Outsourcing- und Privatisierungsentscheidungen in der öffentlichen Daseinsvorsorge sind in vielerlei Hinsicht ein umstrittenes Feld. Sie betreffen neben den Kunden, die die Leistung in Anspruch nehmen, auch den Steuerzahler und das Gemeinwohl. Nicht zuletzt jedoch sind Entscheidungen in diesem Kontext auch von hoher Relevanz für die in der Daseinsvorsorge tätigen Mitarbeiter. Im Rahmen dieser Arbeit wird daher am Beispiel der deutschen Postbranche erörtert und diskutiert, welche Konsequenzen Privatisierungsmaßnahmen für ihre gegenwärtigen und künftigen Mitarbeiter haben kann.
Der Themenbereich Outsourcing und Privatisierung öffentlicher Leistungen ist aus vielerlei Aspekten heraus spannend, zumal diesbezügliche Maßnahmen nicht unumstritten sind. Sie können vor allem auch im Kontext der Daseinsvorsorge betrachtet werden. Der Umfang der Daseinsvorsorge selbst, aber auch ihre einzelnen Leistungen, unterliegen einer permanenten Entwicklung.
Das betrifft insbesondere auch die Entwicklung hin zu Outsourcing und Privatisierung. Die Entwicklungen in diesem Kontext sind jedoch nicht nur abstrakter Natur, denn sie betreffen eine Vielzahl an Bürgern, Haushalten und bzw. oder Unternehmen. Daneben sind aber auch die Beschäftigten in den ausgelagerten Bereichen und ihre Arbeitsbedingungen, welche im Rahmen dieser Hausarbeit betrachtet werden sollen, betroffen. Aufgrund der vorgegebenen Länge dieser Hausarbeit hat der Autor das Thema beispielhaft auf den Bereich der Post eingegrenzt.
Die Erbringung von Postdienstleistungen ist ein Sektor innerhalb der Daseinsvorsorge. Dieser Bereich eignet sich für eine genauere Betrachtung besonders, da die Erbringung von Postdienstleistungen in Deutschland bereits seit langer Zeit in privater Hand liegt, sodass der Post eine Art Vorreiterrolle zukommt. Dass die private Erbringung dieser Dienstleistungen in Bezug auf die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten nicht unproblematisch ist, hat besonders das Jahr 2015 gezeigt, welches vom Streik der Beschäftigten der heute privatisierten Deutschen Post AG geprägt war.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretische Hinführung
2.1 Der Begriff des Outsourcings
2.2 Formen des Outsourcings
2.3 Verhältnis des Outsourcings zum Begriff der Privatisierung
3. Outsourcing im Bereich der Post in Deutschland
4. Heutige Arbeitsbedingungen der Beschäftigten im Postdienstleistungssektor
4.1 Heutige Arbeitsbedingungen der Beschäftigten im Postdienstleistungssektor im Allgemeinen
4.2 Heutige Arbeitsbedingungen der Beschäftigten im Postdienstleistungssektor anhand konkreter Beispiele
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Auswirkungen von Outsourcing- und Privatisierungsmaßnahmen im öffentlichen Bereich, insbesondere am Beispiel der Deutschen Post AG, auf die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwiefern die Privatisierung und die damit einhergehende Marktöffnung zu einer Prekarisierung der Arbeitsverhältnisse geführt haben.
- Theoretische Grundlagen von Outsourcing und Privatisierung
- Historische Entwicklung der Postprivatisierung in Deutschland
- Quantitative und qualitative Analyse der Beschäftigungsentwicklung im Postsektor
- Konkrete Auswirkungen auf Entlohnung, Arbeitszeit und soziale Absicherung
- Fallbeispiele aus der Praxis (z. B. Deutsche Post AG, TNT, GLS)
Auszug aus dem Buch
4.2 Heutige Arbeitsbedingungen der Beschäftigten im Postdienstleistungssektor anhand konkreter Beispiele
Nach einer Erörterung der allgemeinen Entwicklung der Arbeitsbedingungen der Beschäftigten im Postsektor wird im Folgenden auf konkrete Beispiele hinsichtlich der Arbeitsbedingungen bei der Deutschen Post AG sowie ihrer Wettbewerber eingegangen. Der Autor möchte darauf hinweisen, dass er sich aufgrund der vorgegebenen maximalen Länge dieser Arbeit bei der Auswahl der Beispiele auf besonders prägnante Beispiele fokussiert hat.
Ein erstes Negativbeispiel für die heutigen Arbeitsbedingungen im Postsektor ist das Briefzentrum der Deutschen Post AG in Duisburg-Asterlagen, in dem täglich ca. 1,5 Millionen Briefe sortiert werden. Die Beschäftigten wurden dort zunächst befristet eingestellt, um sie anschließend über unbefristete Abrufverträge zu beschäftigen. Ein Abrufvertrag hat massive Nachteile hinsichtlich der sozialen Absicherung der Beschäftigten gegenüber einem regulären Arbeitsverhältnis. Funktion und Intention eines Abrufvertrages ist, dass die Beschäftigten nur im Bedarfsfall eingesetzt werden. Sie haben weder einen Anspruch auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, Urlaubsgeld, sonstige Zuwendungen oder eine Mindestarbeitszeit (Kühn 2012).
