Leistungssteigerung durch Musik. Möglichkeiten und Grenzen des Musikunterrichts


Bachelorarbeit, 2017
40 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Warum Musik?
2.1 Ein Blick in die ferne Vergangenheit
2.2 Bedeutung und Funktion von Musik in der Neuzeit
2.2.1 Missbrauch von Musik
2.2.2 Werbung
2.3 Der Kernlehrplan an den Schulen
2.3.1 Kernlehrplan und Transfer
2.4 Expertise bei (Musik-)Lehrern
2.4.1 Musikunterricht: Lehrkraft und Legitimation
2.5 Zusammenfassung

3 Transfer - Macht Musik schlau?
3.1 Die Bastian-Studie
3.1.1 Kritik an der Bastian-Studie
3.2 Mozart-Effekt
3.2.1 Kritische Worte zum Mozart-Effekt
3.3 Musik und Sprache
3.4 Musik und das Gehirn
3.5 Musik und Persönlichkeit

4 Aktueller Forschungsstand und Ausblick

5 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die schulische Leistung von Kindern, die Musik-Grundschulen besuchen, ist wesentlich höher als die von Kindern der normalen Grundschulen, und das selbst in den übrigen Schulfächern. (Staines 2001, 72)

Der Mozart-Effekt beruht folglich nicht auf einer dauerhaften Steigerung der allgemeinen Intelligenz [...] sondern allein darauf, dass die Versuchspersonen durch das Hören der Musik kurzfristig in einen besonders leistungsbereiten Zustand versetzt werden. (Schumacher 2007, 16)

Dies sind zwei verschiedene Aussagen, die hinsichtlich des Themas Leistungssteigerung oder Steigerung der Intelligenz durch Musik getätigt worden sind. Während einigen Studien zufolge, Musik schlau mache und die Kompetenzen eines Kindes fördere, in der der Entwicklung eines Kindes eine wichtige Rolle spiele, versucht sich die Gegenseite von der Existenz des sogenannten Mozart-Effekts (vgl. S. 24) loszusagen (vgl. Jäncke 2011, 161). Sätze wie „Musik macht klug“ oder „Musik macht kreativ und leistungsstark“ sind in der heutigen Gesellschaft ein gängiges Meinungsbild. Die meisten Menschen stellen diese Behauptungen nicht in Frage und suchen auch nicht nach möglichen Erklärungen für besagte Phänomene. Was stellen sich die Leute unter diesen Vorteilen vor?

Es wird Kindern, die eine musikalische Ausbildung genossen haben nachgesagt, sie sind flexibler, hätten größeres Selbstvertrauen. Auch Vorteile im Zusammenhang mit motorischen Fähigkeiten sind zu erwähnen. Mathematische Fähigkeiten sind besonders gut ausgeprägt, sowie das Erlernen einer Sprache fällt den Kindern mit einer musikalischen Ausbildung leichter.

Es wurde in der Vergangenheit des öfteren davon ausgegangen, dass durch Musik Transfereffekte erzielt werden können (vgl. S. 18 f), die auch auf neurowissenschaftlichen Erkenntnisse beruhen. Dadurch sei ein Mehrwert von Musik auf andere Zielbereiche möglich. Ein Ausgangspunkt für die Überlegungen könnte sein, dass Musik eine Wirkung auf uns Menschen hat, eine Macht (vgl. S. 6) , die sowohl psychologischer als auch physiologischer Natur sein kann (vgl. Kowal-Summek 2017, 347). Diese Untersuchung bzw. der Beweis dieser Effekte ist ihm Rahmen dieser Bachelorarbeit nicht möglich. Jedoch sollen die verschiedenen Positionen aus der Forschung gegenübergestellt werden, um so der Kernfrage dieser Arbeit auf den Grund zu gehen.

Es sollen Möglichkeiten und Grenzen des Transfers durch Musik auf Basis von empirischen Befunden von Studien vorgestellt und kritisch diskutiert werden. Diese kritische Auseinandersetzung mit den Studien soll zum einen zeigen, dass viele Transfereffekte aus der Luft gegriffen sind und nicht empirisch belegbar sind. Zum anderen liefert die kritische Auseinandersetzung eine weitere Begleiterscheinung, die erst dann einleuchtet, wenn nach den Gründen von Musik in pädagogischen Kontexten wie den Schulen gefragt wird.

