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Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) bei Kindern und Jugendlichen im Kontext Krieg- und Fluchterleben

Grundlagen im Hinblick interkultureller kunsttherapeutischer Praxis

Title: Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) bei Kindern und Jugendlichen im  Kontext Krieg- und Fluchterleben

Term Paper , 2016 , 26 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Anonym (Author)

Medicine - Therapy
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Laut UNHCR-Jahresbericht sind knapp 60 Millionen Menschen auf der Flucht vor Kriegen, Konflikten und Verfolgung. Die meisten kommen aus Syrien, Afghanistan, dem Irak und Somalia. Die Hälfte der Flüchtlinge sind Minderjährige. Viele werden konfrontiert mit dem Verlust der Eltern und Geschwister, sehen zu wie andere Flüchtlinge sterben, müssen permanent selbst Angst um das eigene Leben haben oder erfahren Gewalt. Endlich im Aufnahmeland vermeintlich in Sicherheit, müssen sie mit dem Gefühl der Isolation und Entwurzelung leben und sich den Herausforderungen der Integration in eine für sie fremde Kultur stellen. Solch traumatische Ereignisse hinterlassen oft tiefe seelische Wunden. Auf der Homepage der Bundes Psychotherapeuten Kammer wird in einem BPtK-Standpunkt darauf hingewiesen, dass Studien, die mit Kindern von Flüchtlingen in Deutschland durchgeführt wurden, belegen, dass nahezu die Hälfte der Kinder deutlich psychisch belastet ist. Sensibilisiert durch mein Studium der Kunsttherapie, fühle ich mich zur Thematik hingezogen. Seit März 2016 unterstütze ich deshalb im Rahmen eines Praxisprojektes einen gemeinnützigen Verein, der humanitäre Hilfe für syrische Flüchtlinge in Bursa (Türkei) leistet. Unter anderem angeregt durch die Veröffentlichung Imagination als heilsame Kraft von Luise Reddemann, biete ich Workshops für Kinder in Form von künstlerischen Interventionen, die über gezielte Themenstellungen stabilisierende Erfahrungen ansprechen. Nicht jedes traumatische Ereignis führt zwangsläufig zu einer Traumafolgestörung. Aber ich stelle mir oft die Frage, wie viele Kinder das oft Unaussprechliche des Erlebten nicht verarbeiten können.

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Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Der Begriff »Trauma«

2.1 Phänomenologische Definition

2.2 Klassifikationsbasierte Definition

2.3 Bandbreite traumatisierender Ereignisse nach Leonore Terr

3 Diagnosekriterien der PTBS bei Kindern nach DSM-IV-TR

4 Pathogenese der PTBS

4.1 Wie funktioniert unser Gehirn bei Gefahr?

4.2 Wie funktioniert unser Gehirn bei einem traumatischen Ereignis?

4.3 Entstehungsmodell der PTBS nach Ehlers und Clark

4.3.1 Gedächtnisdefizite

4.3.2 Dysfunktionale kognitive Bewertungen

4.3.3 Aufrechterhaltung dysfunktionalen Verhaltens

4.4 Risikofaktoren zur Entwicklung einer PTBS

5 Traumatherapeutische Ansätze

5.1 Die drei Phasen der Traumatherapie

5.1.1 Stabilisierung

5.1.2 Traumabearbeitung (Exposition)

5.1.3 Integration

5.2 Traumafokussierte kognitive Verhaltenstherapie (Tf-KBT)

5.3 Narrative Expositionstherapie (KIDNET)

5.4 Aspekte interkultureller Kunsttherapie

5.4.1 Interkulturelle Fähigkeiten in der Kunsttherapie

5.4.2 Zielsetzungen interkultureller kunsttherapeutischer Arbeit

5.4.3 Kunsttherapeutische Ansätze

6 Schlussbemerkung und Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Grundlagen der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) bei Kindern und Jugendlichen, die durch Krieg und Flucht traumatisiert wurden, und beleuchtet dabei Möglichkeiten der kunsttherapeutischen Intervention. Das Ziel besteht darin, theoretische Konzepte der Psychotraumatologie mit praktischen kunsttherapeutischen Ansätzen zu verknüpfen, um betroffene junge Menschen in ihrer Identitätsbildung und Ressourcenaktivierung zu unterstützen.

