Es sollen Möglichkeiten und Grenzen des Transfers durch Musik auf Basis von empirischen Befunden von Studien vorgestellt und kritisch diskutiert werden. Diese kritische Auseinandersetzung mit den Studien soll zum einen zeigen, dass viele Transfereffekte aus der Luft gegriffen sind und nicht empirisch belegbar sind. Zum anderen liefert die kritische Auseinandersetzung eine weitere Begleiterscheinung, die erst dann einleuchtet, wenn nach den Gründen von Musik in pädagogischen Kontexten wie den Schulen gefragt wird.
Der erste Teil der Arbeit beschäftigt sich mit der allgemeinen Bedeutung von Musik und mit der Frage inwiefern sich diese Bedeutung im Laufe der Zeit verändert hat. Diese Grundlage stellt die Überlegungen für die genaue Betrachtung des Kernlehrplans an den Schulen dar. Es soll untersucht werden, ob Transfereffekte innerhalb des Kernlehrplans bestehen und ob diese den Unterrichtsalltag mitgestalten. Dabei soll auch die Lehrperson in den Blick genommen werden, da sie als vermittelnde Instanz zwischen dem Lehrplan und den Schülern fungiert.
Im zweiten Teil erfolgt dann die theoretische Auseinandersetzung mit Studien zur Musik und ihrer Wirkungskraft. Die Bastian-Studie sowie die Studie zum Mozart-Effekt werden vorgestellt und anderen Positionen aus der Forschung gegenübergestellt.
Im letzten Teil der Arbeit soll ein Fazit gezogen werden, inwiefern Transfereffekte den Alltag des Musikunterrichts bestimmen und ob der Musikunterricht sich dieser Legitimation durch Transfereffekte beugen muss, oder ob es Möglichkeiten gibt, sich dieser Ansicht vieler zu entziehen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Warum Musik?
2.1 Ein Blick in die ferne Vergangenheit
2.2 Bedeutung und Funktion von Musik in der Neuzeit
2.2.1 Missbrauch von Musik
2.2.2 Werbung
2.3 Der Kernlehrplan an den Schulen
2.3.1 Kernlehrplan und Transfer
2.4 Expertise bei (Musik-)Lehrern
2.4.1 Musikunterricht: Lehrkraft und Legitimation
2.5 Zusammenfassung
3 Transfer - Macht Musik schlau?
3.1 Die Bastian-Studie
3.1.1 Kritik an der Bastian-Studie
3.2 Mozart-Effekt
3.2.1 Kritische Worte zum Mozart-Effekt
3.3 Musik und Sprache
3.4 Musik und das Gehirn
3.5 Musik und Persönlichkeit
4 Aktueller Forschungsstand und Ausblick
5 Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht kritisch die Legitimation des Musikunterrichts an Schulen durch vermeintliche Transfereffekte. Dabei wird hinterfragt, inwiefern die weitverbreitete Annahme, dass Musik Kinder „schlau“ oder „leistungsstärker“ mache, empirisch haltbar ist und welche Rolle dieser Legitimationsdruck im Schulalltag und für das Selbstverständnis von Musiklehrkräften spielt.
- Kritische Analyse des Transferbegriffs in der Musikpädagogik
- Untersuchung zentraler Studien wie der Bastian-Studie und des Mozart-Effekts
- Bedeutung von Musik und Sprache sowie neurowissenschaftlicher Erkenntnisse
- Legitimation des Fachs Musik im Kontext des Kernlehrplans
- Herausforderungen und Belastungssituationen bei Musiklehrkräften
Auszug aus dem Buch
3.1 Die Bastian-Studie
Die in der Musikpädagogik allgemein bekannte Langzeitstudie von Hans Günther Bastian mit dem Titel „Musik(erziehung) und ihre Wirkung“ wurde vom Schuljahresbeginn 1992 bis zum Schuljahresende 1998 an Grundschulen in Berlin durchgeführt. Die Studie gilt als weltweit erstes Forschungsprojekt dieser Art und umfasst insgesamt 170 Kinder von sieben verschiedenen Grundschulen Berlins. Nach der Gesamtlaufzeit von sechs Jahren, wurden die Ergebnisse Anfang 2000 in einer Abschlusspublikation veröffentlicht. Bei der Studie wurde der Frage nachgegangen, „ob und wie sich Musizieren und erweiterte Musikerziehung auf die kognitive, soziale, emotionale, kreative, ästhetische und psychomotorischen Entwicklung von Kindern auswirken“ (Bastian 2002, 38). Der Fokus lag auf Kindern, deren Grundschulzeit wöchentlich zwei Stunden Musikunterricht entsprach. Der Musikunterricht konnte einzeln oder im Gruppenunterricht stattfinden, Ensembleunterricht war auch gegeben. Diese Modellschul-Kinder (vgl. ebd., 38) wie Bastian sie nennt, sollten mit Kindern aus Grundschulklassen verglichen werden (Kontrollschulen), die kein erweitertes Musikangebot wahrgenommen haben. Und weiter heißt es: „[...] im