Geht man von der These aus, dass viele Eltern von Schülerinnen und Schülern[1] der Ansicht sind, Musik würde ihre Kinder schlauer und leistungsstärker machen, wäre das Prinzip und das Ziel des Musikunterrichts im Allgemeinen völlig missglückt und missverstanden worden. Leider scheint diese Fehleinschätzung sowohl in der Gesellschaft, als auch im Schulkontext weit verbreitet, was dem Musikunterricht generell zu Gute kommt aufgrund des wachsenden Legitimationsdrucks (vgl. S. 16 f). Trotzdem wurde im Laufe der Jahre ein Bild des Musikunterrichts suggeriert, was den Akzent auf Transfereffekte des Musikunterrichts legt und die zentralen Dinge des Musikunterrichts wie zum Beispiel das gemeinsame Musizieren oder Singen oder das wissenswerte Lernen aus der Musikgeschichte in den Hintergrund stellt. Niemals würde man Sprach-, Mathematik- oder Gesellschaftliche Fächer in der Schule aus dem Lehrplan nehmen, doch die Wichtigkeit vom Musikunterricht, der so viele Aspekte aller Fächer miteinbezieht, wird vernachlässigt (vgl. Barenboim 2008, 9). Es soll im Rahmen dieser Arbeit gezeigt werden, inwiefern das Fach Musik an allgemeinbildenden Schulen dieser Legitimation nachkommt und ob dieses suggerierte Bild des Musikunterrichts an Schulen dem eigentlichen Sinn von Musik widerspiegelt. Hierfür ist eine gründliche Untersuchung des Kernlehrplans von den Schulen unumgänglich, da der Kernlehrplan die Grundlage sowie die Zielführung für den Unterricht darstellt.

Der erste Teil der Arbeit beschäftigt sich mit der allgemeinen Bedeutung von Musik und mit der Frage inwiefern sich diese Bedeutung im Laufe der Zeit verändert hat. Diese Grundlage stellt die Überlegungen für die genaue Betrachtung des Kernlehrplans an den Schulen dar. Es soll untersucht werden, ob Transfereffekte innerhalb des Kernlehrplans bestehen und ob diese den Unterrichtsalltag mitgestalten. Dabei soll auch die Lehrperson in den Blick genommen werden, da sie als vermittelnde Instanz zwischen dem Lehrplan und den Schülern fungiert.

Im zweiten Teil erfolgt dann die theoretische Auseinandersetzung mit Studien zur Musik und ihrer Wirkungskraft. Die Bastian-Studie (vgl. S. 19), sowie die Studie zum Mozart-Effekt (vgl. S. 24) werden vorgestellt und anderen Positionen aus der Forschung gegenübergestellt.

Im letzten Teil der Arbeit soll ein Fazit gezogen werden inwiefern Transfereffekte den Alltag des Musikunterrichts bestimmen und ob der Musikunterricht sich dieser Legitimation durch Transfereffekte beugen muss, oder ob es Möglichkeiten gibt sich dieser Ansicht vieler zu entziehen.

2 Warum Musik?

Für sehr viele Menschen ist Musik mehr als nur eine Kunst oder ein Medium der Unterhaltung. Musik ist ein tagtäglicher Wegbegleiter vieler Menschen und ist somit gar nicht mehr weg zu denken.

Die einen erfreuen sich der Musik als ein Konsumgut, welches jeden Tag aus dem Radio, von CDs oder durch Internetstreaming konsumiert wird. Das Maß an Intensität des Musikkonsums, ist bei jedem Menschen divergent, jedoch verbinden viele Menschen mit dem Hören von Musik Erlebnisse, Gefühle und Emotionen.