  • Grundlagen der Traumadefinition und PTBS-Diagnostik bei Kindern
  • Neurobiologische und kognitive Aspekte der Pathogenese
  • Bewährte traumatherapeutische Verfahren wie Tf-KBT und KIDNET
  • Rolle der interkulturellen Kunsttherapie bei unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen
  • Förderung von Resilienz und innerer Kohärenz durch kreative Prozesse

Auszug aus dem Buch

4.2 Wie funktioniert unser Gehirn bei einem traumatischen Ereignis?

Bei einem traumatischen Ereignis gerät das in Kapitel 4.1 erklärte Konzept aus den Fugen. Die Informationen, die das Gehirn überschwemmen, sind zu bedrohlich, als dass sie in irgendeinen dem individuellen Weltverständnis entsprechenden Kontext zu bringen sind. Es ist, was nicht sein kann. Sie machen Handeln, geschweige denn angemessenes Handeln unmöglich.

Angenommen ein Kind flieht mit seiner Mutter vor dem Krieg in einem Boot über das Meer. Der Vater ist vor kurzem bei kriegerischen Auseinandersetzungen im Herkunftsland verstorben. Sie geraten in ein Unwetter. Es regnet, stürmt, blitzt und donnert. Das Kind ist sehr ängstlich. Die Mutter verliert beim Versuch, dem Kind eine Schwimmweste anzulegen das Gleichgewicht, kippt aus dem Boot und ertrinkt. Das Kind wirkt wie gelähmt und spricht kein Wort bis zum Erreichen des Festlands. (Diese Beschreibung ist frei erfunden).

Das Gehirn reagiert jetzt mit Schutzmechanismen, um effektiv mit dem traumatischen Ereignis fertig zu werden. Zu viele sensorische bedrohliche Informationen trommeln auf die Amygdala ein. Es gibt keine vorkategorisierte Schablone, die eine Fluchtreaktion auslösen könnte. Die Hippocampus-Funktionen werden unterbrochen. Das Ereignis kann somit nicht einer lebensgeschichtlichen Erfahrung zugeordnet werden. Der präfrontale Cortex wird einfach überrannt und kann keine angemessenen Reaktionsmechanismen einleiten. Stress- und Emotionsregulation sind deutlich eingeschränkt. Wo es keine Möglichkeit gibt, dem Geschehen zu entkommen (= no flight) oder dagegen anzukämpfen (= no fight) bleibt nur Kapitulation (= freeze + fragment) (Huber, 2003). Die Amygdala speichert die Informationen in Bezug zum Erlebten als Gedächtnisinhalte sensorisch (als visuelle, auditive, olfaktorische, affektive oder kinästhetische Eindrücke) entsprechend ihrer emotionalen Bedeutung. Das heißt, sie verbleiben fragmentiert im impliziten Gedächtnis (= werden dissoziiert gespeichert) und können aufgrund der eingeschränkten Hippocampus-Funktion auch nicht in das explizite Gedächtnis überführt werden, somit nicht narrativ gestaltet und nicht als zusammenhängende Geschichte zeitlich und räumlich bewusst erinnert und verbalisiert werden (Wöller, 2006). Die Vorraussetzungen für die im DSM-IV-TR genannten Symptome für eine PTBS sind geschaffen.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die prekäre Situation von geflüchteten Kindern und begründet die Relevanz der kunsttherapeutischen Auseinandersetzung mit Traumafolgen.

2 Der Begriff »Trauma«: Dieses Kapitel differenziert zwischen phänomenologischen und klassifikationsbasierten Definitionen von Trauma und führt die Typologie nach Leonore Terr ein.

