Der Wandel der Einwanderungspolitik des Vereinigten Königreichs seit 1945. Die Multikulturalität Londons


Bachelorarbeit, 2006
29 Seiten, Note: 1,6

Leseprobe

Inhalt

Vorbemerkung

1. Einleitung: Die Multikulturalität Londons
1.1. Begriffserläuterung Multikulturalität und Bezug zu London
1.2. Die wichtigsten ethnischen Gruppen in London
1.2.1. Asiaten: Inder, Bangladescher
1.2.2. Schwarzafrikaner
1.2.3. Kariben

2. Geschichtlicher Hintergrund zum Einwanderungsgeschehen im Vereinigten Königreich nach 1945
2.1. British Empire
2.2. Commonwealth of Nations
2.3. Einwanderungsgeschehen vor 1945

3. Der Wandel der Einwanderungspolitik des Vereinigten Königreichs seit 1945
3.1. Einwanderungsgeschehen und Einwanderungspolitik von 1945-1988
3.2. Asylgesetzgebung von 1993-1999
3.3. Aktuelle Bestimmungen nach dem Nationality, Asylum and Immigration Act 2002
3.3.1. Einreise
3.3.2. Einbürgerung
3.3.3. Asylbestimmungen
3.4. Zusammenfassung

4. Künftige Tendenz in der Einwanderungspolitik
4.1. Haltung der Labour Partei
4.2. Haltung der konservativen Partei

5. Schlussbetrachtung: Der Einfluss des Einwanderungsgeschehen auf London

Anhang: Bibliographie

Vorbemerkung

Im Rahmen meines Studiums der Mehrsprachigen Kommunikation habe ich ein Auslandssemester in London verbracht. Der Aufenthalt in dieser acht Millionen Metropole, in der Menschen aus aller Welt leben, inspirierte mich dazu, mich mit der Entstehung der Multikulturalität der Hauptstadt durch die Einwanderer zu befassen und meine Abschluss- arbeit über den Wandel der Einwanderungspolitik im Vereinigten Königreich zu schreiben. Beschäftigt man sich mit diesem Thema, stößt man bei der Recherche wie auch beim Verfassen selbst auf einige Schwierigkeiten. Beispielsweise tauchen in der Literatur oft Formulierungen auf wie „Britisch Immigration Law“ oder „Britisch Nationality Law“, Bezeichnungen, die bei genauerer Betrachtung nicht korrekt sind. Die Gesetze beziehen sich nicht nur auf Großbritannien, sondern auch auf Nordirland. Wie auch im Englischen werden im Deutschen Großbritannien und das Vereinigte Königreich oft für Synonyme gehalten. Das Vereinigte Königreich schließt jedoch im Gegensatz zu Großbritannien Nordirland mit ein. In dieser Arbeit habe ich mich bemüht Sachverhalte präzise wiederzugeben. Sie bezieht sich ausschließlich auf die Gesetzgebung des Vereinigten Königreichs. Aus stilistischen Gründen wird dennoch in einigen Fällen das Adjektiv „britisch“ benutzt, obwohl auf das ganze Vereinigte Königreich Bezug genommen wird.

Eine weitere Schwierigkeit trat während der Recherche auf. Da im gesamten Vereinigten Königreich keine Meldepflicht besteht, sind Quellen für die Einwanderungsdaten nicht sehr zuverlässig. Die Schätzungen stützen sich auf drei Quellen. Das International Passenger Survey (IPS) ist eine Umfrage auf freiwilliger Basis, die stichprobenweise bei Reisenden durchgeführt wird. Als Zuwanderer werden hier Menschen bezeichnet, die nach einem mindestens einjährigen Auslandsaufenthalt wieder ins Vereinigte Königreich einreisen. Die Statistiken des Home Office stellen eine weitere Datenquelle dar und erfassen diejenigen, die eine Aufenthalts- oder Niederlassungserlaubnis beantragen. Daten von EU- Staatsbürgern werden nicht aufgenommen. Das Office for National Statistics fasst die Werte des IPS und des Home Office zusammen und ist somit die vollständigste Quelle. (Currle, 2004:135) Bei der Lektüre soll daher beachtet werden, dass in der Arbeit genannte Zahlen auf Schätzungen basieren und von anderen Angaben abweichen können.

