Diese Studie beschäftigt sich mit der Frage, was Menschen brauchen, um nicht suchtkrank zu werden.
In der Literatur werden sowohl Erklärungsmodelle für die Suchtentstehung gefunden, als auch der Zusammenhang mit möglichen Komorbiditäten aufzeigt. Hier zeigt sich, dass ein einfaches Ursache-Wirkung-Prinzip nicht angewandt werden kann, sondern aufgrund multifaktorieller Einflussfaktoren viele Umstände zu berücksichtigen sind.
Für die Studie wurden 13 Interviews mit Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern in ambulanten Kärntner Suchtberatungsstellen durchgeführt. Die transkribierten Interviews wurden mittels qualitativer Inhaltsanalyse ausgewertet. Die erhaltenen Aussagen werden den Ergebnissen der Literaturrecherche gegenüber gestellt.
Zwischen dem in der Literatur Vorgefundenem und in den Aussagen der Suchtberaterinnen und Suchtberater herrscht bezüglich der für eine Suchtentstehung maßgeblichen Faktoren eine große Übereinstimmung. Abweichungen gibt es bei den Schwerpunktsetzungen. Die im Feld professionell Tätigen messen familiären Einflüssen, Belastungen und Unterstützungen durch Soziale Organisationen ein besonders großes Gewicht bei. Hingegen werden biologische Ursachen der Suchtentstehung von ihnen nicht erwähnt. Die Befragung der Expertinnen und Experten ergibt neue Ansatzpunkte für die Suchtprävention, wobei die Kärntner Situation besondere Berücksichtigung findet.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Einführung in die Arbeit und Problemstellung
1.2 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit
A THEORETISCHER TEIL
2 Psychische Gesundheit
2.1 Definition
2.2 Psychosoziale Krisen
3 Prävention und Gesundheitsförderung
3.1 Definition
3.2 Das Wirkungsprinzip der Gesundheitsförderung
3.3 Suchtprävention
4 Sucht
4.1 Definition
4.2 Erklärungsmodelle zur Suchtentstehung
4.2.1 Psychoanalytische Suchttheorie
4.2.2 Kognitive Erklärungsmodelle
4.2.3 Soziologische Suchttheorie
4.2.4 Selbstmedikation
4.2.5 Konditionierung
4.2.6 Sucht als neuroendokrinologische Erkrankung
4.2.7 Das körpereigene Belohnungssystem
4.2.8 Sucht als Folge fehlender Bindung
4.2.9 Genetische Prädisposition
4.2.10 Multifaktorielle Ursachen
4.2.11 Lebensgeschichtliche Ereignisse
4.2.12 Entzugsvermeidung
4.3 Substanzen als Einflussfaktoren zur Suchtentwicklung
4.3.1 Geschichte der Opioide
4.3.2 Wirkung der Opiate
4.3.3 Heroin
4.3.4 Kokain
4.3.5 Cannabis
5 Trauma
5.1 Definition
5. 2 Historische Entwicklung der Psychotraumatologie
5.3 Trauma und Traumatisierung
5.4 Traumaarten
5.5 Biologisches Erklärungsmodell zur Traumaentstehung
5.6 Folgen von Traumatisierungen
5.7 Transformative Bewältigung / posttraumatisches Wachstum
5.8 Einflussfaktoren für das Entstehen von Traumafolgestörungen
5.9 Resilienz
5.10 Zusammenhänge von Trauma und Sucht
6 Komorbidität
6.1 Definition
6.2 Modelle gemeinsamer Faktoren
6.3 Bidirektionale Modelle
7 Ausgewählte psychische Erkrankungen
7.1 Posttraumatische Belastungsstörungen
7.2 Angsstörung
7.3 Dissoziative Störungen
7.4 Bindung und Bindungsstörungen
7.4.1 Grundlagen
7.4.2 Bindungsmodelle
7.4.3 Bindungsstrategien
7.4.4 Bindung und Trauma
7.5 AD(H)S
7.6 Borderline
7.8 Narzissmus
B EMPIRISCHER TEIL
8 Forschungsmethodik
8.1 Forschungsdesign
