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Möglichkeiten und Grenzen der Antipädagogik

Title: Möglichkeiten und Grenzen der Antipädagogik

Intermediate Diploma Thesis , 2002 , 36 Pages , Grade: 2

Autor:in: Christian Uhrheimer (Author)

Pedagogy - General
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In den siebziger Jahren entstand eine Bewegung, die sich radikal gegen jede Form von Erziehung wendet: die Antipädagogik. Sie war nicht einfach nur die Negation der Pädagogik, sondern entwickelte eine eigene – außerhalb des pädagogischen Systems stehende - Theorie vom Umgang mit Kindern. Es wird von einem völlig anderem Menschenbild als in der Pädagogik ausgegangen, welches von der Fähigkeit der Kinder ausgeht, von Geburt an selbst zu bestimmen, was das Beste für sie sei. Damit einhergehend werden Forderungen wie etwa rechtliche Gleichstellung von Kindern und Erwachsenen laut, die aus pädagogischer Sicht unvorstellbar wären. Aufgrund dieses grundlegend verschiedenen Selbstverständnisses gibt es (bzw. eher gab) es teilweise massive und aggressive Anfeindungen und wüste Beschimpfungen gegenüber der Pädagogik und ihrer Vertreter.

Die verschiedenen Strömungen der Antipädagogik eint jedoch lediglich der Konsens, gegen jeden pädagogischen Einfluss auf Kinder zu sein. Da die Antipädagogen jedoch sonst sehr heterogene Auffassungen und Strategien vertreten, halte ich es für sinnvoll die geschichtliche Entwicklung dieser Bewegung mit ihren verschiedenen Vorstellungen (z.T. anhand ihrer Vertreter) darzustellen, um so einen Überblick über die Bandbreite und die diversen Inhalte der Antipädagogik zu geben.

Im dritten Kapitel werde ich Auszüge von Dialogen zwischen Pädagogen und Antipädagogen (hauptsächlich v. Schoenebeck) herausgreifen und mich dabei selber zu den jeweiligen Streitpunkten positionieren. Dabei zeige ich bereits Grenzen der Antipädagogik auf, aber auch einige sinnvolle Ideen und Vorstellungen werden dementsprechend kommentiert.
Allgemeiner und systematisierender gehe ich dann im nächsten Kapitel auf die Grenzen der Antipädagogik ein, bevor ich mich näher mit ihren Möglichkeiten auseinandersetze und schließlich ein Fazit daraus ziehe.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Entwicklung antipädagogischer Ideen

2.1. Die Kinderrechtsbewegung

2.2 Heinrich Kupffer

2.3. Maud Mannoni

2.4. Ekkehard von Braunmühl

2.5. Katharina Rutschky

2.6. Alice Miller

2.7 . Hubertus von Schoenebeck

3. Dialoge zwischen Antipädagogen und Pädagogen:

3.1. Andreas Flitner: „Konrad sprach die Mama“

3.1.1. Diskussionsformen zwischen Vertretern der Pädagogik und Antipädagogik

3.1.2. Schulpflicht

3.1.3. Verantwortung für das Kind

3.2. Jürgen Oelkers/Thomas Lehmann: „Antipädagogik. Herausforderung und Kritik“

3.2.1. Erziehungsanspruch

3.2.2. Vernunft durch Erziehung oder ihrer Abschaffung?

3.2.3. Authentizität von Gefühlsäußerungen

3.3. Michael Winkler: „Stichworte zur Antipädagogik“

3.3.1. Anneignung der Bedingungen menschlichen Lebens

4. weitere Grenzen der Antipädagogik : Antipädagogik und die Realität

5. Möglichkeiten der Antipädagogik

5.1. Kritik an den Erziehungsinstitutionen

5.2. Hinterfragung der Notwendigkeit von Erziehung

5.3. Freundschaft mit Kindern und gegenseitiger Respekt

5.4. Keine Verantwortung für das Kind

5.5. Non-direktive Pädagogik

6. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Konzept der Antipädagogik, setzt sich kritisch mit deren radikaler Ablehnung jeglicher Erziehung auseinander und beleuchtet die Spannungsfelder zwischen antipädagogischen Ansätzen und pädagogischen Anforderungen in der gesellschaftlichen Realität.

