ADHS als Beziehungssyndrom. Eine Betrachtung im Kontext der Bindungstheorie


Hausarbeit, 2017

48 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Eine kontroverse Diagnose

2 Psychodynamische Bemerkungen zu ADHS

2.1 Bindungstheorie zwischen Affektregulation und Mentalisierung
2.2 ADHS auf dem Weg zu einem ursächlichen Verständnis

3 Die Quantität in der Qualität
3.1 Experteninterview und objektive Hermeneutik
3.1.1 Erhebungsmethodische Expertise
3.1.2 Feldzugang in der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie
3.1.3 Eine sequenzielle Auswertungsmethode
3.2 Objektiv-hermeneutische Rekonstruktionslogik

4 ADHS als gesellschaftliche Beziehungslosigkeit

Literaturverzeichnis

ANHANG I: Interviewleitfaden Experteninterview

ANHANG II: Transkriptionsregeln

ANHANG III: Transkription

Abstract

Zu Beginn stand die Fragestellung nach den Ursprüngen der Aufmerksamkeits-Defizit- Hyperaktivitäts-Störung (ADHS) bei Kindern und Jugendlichen, die von psychothera- peutischer Seite in Hinblick auf elterliche Beziehungsstörungen untersucht werden soll- te. Es wurde überprüft, ob in der psychodynamischen Forschung genetisch- neurobiologische Standpunkte widerlegt werden können, die eine reine Medikation als kontraindikativ betrachten. Fundiert wurde dies im Rahmen der Bindungstheorie, die mit den Konzepten der Mentalisierung und Affektregulation betrachtet wurde. Mit dem Erhebungsverfahren des Experteninterviews wurde ein Kinder- und Jugendlichenpsy- chotherapeut (KJP) nach den Implikationen von ADHS in der heutigen Praxis befragt. Mit der qualitativen Auswertungsmethodik der objektiven Hermeneutik konnte empi- risch belegt werden, dass ADHS ein kontroverses Syndrom ist, dem man eine tiefgrei- fende Beziehungsarbeit entgegensetzen muss. Diese steht als tiefenpsychologisch- psychoanalytisch fundierte Behandlungsmaßnahme dem Medikationswahn und der inflationären Diagnostik entgegen, die vor allem bei Jungs in der Grundschulzeit auf- tritt. Die Unruhe des Jungen stellte sich insgesamt als anlage- und leistungsbedingte Problematik der Affektregulation dar, welche mit familiären Spannungen und gesell- schaftlichen Anforderungen der kindlichen Lebenswelt einhergeht.

Schlüsselbegriffe: ADHS, tiefenpsychologisch-psychoanalytische Behandlung, hyperaktive Kinder, Bindungstheorie, Mentalisierung, Affektregulierung

1 Eine kontroverse Diagnose

Die Ursachen von ADHS (Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung) bei Kin- dern und Jugendlichen werden in der Forschung kontrovers diskutiert (Leuzinger- Bohleber, Fischmann, Göpel, Läzer & Waldung, 2008, S. 621). Für die hier vorgestellte empirische Untersuchung wird die einheitliche Schreibweise ADHS verwendet, im Ge- gensatz zu AD(H)S oder ADS, bei denen mehr oder weniger auf die Differenzierung zwischen Aufmerksamkeit und Hyperaktivität Wert gelegt wird, was in diesem Kontext allerdings keinen Sinn macht, da ADHS als Syndrom mehrere Symptome einbezieht. In diesem Rahmen wird die Forschungsfrage untersucht, ob ADHS mit einem psychoana- lytisch-bindungstheoretischem Verständnis von dysfunktionalen Beziehungsmustern vereinbar ist. Ausführlicher heißt dies:

Welche Ursprünge und Behandlungsmöglichkeiten von ADHS gibt es im Rahmen elterlicher Beziehungsstörungen in der frühen Kindheit aus der Sicht ambulanter psychotherapeutischer Maßnahmen?