8.2 Eingrenzung der Forschungsfrage
8.3 Erhebungsmethodik und Ablauf der Forschung
8.3.1 Auswahl der zu interviewenden Personen
8.3.2 Erstellung des Interviewleitfadens
8.3.3 Durchführung der Interviews
8.3.4 Transkription
9 Auswertungsmethode der qualitativen Interviewdaten
9.1 Qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring
9.2 Verwendete Software
9.3 Kategorien und Oberkategorien
9.3.1 Bilden von Kategorien
9.3.2. Weitere Kategorieebenen
9.3.3 Revisionsschleifen
9.3.4 Einflüsse quantitativer Forschung
9.3.5 Erstellen eines Kategorienbaums
10 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Studie
10.1 Geschlecht
10.2 Einrichtung
10.3 Ausbildung
10.1.4 Berufserfahrung
11. Auswertung der Interviews
11.1 quantitativer Exkurs
11.2 Suchtenststehungsfördernde Faktoren
11.2.1 Belastungen
11.2.2 Fehlen von Benötigtem
11.2.3 Vorbedingungen
11.2.4 Weitere Faktoren
11.2.5 Zusammenschau zu den suchtfördernen Faktoren
11.3 Suchtvermeidung
11.4 Zusammenhang Trauma und Sucht
11.5 Situation in Kärnten für bereits suchtkranke Menschen
12 Resümee
12.1 Beantwortung der Forschungsfrage
12.2 Was wird gebraucht, damit in Zukunft weniger Menschen suchtkrank werden?
12.3 Aufgabe der Sozialarbeit
12.4 Ausblick
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Masterarbeit untersucht die zentralen Faktoren, die eine Suchtentstehung begünstigen oder verhindern können, indem sie theoretische Konzepte mit den praktischen Erfahrungen von Kärntner SuchtberaterInnen vergleicht. Das primäre Ziel ist es, Antworten auf die Frage zu finden, was KlientInnen aus Sicht professioneller SuchtberaterInnen benötigt hätten, um erst gar nicht suchtkrank zu werden.
- Theoretische Erklärungsmodelle zur Suchtentstehung
- Die Bedeutung von Trauma, Bindungsstörungen und Komorbidität
- Empirische Erhebung mittels qualitativer Experteninterviews
- Präventionsansätze und die Rolle der Sozialen Arbeit
- Ableitung zukünftiger Handlungsbedarfe in der Suchthilfe
Auszug aus dem Buch
1.1 Einführung in die Arbeit und Problemstellung
Es bedarf wohl keiner weitergehenden wissenschaftlichen Forschung, um festzustellen, dass das Auftreten einer Suchterkrankung bei einem Menschen nicht zufällig und ohne endogene oder exogene Faktoren plötzlich geschieht. Es stellt sich vielmehr sowohl im allgemeinen wissenschaftlichen, als auch im subjektiven persönlichen Kontext die Frage, um welche Faktoren es sich dabei handelt. Seit langem wird, mit verschiedenen weltanschaulichen sowie wissenschaftlich fundierten Konzepten Suchtprävention betrieben. Dennoch gibt es eine nicht unbedeutende Zahl an Menschen, die trotz aller Präventionsbemühungen suchtkrank werden. Einige davon durfte der Verfasser während seiner beruflichen Laufbahn in den letzten Jahrzehnten kennenlernen. In der vorliegenden Arbeit wird versucht, jene Faktoren zu beschreiben, welche bei vielen Menschen zur Entwicklung einer Suchterkrankung beigetragen haben können.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problemstellung ein und definiert das Ziel sowie den Aufbau der Masterthesis.
2 Psychische Gesundheit: Dieses Kapitel liefert eine theoretische Basis durch Definitionen psychischer Gesundheit und die Erläuterung psychosozialer Krisen.
