Der Existentialismus nach Jean-Paul Sartre und die Freiheit als eine Eigenschaft des Menschen


Seminar Paper, 2017
11 Pages, Grade: 14 NP

Excerpt

Inhalt

1 Einleitung

2 Jean-Paul Sartre
2.1 Lebenslauf
2.2 Beziehung zu Simone de Beauvoir

3.1 Formen des Seins
3.2 Das präreflexive Cogito

4 Sartres Freiheitsbegriff
4.1 Was ist Freiheit?
4.2 Gottes Nicht-Existenz
4.3 Die Ekstasen der Zeit
4.4 Die Anderen
4.5 Die „mauvaise foi“
4.6 Zur Freiheit verurteilt?
4.7 Konsequenzen der Freiheit

5 Fazit

1 Einleitung

Wann ist man eigentlich frei? Ist man frei, wenn man sich kaufen kann, was man will? Wenn man seine Meinung frei äußern kann? Ist man frei, wenn man seinen Glauben ausüben darf ? Oder vielleicht ist man frei, wenn man überall hinreisen kann? Ist man auch im Gefängnis frei? Wenn man nach Jean-Paul Sartre, einem existentialistischen Philosophen des 20. Jahrhunderts geht, ist man auch im Gefängnis frei. Denn man hat auch in größter Knechtschaft die Autonomie frei zu wählen und sich sein Urteil zu bilden. In Sartres Philosophie spielt der Freiheitsbegriff eine große Rolle. Nicht nur in seiner Philosophie ist der Gedanke der Freiheit zentral, sondern auch in seinem Liebesleben. Er hat einen Liebespakt mit Simone de Beauvoir geschlossen, der heute als Skandal gilt. Sartre stellt sich gegen Traditionen und vertritt die Ansicht, dass man seine Freiheit nutzen sollte. Viele Menschen leiden unter den Zwängen der Gesellschaft. Unter den verurteilenden Blicken darunter, dass einem dadurch die Freiheit genommen wird. Man besucht den Gottesdienst, da man nicht möchte, dass Andere schlecht über einen reden. Man verlässt seinen Ehepartner nicht, damit man nicht von den Nachbarn verurteilt wird. Wenn man nach Sartre geht, sollte man machen, was man will. Man sollte sich scheiden lassen, wenn man nicht mehr mit der Ehe zufrieden ist. Man sollte aus der Kirche austreten, wenn man nicht gläubig ist. Man sollte sich von den Ketten lösen, die man sich selbst anlegt. Das klingt idealistisch und auch absurd, jedoch hat Sartres Philosophie auch ihre Kehrseite. Denn bei all der Freiheit, die man hat, darf man die große Verantwortung nicht vergessen. Man hat die Freiheit sich gegen Ungerechtigkeit aufzulehnen, wenn man sich nicht gegen diese wehrt und sie zulässt, ist man für sein Handeln verantwortlich. Man kann sich seiner Freiheit nicht entziehen und genauso wenig kann man sich der Verantwortung entziehen. „Man ist zur Freiheit verurteilt“ (Sartre 2004, S.764). Denn man ist nicht frei, nicht mehr frei zu sein. Der Mensch ist laut Sartre frei, doch ist Freiheit nur eine Eigenschaft des Menschen, oder vielleicht weitaus mehr?

