Die geistige Armut und ihr Verhältnis zur unfreiwilligen Armut


Seminararbeit, 2014

21 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Begriff der Armut
2.1 Begriffserklärung
2.2 Chronologische Entwicklung in der Theologie

3. Armut als Ordensgelübde
3.1 Biblische Begründung
3.2 Bedeutung

4. Praxis im Orden
4.1 Der Franziskanerorden
4.2 Bedeutung der Armut

5. Das Verhältnis von geistiger und sozialer Armut
5.1 Fakten über die Anzahl der Betroffenen im Vergleich
5.2 Schnittstellen zwischen den Begriffen

6. Zusammenfassung

7 Literaturverzeichnis

Anhang

1. Einleitung

Diese Hausarbeit beschäftigt sich thematisch mit dem Hauptseminar „Armut als sozialethische Herausforderung“. Schwerpunkt dieser Arbeit ist die freiwillige Armut, wie sie sich im Ordensleben findet. Hierbei wird die Begründung für das Motiv der geistigen Armut anhand der Heiligen Schrift gegeben. Zu Beginn wird der Begriff der „Armut“ dargestellt und ein Versuch getätigt die Begriffe „freiwillige“ und „unfreiwillige“ Armut zu definieren. Im weiteren Verlauf findet sich dann die chronologische Entwicklung in der Theologie, die die Wandlung von einem negativen zu einem positiven Begriff zeigen wird. Anschließend wird die Armut in die Trias der Gelübde eingeordnet und ein Überblick über die Armut als Gelübde geliefert. Dabei wird anhand der Heiligen Schrift eine Begründung für das Gelübde erörtert und die Bedeutung für die Ordensgemeinschaften dargelegt. Bei der speziellen Orientierung auf die Praxis im Orden wird ein besonderer Fokus auf den Franziskanerorden gelegt. Dafür wird der Orden zunächst vorgestellt und die spezielle Bedeutung für diesen Orden präsentiert. Nach der Erörterung der Thematik wird die freiwillige Armut mit der unfreiwilligen Armut in ein Verhältnis gesetzt. Dabei werden Fakten miteinander verglichen und die Schnittstellen beider Armutsbegriffe dargestellt.

Zum Schluss werden alle wichtigen Inhalte zusammengefasst und die Ergebnisse präsentiert. Wobei dort explizit auf das Verhältnis beider Begriffe eingegangen wird.

2. Der Begriff der Armut

Die Armut stellt zunächst ein Paradoxon für den Menschen dar. Für diesen ist Reichtum aus zweierlei Gründen wichtig: zum einen ermöglicht der Reichtum Genuss und repräsentiert Macht und zum anderen garantiert er Zukunft und bietet Schutz vor unvorhergesehenen Ereignissen.[1] Dieser Wunsch nach Reichtum steht im Kontrast zu dem, was bereits im Alten Testament beschrieben wird. So ist die Abwendung des Reichtums ein Schutz vor dem Abfall der Gläubigen, für die dann nicht mehr Gott, sondern der Reichtum selbst der Mittelpunkt des Lebens wird.[2] Das Paradoxon lässt sich noch an einigen anderen Stellen definieren. So wird dem Menschen im Buch Genesis die Macht über die Welt und seine darin befindlichen Güter durch Gott gegeben, so dass der Mensch, da er göttliches Ebenbild ist, Recht darin sieht Reichtümer zu besitzen.[3] Im Gegensatz dazu lässt sich im Neuen Testament häufig der Aufruf Jesu zur Armut finden, um so dem Reich Gottes näher zu kommen, so heißt es: „Selig, ihr Armen, denn euch gehört das Reich Gottes“[4]. Jesus erkennt die Gefahren des Reichtums, die die Seele der Menschen verunreinen.

Im Folgenden wird eine Erklärung zur geistigen und sozialen Armut gegeben. Die geistige Armut ist dabei mit der freiwilligen und die soziale mit der unfreiwilligen Armut gleichzusetzen. Diese beiden Armutsbegriffe werden in der mittelalterlichen Armutstheologie bereits differenziert, da die Doktrin der christlichen Barmherzigkeit aus dem 12. Jahrhundert diese Unterscheidung in das theologische Bewusstsein hinein getragen hat.[5] Einer der bedeutendsten theologischen und sozialen Denker dieser Zeit, Gerhoh von Reidlersberg, legte den Fokus auf „die Unterscheidung zwischen den Armen mit Petrus (pauperes cum Petro) und den Armen mit Lazarus (pauperes cum Lazaro).“[6]