Die anderen sehen Musik wiederum als Profession an und entscheiden sich dabei je nach eigenem Anspruch für eine musikalische Ausbildung bzw. sie begeben sich in die Rolle eines Musikproduzenten oder Komponisten etc. Mittlerweile gibt es alleine in Deutschland um die 14 Millionen Musiker[2], welche entweder ein Instrument als Hobby erlernen möchten, oder eine musikalische Laufbahn an einer Musikhochschule anstreben, um einmal in einem großen Orchester spielen zu können, oder aber als Lehrer an eine Schule zu gehen, um musikalische Inhalte zu vermitteln. Die Palette an Möglichkeiten Musik auszuleben, ist sehr groß und bietet den Menschen je nach eigenem Wunsch und Ehrgeiz die Freiheiten, die in anderen Bereichen des Lebens nicht immer gegeben sind. Schließlich musizieren, konsumieren und komponieren Menschen Musik nicht aus Zwang, sondern aus Spaß und Leidenschaft, was Menschen tagtäglich dazu antreibt diesem Hobby oder der Profession weiter nach zu gehen.

2.1 Ein Blick in die ferne Vergangenheit

Natürlich ist die Rolle von Musik für Menschen im stetigen Wandel begriffen, obwohl Musik schon immer einen hohen Stellenwert im Alltag der Menschen hatte. Bereits zur Zeit der alten Griechen mit Bezug auf die altgriechische Mythologie wird von und über Musik gesprochen. Zeus schuf etwas, was noch fehlte. Laut der Mythologie war es das Musische, was Zeus schuf - ein Werkzeug des Ausdrucksmittels in Form von Worten und Tönen (vgl. Varkoy 2016, 11). Dabei umfasste das Musische neben den Worten und Tönen auch die griechische Sprache, Poesie und Tanz (ebd.).

Geht man in der Zeit weiter, so lassen sich unter anderem Platon und Pythagoras auch mit Musik in Verbindung bringen. Platon bediente sich in seinen Schriften des öfteren des Gedankenguts des Pythagoras und ging davon aus, dass alles weltliche, mathematischen Gesetzen unterliegt. Diese Gesetze seien nach Platon in der Musik etwa durch die Intervalle im Zahlenverhältnis zu verstehen (ebd., 12). Durch die jeweils feststehenden Tonabstände in Zahlenform, ist Musik also in der Welt fest verankert, was sich nur schwierig widerlegen lässt, weil es der mathematischen Wirklichkeit entspricht. Nach Pythagoras und Platon ist all das wirklich und real, was es mathematisch zu ergründen und zu beweisen gilt (ebd.). Platon berücksichtigt jedoch auch den Umgang mit Musik und dessen Wirkung in seinen Schriften. Er sagt, dass das Musische eine tiefgehende Bedeutung habe, die sich sowohl positiv als auch negativ äußern könne. Musik soll so eingesetzt werden, dass positive Kräfte dadurch zur Entfaltung kommen können. Ferner beschreibt Platon die Erziehung von Wächtern, die Musik eher meiden sollten. Er denke, Musik könnte ihre Beherrschung und ihren Mut schwächen (ebd., 17).

Besonders Aristoteles beschäftigte sich mit dem Thema Musik und Musikerziehung ausgiebig. Musik wird von Aristoteles nicht als ein Metaphysisches, sondern als ein empirisches Phänomen verstanden, was den Menschen auf der Ebene der Erfahrung und Vernunft begegnet (ebd., 21). Durch die Gabe der Vernunft sei es den Menschen möglich, ihren Leben einen Raum zu geben und freie Zeit beispielsweise mit geistigen Aktivitäten zu nutzen, wodurch sie sich von allen anderen Lebewesen im Vergleich abgrenzten. Aristoteles zufolge beinhaltet Musik vier Aspekte, die innerhalb eines Stufenmodells aufeinander aufbauen: Auf der untersten Stufe steht Lust, Erholung und Wohlbefinden. Aristoteles sagt, dass jeder Mensch eine natürliche Neigung zur Musik habe, welche durch Lust und Wohlbefinden angetrieben wird. Musik kann in diesem Zusammenhang auch als ein Mittel zur Entspannung und Erholung gesehen werden. Auf der zweiten Stufe steht die Charakterbildung, die durch die Beschäftigung mit Musik als Folge in Erscheinung tritt. Die Beschäftigung mit Musik bildet nun auch die dritte Stufe, der wertvollen geistigen Beschäftigung. Diese Art der Beschäftigung geht über den rein musischen Teil hinaus und fragt nach dem geistigen Wert von Musik und ob Musik klug mache (ebd., 22). Dass die Beschäftigung sich mit der Frage auseinandersetzt, ob Musik klug mache, zeigt, dass Aristoteles wie auch Platon der Überzeugung ist, dass Musik eine Wirkung auf den Menschen hat, die mit dem empirischen verwoben ist. Musik als Beschäftigung und als charakterbildende Wirksamkeit ermöglicht es den Menschen, Musik auf einer höheren Ebene des geistigen zu erleben. Aristoteles meint, dass auf dieser Ebene Freude und sinnlicher Genuss zusammenfallen und das darüber Musik sich zu einer Quelle des Glücks im Leben der Menschen entfalte (ebd., 23).

