Diese Arbeit beschäftigt sich mit Organisationen anhand des konzeptionellen Zugangs des Neoinstitutionalismus. Dies beinhaltet einen Institutionenbegriff, welcher ein Ensemble sozialer Handlungsregeln beschreibt, die von Dauer, maßgeblich und verbindlich sind. Die sozialen Handlungsregeln können als institutionelle Umwelt beschrieben werden. Der Neoinstitutionalismus ist hierbei ein Ansatz, der Strukturen und Operationsweisen von Organisationen durch Bezug auf Normen, Erwartungen und Leitbilder der institutionellen Umwelt erklärt.
Wie verbindlich sind soziale Handlungsregeln für Organisationen wirklich? Wie unterscheidet sich die an Umwelterwartungen orientierte Formalstruktur von Organisationen von ihrer Aktivitätsstruktur? Was verschafft Organisationen institutionelle Legitimität? Diese Arbeit versucht zu klären, ob Formalstruktur und Aktivitätsstruktur einer Organisation deckungsgleich sind oder sich voneinander entkoppeln.
Zu Beginn sollen kurz die Beispielorganisation GleisBeet e.V. und ihr Fassadenbau erläutert werden. Anschließend folgt eine Einführung in das theoretische Konzept des Neoinstitutionalismus. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf dem Phänomen der Entkopplung. Dieses Phänomen soll anhand der Formalstruktur des GleisBeet e.V. untersucht werden. Diese wird mit der Aktivitätsstruktur, also der Vereinspraxis, abgeglichen, um die Frage zu beantworten, ob für den Verein GleisBeet e.V. das Phänomen der Entkopplung wirkt und worauf dies zurückzuführen ist.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Fassadenbau im GleisBeet e.V.
3 Neoinstitutionalismus und das Phänomen der Entkopplung
4 GleisBeet e.V.
4.1 Formalstruktur
4.2 Aktivitätsstruktur
4.2.1 Vereinszweck
4.2.2 Vereinsmitglieder
4.2.3 Vereinsvorstand
5 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht anhand des Vereins GleisBeet e.V., ob und inwieweit das Konzept der Entkopplung nach dem Neoinstitutionalismus auf die Organisation anwendbar ist. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, ob die formale, rechtlich orientierte Struktur des Vereins mit seiner tatsächlichen Vereinspraxis deckungsgleich ist oder ob eine Fassade zur Erlangung institutioneller Legitimität aufgebaut wurde.
- Neoinstitutionalismus als theoretischer Erklärungsrahmen
- Unterscheidung zwischen Formalstruktur und Aktivitätsstruktur
- Analyse der Vereinsrealität im Hinblick auf Fassadenbildung
- Rolle von Umwelterwartungen und Legitimität
- Praktische Untersuchung der Vereinsführung und Mitgliederstruktur
Auszug aus dem Buch
3 Neoinstitutionalismus und das Phänomen der Entkopplung
Der Neoinstitutionalismus beschäftigt sich mit dem Einfluss von Umwelterwartungen auf Organisationen und versucht diese in ihre institutionelle Umwelt einzubinden. Mit der Kritik am Rationalitätsansatz, versucht der Neoinstitutionalismus andere Erklärungsvariablen für die strukturelle Ausgestaltung von Organisationen zu finden. Hier können Institutionen als „normative Vorgaben, eingespielte Praktiken, formelle und informelle Regelsysteme, kulturelle Standards u.ä.ˮ einen Orientierungsrahmen bieten.
Der Theorienansatz des Neoinstitutionalismus entdeckt drei zentrale Wirkungsmechanismen für organisationales Handeln, welches auch seine drei Grundbegriffe darstellt: Isomorphie, organisationale Felder und Entkopplung. Sie nehmen aufeinander Bezug und sind miteinander verwoben, lassen sich aber auch getrennt voneinander untersuchen. Da der Schwerpunkt dieser Arbeit auf dem Phänomen der Entkopplung liegt, sollen die anderen beiden Begriffe nur kurz umrissen werden. Die Isomorphie beschreibt, dass sich Organisationen in ihrer Struktur immer mehr aneinander anpassen, einander ein Vorbild sind und so immer ähnlicher werden, also eine Strukturangleichung stattfindet.
Die Entkopplung beschreibt das Phänomen, dass Formalstruktur und Aktivitätsstruktur einer Organisation nicht miteinander übereinstimmen. Die Fassade der Formalstruktur ist ein gesellschaftlicher Anpassungsprozess. Diese Strukturanpassung kann durch Zwang, Imitation oder normativem Druck erzeugt sein und fungiert als Mythos, der den operativen Kern der Organisation, also die Aktivitätsstruktur, absichern soll. Formalstruktur und Aktivitätsstruktur sind voneinander entkoppelt. Die „Fassadeˮ der Organisation nach außen beschreibt nicht ihre inneren Prozesse.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Arbeit führt in den neoinstitutionalistischen Ansatz ein und formuliert die Forschungsfrage zur Entkopplung von Formal- und Aktivitätsstruktur am Beispiel des Vereins GleisBeet e.V.