Verlauf von sechs Jahren steht der Anspruch der Evaluation so genannter Transfereffekte von Musikerziehung, Instrumentlernen und Musizieren“ (Bastian 2002, 39) und konstatiert, „dass der Nachweis von Transfers keine neue Legitimation von Musikunterricht im Fächerkanon der allgemein bildenden Schulen auslösen wird […] Zu keinem Zeitpunkt gab es die Absicht, eine neue Magna Charta der Musikerziehung zu schreiben“ (ebd., 25). Er betont also gleich zu Beginn seiner Publikation, dass die Frage der Legitimation des Musikunterrichts durch die durchgeführte Studie nicht aufgeworfen werden soll, da das Risiko zu hoch ist, „unser Fach in den allgemein bildenden Schulen politisch aufs Spiel zu setzen“ (ebd.; vgl. Krämer 2001, 19). Indirekt bezieht Bastian Stellung und offenbart, dass alle beteiligten Personen des Fachs Musik zur Zeit der Veröffentlichung seiner Studie, mit der Legitimation zu kämpfen hätten und wirft dabei direkt den Gedanken der Legitimation über Bord, um ja nicht eine Angriffsfläche für das Fach Musik zu bieten.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik ein, dass Musik oft mit Leistungssteigerung gleichgesetzt wird, und beleuchtet den Legitimationsdruck des Faches.
2 Warum Musik?: Dieses Kapitel beleuchtet die historische und gesellschaftliche Bedeutung von Musik und untersucht kritisch den Kernlehrplan sowie die Belastungssituation von Musiklehrkräften.
3 Transfer - Macht Musik schlau?: Das Hauptkapitel analysiert wissenschaftliche Studien zur Transferwirkung von Musik, darunter die Bastian-Studie und den Mozart-Effekt, und setzt diese in Bezug zu Sprache, Gehirn und Persönlichkeit.
4 Aktueller Forschungsstand und Ausblick: Hier werden die Ergebnisse zusammengefasst, die die allgemeine Intelligenzsteigerung durch passives Musikhören entkräften, und zukünftige Forschungsrichtungen aufgezeigt.
5 Fazit: Das Fazit resümiert die ambivalente Sichtweise auf Transfereffekte und betont die Faszination für Musik jenseits einer rein funktionalen Nutzenorientierung.
Schlüsselwörter
Musikpädagogik, Transfereffekte, Mozart-Effekt, Bastian-Studie, Musikunterricht, Kernlehrplan, Schulleistung, Musik und Sprache, Neuroplastizität, Legitimationsdruck, Musiklehrer, Persönlichkeitsentwicklung, Musik und Gehirn, empirische Forschung, Bildungsauftrag.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht kritisch, ob und inwiefern Musikunterricht an Schulen Transfereffekte erzielt und ob diese als legitime Begründung für das Fach Musik dienen können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt die Transfertheorie, die Analyse bekannter Studien (Bastian-Studie, Mozart-Effekt), die Rolle des Musikunterrichts im Lehrplan und die psychische Belastung von Lehrkräften.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen der gesellschaftlichen Erwartung, Musik mache "schlau", und den tatsächlich empirisch belegbaren Ergebnissen aufzuzeigen sowie den Legitimationsdruck des Faches zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung, die den aktuellen Forschungsstand anhand existierender Studien und Literatur gegenüberstellt und kritisch diskutiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der Definition von Transfer, der detaillierten Betrachtung und Kritik an Bastian-Studie und Mozart-Effekt sowie den Zusammenhängen zwischen Musik, Sprache, Gehirnentwicklung und Persönlichkeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Transfereffekte, Musikpädagogik, Legitimationsdruck, empirische Forschung, Bastian-Studie und Mozart-Effekt.
Warum wird der Mozart-Effekt in der Arbeit kritisch betrachtet?
Er wird kritisch gesehen, weil die ursprünglichen Ergebnisse der Studie in den Medien unzulässig verallgemeinert wurden und spätere Nachfolgeuntersuchungen den Effekt nicht replizieren konnten.
Welche Rolle spielt der Kernlehrplan für die Argumentation?
Der Kernlehrplan wird untersucht, um festzustellen, dass dieser selbst keine expliziten "Transfergedanken" enthält, was dem in der Gesellschaft verbreiteten Bild der Transfereffekte widerspricht.
- Citation du texte
- Kevin Kott (Auteur), 2017, Leistungssteigerung durch Musik. Möglichkeiten und Grenzen des Musikunterrichts, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/378336