Zwar bezeichnet die Gewerkschaft Verdi dieses Vorgehen als rechtlich zulässig, die Beschäftigten beklagen diese Prekarisierung der Arbeitsverhältnisse jedoch (Kühn 2012). Die betroffenen Beschäftigten der Deutschen Post AG bezeichnen diese Praxis etwa als „Schweineverträge“ (Kühn 2012) oder sprechen auch von einer „modernen Sklaverei“ (Kühn 2012).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der Privatisierung öffentlicher Leistungen ein und erläutert die Relevanz der Untersuchung für die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten im Postsektor.
2. Theoretische Hinführung: Es werden die zentralen Begriffe Outsourcing und Privatisierung definiert und ihre theoretischen Zusammenhänge sowie Abgrenzungen dargestellt.
3. Outsourcing im Bereich der Post in Deutschland: Dieses Kapitel zeichnet den historischen Verlauf der Privatisierung der Deutschen Post AG von den 1980er Jahren bis zur heutigen Marktöffnung nach.
4. Heutige Arbeitsbedingungen der Beschäftigten im Postdienstleistungssektor: Hier erfolgt eine Analyse der qualitativen und quantitativen Auswirkungen der Liberalisierung auf die Beschäftigten, ergänzt durch spezifische Praxisbeispiele.
5. Fazit: Das Fazit resümiert die negativen Auswirkungen der Privatisierung auf die Arbeitsbedingungen und empfiehlt eine kritische Abwägung bei künftigen Auslagerungsprojekten.
Schlüsselwörter
Outsourcing, Privatisierung, Deutsche Post AG, Arbeitsbedingungen, Postsektor, Prekarisierung, Abrufverträge, Marktöffnung, Tarifpolitik, Daseinsvorsorge, Beschäftigungsentwicklung, Mindestlohn, Wettbewerb, Gewerkschaft, Dienstleistungsqualität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert kritisch die Folgen von Outsourcing- und Privatisierungsstrategien im öffentlichen Sektor, mit besonderem Fokus auf die daraus resultierenden Arbeitsbedingungen der Beschäftigten im deutschen Postsektor.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die theoretische Definition von Outsourcing, die historische Entwicklung der Postprivatisierung in Deutschland sowie die Untersuchung prekärer Beschäftigungsformen und Lohnentwicklungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie politisch initiierte Privatisierungsprozesse zu einer Verschlechterung der Arbeitsbedingungen geführt haben und ob dies der ursprünglichen politischen Intention entspricht.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und der Auswertung von Sekundärquellen, Studien und Presseberichten, um die Auswirkungen des Outsourcings anhand theoretischer Ansätze und praktischer Fallbeispiele zu belegen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung, eine historische Aufarbeitung der Postprivatisierung und eine detaillierte Betrachtung aktueller Arbeitsbedingungen, inklusive Fallanalysen bei der Deutschen Post AG und deren Wettbewerbern.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Outsourcing, Privatisierung, Prekarisierung, Arbeitsbedingungen, Postsektor und Daseinsvorsorge.
Was versteht der Autor unter dem Begriff "Abrufvertrag"?
Ein Abrufvertrag wird hier als Form der Beschäftigung beschrieben, bei der Arbeitnehmer nur bei Bedarf eingesetzt werden und keinen Anspruch auf grundlegende soziale Leistungen wie Lohnfortzahlung im Krankheitsfall oder Urlaubsgeld haben.
Welche Rolle spielt die Deutsche Post AG in dieser Untersuchung?
Die Deutsche Post AG dient als zentrales Beispiel für ein großes Privatisierungsprojekt, an dessen Beispiel die Auswirkungen auf die Stammbelegschaft sowie die Konkurrenzsituation zu anderen Unternehmen am Markt verdeutlicht werden.
Warum wird der Streik von 2015 erwähnt?
Der Streik dient als Beleg für die mediale Wahrnehmung und die real existierenden Konflikte hinsichtlich der Arbeitsbedingungen im Postsektor nach der Privatisierung.
Was ist das Fazit des Autors bezüglich zukünftiger Projekte?
Der Autor mahnt, dass Erfahrungen aus dem Postsektor als Referenz für künftige Privatisierungsprojekte dienen sollten, um eine langfristige Perspektive einzunehmen und negative soziale Folgen zu vermeiden.
- Arbeit zitieren
- Michael Schiffer (Autor:in), 2016, Outsourcing im Bereich der Post in Deutschland und seine Auswirkungen auf die Arbeitsbedingungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/378539