Wie hängt der Wert der Nützlichkeit mit der Konzeptualisierung der Gerechtigkeit in den Ansätzen von J. S. Mill und J. Rawls zusammen?

Rawls und Mill im Vergleich


Hausarbeit, 2015
13 Seiten, Note: 3,0

Leseprobe

Der Mensch ist ein Gemeinschaftswesen. Doch um mit anderen Menschen zusammenleben zu können, bedarf es einem komplexen System aus Verhaltensregeln und Normen, einer Gesellschaft. Das Leben in einer funktionierenden Gesellschaft verlangt eine Übereinstimmung dieser Regeln. Aber wie kann man gleiche Normen für eine Gruppe, die aus Individuen besteht, festlegen? Woher hat man die Gewissheit, dass man richtig oder gewiss handelt? In dieser Hausarbeit werde ich zwei Lösungsvorschläge für dieses Problem untersuchen und sie vergleichen. Zunächst befasse ich mich mit John Stuart Mills utilitaristischer Moralphilosophie und anschließend mit Rawls Vertragstheorie. Beide Philosophen werde ich mit einigen, relevanten biographischen Informationen einleiten und anschließend ihre Theorien erläutern.

John Stuart Mill der von 1806 bis 1873 lebte, forschte und publizierte seine Ergebnisse aus den diversesten Wissenschaften. Noch heute ist sein Buch „Utitlitarism“ von zentraler Bedeutung für die praktische Philosophie, vor allem für die Ethik. Die guten Beziehungen seines Vaters ermöglichten dem jungen Rawls einen sehr frühen Eintritt in den politischen Interlektuellenkreis „Radicals“. Schon in jungen Jahren orientierte sich Mill stark an dem Werk „Introduction to the Principle of Morals and Legislation“ von Jeremy Bentham, dem Begründer des neuzeitlichen Utilitarismus und Freund der Familie Mill. In seinem Buch „Utilitarism“bekräftigt und konkretisiert Mill den Utilitarismus von Bentham.Utilitarismwird neben „Introduction to the Principles of Morals and Legislation"das bedeutendste Dokument der utilitaristischen Ethik des 19. Jahrhunderts.

Um zu verstehen, inwiefern Mills Idee der Gerechtigkeit mit dem Utilitarismus zusammenhängt, ist es zunächst wichtig sich Klarheit über die Begriffe Nützlichkeit und Gerechtigkeit zu verschaffen. Das Nutzenprinzip formuliert Mill so, dass Handlungen gut sind, wenn sie dazu beitragen Lust zu befördern und schlecht, wenn sie Unlust befördern. Glück ist das Endziel jedes menschlichen Strebens. Selbst wenn das Ziel vorerst nicht das pure Glück an sich ist, so sind es doch Dinge, die ein Mittel zu diesem Endziel sind. Glück oder Lust definiert Mill durch die Abwesenheit von Unlust und inverse, Unglück durch das Fehlen von Lust. Dabei ist es wichtig zu beachten, dass mit Lust und Unlust nicht nur die niederen Gelüste, sondern auch geistige Freuden gemeint sind. An dieser Stelle ergänzt Mill sein hedonistisches Kalkül, dass die höheren Gelüste der geistigen Fähigkeiten die Tierischen in Dauer, Verlass und Unaufwendigkeit übertreffen. „Die Anerkennung der Tatsache, dass einige Arten der Freude wünschenswerter und wertvoller sind als andere, ist mit dem Nützlichkeitsprinzip durchaus vereinbar.“[1]Für ihn gilt es eine Freude nicht nur durch ihre Quantität, sondern auch durch ihre Qualität zu bewerten, welches ein viel wichtigeres Kriterium ist. Wichtig ist hier zu beachten, dass man nicht nach dem größten Glück für sich allein, sondern dem größtmöglichen Glück insgesamt strebt. Dazu kommt, dass jeder Mensch, der beide Arten der Freude erfahren hat, die höheren Gelüste bevorzugen würde, da sie die Niederen in so sehr übersteigen, dass man dafür selbst Unzufriedenheit akzeptieren würde. „Es ist besser ein unzufriedener Mensch zu sein, als ein zufriedenes Schwein; besser ein unzufriedener Sokrates, als ein zufrierender Narr.“[2]Trotzdem läuft der Mensch Gefahr der Verführung von näherer Befriedigung zu erliegen, wodurch die edlen Gefühle zugrunde gehen können.