Hierbei stehen drei Leitfragen voran:

1. Welche psychodynamischen Ursachen für ADHS gibt es, die gegen eine verkürzte neurobiologische und genetische Ansicht sprechen?
2. Warum reicht eine medikamentöse Behandlung nicht aus und kann sogar kontraindi- kativ sein?
3. Wie kann man Kinder mit ADHS in einem psychoanalytischen Setting zielgeführt be- handeln?

Ein bildungswissenschaftliches Zentrum soll auf Misserfolge im lebenslangen Lernen hinzeigen, welche hier in Beziehung stehend mit der Generativität von frühkindlichen Traumata verstanden werden (Gaensbauer, 2014, S. 997). Der Forschungskern kon- zentriert sich auf die Bindungstheorie, die als Verbindungselement zwischen Bildungs- wissenschaft und Psychologie mit dem aktuellen Konzept der Mentalisierung erweitert wird. Nach der Darlegung zum Forschungsstand von ADHS wird im qualitativen Haupt- teil mit der Auswertungsmethodik der objektiven Hermeneutik die Erhebungsmethode des Experteninterviews am Beispiel eines Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten angewandt. Zuletzt steht der empirische Beleg, inflationär ins Feuilleton gesickerte Begriffe wie ADHS und ,Ritalin‘ aus der populärwissenschaftlichen und rein medika- mentenbasierten Betrachtung geführt zu haben.

2 Psychodynamische Bemerkungen zu ADHS

2.1 Bindungstheorie zwischen Affektregulation und Mentalisierung

Als theoretischer Rahmen gilt die Bindungstheorie , wie sie von Peter Fonagy darge- stellt wird, da bei ihm die Grundlagen von John Bowlby mit dem Mentalisierungskon- zept zusammengebracht werden, was bildungswissenschaftlich relevant ist, da Menta- lisierung im akademischen Feld die aktuelle psychodynamische Forschung beeinflusst (Taubner, 2015, S. 166). Fonagy betont gemäß der Bindungstheorie den prägenden Einfluss von Beziehungen auf die psychische Strukturbildung in der frühen Kindheit, welche als Effekt der Bindung an eine bestimmte Person zentral für die Sozialisierung sind (2009, S. 39-40). Psychoanalytisch leitet er das von der Objektbeziehungstheorie ab, die sich mit Fragen der Entwicklung beschäftigt (S. 90). Die Objektbeziehungstheo- rie betrifft nach W.R.D. Fairbairn, einem ihrer wichtigsten Vertreter, die komplexe Inter- aktion zwischen Trennung und Objektsuche bei Mutter und Säugling (2007, S. 275).

Mit der Kleinkindforschung zeigt sich, dass ein Kind, das bei einer depressiven Mutter aufwächst, welche die Affekte des Säuglings nicht ausreichend erwidern kann, ein un- genügender Beziehungskreislauf entsteht (Fonagy, 2009, S. 128). Der Säuglingsfor- scher Daniel N. Stern weist deshalb auf die Wichtigkeit der Behandlung von Mutter und Kind hin, um diese frühen Entwicklungsmängel zu beheben (1995, S. 203). Dies ge- schieht nicht rein personenzentriert, sondern in einer Art Beziehungsmedium (Stern, 1995, S. 3, Fonagy, 2009, S. 142). Nach den bestätigenden Ergebnissen der Bin- dungstheorie kann die Funktion des psychischen Apparates nur gewährleistet werden, wenn ausreichend gute Beziehungsrepräsentationen vorhanden sind (Fonagy, 2009, S. 129). In psychoanalytischen Therapieformen ist das die emotionale Beziehungsarbeit, um neue Strukturen im Gedächtnis zu verankern (Fonagy, 2009, S. 140). Psychotherapie wird damit zu einem mentalen Korrektiv und sorgt bindungstheoretisch und Bowlby entsprechend für eine „sichere Basis‘“ (Fonagy, 2009, S. 142, S. 156, S. 80) oder „secure base“ (Bowlby, 1980, S. 182).