3 Diagnosekriterien der PTBS bei Kindern nach DSM-IV-TR: Hier werden die spezifischen Symptomcluster der PTBS – Wiedererleben, Vermeidung und Übererregung – detailliert erläutert.

4 Pathogenese der PTBS: Dieses Kapitel analysiert die neuroanatomischen Prozesse bei Gefahr und traumatischen Ereignissen sowie das kognitive Entstehungsmodell nach Ehlers und Clark.

5 Traumatherapeutische Ansätze: Es werden die Phasen der Traumatherapie sowie spezifische Verfahren wie Tf-KBT, KIDNET und kunsttherapeutische Interventionsmöglichkeiten im interkulturellen Kontext vorgestellt.

6 Schlussbemerkung und Ausblick: Die Autorin reflektiert die Ergebnisse und formuliert offene Forschungsfragen zur kulturadäquaten Identitätsarbeit in der kunsttherapeutischen Praxis.

Schlüsselwörter

Posttraumatische Belastungsstörung, PTBS, Traumatherapie, Kunsttherapie, Kinder, Jugendliche, Flucht, Krieg, interkulturell, Identitätsarbeit, Ressourcenorientierung, Resilienz, Neurobiologie, Gedächtnis, Trauma-Narrativ.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit behandelt die posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) bei Kindern und Jugendlichen, die Flucht- und Kriegserfahrungen gemacht haben, und untersucht, wie Kunsttherapie zur Heilung und Stabilisierung beitragen kann.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Zentral sind die theoretischen Grundlagen der Psychotraumatologie, die Diagnosekriterien der PTBS, die neurobiologische Pathogenese sowie therapeutische Ansätze, insbesondere die interkulturelle Kunsttherapie.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, ein theoretisches Verständnis für PTBS im Kindesalter zu schaffen und aufzuzeigen, wie künstlerische Interventionen bei geflüchteten Kindern gezielt für Stabilisierung und Integration eingesetzt werden können.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?

Die Autorin stützt sich auf eine umfassende Literaturanalyse aktueller psychotraumatologischer Modelle und verbindet diese mit Erkenntnissen aus kunsttherapeutischen Fachzeitschriften und eigenen Praxiserfahrungen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung (Begriffsbestimmung, Pathogenese, Risikofaktoren) und die Darstellung bewährter Traumatherapiemethoden inklusive eines speziellen Fokus auf kunsttherapeutische Ansätze im interkulturellen Kontext.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie PTBS, interkulturelle Kunsttherapie, Trauma-Narrativ, Ressourcenaktivierung, Resilienz und Fluchtkontext charakterisieren.

Wie erklärt das Modell von Ehlers und Clark die Entstehung der PTBS?

Das Modell postuliert, dass Traumatisierungen Grundvorstellungen erschüttern und PTBS durch drei Faktoren aufrechterhalten wird: Gedächtnisdefizite, dysfunktionale kognitive Bewertungen und maladaptives Verhalten zur Kontrolle der Bedrohung.

Warum ist das Refraiming in der Arbeit mit jungen Flüchtlingen von Bedeutung?

Das Refraiming ermöglicht eine Umdeutung der traumatischen Erfahrungen, indem der Fokus weg von den Defiziten hin zu den individuellen Chancen und den während der Flucht entwickelten Stärken gelenkt wird.

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Details

Title
Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) bei Kindern und Jugendlichen im Kontext Krieg- und Fluchterleben
Subtitle
Grundlagen im Hinblick interkultureller kunsttherapeutischer Praxis
Grade
1,0
Author
Anonym (Author)
Publication Year
2016
Pages
26
Catalog Number
V378204
ISBN (eBook)
9783668557925
ISBN (Book)
9783668557932
Language
German
Tags
Kinder und Jugendliche Krieg Flucht PTBS Kunsttherapie Flüchlinge Erleben Therapie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Anonym (Author), 2016, Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) bei Kindern und Jugendlichen im Kontext Krieg- und Fluchterleben, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/378204
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