Scheinbar war das Interesse an der Musik in der Antike schon immer groß gewesen, da Musik zum Kanon der sieben Studienfächern gehört. Die septem artes liberales, also die Sieben Freien Künste waren im Mittelalter ein Fächerkanon an den Universitäten. Die freien Künste waren für freie Menschen verfügbar. Die freien Menschen waren dann frei, wenn sie nicht zum Broterwerb arbeiten mussten und somit der Beschäftigung mit den Künsten nachgehen konnten. Die Unterscheidung bei den Freien Künsten erfolgte durch das Trivium und das Quadrivium. Das Trivium beinhaltete sprachlich und logisch ausgerichtete Fächer – also Grammatik, Rhetorik und Dialektik bzw. Logik. Das Quadrivium beschäftigte sich wiederum mit mathematischen Fächern wie, Arithmetik, Geometrie, Musik und Astronomie.[3] Der Musikunterricht beschränkte sich auf Musiktheorie und Tonarten und war auch als Grundlage für Kirchenmusik zu verstehen.

Kirchenmusik war ein wesentlicher Bestandteil der kirchlichen Messe und stellte somit auch die Legitimation für das Erlernen musikalischer Inhalte bzw. der Ausbildung der Stimme an den Universitäten dar. Ob nun Musik als Fach an den Universitäten unterrichtet worden wäre ohne die Zustimmung der Kirche, lässt sich nicht erklären. Dazu wäre ein Blick hinter die Kulissen der mittelalterlichen Kirchen und Universitäten erforderlich, welcher aufgrund der Komplexität des Themas den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde. Jedoch lässt sich feststellen, dass Musik und die anderen freien Künste an den Universitäten unterrichtet worden sind, da sie auf die alten Griechen Pythagoras, Platon und Aristoteles zurückgehen und im Grunde genommen bis heute, wenn auch indirekt an den Universitäten bestehen. Denn im Laufe der Jahrhunderte veränderten sich Studiengänge sowie Studienordnungen an den Universitäten.

2.2 Bedeutung und Funktion von Musik in der Neuzeit

Autorin Sabrina Zehentmair spricht von der Macht der Musik (vgl. Zehentmair 2013, 2). Durchaus scheint diese Aussage in der heutigen Zeit angebracht. Auch in der Fachliteratur spricht man von Musik, einer einflussreichen Kraft, die beinahe etwas mythisches zu sein scheint (ebd., 1). Zehentmair sagt jedoch, dass die Musik selbst diese Macht nicht hat, sondern diese ihr erst verliehen wird durch den Umgang mit Musik und deren Reaktionen auf Musik. Wenn im Vergleich zur Antike nur die verschiedenen Funktionen von Musik betrachtet werden, lässt sich schnell erkennen, dass Musik viele Funktionen hat, die wir Menschen im heutigen Alltag nicht immer sofort bemerken. Im folgenden sollen zwei wichtige Aspekte erläutert werden, die durch Musik zu einem starken Machtinstrument innerhalb unserer Gesellschaft geworden sind.

2.2.1 Missbrauch von Musik

Bei einem Konzert beispielsweise im Jahre 1969 von den „Rolling Stones“, entstand eine Situation rund um die „Hell´s Angels“, bei der mehrere Menschen verletzt und getötet wurden. Man möchte meinen, Musik habe immer einen positiven Effekt und einen friedlichen Ausgang bei Konzerten. Die Rolling Stones spielten „Sympathy fort he devil“, wodurch die Bikergruppe anfing, alle Menschen im Saal anzugreifen (ebd., 96). Offenbar waren sich die Musiker der Band Rolling Stones im klaren darüber, dass sie durch den Song eine Manipulation hervorrufen könnten, obwohl sie keinen Ausbruch von Handgreiflichkeiten und Gewalt im Sinn hatten. Dies gaben sie in einem Interview nach dem Konzert bekannt.