Um diese Beziehungsinteraktionen für den wissenschaftlichen Gebrauch besser greif- bar zu machen, wurde der Begriff Mentalisierung entwickelt (Fonagy, Gergely, Jurist & Target, 2004, S. 9), der in der Psychoanalyse, der Theory-of-Mind (ToM) (Taubner, 2015, S. 15) und der Bindungstheorie wurzelt (Fonagy, 2009, S. 178, S. 201). Die brei- te akademische Rezeption und empirische Anschlussfähigkeit durch die Entwicklungs- wissenschaft (Taubner, 2015, S. 166) hat für die therapeutische Praxis nachhaltige Impulse gegeben (Taubner, 2015, S. 165-166). Verknappt ist Mentalisierung die sozial- kognitive Fertigkeit, sich eigene mentale Stimmungen oder Gefühle in einem anderen vorzustellen (Taubner, 2015, S. 15). Wenn das Kind also versteht, wie es sich selbst fühlt, kann es antizipieren wie sich der Andere fühlt, kann es das eigene Verhalten im Verhalten des Anderen interpretieren und Mentalisierung wird zum zentralen Faktor der Selbstorganisation, Realitätserfassung und Affektregulation (Taubner, 2015, S. 15-16). Mit dieser „Symbolfunktion“ (Fonagy, 2009, S. 175) kann das Kind mit emotional und sozial geeigneten Verhaltensweisen (Mitgefühl, Lachen, Wut, etc.) reagieren und ein kohärentes Verständnis des eigenen psychischen Handelns entwerfen (Fonagy, 2009, S. 175). Darunter versteht man „innere Arbeitsmodelle (oder Beziehungsmuster)“ (Fo- nagy et. al., 2004, S. 370), die allerdings nur gewährleistet sind, wenn die Bezugsper- son das Verhalten und die Wünsche des Kindes versteht (Fonagy, 2009, S. 176).

Für Fonagy hängen Mentalisierungsfähigkeit und Bindungserfahrung direkt zusammen, da ein Kind gar nicht anders kann, als das Schema der Erziehungsperson zu verinner- lichen (Fonagy, 2009, S. 109). Ist die Bindung zur Bezugsperson nicht sicher, diffus und inkohärent, kann das zu aggressiven Verhaltensweisen führen (Fonagy, 2009, S. 109). Bleibt die Mentalisierung einseitig, entsteht Fonagy zufolge Hyperaktivität, mit der das Kind seine Nöte nach Außen abreagiert (2009, S. 110), was Untersuchungen bei Heimkindern belegten (Fonagy, 2009, S. 55). Bindungstheoretisch hängt das mit gut ausgebildeten Objektrepräsentationen und Affektregulation zusammen (Taubner, 2015, S. 15). Allan N. Schore beschreibt die Affektregulation als Form der psychobiologi- schen Selbstorganisation, die Bindung erst herstellt (2009, S. 62). Schore weist hierfür die Wichtigkeit der ausschlaggebenden rechten Hirnhemisphäre nach, in der Emotio- nen verarbeitet werden (2009, S. 62). Wenn diese schlecht entwickelt ist, kann nur unzureichend mentalisiert werden (Schore, 2009, S. 74) und es fällt schwer Affekte wie Lust, Freude, Zorn, Trauer oder Hoffnungslosigkeit (etc.) adäquat zu verarbeiten (Schore, 2009, S. 74-75). Schore belegt damit seine These, dass eine gut entwickelte Affektregulation einen zentralen Organisationsmechanismus der neuronalen Emoti- onsentwicklung darstellt (2009, S. 163), weshalb er die Bindungstheorie als wissen- schaftlich fundierte Vereinigung zwischen Psychoanalyse und Biologie versteht (Scho- re, 2009, S. 243). Beziehungsfähigkeit ist beim Säugling also von Anfang an in der Hirnorganisation vorhanden (Schore, 2009, S. 290) und eine funktionierende Bindung prägend für die Entwicklung des limbischen Systems (Schore, 2009, S. 311). Um diese schwer lösbaren Strukturen später zu behandeln, wird die einfühlsame Beziehung des Psychotherapeuten zum Patienten zentral (Schore, 2009, S. 317).