2 Fassadenbau im GleisBeet e.V.: Das Kapitel stellt die grundlegende Beobachtung dar, dass der Verein zwei Sphären besitzt – eine nach außen gerichtete Fassade zur Einhaltung rechtlicher Rahmenbedingungen und innere, informell geprägte Prozesse.
3 Neoinstitutionalismus und das Phänomen der Entkopplung: Es werden die theoretischen Grundlagen des Neoinstitutionalismus erläutert, wobei der Fokus auf dem Begriff der Entkopplung als Diskrepanz zwischen Formalstruktur und operativer Realität liegt.
4 GleisBeet e.V.: Dieses Kapitel bildet den empirischen Teil, in dem die Formalstruktur (Satzung) und die tatsächliche Aktivitätsstruktur (Vereinspraxis) des GleisBeet e.V. detailliert analysiert werden.
4.1 Formalstruktur: Dieser Abschnitt beschreibt die rechtlich verbindliche Vereinssatzung des GleisBeet e.V. als notwendiges Darstellungsmittel zur Erlangung der Rechtsfähigkeit.
4.2 Aktivitätsstruktur: Hier wird untersucht, wie der Verein in der Realität arbeitet und welche Divergenzen zur formalen Struktur bestehen.
4.2.1 Vereinszweck: Die Analyse zeigt, dass der Zweck des Vereins zwar formal an rechtliche Kataloge angepasst ist, in der Praxis jedoch andere Schwerpunkte gesetzt werden.
4.2.2 Vereinsmitglieder: Es wird dargelegt, wie die informelle Mitgliederstruktur mit der offiziellen Satzung korrespondiert und welche Rolle dies für die Arbeitsfähigkeit spielt.
4.2.3 Vereinsvorstand: Das Kapitel beleuchtet die Diskrepanz zwischen der offiziell auf der Website dargestellten Vorstandsfunktion und der tatsächlichen Aufgabenverteilung in der Vereinsrealität.
5 Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit dem Fazit, dass die Entkopplung im GleisBeet e.V. als notwendige Strategie zur Wahrung der Arbeitsfähigkeit und Motivation dient, jedoch auch zu internen Kollisionen führen kann.
Schlüsselwörter
Neoinstitutionalismus, Entkopplung, GleisBeet e.V., Formalstruktur, Aktivitätsstruktur, Fassadenbau, Organisationssoziologie, Umwelterwartungen, Gemeinnützigkeit, Vereinsrecht, Legitimität, Isomorphie, ehrenamtliche Arbeit, Vereinsorganisation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert eine Organisation, den GleisBeet e.V., unter der soziologischen Perspektive des Neoinstitutionalismus mit dem speziellen Fokus auf das Phänomen der Entkopplung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die Themenbereiche Fassadenbau, das Spannungsfeld zwischen formalen Satzungsvorgaben und gelebter Vereinspraxis sowie die Mechanismen zur Erlangung organisationaler Legitimität.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, zu untersuchen, ob die Formalstruktur und die Aktivitätsstruktur des Vereins GleisBeet e.V. identisch sind oder ob diese Bereiche entkoppelt sind, um handlungsfähig zu bleiben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt einen konzeptionellen Zugang des Neoinstitutionalismus und führt eine Fallanalyse des Vereins GleisBeet e.V. durch, wobei sie ihre eigene Rolle als Gründungsmitglied für Einblicke in die internen Prozesse nutzt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in den Neoinstitutionalismus und eine detaillierte empirische Untersuchung der Formal- und Aktivitätsstruktur des Vereins, unterteilt in die Bereiche Zweck, Mitglieder und Vorstand.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Neoinstitutionalismus, Entkopplung, Fassadenbau, Formalstruktur, Aktivitätsstruktur und organisationale Legitimität.
Wie unterscheidet sich der offizielle Vereinsvorstand von der Realität?
Die offizielle Fassung suggeriert eine feste, hierarchische Vorstandsstruktur, während in der Realität eine flexible Aufgabenverteilung stattfindet, da die Vorsitzenden die zugewiesenen Aufgaben oft nicht oder nicht wie formal geplant wahrnehmen.
Warum ist die Entkopplung für den GleisBeet e.V. notwendig?
Die Entkopplung ermöglicht es dem Verein, nach außen hin die für Förderungen und rechtliche Anerkennung notwendigen Anforderungen zu erfüllen, während die interne Arbeit flexibel und motivierend gestaltet werden kann, ohne durch starre bürokratische Prozesse zu stagnieren.
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- Elisa Pfennig (Author), 2015, Der Neoinstitutionalismus und das Phänomen der Entkopplung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/378409