Anhand dieses Beispiels wird deutlich, dass Musik zum einen Menschen manipulieren kann, aber auf der anderen Seite, dass Hörer bestimmter Musik den Intentionen der Musiker unterliegen (ebd.). Demzufolge ist man als Konsument von Musik immer der Schöpfung eines Produzenten ausgeliefert, wenn man nicht „bei der Auswahl von Musik bewusst auf die in den Texten oder Melodien vermittelten Stimmungen und Gedanken“ (Zehentmair 2013, 96) achtet. Das Gleiche gilt für die Szene des Rechtsrock, einer Szene die sich vor allem durch nationalsozialistische und rassistisch geladene Texte zu behaupten versucht. Bands wie „Sturmtrupp“, „Störkraft“ und „Radikahl“ verbinden Gewalt geladene Texte mit politischen Inhalten, stoßen jedoch auf keine besonders große Popularität (vgl. ebd., 80).

2.2.2 Werbung

Ein anderes Feld in dem eine Funktion von Musik zum tragen kommt, ist der Einsatz von Werbung. Werbung ist in der heutigen Zeit allgegenwärtig und soll Menschen zum Kaufen der zur bewerbenden Produkte oder Dienstleistungen ermutigen. Die Qualität des zu bewerbenden Produkts soll durch Musik gehoben werden, indem eine Signalwirkung entfacht wird, was die Aufmerksamkeit der potentiellen Kunden erregen soll (vgl. Flecker 2009, 73). Die Wirkung des Produkts wird charakterisiert, illustriert und das Image gehoben. Musik in Werbung übermittelt Informationen, die nicht in Worten und Bildern zum Ausdruck gebracht werden können, wodurch bestimmte Wirkungen hervorgerufen werden. Musik spricht das Gefühl an, sie macht heiter, beruhigt und schafft ein Gefühl des Wohlbefindens oder der Aggression (vgl. Keller 2000, 171 f). Zudem regt Musik die Phantasie an, wodurch der Hörer bestimmte Bilder oder Vorstellungen der Musik zuordnen kann. Natürlich arbeiten in der heutigen Werbebranche Musiker und Komponisten, die gezielt für die Werbung produzierte Musik so aufbereiten, dass sie bestimmte Gefühle und Wirkungen evozieren. Als Resultat erfolgt nun die Verbindung der Musik und dem beworbenen Produkt, sodass ein Wiedererkennungswert beim erneuten Sehen der Werbung gegeben ist (ebd.).

Es ist erstaunlich, welch eine Fülle an Wirkungen und Verknüpfungen von Musik den Alltag von Menschen prägen. Dass Musik in noch weit mehr Bereichen eine Rolle spielt, kann im Rahmen dieser Arbeit nicht behandelt werden, da die Funktionen und Bedeutungen von Musik nicht Schwerpunkt dieser Arbeit sind. Jedoch soll anhand der Beispiele für Manipulation, sowie von Werbung und neben den weiter oben zitierten Gedanken von Aristoteles und Platon aufgezeigt werden, dass Musik sowohl bewusst als auch unbewusst wahrgenommen werden kann und heutzutage in unserer Gesellschaft mehr denn je integriert ist. Umso wichtiger ist es diese unscheinbaren Werkzeuge der Werbung beispielsweise zu erkennen und in der Lage zu sein, sich eine kritische Meinung darüber bilden zu können. Hierzu merkt Zehentmair an, man solle bei der Musik, die man hört, auf die Texte und Melodien achten, um somit nicht Opfer der von den Künstlern vermeintlich gewollten Manipulation zu werden (vgl. Zehentmair 2013, 96).

