Mensch-Tier-Beziehung
2.1.3. Die Biophilie-Hypothese
2.1.4. Das Konzept der Du-Evidenz
2.1.5. Ableitungen aus der Bindungstheorie
2.1.6. Spiegelneurone
2.1.7. Wirkung der Mensch-Tier-Beziehungen: Stand der Forschung
2.1.8. Körperliche Auswirkungen
2.1.9. Sprache und Kommunikation
2.1.10. Förderung sozialer und emotionaler Kompetenz
2.1.11. Kinder mit Auffälligkeiten in emotionalen und sozialen Verhalten und Erleben
3. Teil II – Forschung
3.1. Vorstellung der Einrichtung
4. Leitfadeninterview
4.1.1. Vorstellung des Leitfadens
4.1.2. Aufbau der Untersuchung
4.1.3. Auswertung der Interviews
4.1.4. Übersichtstabelle Fotos
4.1.5. Vertiefende Fallinterpretation
4.1.6. Biographien
4.1.7. Die Bedeutung von Tieren
4.1.8. Sonstige Relevanzen für das Wohlbefinden der Kinder in der Einrichtung
5. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht die Bedeutung von Tieren für Kinder innerhalb der stationären Kinder- und Jugendhilfe. Anhand von Leitfadeninterviews und der Analyse von durch die Kinder erstellten Fotos wird erforscht, welchen Stellenwert tiergestützte Interaktionen für das Wohlbefinden und die Persönlichkeitsentwicklung der Bewohner haben.
- Grundlagen der tiergestützten Pädagogik und theoretische Erklärungsmodelle der Mensch-Tier-Beziehung
- Die Rolle von Tieren als Bindungsobjekte und psychosoziale Kompensationsfaktoren
- Empirische Untersuchung der subjektiven Bedeutung von Tieren bei Kindern in einer Außenwohngruppe
- Einfluss der Tierhaltung auf Selbstwertgefühl, Verantwortungsbewusstsein und soziale Kompetenzen
- Reflexion über die Anforderungen an tiergestützte Settings in der stationären Jugendhilfe
Auszug aus dem Buch
2.1.4. Das Konzept der Du-Evidenz
„Mit Du-Evidenz bezeichnet man die Tatsache, dass zwischen Menschen und höheren Tieren Beziehungen möglich sind, die denen entsprechen, die Menschen unter sich bzw. Tiere unter sich kennen“ (Greiffenhagen 1991, S.26).
Entwickelt wurde der Begriff der „Du-Evidenz“ 1922 von Karl Bühler, damals noch bezogen auf den zwischenmenschlichen Bereich. Bühler verstand darunter „die Fähigkeit und das Bewusstsein einen Menschen, eine andere Person als Individuum, als „Du“ wahrzunehmen und zu respektieren“ (Vernoij/Schneider 2008, S. 7).
Geiger versuchte 1931 die Du-Evidenz auf die Mensch-Tier-Beziehung zu übertragen. Relevant für die Entwicklung der Du-Evidenz sind nach Geiger insbesondere „die persönlichen Erlebnisse mit dem anderen, die subjektiven Einstellungen zu ihm und die authentischen Gefühle für sein Gegenüber“ (ebd. S.8). Demnach wirkt die Du-Evidenz weniger auf der kognitiven, sondern vielmehr auf der sozio-emotionalen Ebene.
Ähnlichkeiten beim körpersprachlichen Ausdruck, den Beweggründen und Empfindungen, sowie den spezifischen Bedürfnissen (z.B. nach Berührung, Nähe, Kommunikation, Interaktion etc.) von Mensch-Tier erhöhen den Grad der Bindung. Dadurch ist eine gemeinsame Basis gegeben, auf der eine gegenseitige Wahrnehmung als „Du“ erfolgt und eine Beziehung miteinander eingegangen werden kann. Nach Schmitz funktioniert die Du-Evidenz „zu für den Menschen ausdrucksfähigen Tieren – im Gegensatz zu Insekten - ebenso gut wie im zwischenmenschlichen Kontakt und bedarf keiner Sprache“ (Schmitz 1992, S. 35).
