Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › History of Germany - Postwar Period, Cold War

Der 17. Juni 1953 und das Ministerium für Staatssicherheit

Title: Der 17. Juni 1953 und das Ministerium für Staatssicherheit

Bachelor Thesis , 2004 , 43 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Christian Strobelt (Author)

History of Germany - Postwar Period, Cold War
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

1. Einleitung

Eines der bedeutendsten Ereignisse der deutschen Nachkriegsgeschichte war zweifelsohne der Aufstand der Bevölkerung der DDR gegen die "Diktatur des Proletariats" 1 im Juni 1953. Der 17. Juni steht hierbei synonym für einen Zeitraum von sieben Tagen 2 , in dem sich der Unmut der Bevölkerung über eine Staatsführung entlud, der viel mehr an der Sicherung ihrer Machtansprüche, als an der Einbeziehung der Bedürfnisse ihrer Bürger in den Prozess der politischen Entscheidungsfindung gelegen war.

Die Existenz der politischen Führungskaste der DDR beruhte Anfang der fünfziger Jahre im Wesentlichen auf der Tragkraft von zwei Pfeilern - zum einen auf der ideologischen und materiellen Abhängigkeit von der sowjetischen Besatzungsmacht und zum anderen auf der Arbeit eines Überwachungsapparates, der die Bevölkerung nur mittels restriktiver Maßnahmen in Schach zu halten vermochte. Insbesondere die enge Verknüpfung der Staats-und Parteiführung der DDR mit der Ideologie und der Person des sowjetischen Vorsitzenden des Ministerrats Joseph Wissarionowitsch Stalins 3 war ein Garant für den Machterhalt derselben. Aufgrund dieser Verknüpfung waren die Geschicke der DDR auch unmittelbar von den politischen Veränderungen in der UdSSR nach dem Tode Stalins betroffen. Die Regimeführung wurde entgegen ihrer eigenen Überzeugung genötigt, den eingeschlagenen stalinistischen Kurs zu verlassen und eine moderatere, den tatsächlichen Bedingungen innerhalb der DDR angepasste Politik zu vertreten. Gerade dieser Wandel aber, von der Propaganda als "Neuer Kurs" gepriesen, demaskierte die Staatsführung der DDR als hörige Vollstrecker sowjetischer Interessen. Angesichts der offensichtlichen Führungsschwäche hegten daher viele Bürger der DDR die Annahme, der Untergang des "Ersten Arbeiter- und Bauerstaates auf deutschem Boden" 4 sei nunmehr nur noch eine Frage der Zeit. Weitere politische Fehlentscheidungen forcierten diese Auffassung noch und führten schließlich zu Streiks und Massenprotesten auf dem Staatsgebiet der DDR. Nur durch die Verhängung des Ausnahmezustandes in 167 von 217 Landkreisen durch die sowjetische Besatzungsmacht gelang es schließlich den Aufstand niederzudrücken. Die Rolle der sowjetischen Besatzer in Ostdeutschland im Zusammenhang mit dem Volksaufstand vom 17. Juni ist bereits mehrfach zum Gegenstand geschichtswissenschaftlicher Untersuchungen geworden. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

1.1. Aufbau

1.2. Forschungsstand

1.3. Quellen

2. Das Ministerium für Staatssicherheit bis 1953

2.1. Die Entstehungsgeschichte des MfS

2.2. Der personelle Aufbau des MfS

2.3. Die Arbeitsweise des MfS

2.4. Das Verhältnis von MfS und SED

2.5. Die Justiz und das MfS

3. Das MfS und der 17. Juni 1953

3.1. Der 17. Juni im Bezirk Rostock - Vorgeschichte und Verlauf

3.2. Konnte das MfS den Aufstand voraussehen?

3.3. Wie verhielt sich das MfS während des Aufstandes?

3.4. Die unmittelbaren Reaktionen das MfS auf den Aufstand

3.5. Das MfS in der Krise und der Sturz Zaissers

4. Zusammenfassung

5. Quellen und Literatur

5.1. Quellen

5.2. Literatur

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle und die Reaktionen des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) während und im Nachgang des Volksaufstandes vom 17. Juni 1953, wobei insbesondere die Ereignisse im Bezirk Rostock als Fallbeispiel dienen, um Rückschlüsse auf die gängige Praxis des Geheimdienstes in der gesamten DDR zu ziehen.

  • Strukturelle und ideologische Entstehungsgeschichte des MfS.
  • Verhältnis zwischen dem Staatssicherheitsdienst, der SED und der Justiz.
  • Verlauf des 17. Juni 1953 mit Fokus auf den Bezirk Rostock.
  • Analyse des Versagens des Geheimdienstes bei der Vorhersehung des Aufstands.
  • Politische Konsequenzen für die Führung des MfS, insbesondere der Sturz von Wilhelm Zaisser.