Für das Folgende heißt dies zunächst theoretisch, dass bei Kindern, die mit ADHS diagnostiziert werden, gemäß der Forschungsfrage, keine sichere Bindung vorhanden ist. Ahrbeck sieht demnach den Schutz des Kindes vor seinen emotionalen Mängeln durch Hyperaktivität gesellschaftlich bedingt, was mit der populären ADHS-Diagnostik eine adäquate Behandlung ausklammert (2008, S. 693).

2.2 ADHS auf dem Weg zu einem ursächlichen Verständnis

Aus diesem Grund wird auf die Forschungslücke der psychoanalytischtiefenpsychologischen Therapie in der meist medikamentösen oder verhaltenstherapeutischen Behandlung hingewiesen (Leuzinger-Bohleber et. al., 2008, S. 650), welche paradigmatisch in der Frankfurter Präventionsstudie (FPS) untersucht wird (LeuzingerBohleber et. al., 2008, S. 621). Hierfür müssen die psychosozialen Ursachen, die Gefahren der Medikation und die Möglichkeiten einer solchen Behandlung den Forschungsfragen gemäß herausgearbeitet werden.

Zunächst aber zur Definition. Vorläufer von ADHS findet man bei der Figur des Zappel- Philipp (Hoffmann, 1995, S. 18) oder Anfang des 20. Jahrhunderts, wo Unruhe bei Kin- dern als Störung schon im Zentralnervensystem vermutet wurde (Heinemann & Hopf, 2006, S. 9). Die nach den anerkannten Diagnosemanualen DSM-IV und ICD-10 stand- arisierten Diagnosefaktoren sind Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität, was vor dem 7. Lebensjahr in Erscheinung tritt und das soziale Umfeld beeinträchtigt (Heinemann & Hopf, 2006, S. 10-11). Da für ADHS neue Leitlinien herauskommen, muss hier noch auf die bereits abgelaufene Leitlinie „Hyperkinetische Störungen‘“ (Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, 2007, S. 239 - 254) verwiesen werden. Die Aktualität und bildungswissenschaftliche Brisanz des Themas ist für die Forschungsfrage relevant, da ADHS mittlerweile auch bei Er- wachsenen in den Fokus rückt, was der Titel „ADHS bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen“ der neuen Leitlinien schon ausspricht (Arbeitsgemeinschaft der Wissen- schaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften, 2017). Für die Ursachen aus der ers- ten Forschungsfrage fungiert die psychodynamische Leitlinie der Vereinigung Analyti- scher Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten (VAKJP), welche ADHS für hier treffend zusammenfasst: „Im psychoanalytischen Verständnis stellt ADHS keine noso- logisch einheitliche und abgegrenzte Störung dar, sondern sie beschreibt ein Syndrom oder auch nur ein Konglomerat recht unterschiedlicher Symptome“ (Borowski, Boven- siepen, Dammasch, Hopf, Staufenberg, & Streeck-Fischer, 2010, S. 251).

In diesem Sinne werden die psychodynamischen Ursachen für ADHS laut Günter am aktuellsten unter Objektbeziehungsstörungen, innerfamiliären Besetzungsstörungen und traumatischen Komplikationen zusammengefasst (Günter, 2014, S. 43). Dabei wird den Jungen eher das hyperaktive und den Mädchen eher das depressive Verhal- ten zugeschrieben (Heinemann & Hopf, 2006, S. 18). Vielfache Fallstudien belegen die verschiedenen Ursachen von ADHS ebenfalls psychodynamisch (Heinemann & Hopf, 2006, S. 109, S. 115, S. 121) und verstehen es als schützendes Abwehrverhalten (Heinemann und Hopf, 2006, S. 131). Es werden aber auch gesellschaftliche Verände- rungen vermutet (Heinemann & Hopf, 2006, S. 133). Karl Heinz Brisch sieht insgesamt eine Bindungsdesorganisation zwischen Eltern, Lehrern und anderen Erziehern (2002, S. 45, S. 64). Auch die wohl bekannteste Hypothese des Dopaminmangels (1970er Jahre), die von einer Beeinträchtigung der neuronalen Biochemie ausgeht wird ohne empirischen Nachweis mit genetischen Ursachen belegt und bleibt strittig (Heinemann & Hopf, 2006, S. 14). Die Komorbiditätshypothese, bei der weitere Krankheitsbildungen zu ADHS angenommen werden (Heinemann & Hopf, 2006, S. 16) ist aus psychoanaly- tischer Sicht ebenfalls nicht haltbar, da sie auf andere ursächliche Konflikte wie de- pressive oder aggressive Tendenzen hinweist (Heinemann & Hopf, 2006, S. 17).

Der inflationäre Befund hat Heinemann und Hopf zufolge mit einer diagnostisch nachlässigen Zusammenfassung verschiedener Verhaltensauffälligkeiten zu tun, die sowohl körperlich, genetisch, psychisch und sozial bedingt sind (2006, S. 18). Gerade die innerfamiliären Konflikte sind aus psychoanalytischer Sicht ein tendenzieller Faktor, den viele Fallbeispiele belegen (Heinemann & Hopf, 2006, S. 71-72). Des Weiteren stellen die Autoren eine Störung der Symbolisierung fest, worunter im hier vorgelegten theoretischen Rahmen die Fähigkeit zur Mentalisierung verstanden wird, die in hyperaktivem Verhalten ausagiert wird (Heinemann & Hopf, 2006, S. 88).

Das sogenannte ,Ritalin‘ (Einführung: USA 1963, Deutschland 1971) gehört zur Grup- pe der Amphetamin-Derivate und wird als ,Methylphenidat‘ genauer bezeichnet (Hei- nemann & Hopf, 2006, S. 145). Die unter verschiedenen Namen verschreibungspflich- tigen Medikamente wirken stimulierend im Zentralen Nervensystem (Heinemann & Hopf, 2006, S. 145). Nebenwirkungen sind „Blutdruckanstieg, Inappetenz, einge- schränktes Größenwachstum, gastrointestinale Störungen, Stimmungslabilität, Kopf- schmerzen, Ticsymptomatik und Schlafstörungen“ (Heinemann & Hopf, 2006, S. 145). Auf kurze Distanz (bis zu 6 Monaten) hat es positive Auswirkungen auf das soziale Verhalten, kognitive und motorische Funktionen; auf lange Sicht sollte die ärztliche Beobachtung gesichert sein, vor allem in Hinblick auf eine Suchtentwicklung (Heine- mann & Hopf, 2006, S. 145). Heinemann und Hopf weisen nachhaltig auf die Lang- zeitwirkung hin (2006, S. 15) und auch Gerald Hüther warnt aus neurobiologischer Sicht vor den hirnphysiologischen Gefahren einer rein medikamentenbasierten Behandlung (2002, S. 70). Die sogenannten „Psychostimulanzien“ (Heinemann & Hopf, 2006, S. 146) werden als gesellschaftliches Problem betrachtet, da sie schnell, effektiv und billig sind und die Ursachen für psychische Erkrankungen beiseitelassen (Heinemann & Hopf, 2006, S. 146), wie zum Beispiel Erziehungsmissstände (Heinemann & Hopf, 2006, S. 73). Die Autoren schließen eine begleitende Medikation allerdings nicht vollständig aus (Heinemann & Hopf, 2006, S. 157).

Zusammenfassend wurden im Fokus der Forschungsfragen die nichtgenetischen Ursachen und die Gefahren einer reinen Medikation gezeigt, sowie die Möglichkeiten einer psychotherapeutischen Behandlung angeschnitten.

3 Die Quantität in der Qualität

3.1 Experteninterview und objektive Hermeneutik

3.1.1 Erhebungsmethodische Expertise

Die Erhebungsmethode des Experteninterviews steht im Vordergrund dieser qualitati- ven Untersuchung, da der Zusammenhang mit der Auswertungsmethode der objekti- ven Hermeneutik in Form der Rekonstruktionsanalyse gegeben ist (Gläser & Laudel, 2009, S. 36-38). Auch das Interesse am Experten, dessen Definition sich auf ein erfah- rungsbasiertes „Spezialwissen“ (Gläser & Laudel, 2009, S. 12), allgemeine Sachkom- petenz und Könnerschaft bezieht, macht die Erhebungsmethode angesehen in ihrer qualitativen Verwertbarkeit (Bogner & Menz. 2009, S. 10). Die subjektive Theorie des Experten ist hierbei irrelevant (Gläser & Laudel, 2009, S. 113). Notwendiges Medium ist die Tonbandaufzeichnung (Gläser & Laudel, 2009, S. 157). Strukturiert wird das Experteninterview durch eine allgemeine Offenheit (Gläser & Laudel, 2009, S. 30) und theorie-, regel- und verständnisgeleitetes Handeln als Grundlage der Sozialwissen- schaft (Gläser & Laudel, 2009, S. 31-32). Eine zu Beginn passend formulierte Untersu- chungsfrage gibt Strategie und Richtung des Experteninterviews vor, da der Intervie- wer entscheiden muss, welche Sachverhalte wie und mit welchen Methoden für die empirische Untersuchung erhoben und ausgewertet werden müssen (Gläser & Laudel, 2009, S. 61).

Zentral ist es den aktuellen Forschungsstand adäquat aufzuarbeiten und interpretieren zu können (Gläser & Laudel, 2009, S. 74-77). Diese vorausgehende Auseinanderset- zung des Interviewers verspricht qualitative und vergleichbare Forschungsergebnisse (Mayer, 2013, S. 5). Strukturierende Leitfragen im Experteninterview stehen hierfür als besondere Form des Leitfrageninterviews und verbinden die Vorstudien mit der qualita- tiven Erhebungsmethodik (Gläser & Laudel, 2009, S. 90-91, S. 107). Ein großer Vorteil des Experteninterviews liegt darin, dass die Forschungsfrage mit dem Wissensfeld des Experten zumindest theoretisch übereinstimmt (Gläser & Laudel, 2009, S. 95). Deshalb sollte man auf die Eignung des Forschungsgegenstandes besonderen Wert legen, um seine Vergleichbarkeit, sowie Aufwand und Auswertbarkeit zu gewährleisten (Gläser & Laudel, 2009, S. 100-101). Daneben sollte allerdings das Austauschverhältnis zwi- schen Interviewer und Befragtem beachtet werden, um den Leitfaden dem Interviewten nicht aufzuzwängen (Gläser & Laudel, 2009, S. 105, S. 131, S. 188-189). Aber auch der Interviewte kann eine Überkommunikation und Dominanz zeigen, die zu sehr vom gefragten Forschungsthema abweicht (Gläser & Laudel, 2009, S. 181). Um keine Ab- wehrhaltung zu evozieren, sollten die Fragen allgemeinen Regeln nach so neutral wie möglich (Gläser & Laudel, 2009, S. 135), klar formuliert (Gläser 140) und nicht unnötig verkompliziert sein (Gläser & Laudel, 2009, S. 141-142).

3.1.2 Feldzugang in der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie

Der Experte ist für die Forschungsfrage geeignet, da er mit seiner Approbation zum einen eine staatlich geprüfte Berufszulassung als Kinder- und Jugendlichenpsychothe- rapeut (KJP) hat und zum anderen als in niedergelassener Praxis tätiger Vertragspsy- chotherapeut kassenärztlich innerhalb der gesetzlichen Versicherung Patienten ab- rechnen darf. In der vertragsärztlichen Versorgung ist er damit zur Verschlüsselung seiner Diagnosen nach dem Diagnosemanual ICD-10 verpflichtet, was seine Expertise als Fachmann im Gesundheitswesen in diesem Sinne fundiert. Im Falle von ADHS fällt das unter den Code F90 (Hyperkinetische Störungen) (Weltgesundheitsorganisation, 2010, S. 309-312).

3.1.3 Eine sequenzielle Auswertungsmethode

Die Kombination von objektiver Hermeneutik und Experteninterview soll die Zusam- menhänge aufzeigen, welche zwischen der theoretischen Einbettung von ADHS und dem praxisnahen Expertenwissen bestehen. Ulrich Oevermann kommt es in der von ihm entwickelten Methode darauf an Texte anhand ihrer strukturellen Gesetzmäßigkei- ten sequenzanalytisch zu rekonstruieren, um deren soziale Dimension empirisch nach- zuweisen (1983, S. 269). Oevermann sieht dahingehend eine allgemeine Strukturiert- heit des Sozialen in jedem Text (1983, S. 279), womit eine sinnhafte Rekonstruktions- struktur im Text verstanden wird, deren Eigenschaften wissenschaftlich objektiv zu untersuchen sind (Leber & Oevermann, 1994, S. 384-385). Diese Objektivität speist sich aus der latenten Sinndimension von Texten, eben dem, das nicht offenkundig ist und die Methode erst objektiv macht (Garz & Raven, 2015, S.167-168). Deshalb plä- diert Oevermann dafür nicht die ,schönen Stellen‘ in einem Protokoll zu bevorzugen, sondern die Gesetzmäßigkeiten nachzuvollziehen, die ein Protokoll strukturieren (1983, S. 269). Insgesamt geht es um eine Rekonstruktionsmethodik der objektiv und latent vorhandenen Sinnstrukturen von Texten (Leber & Oevermann, 1994, S. 384). Als Grundvoraussetzung steht hierbei das Paradigma, gewonnene Daten aus sozialwis- senschaftlicher Forschung als strukturell sinnvoll konstituierte Texte zu betrachten (Le- ber & Oevermann, 1994, S. 385) und den Textbegriff in einer universell zu verstehen- den „Vertextbarkeit“ (Garz & Kraimer, 1994, S. 13) zu behandeln. Im Falle der Sozial- wissenschaft eignet sich das Protokoll daher strukturell gut (Leber & Oevermann, 1994, S. 385).

Zentraler Mittelpunkt der objektiven Hermeneutik ist dabei die Sequenzanalyse, welche die objektive Regelstruktur von Sequenz zu Sequenz praktisch erforschbar macht (Le- ber & Oevermann, 1994, S. 387). Bezogen auf psychotherapeutische Protokolle ist dies besonders fruchtbar, da es eine dialektische Interaktion zwischen Patient und Therapeut gibt (Leber & Oevermann, 1994, S. 388), womit auch eine gewinnbringende Verwendung mit dem (Experten-)Interview gegeben ist. Für die Auswertungsschritte der objektiven Hermeneutik gibt es keine allgemeine Schablone. Praktisch verläuft der Analyseprozess zuerst sinnhaft (Suter, 1994, S. 47), dann sequenzanalytisch (Suter, 1994, S. 49), danach methodisch (Suter, 1994, S. 52) und zuletzt generalisierend (Su- ter, 1994, S. 53). Matthiesen beispielsweise unterteilt die objektive Struktur in vier nicht näher benannte Analysesequenzen (1994, S. 91). Reichertz hingegen spezifiziert diese zuerst in eine kontextuell breite Interpretierung des Textes, übergehend zur Feinanaly- sierung, über die Sequenzanalyse, hin zur Interpretation der objektiv gewonnenen Da- ten (1994, S. 129-130). Eine einheitliche Interpretationsvorgabe der objektiven Herme- neutik gibt es daher leider nicht, sondern vielmehr eine Art Fahrplan, bei dem man die vorhandenen Daten zuerst auswertet, danach als interpretierbar betrachtet und zuletzt sequentiell ausführlich interpretiert (Reichertz, 1994, S. 131).

Die folgende Anwendung der objektiven Hermeneutik schließt sich in dieser Ausfüh- rung bildanalytisch an Ackermann (1994, S. 204-220), pädagogisch an Aufenanger, Garz und Kraimer (1994, 226-245), sowie an Leber und Oevermann selbst im Feld der Therapie an (1994, S. 388-434). Vom Textausschnitt richtet sich die Untersuchung ebenfalls nach Leber und Oevermann, welche auf die zentrale Rolle von kurzen Sequenzen, vor allem am Anfang des Protokolls hinweisen, da aus diesen die funktionale Struktur des gesamten Textes folge (1994, S. 389).