  • Historische Entwicklung antipädagogischer Ideen und ihrer Hauptvertreter.
  • Analyse des Dialogs zwischen Antipädagogen und klassischen Pädagogen.
  • Kritische Reflexion der Grenzen antipädagogischer Theorien gegenüber gesellschaftlichen Realitäten.
  • Untersuchung von Möglichkeiten einer "modernen Pädagogik" unter Einbeziehung antipädagogischer Konzepte.
  • Positionierung zur Frage der erzieherischen Verantwortung und Kindeswohl.

Auszug aus dem Buch

2.4. Ekkehard von Braunmühl

Mit Braunmühls 1975 erschienenem Buch “Antipädagogik. Studien zur Abschaffung der Erziehung“ wird zum ersten Mal der Gedanke des erziehungsfreien Umgangs mit Kindern und die radikale Ablehnung der Pädagogik bzw. ihrer Institutionen in eine breitere Öffentlichkeit getragen. Auf dieses Buch bauten/bauen eine Reihe weiterer Veröffentlichungen und Diskussionen zum Thema Antipädagogik auf. Es kann somit als theoretische Grundlage der antipädagogischen Bewegung bezeichnet werden.

Braunmühl kritisiert heftig den pädagogischen Einfluss auf Kinder. Während in der „funktionalen Erziehung“ jegliches Erleben von Kindern bezeichnet wird, lehnt er die „intentionale Erziehung“ vehement ab, in der versucht wird, Kinder so zu beeinflussen, dass sie bestimmte Erziehungsziele erreichen (vgl. Braunmühl 1992, S.84). Die „intentionale Erziehung“ wiederum teilt Braunmühl in „ergänzende“ und „substantielle Erziehung“ (Braunmühl 1992, S.85), wobei unter „ergänzender Erziehung“ verstanden werden muss, dass der Erwachsene den Kindern auf Fragen antwortet, sofern es das Kind dazu auffordert. „Ergänzende Erziehung“ findet auch statt, wenn ein Erwachsener sich in die Belange des Kindes einmischt, sofern diese auf eine aktuelle Situation begrenzt bleiben, die das Kind wahrscheinlich nicht alleine bewältigen kann (vgl. ebenda). Mit „substantieller Erziehung“ meint Braunmühl Akte, die das Kind in seiner Substanz beeinflussen sollen. Diese Erziehungsform geht prinzipiell vom Erwachsenen aus, da dieser mit dem jetzigen Zustand des Kindes unzufrieden ist und es versucht in seinem Sinne zu „bessern“. Der Charakter des Kindes wird dauerhaft geformt und seine Gefühle, Einstellungen und Überzeugungen werden so nachhaltig geprägt (vgl. ebenda). Die „substantielle Erziehung“ beinhaltet somit immer einen Herrschaftsanspruch des Erwachsenen über das Kind, egal wie verborgen oder geschickt dieser Anspruch versteckt wird – mit der „substantiellen Erziehung“ soll also die Unterwerfung des Kindes erzwungen werden (vgl. ebenda). Dieser Erziehungsform gilt es laut Braunmühl den „antipädagogischen Freiheitskampf“ entgegenzusetzen (vgl. ebenda).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Entstehung der antipädagogischen Bewegung in den 1970er Jahren ein und skizziert das Ziel der Arbeit, die Bandbreite dieser Strömung sowie die Auseinandersetzung mit ihren Grenzen und Potenzialen zu beleuchten.

2. Entwicklung antipädagogischer Ideen: Dieses Kapitel zeichnet die historische Entwicklung und die zentralen theoretischen Wegbereiter der Antipädagogik nach, von der Kinderrechtsbewegung bis hin zu individuellen Vertretern wie Braunmühl, Rutschky und Miller.

3. Dialoge zwischen Antipädagogen und Pädagogen:: Hier werden konkrete Auseinandersetzungen zwischen Antipädagogen und Pädagogen analysiert, um Missverständnisse aufzudecken und die unterschiedlichen Menschenbilder und Argumentationslogiken gegenüberzustellen.