Ganz anders sieht es bei der Werbung aus. Wie sollen Menschen mögliche Manipulationen durch Musik in Werbung erkennen? Die Frage die sich an dieser Stelle auch stellt ist, ob sie es denn überhaupt müssen und wollen. Viele Menschen nehmen die Dinge hin wie sie sind, ohne nach ihrem Grund oder ihrer Systematik zu fragen. Werbespots im Fernsehen während des Films werden als normal empfunden. Menschen gewöhnen sich an vieles, was keinen großen Veränderungen unterliegt und insbesondere wenn es um Freizeitgestaltung in medialen Kontexten geht. Jedoch wäre es von Vorteil die besagten Mechanismen der Werbebranche verstärkt in den Schulen zu thematisieren, damit die jungen Generationen im Bilde sind und damit dieses Wissen eventuell zu den älteren Generationen getragen wird. Glücklicherweise wird in einigen Schulbüchern das Thema Werbung integriert, wodurch die besagte Erkennung der gewollten Manipulation der Werbebranche zumindest teilweise gewährleistet werden kann.

Um ein Beispiel für den Musikunterricht zu nennen, haben zahlreiche Autoren dem Herausgeber Ulrich Brassel im Buch „Musikbuch – Sekundarstufe I: Band 1“ einen Themenbereich der Werbung gewidmet (vgl. Brassel 2012, 229 f). Neben den üblichen Charakteristika und Werkzeugen, wie Musik in der Werbung zu analysieren und zu verstehen ist, sollen die Schülerinnen und Schüler selber einen Werbejingle komponieren. Eine Aufgabe, die viel Kreativität und Vorstellungsvermögen erfordert, die die Wahrnehmung der Schüler auf die manipulative Wirkung von Werbung lenken soll. Sie sollen sich in einem ersten Schritt aus drei unterschiedlichen Produkten mit den Namen: „Schazzo“, „Splash“ und „B-Rummi“ ein Produkt aussuchen und sich zunächst vergewissern, welches Produkt dies darstellen könnte. Als nächstes soll ein kurzer Werbespruch zum ausgewählten Produkt erfunden werden, der dann direkt von den Schülerinnen und Schülern in eine rhythmische Einheit gebracht werden soll. Schließlich folgt die Komposition einer kurzen Melodie zum bereits gedichteten Werbetext – entweder stimmlich oder auf einem Instrument. Die weiteren Aufgaben beinhalten das Verschriftlichen der Melodie mit Tönen in Notenschrift und münden im letzten Schritt in der Präsentation des Jingles vor der Klasse. Dadurch dass die Schülerinnen und Schüler anhand dieser Aufgabe den vollständigen Prozess des Komponierens eines Songs und des Verschriftlichens der Noten durchlaufen, lernen sie selber wie ein Komponist der Werbebranche zu denken. Hierbei sollen viele Mechanismen von Werbestrategien von den Schülerinnen und Schülern berücksichtigt und in der gemeinsamen Arbeitsphase diskutiert werden.

[...]

[1] Zur besseren Lesbarkeit wurde in dieser Arbeit oftmals die maskuline Schreibweise verwendet. In der Regel werden beide Geschlechter gemeint.

[2] http://www.chorverbaende.de/de/zahlen-daten-und-fakten.html (Zugriff: 15.09.2017)

[3] Schneider, Jakob Hans Josef (Tübingen) RWG, “Artes liberales”, in: Der Neue Pauly, Herausgegeben von: Hubert Cancik,, Helmuth Schneider (Antike), Manfred Landfester (Rezeptions- und Wissenschaftsgeschichte). Online Zugriff: 14. August 2017 <http://dx.doi.org/10.1163/1574-9347_dnp_e1303260>

Ende der Leseprobe aus 40 Seiten

Details

Titel
Leistungssteigerung durch Musik. Möglichkeiten und Grenzen des Musikunterrichts
Hochschule
Universität zu Köln  (Institut für Musikpädagogik)
Note
1,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
40
Katalognummer
V378336
ISBN (eBook)
9783668565067
ISBN (Buch)
9783668565074
Dateigröße
540 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Intelligenz, Transfereffekte, Musik, Mozart-Effekt, Bastian-Studie, Musik und Gehirn, Warum Musik, Legitimation, Musikunterricht, Musikstudium
Arbeit zitieren
Kevin Kott (Autor), 2017, Leistungssteigerung durch Musik. Möglichkeiten und Grenzen des Musikunterrichts, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/378336

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