1. Einleitung: Die Multikulturalität Londons

London: eine dynamische, weltoffene und internationale Stadt, die im Laufe der Zeit vielen Menschen aus allen Teilen der Welt ein Zuhause geboten hat und von diesen stark geprägt wurde. In dieser Arbeit dient die Multikulturalität der acht Millionen Metropole als Aus- gangspunkt und Inspiration für die Betrachtung des Wandels der Einwanderungspolitik im Vereinigten Königreich. Neben der Analyse der seit den 1960er Jahren immer restriktiver werdenden Gesetzgebung soll ein Ausblick auf die künftige Entwicklung in der Einwanderungspolitik gegeben werden und die Auswirkungen des Einwanderungsgeschehens auf London präsentiert werden.

1.1. Begriffserläuterung Multikulturalität und Bezug zu London

Im Laufe der Zeit hat das Wort „Einwanderer“ in Zusammenhang mit der Bevölkerungs- zusammensetzung sowohl von London als auch vom übrigen Vereinigten Königreich an Bedeutung verloren. Stattdessen rückte der Begriff „multikulturell“ oder „Multikulturalität“ in den Vordergrund.

Im Neuen Lexikon von Bertelsmann (Gudemann,1996 unter „multikulturell“) wird eine multikulturelle Gesellschaft als „programmatische Richtung bzw. Gesellschaft, die eine Integration verschiedener Bevölkerungsgruppen mit deren unterschiedlichen Kulturen ge- währleistet“, bezeichnet. Zudem wird hervorgehoben, dass der Begriff aus klassischen Ein- wanderungsländern stamme und in Europa als Gegenpol zu einer xenophobischen Politik gelte.

Ein Dokument der UNESCO (1995:2-3) erläutert den Begriff etwas präziser. Es gibt drei Kontexte, in denen das Wort multikulturell benutzt werden kann: Im bevölkerungsstatischen Zusammenhang weist es auf die Existenz linguistischer, kultureller und ethnischer Unter- schiede in einer Gesellschaft hin. Im ideologischen Kontext hingegen bezieht es sich auf die politische Einstellung eines Staates zu den ethnischen Unterschieden in der Gesellschaft. Im Idealfall sollte eine Regierung das Recht auf die Erhaltung und Ausübung der eigenen Kultur, aber auch den Eintritt in die Gesellschaft gewährleisten. Unterschiede werden hierbei als Bereicherung angesehen. In politischen Zusammenhängen kann sich der Begriff der Multikulturalität auch auf konkrete Maßnahmen der Regierung beziehen wie beispielsweise das Race Equality Scheme in Großbritannien, das eine Gleichstellung aller ethnischen Minderheiten in der Gesellschaft etablieren soll.

Hinsichtlich dieser Definitionen lässt sich deutlich erkennen, dass London definitiv eine multikulturelle Stadt ist. Mehr als 300 Sprachen werden in der britischen Hauptstadt ge- sprochen. (BBC LONDON,1997) Fast ein Drittel der Einwohner betrachten sich als zu einer ethnischen Minderheit zugehörig und die vom Staat befolgte Politik schließt sowohl eine Integration dieser Personen ein als auch den Versuch die ethnischen Unterschiede zu wahren. (Office of Deputy Prime Minister,2005) Heute sind die Zuwanderungszahlen für London höher als je zuvor und obwohl einige Politiker und die Presse die Stadt als tickende Zeitbombe bezeichnetenʊ im Jahre 2001 zogen 120 000 von 172 000 Einwanderern in die Hauptstadt und in den Süd-Osten des Landes (The Economist,2003)ʊ sieht der Staat die Multikulturalität der Hauptstadt als Bereicherung an.

Wie der Bürgermeister von London, Ken Livingstone, (2002) schon im Jahre 2002 in einer Mitteilung an Studierende erläuterte, ist London eine Stadt, die durch die Einwan- derung geschaffen und von den Einwanderern geprägt wurde. Schon seit den Römern, den Angeln, den Sachsen und den Normannen stammen die Bewohner Londons aus unterschied- lichen Kulturkreisen. Doch erst verschiedene Einwanderungswellen nach dem Zweiten Weltkrieg haben der Stadt ihren heutigen kosmopolitischen Charakter verliehen. Die Ein- wanderung verschiedener Nationalitäten und Kulturgruppen hatten großen Einfluss auf die Musik, die Literatur, auf die Essgewohnheiten und auf das Straßenleben Londons. Heute zählen sich 32,1 Prozent der Londoner zur sog. BME Group (Black Minority Ethnic Group), die alle diejenigen umfasst, die keine weiße Hautfarbe haben. (Office of Deputy Prime Minister,2005) Die meisten Angehörigen dieser Gruppe besitzen die britische Staats- angehörigkeit (ca. 1 422 000 von 2 032 000), weil sie entweder eingebürgert wurden oder von eingewanderten Eltern im Vereinigten Königreich geboren sind. (Greater London Authority,2003:22 Table A7) Trotzdem versuchen sie ihre ursprüngliche Kultur und Identi- tät zu wahren, indem sie ihre Traditionen und Bräuche frei ausleben und an ihre Nachkom- men weitergeben.

1.2. Die wichtigsten ethnischen Gruppen in London

1.2.1. Asiaten: Inder, Bangladescher

Inder und Briten indischen Ursprungs machen circa 6 Prozent der Londoner Bevölkerung aus und sind somit die größte ethnische Minderheit der Hauptstadt. Im Stadtteil Harrow repräsentieren sie 21,9 Prozent der Einwohner und in Southall und Ealing 16,5 Prozent. (Greater London Authority,2005/2006:37-38) Die Gemeinschaft hat sogar eigene Zeitungen wie die Indian Times und die Hindustan Times und einen eigenen Radiosender. In Southall und Ealing findet man indische Schriftzüge an Häuserwänden und indische Straßendekoration. Exotische Düfte strömen aus den Restaurants und schon seit längerer Zeit gilt nicht mehr Fish and Chips als britisches Nationalgericht, sondern die indische Spe- zialität Chicken Tikka Massala.

2,1 Prozent der Bevölkerung Londons sind Bangladescher. Der größte Teil dieser ethnischen Minderheit lebt in Tower Hamlets, auch „Banglatown“ genannt (der Anteil beträgt hier 33,4 Prozent), Camden und Westminster. (Greater London Authori- ty,2005/2006:41) Andere wichtige asiatische Gruppen sind Pakistaner und Chinesen.

1.2.2. Schwarzafrikaner

Circa 4,7 Prozent der Bewohner Londons gehören der ethnischen Minderheit der Schwarzafrikaner an. Rund 61 Prozent von ihnen stammen aus Zentral- und Westafrika, 36 Prozent wurden im Vereinigten Königreich von eingewanderten Eltern geboren. Im Stadtteil Southwark zählen sich 16,1 Prozent der Einwohner zu dieser ethnischen Gruppe. Ähnlich ist es in Newham und Hackney mit 13,1 und 12 Prozent. In diesen Stadtteilen ist es nichts außergewöhnliches auf den Straßenmärkten frische afrikanische Zutaten kaufen zu können wie Schnecken, landestypische Gewürze, Bananen und andere Früchte, die aus Afrika importiert werden. (Greater London Authority,2005/2006:45-46)

1.2.3. Kariben

Die ethnische Minderheit der Kariben macht 4,2 Prozent der Einwohnerzahl Londons aus. Viele Angehörige dieser Gemeinschaft leben in den Stadtteilen Lewisham, Lambeth, Brent und Hackney. Ganze 60 Prozent von ihnen sind im Vereinigten Königreich geboren, vermutlich sogar in London. Circa 37 Prozent stammen von den Karibischen Inseln, zwei Drittel davon aus Jamaika. (Greater London Authority,2005/2006:44-45) Das wohl bekannteste Festival Londons ist der Nottinghill Carnival, der von der karibi- schen Minderheit organisiert wird. Er findet jedes Jahr im Juli statt. Es gibt Raggaemusik, Stände mit karibischen Spezialitäten und Festwagen mit landestypischer Dekoration. Es ist die zweitgrößte Karnevalsveranstaltung nach der von Rio de Janeiro in Brasilien. (Reader,2004:22)

Es gibt noch zahlreiche andere Festivitäten in London, die von den Einwanderern stam- men wie zum Beispiel das chinesische Neujahrsfest im Januar und das italienische Festival im Juli. Menschen aus der ganzen Welt haben durch das Einbringen ihrer Kultur und ihren Traditionen London zu der multikulturellen Stadt gemacht, die sie heute ist. Als Besucher hört fast jeder irgendwo in London seine Landessprache sprechen. Man sagt auch „die ganze Welt lebt in London“. Eine Entwicklung, die nur aus einer langen Einwanderungstra- dition entstehen konnte.

2. Geschichtlicher Hintergrund zum Einwanderungsgeschehen im Vereinigten Königreich nach 1945

2.1. British Empire

Die Migrationsgeschichte des Vereinigten Königreichs ist stark von der kolonialen Vergangenheit des Landes geprägt.

Ursprünglich bezeichnete das Britisch Empire das Vereinigte Königreich von Großbri- tannien und Nordirland mit den Kanalinseln und der Insel Man1. Im Laufe des imperialisti- schen Zeitalters jedoch eroberte das Vereinigte Königreich zahlreiche Kolonien in Nord- und Südamerika, in der Karibik, in Afrika und Asien. Kanada, Südafrika, Australien und Neuseeland waren einst auch Kolonien, zählten aber schon seit Ende des 19. bzw. An- fang des 20. Jahrhunderts zu den sich selbst regierenden Gebieten. (Oakland,1998:132-134) Wie Stephen Lee berichtet, umfasste das Britische Reich im Jahre 1914 fast ein Viertel der ganzen Weltbevölkerung. Somit hatten all seine Bewohner die britische Staatsangehörigkeit Der Wandel der Einwanderungspolitik des Vereinigten Königreichs seit 1945 mit der Multikulturalität Londons als Ausgangspunkt für die Untersuchung und das Recht in jedem Teil des Reiches zu leben, auch im 244 101 km² großen Vereinten Königreich von Großbritannien und Nordirland.

Nach dem Zweiten Weltkrieg fand eine graduelle Dekolonisation statt, sodass 1995 die einzigen noch bestehenden Kolonien des Vereinigten Königreichs Hongkong (das 1997 an China zurückgegeben wurde), Gibraltar, die Falkland Inseln und einige andere Inseln waren. (Lee,1996:304)

2.2. Commonwealth of Nations

Der Begriff Commonwealth of Nations wurde zum ersten Mal im Jahre 1926 auf der Imperial Conference benutzt, um die autonomen Gemeinschaften des Vereinigten Königreichs und der Dominions2 zu bezeichnen. Im Laufe der Nachkriegsjahre des Zweiten Weltkrieges wurden mehr und mehr Staaten des British Empire unabhängig wie beispiels- weise Indien und Pakistan im Jahre 1947 und Burma und Ceylon im Jahre 1948. Viele ehemalige Kolonien entschlossen sich Mitglieder im Commonwealth of Nations zu bleiben und ihre besondere Beziehung zum Vereinigten Königreich weiterhin zu pflegen. (Lee,1996:311)

Zum Commonwealth of Nations gehören heute 54 souveräne Staaten und einige unabhängige Gebiete. Anders als das Britisch Empire ist der Commonwealth of Nations ein freiwilliger Bund souveräner und international gleichwertiger Staaten mit gemeinsamer geschichtlicher Vergangenheit. Die regelmäßig stattfindenden Konferenzen der Staatschefs der Mitgliedsstaaten gelten als Foren, um gemeinsame Probleme zu besprechen und sich zu beraten. Es gibt kein offizielles Organ doch, die Königin von England ist symbolischer Oberhaupt der Mitgliedsstaaten. (Lee,1996:315) Der Wandel der Einwanderungspolitik des Vereinigten Königreichs seit 1945 mit der Multikulturalität Londons als Ausgangspunkt für die Untersuchung

2.3. Einwanderungsgeschehen vor 1945

Vor dem Jahre 1905 hatten Einwanderer freien Zugang zum Vereinigten Königreich, konnten aber genauso leicht wieder abgeschoben werden, da sie über keinerlei Rechte verfügten. Schon immer war das Land Ziel der politisch und religiös Verfolgten gewesen und auch am Anfang des 20. Jahrhunderts flüchteten Polen und Juden aus Ost-Europa in das Land und ließen sich traditionsgemäß im Londoner East End nieder, das als Einwandererviertel galt. (Oakland,1998:54)

Aufgrund des steigenden Nationalismus und aufkommender xenophobischer Haltungen der Bevölkerung gegenüber kranken und kriminellen Einwanderern wurde 1905 der Aliens Act erlassen. Das erste Gesetz, das die Einwanderung bestimmter Personengruppen ein- schränken sollte. Einwanderern, die sich selbst und ihre Familien in Großbritannien nicht versorgen konnten, wurde die Einreise verboten. Die Aliens Restriction Acts aus den Jahren 1914 und 1919 gaben dem Innenminister des Vereinigten Königreichs die Macht nach sei- nem eigenen Ermessen Einwanderer zuzulassen oder abzuweisen, ein Recht, das er bis zum Jahre 1971 innehatte. Diese ersten nicht systematischen Maßnahmen zur Restriktion der Einwanderung stellten sich jedoch als ineffektiv heraus. (Lee,1996:351) Eine wichtige Rolle in der Migrationsgeschichte des Vereinigten Königreichs hat unter Anderem die Einwanderung der Iren, die zu Beginn der industriellen Revolution einsetzte, gespielt. Es wird vermutet, dass die Iren die größte Einwanderungsgruppe darstellen, jedoch ist dies aufgrund der 1922 eingerichteten Free-Travel-Zone zwischen Irland und dem Vereinigten Königreich nicht konkret durch Zahlen belegbar. An den Grenzen der zwei Länder finden keine Passkontrollen statt. (Currle,2004:124)

Trotz des konstanten Einwanderungsgeschehens galt das Vereinigte Königreich bis 1945 nicht als Einwanderungsland, da die Abwanderung in die alten Commonwealth-Staaten wie Kanada, Australien, Neuseeland und Süd-Afrika sehr stark war und einen Ausgleich zur Einwanderung bot. (Currle,2004:125) Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges wurden die hohen Einwanderungszahlen nicht als Problem gesehen, da sich die Immigranten weißer Hautfarbe schnell und einfach in die britische Gesellschaft integrieren ließen. Der Mangel an Arbeitskräften nach 1945 erforderte jedoch mehr junge Erwerbstätige. Somit nahm auch die Einwanderung farbiger Bürger der britischen Kolonien stark zu. (Oakland,1998:54-55)

3. Der Wandel der Einwanderungspolitik des Vereinigten Königreichs seit 1945

3.1. Einwanderungsgeschehen und Einwanderungspolitik von 1945-1988

Wie im letzten Kapitel bereits erwähnt, waren vor 1948 alle diejenigen, die eine enge Verbindung zum British Empire oder zu den autonomen Dominions hatten, in Besitz der britischen Staatsangehörigkeit. Viele Bürger dieser Staaten hatten im Zweiten Weltkrieg für die britische Krone gekämpft. Doch nach 1945 fand eine rapide Dekolonisation statt. Indien, Pakistan, der Sudan und Jamaika wurden unabhängig, was dazu führte, dass neue Gesetze zur Regelung der Staatsangehörigkeit erlassen werden mussten. (Lee,1996:311)

Der British Nationality Act aus dem Jahre 1948 sollte die Staatsbürgerschaft der Bevölke- rung des Vereinigten Königreichs und der Kolonien wie auch die der ehemaligen Kolonien regeln, da letztere eigene Staatsbürgerschaften neben der britischen eingeführt hatten (wie Kanada im Jahre 1947) oder noch einführen wollten. Mit dem Gesetz wurde eine Differen- zierung zwischen einerseits den Bürgern des Vereinigten Königreichs und den Kolonien (Citizen of the United Kingdom and the Colonies) und andererseits den Bürgern der Commonwealth-Staaten, d.h. der ehemaligen Kolonien (Commonwealth Citizen) und den Iren, eingeführt, die jedoch zu dem Zeitpunkt nur formeller Natur war. Im ersten Paragraphen des ersten Teils wurde festgelegt, dass die zwei Staatsbürgerschaften dieselbe Bedeutung haben sollten, d.h. sie befähigten zum Recht auf Einreise, Niederlassung und Arbeit im Vereinten Königreich. Paragraph sechs des zweiten Teils räumte den Bürgern der Commonwealth-Staaten das Recht ein, sich nach einem mindestens zwölfmonatigen Auf- enthalt als Staatsbürger des Vereinigten Königreichs und der Kolonien registrieren zu las- sen. Dies galt beispielsweise für Kanadier, Australier, Neuseeländer, Inder und Pakistaner. Einer doppelten Staatsangehörigkeit steht bis heute nichts im Wege. (The National Archi- ves,2004:British Nationality Act 1948)

Das neue Gesetz löste von 1948 eine Masseneinwanderung aus, die sich bis in die 1970er Jahre hinzog. Der akute Arbeitermangel erforderte nicht nur Arbeitskräfte aus den europä- ischen Staaten (von 1946 bis 1951 wanderten 450 000 Arbeiter aus Europa ein), sondern auch aus den Kolonien.

[...]


1 Die Kanalinseln und die Insel Man gehören nicht mehr zum Vereinten Königreich, unterstehen aber der britischen Krone. (Gudemann, 1996 unter“ Vereinigtes Königreich“)

2 Dominion: Bis 1948 die Bezeichnung für einen sich selbst regierenden, nur noch durch die Krone mit dem Mutterland verbundenen Staat des britischen Commonwealth of Nations.(Wahrig-Burfeind, 2000 unter „Do- monion“)

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Der Wandel der Einwanderungspolitik des Vereinigten Königreichs seit 1945. Die Multikulturalität Londons
Hochschule
Technische Hochschule Köln, ehem. Fachhochschule Köln  (ITMK)
Veranstaltung
Multikulturelle Kommunikation
Note
1,6
Autor
Jahr
2006
Seiten
29
Katalognummer
V378590
ISBN (eBook)
9783668556515
ISBN (Buch)
9783668556522
Dateigröße
571 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Multilingual Communications, Kommunikationswissenschaften, Einwanderung, Immigration, England, Einwanderungsgesetze, Multikulturelle Kommunikation
Arbeit zitieren
Sara Fresa (Autor), 2006, Der Wandel der Einwanderungspolitik des Vereinigten Königreichs seit 1945. Die Multikulturalität Londons, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/378590

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