4. weitere Grenzen der Antipädagogik : Antipädagogik und die Realität: Dieses Kapitel kritisiert den utopischen Charakter der Antipädagogik und verdeutlicht, dass ein erziehungsfreies Leben in einer von Sachzwängen und gesellschaftlichen Strukturen geprägten Realität faktisch unmöglich ist.

5. Möglichkeiten der Antipädagogik: Es werden Aspekte der Antipädagogik identifiziert, die in eine modernere Pädagogik integriert werden könnten, wie die Kritik an starren Institutionen und die Förderung von Partnerschaftlichkeit statt Fremdbestimmung.

6. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Antipädagogik als Impulsgeber für eine kritische Reflexion der Pädagogik wichtig bleibt und plädiert für einen produktiven Dialog zur Findung eines gemeinsamen Nenners zum Wohle des Kindes.

Schlüsselwörter

Antipädagogik, Erziehung, Kinderrechte, Selbstbestimmung, Menschenbild, Pädagogik, Schoenebeck, Braunmühl, Erziehungsfreiheit, Schule, Schulpflicht, non-direktive Pädagogik, Kindeswohl, Emanzipation, Machtverhältnisse.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der antipädagogischen Bewegung, ihren zentralen Thesen zur Abschaffung von Erziehung, ihren theoretischen Ursprüngen und der kritischen Auseinandersetzung mit der klassischen Pädagogik.

Was sind die zentralen Themenfelder der Antipädagogik?

Zu den zentralen Themen gehören die radikale Ablehnung von Erziehung, die Forderung nach der rechtlichen Gleichstellung von Kindern und Erwachsenen sowie die Anerkennung der Selbstbestimmungsfähigkeit von Kindern von Geburt an.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, einen Überblick über die Antipädagogik zu geben, den Austausch zwischen Antipädagogen und Pädagogen zu analysieren und zu prüfen, welche antipädagogischen Konzepte in der Realität bestehen können und welche die Pädagogik bereichern könnten.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?

Der Autor führt eine Literaturanalyse sowie eine systematische Auswertung von Dialogen zwischen Vertretern der Antipädagogik und der Pädagogik durch und ergänzt diese durch eigene kommentierende Positionierungen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der theoretischen Entwicklung, die detaillierte Analyse spezifischer Dialoge (z.B. mit Flitner, Oelkers/Lehmann), eine kritische Betrachtung der Realisierbarkeit antipädagogischer Konzepte und das Aufzeigen möglicher Synthesen mit pädagogischen Ansätzen.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Schlüsselbegriffe sind Antipädagogik, Erziehung, Selbstbestimmung, Kinderrechte, Menschenbild und die Frage nach dem erziehungsfreien Umgang.

Inwiefern ist das "Deutsche Kindermanifest" für die Arbeit relevant?

Es dient als primäres Beispiel für die radikalen Forderungen der Antipädagogik (z.B. Recht auf Arbeit oder politische Teilhabe für Kinder) und wird als Grundlage für die kritische Diskussion zur gesellschaftlichen Realität herangezogen.

Warum hält der Autor eine rein antipädagogische Praxis für utopisch?

Da die Gesellschaft durch ökonomische und soziale Zwänge (wie Arbeitsmarkt und Konkurrenzdenken) geprägt ist, in denen Kinder in "antipädagogischen Inseln" später kaum ohne massive Probleme bestehen könnten.

Was schlägt der Autor als Lösung für das Spannungsfeld vor?

Er schlägt vor, nicht in einer Sackgasse zu verharren, sondern eine "produktive Synthese" zu suchen, etwa durch Ansätze wie die non-direktive Pädagogik, die erzieherische Verantwortung mit der Anerkennung kindlicher Subjektivität kombiniert.

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Details

Title
Möglichkeiten und Grenzen der Antipädagogik
College
Martin Luther University
Grade
2
Author
Christian Uhrheimer (Author)
Publication Year
2002
Pages
36
Catalog Number
V37837
ISBN (eBook)
9783638370769
Language
German
Tags
Möglichkeiten Grenzen Antipädagogik
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Christian Uhrheimer (Author), 2002, Möglichkeiten und Grenzen der Antipädagogik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/37837
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