2 Jean-Paul Sartre

2.1 Lebenslauf

Jean-Paul Charles Aymard Sartre wird am 21.Juni 1905 in Paris geboren. Er wächst in La Rochelle auf und besucht das Pariser Lyceum Henri IV (vgl. Kampits 2004, S. 12 f.). Von 1924 bis 1928 studiert er Psychologie, Philosophie und Soziologie an der École Normale Supérieure in Paris (vgl. Macho 1995, S.59). 1929 bekommt er seine Lehrerlaubnis für die Hochschule in Philosophie. Er ist mit Simone de Beauvoir befreundet und beide führen eine offene Beziehung. Sartre unterrichtet von 1931 bis 1934 an einem Gymnasium in Le Havre. Von 1939 bis 1941 ist er im Kriegsdienst in einer Sanitätsgruppe und wird durch die Deutsche Wehrmacht gefangen genommen. 1941 wird sein Werk „Das Sein und das Nichts" veröffentlicht. Von 1942 bis 1944 ist er aktiv in der französischen Résistance gegen die deutsche Besatzung. 1942 wird sein Bühnenstückes "Die Fliegen" aufgeführt, zu dieser Zeit ist Paris besetzt (vgl. Blume). Ab 1945 lässt er sich in Paris als freier Schriftsteller nieder und wird Herausgeber der politisch-literarischen Zeitschrift „Les Temps Modernes" (vgl. Macho 1995, S.60). Von 1952 bis 1956 ist er politisch sehr aktiv und steht ganz auf der Seite der Kommunisten. Er akzeptiert zunächst die führende Rolle der Sowjetunion in der Weltpolitik. Jedoch wendet er sich, nach der brutalen Intervention der Sowjets in Ungarn 1956, vom Kommunismus ab. (vgl. Blume) 1964 wird er mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet. Sartre lehnt den Preis aus persönlichen und objektiven Gründen ab ( vgl. Macho 1995, S.61). 1976 wird er mit der Ehrendoktorwürde der Hebräischen Universität Jerusalem ausgezeichnet. Am 15. April 1980 stirbt Jean-Paul Sartre in Paris (vgl. Blume).

2.2 Beziehung zu Simone de Beauvoir

„Simone de Beauvoir und Sartre vereinbarten frühzeitig, neben einer lebenslangen Liebe sexuelle Beziehungen mit anderen Menschen nicht auszuschließen“ (Schönherr-Mann 2005, S.68). Beide wollten füreinander immer die erste Wahl sein, doch schlossen es nicht aus auch andere Partner zu haben. Der Autor von Shoa war der einzige Mann mit dem sie einige Jahre zusammenlebte. ( vgl. Schönherr-Mann 2005, S. 69) . „Mit Sartre wohnte sie bestenfalls im selben Hotel, aber auf unterschiedlichen Stockwerken“ (Schönherr-Mann 2005, S.69). Obwohl sie sexuell nicht am anderen interessiert waren und sich eher auf intellektueller Ebene verstanden, schliefen beide anfangs miteinander und teilten sich oft Geliebte. In ihrer Beziehung experimentierten sie viel „Doch sie verlangten darüber Offenheit, was dann zu den skurrilen Berichten Sartres an Simone de Beauvoir in vielen Briefen führte “ (vgl. Schönherr-Mann 2005, S.68). Sartre schilderte Beauvoir, wie die Frauen, mit denen er schlief aussahen und sich verhielten. „Vielleicht muß man sich wundern, daß Simone de Beauvoir den häßlichen Sartre nahm, weniger darüber, daß Sartre ein besessener Arbeiter, ein Dauerschreiber, der noch keine Löschtaste kannte, die seinen Texten sicher gut getan hätte, der ständig rauchte und unter Aufputschmitteln stand – sich in der Liebe zu Simone verlor“ ( Schönherr-Mann 2005, S. 69 f.). Sartre und Beauvoir hatten einen respektvollen Umgang, das ging sogar so weit, dass sie sich „Ihr Leben lang siezten“ (Zobl). Die Offenheit der Beziehung zwischen Beauvoir und Sartre gegenüber der Öffentlichkeit spiegelt Sartres Philosophie wider ( vgl. Schönherr-Mann 2005, S. 70). Die Beziehung zwischen Sartre und Beauvoir gilt Heutzutage als Skandal und als unvereinbar mit unseren Werten und Vorstellungen einer Beziehung (Zobl).