Sozial lebende Tiere wie Hunde oder Pferde eignen sich besonders gut zum Aufbau einer Du-Beziehung, da diese ähnliche emotionale und soziale Grundbedürfnisse besitzen. Menschen und Tiere wollen gleichermaßen eine derartige Beziehung eingehen, um daraus emotionale und soziale Grundbedürfnisse stillen zu können.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung begründet das Forschungsinteresse an der Bedeutung von Tieren für Kinder in der stationären Jugendhilfe und erläutert den Aufbau der Arbeit.
2. Teil I – Theorie: Dieser Abschnitt erarbeitet die theoretischen Grundlagen, darunter Begriffe wie tiergestützte Pädagogik, die Biophilie-Hypothese und das Konzept der Du-Evidenz sowie den Stand der Forschung zu Wirkungen auf Körper und Psyche.
3. Teil II – Forschung: In diesem Teil wird die Einrichtung vorgestellt, in der die empirische Untersuchung durchgeführt wurde.
4. Leitfadeninterview: Dieses Kapitel erläutert die methodische Vorgehensweise, die Erstellung und den Aufbau des Leitfadens sowie die Auswertung der Interviews und die biografische Analyse der Kinder hinsichtlich ihrer Beziehung zu Tieren.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, wonach Tiere einen wesentlichen Beitrag zum Wohlbefinden und zur sozialen Entwicklung der Kinder leisten, jedoch stets im Rahmen eines pädagogischen Konzepts eingebettet sein sollten.
Schlüsselwörter
Tiergestützte Pädagogik, Kinder- und Jugendhilfe, Mensch-Tier-Beziehung, Bindungstheorie, Du-Evidenz, Empathie, Sozialverhalten, Selbstwertgefühl, Leitfadeninterview, Qualitative Forschung, psychosoziale Kompensation, Heimalltag, Tierhaltung, Verantwortung, Persönlichkeitsentwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, welche Bedeutung Tiere für Kinder und Jugendliche haben, die in einer stationären Wohngruppe der Jugendhilfe leben.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der theoretischen Fundierung der Mensch-Tier-Beziehung, der Förderung sozialer und emotionaler Kompetenzen sowie der empirischen Untersuchung von Tierkontakten im Heimalltag.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist herauszufinden, ob und wie Tiere dazu beitragen können, das psychische Wohlbefinden der Kinder zu stabilisieren und ihnen neue Erfahrungen im Bereich der Beziehungsfähigkeit zu ermöglichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt leitfadengestützte Interviews mit den Kindern, die durch das Erstellen eigener Fotos ergänzt werden, um deren subjektive Sichtweisen und Relevanzen zu erfassen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Erörterung (u.a. Bindungstheorie, Spiegelneurone) und eine empirische Analyse der Interviews, in der die Erfahrungen der Kinder im Umgang mit den Tieren der Wohngruppe ausgewertet werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind tiergestützte Intervention, Jugendhilfe, Empathie, Bindungssicherheit und persönliche Kompetenzentwicklung.
Welche Rolle spielt das Konzept der „Du-Evidenz“?
Es beschreibt die Fähigkeit, ein Tier als eigenständiges „Du“ wahrzunehmen, was eine zentrale Voraussetzung für den Aufbau einer tragfähigen und therapeutisch wirksamen Beziehung zwischen Mensch und Tier ist.
Wie beeinflussen die Tiere den Alltag in der Wohngruppe?
Die Tiere fungieren als konstante Ansprechpartner, die wertfrei und ohne soziale Vorurteile auf die Kinder zugehen, was gerade für traumatisierte Kinder eine wichtige stabilisierende und tröstende Wirkung hat.
Inwiefern fördern die Tiere soziale Kompetenzen?
Durch die Verantwortung für ein Lebewesen lernen die Kinder Pflichtbewusstsein, Empathie und die Notwendigkeit nonverbaler Kommunikation, Fähigkeiten, die sie auch in zwischenmenschliche Konfliktsituationen übertragen können.
Warum wird betont, dass Tiere keine Pädagogen ersetzen?
Obwohl Tiere eine große emotionale Bedeutung haben, sind sie Co-Pädagogen. Professionelle pädagogische Unterstützung ist notwendig, um die bei den Kindern bestehenden Verhaltensauffälligkeiten und Bindungsstörungen systematisch zu bearbeiten.
- Arbeit zitieren
- Dana Swillims (Autor:in), 2010, Die Bedeutung von Tieren in der sozialpädagogischen Arbeit. Eine Studie zur Perspektive von jungen Menschen in der stationären Kinder- und Jugendhilfe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/378176