Zusammengefasst bedeutet es, Mills utilitaristische Moral fordert das Aufgeben des eigenen Glücks für den größtmöglichen Nutzen insgesamt. Dieses erkennt er als die höchste Tugend allgemein an. Es ist nicht garantiert, dass wenn man sich an dieses Prinzip hält ein glücklicherer Mensch wird, jedoch schützt eine solche Lebenseinstellung vor Schicksalsschlägen. Das angestrebte Ziel ist ein Leben, welches nach quantitativen wie nach qualitativen Maßstäben so frei von Unlust ist wie nur möglich. Schließlich ist das Streben nach Glück der Endzweck der menschlichen Handlung aus utilitaristischer Sicht und somit auch die Norm der Moral. Eine Norm, die nicht nur für den Menschen, sondern für die gesamte fühlende Natur gilt. Jedoch kann die utilitaristische Norm nicht zulassen, dass das Opfer zum Wohl der Allgemeinheit so groß ist, dass es sich durch das zugetragene Glück ausgleicht oder das allgemeine Glück sogar verringert. Um sich diesem Ideal anzunähern fordert die utilitaristische Moral erstens, dass die Interessen jedes einzelnen mit dem der Gesellschaft in Übereinstimmung gebracht werden und zweitens, dass die Gesellschaft dazu erzogen wird so zu handeln, dass es zu dem Glück der Allgemeinheit beiträgt.

Des Weiteren sind das Gefühl der Gerechtigkeit und der Ungerechtigkeit so starke Emotionen, dass man leicht Glauben könnte, dass das Gefühl der Gerechtigkeit und der Nützlichkeit zwei verschiedene Dinge sind, obwohl sie bei genauem Hinsehen zusammengehören. Um diesen Widerspruch aufzulösen, muss man die Gerechtigkeit genauer betrachten. Der Mensch neigt schnell dazu, das starke Gefühl, dass die Gerechtigkeit begleitet, als letztes Kriterium für richtiges Handeln zu deuten. Jedoch muss man beachten, dass es lediglich ein Instinkt ist. Es scheint jedoch ein besonderes Gefühl zu sein, das nun erfasst werden soll.

[...]


[1]Robin Celikates/Stefan Gosepath (Hg.): Philosophie der Moral. Texte von der Antike bis zur Gegenwart, Frankfurt am Main: Suhrkamp 2009, S. 261

[2]Robin Celikates/Stefan Gosepath (Hg.): Philosophie der Moral. Texte von der Antike bis zur Gegenwart, Frankfurt am Main: Suhrkamp 2009, S.263

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Wie hängt der Wert der Nützlichkeit mit der Konzeptualisierung der Gerechtigkeit in den Ansätzen von J. S. Mill und J. Rawls zusammen?
Untertitel
Rawls und Mill im Vergleich
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Institut für Philosophie)
Veranstaltung
Einführung in die praktische Philosophie
Note
3,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
13
Katalognummer
V378321
ISBN (eBook)
9783668576520
ISBN (Buch)
9783668576537
Dateigröße
461 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rawls, Mill, Utilitarismus, J. S. Mill, J. Rawls
Arbeit zitieren
Freya Gerz (Autor), 2015, Wie hängt der Wert der Nützlichkeit mit der Konzeptualisierung der Gerechtigkeit in den Ansätzen von J. S. Mill und J. Rawls zusammen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/378321

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