3 Prävention und Gesundheitsförderung: Hier werden die Konzepte Prävention, Gesundheitsförderung sowie Suchtprävention theoretisch fundiert und deren Wirkungsprinzipien dargelegt.
4 Sucht: Dieses Kapitel bietet eine Übersicht über Definitionen, Erklärungsmodelle zur Suchtentstehung und relevante psychoaktive Substanzen.
5 Trauma: Es wird die Bedeutung von Trauma und Traumatisierung sowie deren biologische und psychologische Zusammenhänge mit Suchterkrankungen analysiert.
6 Komorbidität: Dieses Kapitel erläutert das gemeinsame Auftreten von Suchterkrankungen und anderen psychischen Erkrankungen.
7 Ausgewählte psychische Erkrankungen: Es werden spezifische psychische Störungen wie PTBS, Angststörungen und Bindungsstörungen in ihrem Zusammenhang mit Sucht vorgestellt.
8 Forschungsmethodik: Beschreibung des Forschungsdesigns und der methodischen Vorgehensweise bei der Datenerhebung.
9 Auswertungsmethode der qualitativen Interviewdaten: Darstellung der Anwendung der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring zur Auswertung der Experteninterviews.
10 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Studie: Analyse und statistische Aufbereitung der demografischen Daten sowie der Hintergründe der befragten SuchtberaterInnen.
11. Auswertung der Interviews: Präsentation der empirischen Ergebnisse, unterteilt in quantitative und qualitative Analysen suchtfördernder Faktoren.
12 Resümee: Synthese der Ergebnisse, Beantwortung der Forschungsfrage und Ausblick auf zukünftige präventive Ansätze in der Sozialarbeit.
Schlüsselwörter
Sucht, Prävention, Suchtprävention, Komorbidität, Trauma, Suchtberatung, Psychotraumatologie, Resilienz, Bindungsstörung, Selbstmedikation, Sozialarbeit, qualitative Inhaltsanalyse, Suchtentstehung, Suchtfaktor, Psychische Gesundheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Masterarbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, welche Faktoren zur Entstehung von Suchterkrankungen beitragen und was Menschen benötigen würden, um diese Entwicklung zu verhindern.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Arbeit?
Die zentralen Themen sind Sucht, Trauma, Bindungsstörungen, Prävention sowie die Rolle der Sozialen Arbeit bei der Vermeidung von Suchtbiografien.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, aus den Erfahrungen von Kärntner SuchtberaterInnen abzuleiten, welche präventiven Maßnahmen oder Ressourcen bei KlientInnen gefehlt haben, um eine Suchterkrankung abzuwenden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wurde ein qualitatives Forschungsdesign mit Leitfadeninterviews gewählt, die nach der qualitativen Inhaltsanalyse von Philipp Mayring ausgewertet wurden.
Was wird im empirischen Hauptteil behandelt?
Im empirischen Teil werden 13 Interviews mit SuchtberaterInnen in Kärnten ausgewertet, um Faktoren zu identifizieren, die KlientInnen hätten helfen können, nicht suchtkrank zu werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Suchtprävention, Trauma, Bindung, Komorbidität und psychosoziale Unterstützung.
Wie spielt das Thema Trauma in die Suchtentstehung hinein?
Laut der Studie wirken unverarbeitete Traumata häufig als Auslöser für eine Sucht, da Substanzen oft zur "Selbstmedikation" missbraucht werden, um den Leidensdruck zu senken.
Was bemängeln die Befragten an der aktuellen Versorgungslage in Kärnten?
Es wird vor allem ein Mangel an frühzeitigen, niederschwelligen Unterstützungsangeboten und fehlende spezifische Plätze für junge Erwachsene nach dem Ausscheiden aus der Jugendhilfe beklagt.
- Arbeit zitieren
- Martin Kutej (Autor:in), 2017, Was hätten KlientInnen aus Sicht von SuchtberaterInnen gebraucht, um nicht suchtkrank zu werden?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/378295