Auszug aus dem Buch

3.3. Wie verhielt sich das MfS während des Aufstandes?

Als am 16. Juni 1953 der Demonstrationszug der Arbeiter durch die Straßen Berlins zog, befand sich der Minister für Staatssicherheit Wilhelm Zaisser seit zehn Uhr morgens auf der wöchentlich stattfindenden Donnerstagssitzung des Politbüros. Die Runde tagte diesmal in Anwesenheit des sowjetischen Hochkommissars Semjonow bis in den späten Nachmittag hinein und ließ sich auch nicht von den Ereignissen in der Ost-Berliner Innenstadt abhalten. Als der Zug der Demonstranten gegen Mittag vor dem Haus der Ministerien angelangt war, wurde eine Telefonverbindung hergestellt, die die Politbürokraten dazu nutzten, sich über den Stand der Dinge informieren zu lassen. Den Ernst der Lage begriffen sie jedoch zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Dennoch standen die Genossen an diesem Tag unter Druck, denn die Anwesenheit Semjonows war kein Zufall. Vor allem auf Drängen des Vertreters der sowjetischen Freunde fasste das Politbüro den Beschluss, die Erhöhung der Arbeitsnormen um zehn Prozent zurückzunehmen.

Erst in den Abendstunden des 16. Juni, als Grotewohl und Ulbricht vor dem Ost Berliner Parteiaktiv im Friedrichstadtpalast standhaft den "Neuen Kurs" propagiert hatten und die Unruhen in der Stadt noch immer andauerten, begriffen die Politkader schließlich die Ernsthaftigkeit der Situation. Noch am späten Abend wurde in der Normannenstraße ein Einsatzstab unter der Leitung Zaissers eingerichtet, dem auch der Chef der KVP Heinz Hoffmann unterstellt wurde. Über Nacht erreichten den Stab immer öfter Nachrichten von den Krisenherden außerhalb Berlins. Die Planungen des Einsatzstabes hatten sich bis dahin nur an einem lokalen Bedrohungsszenario orientiert.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die politische Ausgangslage der DDR im Jahr 1953 und definiert das Ziel, die Rolle des MfS während des Volksaufstandes zu untersuchen.

2. Das Ministerium für Staatssicherheit bis 1953: Dieses Kapitel erläutert die ideologischen Wurzeln, den personellen Aufbau, die Arbeitsweise sowie die Verstrickung des MfS mit der SED und der Justiz.

3. Das MfS und der 17. Juni 1953: Hier werden der Verlauf des Aufstands, die Überforderung des MfS, dessen unmittelbare Reaktionen sowie die daraus resultierende Krise und der Sturz von Wilhelm Zaisser analysiert.

4. Zusammenfassung: Das abschließende Kapitel fasst die zentralen Erkenntnisse über die Verflechtung von MfS, Partei und der gescheiterten Legende vom Putschversuch zusammen.

5. Quellen und Literatur: Dieses Verzeichnis listet die verwendeten Akten aus dem BStU-Archiv sowie die wissenschaftliche Fachliteratur auf.

Schlüsselwörter

17. Juni 1953, Ministerium für Staatssicherheit, MfS, DDR, Volksaufstand, SED, Wilhelm Zaisser, Geheimdienst, Arbeitsnormen, Streik, Justiz, Repression, Bezirk Rostock, Arbeiteraufstand, politische Krise.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Rolle und das Verhalten des DDR-Staatssicherheitsdienstes im Kontext des Volksaufstandes vom 17. Juni 1953.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zu den Schwerpunkten gehören der Aufbau und die Arbeitsweise des MfS in seinen Anfangsjahren, seine enge Bindung an die SED und die sowjetische Besatzungsmacht sowie die Ereignisse im Bezirk Rostock.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es zu untersuchen, wie das MfS auf den Aufstand reagierte, inwieweit es diesen voraussehen konnte und welche Konsequenzen das Versagen der Staatssicherheit für die politische Führung hatte.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor nutzt eine historisch-analytische Methode, basierend auf der Auswertung von internen MfS-Akten aus der Außenstelle Rostock sowie einschlägiger fachwissenschaftlicher Literatur.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden neben den organisatorischen Grundlagen des MfS der Ablauf der Unruhen im Bezirk Rostock, die interne Analyse der "spontanen Erhebung" durch das MfS und die darauffolgenden politischen Säuberungen im Machtapparat detailliert dargestellt.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind 17. Juni 1953, MfS, Volksaufstand, Wilhelm Zaisser, SED, Repression und staatliche Sicherheitsorgane.

Konnte das MfS den Aufstand vom 17. Juni 1953 tatsächlich nicht vorhersehen?

Nein, laut den Aussagen der damaligen Führung, etwa durch Wilhelm Zaisser, gab es zwar Signale von Unmut, aber keine konkrete Kenntnis über eine organisierte Planung oder einen bevorstehenden Aufstand, was die Geheimdienstführung in eine massive Krise stürzte.

Warum wurde Wilhelm Zaisser als Staatssicherheitsminister gestürzt?

Zaisser wurde nach dem Aufstand zum Sündenbock für das "Versagen" des Geheimdienstes gemacht, was Walter Ulbricht dazu nutzte, um sich selbst zu entlasten und einen politischen Widersacher im Politbüro auszuschalten.

Excerpt out of 43 pages  - scroll top

Details

Title
Der 17. Juni 1953 und das Ministerium für Staatssicherheit
College
University of Rostock  (Historisches Institut)
Grade
1,7
Author
Christian Strobelt (Author)
Publication Year
2004
Pages
43
Catalog Number
V37832
ISBN (eBook)
9783638370721
Language
German
Tags
Juni Ministerium Staatssicherheit
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Christian Strobelt (Author), 2004, Der 17. Juni 1953 und das Ministerium für Staatssicherheit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/37832
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  43  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint