Das Ziel dieser Arbeit besteht darin, zu überprüfen, wie König Philipp in der Chalkidike verfuhr, um daraus zu erschließen, welche politischen Leitgedanken ihn zu diesem drastischen Vorgehen veranlassten. Hierfür ist es notwendig, die Politik Philipps nur während eines bestimmten Zeitabschnittes zu betrachten. Diesbezüglich erscheint der Angriff auf Olynth um 349 v. Chr. bis zum Schlachtende Olynths 348 v. Chr. besonders relevant.
War der Anlass die Wahrung der Sicherheit des makedonischen Staatsgebietes, welches das Gebiet der Chalkidike schon in der Vergangenheit als Gefahr gesehen hat, oder ging es dem Makedonenkönig vielmehr um ein offensichtliches Herrschaftsstreben und die Ausbreitung seiner Macht? Oft sind diese Grenzen von
offensivem Sicherheitsdenken und offensichtlichem Herrschaftsstreben fließend, und somit auch in dieser Abhandlung nur schwer zu umreißen.
Es gilt an dieser Stelle zu betonen, dass die Arbeit nicht den Anspruch verfolgt, grundsätzlich neue Forschungsergebnisse zu präsentieren: Vielmehr geht es um den Versuch einer Übersicht über die bisher geleistete Forschung und um eine konkrete historische Darstellung des Geschehens.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Methodisches Vorgehen
1.2. Forschungsstand
1.3. Quellensituation
2. Strategische Ziele Philipps II.
3. Bündnis mit der Chalkidike
3.1. Gründe Philipps II. für das Bündnis
3.2. Zur Bedeutung Olynths und des Chalkidischen Städtebunds
4. Auseinandersetzung mit Olynth und Einnahme des Chalkidischen Städtebunds durch Philipp II.
5. Exkurs: Demosthenes und die Olynthischen Reden
6. Ergebnis und Fazit des Krieges
7. Schlussbetrachtungen
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht den Olynthischen Krieg unter Philipp II. von Makedonien, um die politischen Leitgedanken des Königs bei der Eroberung der Chalkidike zu entschlüsseln und den Wandel vom einstigen Bündnispartner zum Kriegsgegner zu analysieren.
- Machtpolitisches Kalkül Philipps II. im 4. Jh. v. Chr.
- Diplomatische Beziehungen und Vertragsbruch zwischen Makedonien und dem Chalkidischen Bund
- Die Rolle von Olynth als hegemoniale Macht und wirtschaftlicher Knotenpunkt
- Die Wirksamkeit athenischer Unterstützung und die rhetorische Aufarbeitung durch Demosthenes
- Die Folgen der Eroberung für die politische Landkarte und makedonische Hegemonie
Auszug aus dem Buch
3. Bündnis mit der Chalkidike
Bei dem Chalkidischen Bund handelte es sich um einen militärischen Verbund griechischer Städte auf der Chalkidike, der aus einer Schöpfung des Peloponnesischen Krieges stammt. In der Forschung herrscht nach wie vor Uneinigkeit darüber, ob es sich bei dem Chalkidischen Staat tatsächlich um einen Einheits- oder Bundesstaat handelte. Nachdem es anfangs bei seinem Aufbau kräftige Anstöße durch Perdikkas gegeben hatte, spielte der Bund nach dem Nikiasfrieden im Krieg jedoch keine wesentliche Rolle mehr.
Vielmehr wurde die Chalkidike nach Friedensschluss ebenso wie Makedonien von den Großmächten weitestgehend vernachlässigt und blieb auf sich selbst gestellt. Nachdem sich der Chalkidische Bund sich auf ein Bündnis mit Makedonien 357/367 v. Chr. einließ, verpflichteten sich beide Parteien, in einer Symmachie gemeinschaftlich Krieg gegen Athen zu führen und auch nur gemeinsam Frieden mit dieser Macht zu schließen. Allerdings wurde von einer gemeinsamen Kriegsführung gegen Athen nichts berichtet, es wäre durchaus möglich, dass Olynth trotzdem auf Athen als Handelspartner angewiesen war.
Dass der Vertrag eine immense Wichtigkeit für beide Parteien haben musste, zeigt sich darin, dass man ihn in Delphi auf einer Säule im Apolloheiligtum archivierte. Auch der Zeitpunkt des Vertrages ist nicht irrelevant: Dass Philipp II. den Vertrag einging könnte auch daran gelegen haben, dass sich Olynth kurz zuvor an den Illyrerkönig Grabos wandte, um mit ihm ein Defensivbündnis einzugehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den historischen Ruf Philipps II. und stellt die Problematik der Zerstörung Olynths in den Kontext seines sonstigen diplomatischen Bildes.
1.1. Methodisches Vorgehen: Dieses Kapitel erläutert den Aufbau der Untersuchung, die historische Kontextualisierung und das Ziel der Analyse des Olynthischen Krieges.
1.2. Forschungsstand: Hier wird die uneinheitliche Quellenlage und die Notwendigkeit einer deutschsprachigen Aufarbeitung des Themas betont.
1.3. Quellensituation: Es folgt eine kritische Betrachtung der zeitgenössischen antiken Autoren, insbesondere des Diodor und des Demosthenes.
2. Strategische Ziele Philipps II.: Dieser Abschnitt analysiert das makedonische Machtstreben und die strategische Absicherung gegen Athen.
3. Bündnis mit der Chalkidike: Das Kapitel behandelt die Entstehung und die inhaltliche Ausgestaltung der Symmachie zwischen Makedonien und dem Chalkidischen Bund.
3.1. Gründe Philipps II. für das Bündnis: Hier werden die geografischen und ökonomischen Motive für das Bündnis mit Olynth dargelegt.
3.2. Zur Bedeutung Olynths und des Chalkidischen Städtebunds: Diese Ausführungen klären die terminologische und politische Struktur des olynthischen Machtbereichs.
4. Auseinandersetzung mit Olynth und Einnahme des Chalkidischen Städtebunds durch Philipp II.: Der Prozess der Eskalation bis hin zum gewaltsamen Untergang des Bundes wird hier detailliert beschrieben.
5. Exkurs: Demosthenes und die Olynthischen Reden: Fokus auf die rhetorische Intervention des athenischen Staatsmannes gegen die makedonische Expansion.
6. Ergebnis und Fazit des Krieges: Die Auswirkungen der militärischen Niederlage Olynths auf dessen Bewohner und die Machtstruktur in der Region.
7. Schlussbetrachtungen: Eine finale Einordnung des Konflikts im Spannungsfeld zwischen demokratischem Selbstverständnis der Polis und dem autokratischen Machtanspruch Makedoniens.
Schlüsselwörter
Philipp II., Makedonien, Chalkidischer Bund, Olynth, Demosthenes, Athen, Symmachie, Hegemonie, Expansion, Antike, Staatskunst, Militärgeschichte, Politik, Polis, Zwischenstaatlichkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht den Aufstieg Makedoniens unter Philipp II. und den konkreten Konfliktverlauf, der zur gewaltsamen Eroberung Olynths und zur Auflösung des Chalkidischen Bundes führte.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die machtpolitischen Strategien Philipps II., die ambivalenten Bündnisbeziehungen der Chalkidike sowie die Reaktion Athens auf die makedonische Expansion.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Es wird analysiert, welche politischen Leitgedanken Philipp II. zu seinem drastischen Vorgehen gegen Olynth veranlassten und ob dieses Handeln als sicherheitspolitisches Kalkül oder reines Herrschaftsstreben zu werten ist.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Autorin stützt sich auf eine quellenkritische Analyse antiker Texte, insbesondere von Diodor und Demosthenes, kombiniert mit einem Überblick über den bestehenden historischen Forschungsstand.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die strategischen Ziele Philipps, die Details des Bündnisvertrags mit Olynth, die Eskalationsgründe des Konflikts sowie eine detaillierte Darstellung des Kriegsverlaufs.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Werk?
Die Arbeit wird wesentlich durch Begriffe wie Hegemonie, Expansion, makedonische Staatskunst, Chalkidischer Bund und antike Diplomatie bestimmt.
Warum wird im Buch von einem "Verrat" gesprochen?
Der Begriff bezieht sich auf den von Olynth eigenmächtig geschlossenen Separatfrieden mit Athen, der einen direkten Bruch der vertraglichen Bündnis-Klauseln mit Makedonien darstellte.
Wie bewertet die Arbeit die Rolle des Demosthenes?
Demosthenes wird als zentrale rhetorische Figur dargestellt, deren Reden zwar die Gefahr durch Philipp verdeutlichten, jedoch aufgrund der damaligen politischen Krise in Athen kaum unmittelbaren militärischen Erfolg zeigten.
- Citation du texte
- Christine Schmidt (Auteur), 2016, Philipp II. und der Chalkidische Bund, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/378608