2.1 Begriffserklärung

Bei dem Begriff der geistigen Armut handelt es sich um einen freiwilligen Verzicht aller weltlichen Güter, der insbesondere im Ordensleben zu den Notwendigkeiten gehört. Die Armut ist Teil des, von Thomas von Aquin geprägten Begriffs des dreifachen Gelübdes (triplex votum).[7] Bei dieser Armut handelt es sich um eine „selige Armut“[8], die frei gewählt ist, um die Menschen zu bereichern[9]. Dabei ist „die Konkretion der Armut Jesu, die brutale Wörtlichkeit der Nachfolge im Alles-Verlassen […] das Primäre und der Bezugspunkt aller geistlichen Armut.“[10] Anhand dieser Aussage wird die Immanenz des Begriffes klar herausgestellt. Allerdings findet die tatsächliche Umsetzung unterschiedlich in den einzelnen Ordensgemeinschaften statt. Bei allen Orden ist aber derselbe Sinn vorhanden, und zwar, dass die „wirkliche Armut“[11] mit allen Empfindungen gefühlt werden soll.

Bei dem Gelübde der Armut werden nicht nur die weltlichen Güter impliziert, es handelt sich vielmehr um ein Opfer des „Erwerbs- und Besitztriebes“[12], welche in Gen 1,26-29 beschrieben werden, an Gott. So findet sich auch der Begriff der „Armut im Geiste“[13], welcher meint, dass die Armut für alle Menschen ein Gut „des Geistes, der Buße und des Willens“[14] ist. Für diese These können viele Bibelstellen genannt werden, wie zum Beispiel Mt 5,3; 19,21; Mk 10,21 und Lk 18,22. Armut meint die „innere Losgelöstheit“[15] und ermöglicht dem Gläubigen so die Aufgaben, für die er berufen wurde, zu erfüllen. Daher verzichtet auch die Armut im Geiste auf das eigene Recht, sowie Anspruch und auf ein autonomes Urteil[16] So heißt es im Evangelium nach Lukas: „Darum kann keiner von euch mein Jünger sein, wenn er nicht auf seinen ganzen Besitz verzichtet“[17]. Hier findet sich die Begründung für das Gelübde der Armut.

Im Kontrast zur freiwilligen Armut steht die unfreiwillige, soziale Armut. Im Umfang dieser Arbeit kann keine detaillierte Analyse in Bezug auf die soziale Armut gewährleistet werden, daher wird der Versuch getätigt, die für diese Hausarbeit notwendigsten Informationen zu erörtern.

Laut dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung versteht der Entwicklungsausschuss der OECD (DAC) unter Armut „verschiedene Arten von Entbehrungen im Zusammenhang mit der Unfähigkeit, menschliche Grundbedürfnisse zu befriedigen.“[18] Unter diesen Grundbedürfnissen zählen vor allem Bildung, Nahrungssicherheit, Gesundheitsvorsorge und Rechte. In Bezug auf den Armutsbegriff lässt sich auch die „absolute Armut“[19] definieren. Darunter versteht man den Zustand, wenn bei einem Menschen die zuvor genannten Grundbedürfnisse nicht mehr gewährleistet sind. Des Weiteren existiert die „relative Armut“[20], welche die Armut im Verhältnis zum Umfeld der Person setzt. Der Begriff der Armut ist nicht statisch, sondern dynamisch definiert. Für die Armut gibt es unterschiedliche Ursachen und Ausprägungen. So führt das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung als mögliche Ursachen „Krankheitsfälle, Todesfälle, das Aufbringen einer Mitgift für eine Hochzeit oder größere Krisen – wie bewaffnete Konflikte, Naturkatastrophen, Wirtschaftsflauten – die Menschen in Armut stürzen.“[21] Da es sich bei den einzelnen Aspekten der Armut um „subjektive Wahrnehmungen“[22], wie zum Beispiel Hunger, Krankheiten oder Ängste, handelt, ist die Messung sehr kompliziert. Aufgrund dessen haben sich unterschiedliche Ansätze manifestiert. So werden zum Beispiel Menschen als extrem arm von der Weltbank definiert, „wenn sie weniger als 1,25 US-Dollar pro Tag zur Verfügung haben.“[23] Das Hauptanzeichen für Armut wurde im Jahre 2011 durch eine Umfrage mit 45% ermittelt, und sagt aus, dass sich Menschen als arm fühlen, wenn sie „Einschränkungen bei den grundsätzlichen Dingen des Lebens“[24] erfahren.

2.2 Chronologische Entwicklung in der Theologie

Der Beginn des Armutsbegriffs ist gleichzustellen mit dem biblischen Beginn der Menschheitsgeschichte. Im Buch Genesis wird der paradiesische Mensch „vollkommen arm und nackt“[25] von Urs von Balthasar vorgestellt. Diese „paradiesische Armut“[26] beinhaltet allerdings keinen Verlust oder ist mit den negativen Aspekten behaftet, sie ist vielmehr „die totale Offenheit zu Gott“[27]. In den Fokus wird besonders der Reichtum der Liebe gelegt. Da alle Inhalte der Welt Eigentum Gottes sind, ist die Interpretation von Armut und Reichtum in Genesis überflüssig.[28] Erst durch die Aneignung der Begriffe „Armut und Fülle“[29] durch den Menschen, wurde die Armut durch ein Abhängigkeitsverhältnis zur Fülle negativ interpretiert.