3 Das Sein

3.1 Formen des Seins

Es gibt zwei Formen des Seins. Es gibt das An-sich und das Für-sich. Das An-sich ist „das , was es ist “(Sartre 2004, S.165). Es kann nicht Distanz zu sich nehmen und laut Sartre ist im An-sich „keine Seinsparzelle, die nicht ohne Distanz zu sich selbst wäre“ (Sartre 2004, S.164). „Sie sind damit zugleich unfähig, sich zu sich selbst zu verhalten, denn da sie mit sich identisch sind, fehlt ihnen die dazu nötige Möglichkeit der Distanznahme“(Uken 2001, S.4). Das An-sich-sein hat kein Innen das einem Außen gegenübersteht (vgl. Sartre 2004, S.43). Es ist voll von sich selbst und in ihm ist nicht die geringste Leere (vgl. Sartre 2004, S.165). Das An-sich bezeichnet Objekte, wie zum Beispiel Tische. Von „diesem Tisch kann ich sagen, daß er schlicht und einfach dieser Tisch ist“ (Sartre 2004, S.165). Ohne ein wahrnehmendes Bewusstseins sind die Dinge einfach sie selbst (vgl. Uken 2001, S.4). Das An-sich hat kein Bewusstseins, sobald es eins hat spricht man vom Für-sich. Das Für-sich bezeichnet das Menschliche (vgl. Sartre 2004, S. 172). „Das Für-sich hat kein Sein, weil sein Sein stets auf Distanz ist.“ (Sartre 2004, S.243). Das Für-sich verlangt nach einer Begründung für sein Dasein und stellt sich auch selbst in Frage (vgl. Uken 2001, S.5). „Ontologisch betrachtet stellt Sartre sich den Übergang vom An-sich zum Für-sich so vor, dass das in sich ruhende An-sich mit seinem kontingenten, d.h. unbegründeten Dasein nicht mehr zufrieden ist und wissen will, warum und wozu es ist. Man kann sich dies wie ein Aufwachen vorstellen, einem plötzlichen Erscheinen von Bewusstsein, einem Wechsel von einem Zustand in den anderen“ (Uken 2001, S.5). „Wenn wir aber jetzt fragen: was trennt das Subjekt von ihm selbst, so müssen wir gestehen, daß es nicht ist“ (Sartre 2004, S.170). „Das Für-sich verwandelt sich so von reiner Positivität des An-sich in eine „Negiertheit“, in ein Für-sich, welches das Nichts in sich enthält. Dieser Prozess der Selbstbegründung, also der Frage nach dem Warum des Seins, ist somit mit einem Bruch des Identischseins des An-sich, einem Abstandnehmens des Seins sich selbst gegenüber verbunden und ist zugleich das Erscheinen der Anwesenheit bei sich oder des Bewusstseins“ (Uken 2001, S.5). Mit dem Auftauchen des Für-sich ist also etwas ganz neues in die Welt gekommen, etwas das sich selbst auch hinterfragt (vgl. Uken 2001, S.5).

3.2 Das präreflexive Cogito

Die Frage, die Sartre anhand des präreflexiven Cogitos beantworten will ist: Wie wissen wir eigentlich von uns selbst? (vgl. Wildenburg 2004, S. 40) Um von sich selbst zu wissen muss man nicht erst nachdenken, denn man weiß unmittelbar von sich selbst (vgl. Wildenburg 2004, S.40).

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Details

Title
Der Existentialismus nach Jean-Paul Sartre und die Freiheit als eine Eigenschaft des Menschen
Grade
14 NP
Author
Year
2017
Pages
11
Catalog Number
V378356
ISBN (eBook)
9783668565326
ISBN (Book)
9783668565333
File size
438 KB
Language
German
Tags
existentialismus, jean-paul, sartre, freiheit, eigenschaft, menschen
Quote paper
Melisa Gün (Author), 2017, Der Existentialismus nach Jean-Paul Sartre und die Freiheit als eine Eigenschaft des Menschen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/378356

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