[...]

[1] Vgl. J. Zürcher SMB in Prof. Dr. J. Zürcher SMB (Hrsg.): Die Gelübde im Ordensleben, Chur 1958 (Band 2 Die Armut),S. 23.

[2] Vgl. Louis Bouyer, Oratorianer in Prof. Dr. J. Zürcher SMB (Hrsg.): Die Gelübde im Ordensleben, Chur 1958 (Band 2 Die Armut), S. 16.

[3] Vgl. Gen 1,26-29.

[4] Lk_6,20 b.

[5] Vgl. Rathmayr, Bernhard: Armut und Fürsorge. Einführung in die Geschichte der Sozialen Arbeit, Internetdokument auf <http://bidok.uibk.ac.at/library/rathmayr-fuersorge.html>, vom 15.05.2013, Zugriff am 17.10.2014.

[6] Ebd.

[7] Vgl. Bruder Martin Lütticke OFM, Armut – ein Rat für gelingendes Leben 3. Dialogforum der Ordensleute im Bistum Essen am 2. März 2013, Internetdokument auf <http://87.106.6.16/beftp/begleitung/babyfenster/Leben/Downoads/2013%2003%20Armut%20Impuls.pdf>, vom 02.03.2013, Zugriff am 17.10.2014, S.1.

[8] Mt_5,3.

[9] 2_Kor_8,9.

[10] Scheuer, Manfred: Die Evangelischen Räte, Würzburg 1990, S. 137.

[11] Ebd., S. 138.

[12] J. Zürcher SMB in Prof. Dr. J. Zürcher SMB (Hrsg.): Die Gelübde im Ordensleben, Chur 1958 (Band 2 Die Armut), S. 54.

[13] Scheuer, Manfred: Die Evangelischen Räte, Würzburg 1990, S. 140.

[14] Ebd.

[15] S J. Zürcher SMB in Prof. Dr. J. Zürcher SMB (Hrsg.): Die Gelübde im Ordensleben, Chur 1958 (Band 2 Die Armut), S. 25.

[16] Vgl. Scheuer, Manfred: Die Evangelischen Räte, Würzburg 1990, S. 140.

[17] Lk_14,33.

[18] Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung: Glossar. Armut, Internetdokument auf < http://www.bmz.de/de/service/glossar/A/armut.html>, Zugriff am 17.10.2014.

[19] Ebd.

[20] Ebd.

[21] Ebd.

[22] Bundesministerium für Arbeit und Soziales: Lebenslagen in Deutschland. Armuts- und Reichtumsberichterstattung der Bundesregierung. Der vierte Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung, Internetdokument auf <https://www.bmas.de/SharedDocs/Downloads/DE/PDF-Publikationen-DinA4/a334-4-armuts-reichtumsbericht-2013.pdf?__blob=publicationFile> von März 2013, Zugriff am 17.10.2014, S. 196, Tabelle C I.11.1, S. 350.

[23] Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung: Glossar. Armut, Internetdokument auf < http://www.bmz.de/de/service/glossar/A/armut.html>, Zugriff am 17.10.2014.

[24] Bundesministerium für Arbeit und Soziales: Lebenslagen in Deutschland. Armuts- und Reichtumsberichterstattung der Bundesregierung. Der vierte Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung, Internetdokument auf <https://www.bmas.de/SharedDocs/Downloads/DE/PDF-Publikationen-DinA4/a334-4-armuts-reichtumsbericht-2013.pdf?__blob=publicationFile> von März 2013, Zugriff am 17.10.2014.

[25] Scheuer, Manfred: Die Evangelischen Räte, Würzburg 1990, S. 70.

[26] Ebd.

[27] Ebd.

[28] Vgl. ebd., S. 71.

[29] Ebd.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Die geistige Armut und ihr Verhältnis zur unfreiwilligen Armut
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Katholisch- Theologische Fakultät Lehrstuhl für Christliche Gesellschaftslehre)
Veranstaltung
Hauptseminar: Armut als sozialkritische Herausforderung
Note
1,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
21
Katalognummer
V378437
ISBN (eBook)
9783668567825
ISBN (Buch)
9783668567832
Dateigröße
614 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Geistige Armut, Freiwillige Armut, Unfreiwillige Armut, Franziskanerorden, Franziskus
Arbeit zitieren
Anita Greinke (Autor:in), 2014, Die geistige Armut und ihr Verhältnis zur unfreiwilligen Armut, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/378437

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