Zusammengefasst lehnt sich die Abfolge für die vorgestellte Untersuchung an Garz und Raven an (2015, S. 146-147):

1. sinnhaft-rekonstruktive Strukturbearbeitung des gesamten Expertenin terviews in Hinblick auf die Segmente des Leitfaden
2. Sequenzanalyse der Eingangssequenz
3. Zusammenfassung der für die Forschungsfrage relevanten Ergebnisse

Punkt 4 des Vergleichs fällt hier weg, da es nur ein erhobenes Interview gibt (Garz & Raven, 2015, S. 147). Systematisch bezieht sich die folgende Interpretation der Ergebnisse auf den Anhang I „Interviewleitfaden Experteninterview (S. 24) und Anhang III „Transkription“ (S. 27) mit Zeilenangaben.

3.2 Objektiv-hermeneutische Rekonstruktionslogik

1. Strukturuntersuchung:

Die für die Struktur der Leitfragen relevanten Ergebnisse des Experteninterviews wer- den gemäß des ersten Schritts der objektiven Hermeneutik nun knapp zusammenge- fasst. Hierbei wird keine Bewertung der Aussagen abgegeben und der Konjunktiv ver- wendet.

Zunächst zu den psychosozialen Ursachen. Der Experte stellte die neurobiologischen Ursachen in Frage und sah ADHS als weitereichendes Syndrom aus psychodynami- scher Sicht. Die Differenz zwischen Mädchen- und Jungen-ADHS wurde als öffentlich ungenau wahrgenommen betont. Dezidierter sah der Experte Angst-, Entwicklungs-, Verhaltensstörungen, Depressionen und neurotische Störungen als bestimmend.

Aus familien- und umweltdynamischer Sicht stellte der Experte die ADHS-Diagnose bei den Jungen mit dem Schulbeginn und gesellschaftlichen Strukturveränderungen in Zusammenhang. Als Ursachen ständen familiäre Spannungen im Zentrum, aber auch andere außerpsychische Konflikte, wie die Dichotomie Stadt- gegen Landleben.

Die bindungstheoretische Einbettung zeigte, dass auch der Experte psychische Affektregulation durch primäre Bindungspersonen für zentral erachtete und die Mentalisierungsfähigkeit unterstrich. Der Theorie von Fairbarn gemäß stimmte er bei, dass Angst die Aufmerksamkeit und Konzentration reduziere und ADHS durch Verlust- und Trennungsangst bedingt sein kann. Damit sei ADHS als Regulationsdefizit anzusehen, das mit den unterschiedlichen Bindungserfahrungen zusammenhänge.

Zuletzt wurden die psychoanalytischen Behandlungsmöglichkeiten beantwortet, die in einer ausführlichen Differentialdiagnostik, hoher Aufmerksamkeit, angstreduzierender Behandlung, sowie der therapeutischen Erfahrung lägen, weshalb die Fähigkeit zur Regulation und Mentalisierung gefördert werde. Der Experte fasste es passend zu- sammen unter dem Satz: „Es geht als erstes um die Entwicklung einer Beziehungsqua- lität“. Hierbei sei die Elternarbeit wichtig und die Wertschätzung der elterlichen Eigen- kompetenz. Symbolische Medien (Theater-, Gesellschafts-, Regel-, Rollenspiele, etc.) würden verwendet, um psychische Konflikte zu verarbeiten. In der Jugendlichenarbeit stehe demgegenüber vorwiegend das Gespräch im Mittelpunkt. Durch die analytische Arbeitsmethode bedinge sich die Symptomauflösung oft als Begleitprozess.

2. Sequenzanalyse der Eingangssequenz:

1-3 I: Erste Frage zur Einführung. Kommen in ihre Praxis für Kinder- und Jugendlichenpsycho- therapie gehäuft Kinder, die mit ADHS diagnostiziert wurden oder eher selten? (#00:00:34)

Der Interviewer führt in das Gespräch ein, benennt eine geläufige Diagnose, die als geflügeltes Wort längst in den populärwissenschaftlichen Sektor Einzug gehalten hat. Benannt wird das Umfeld, eine Praxis für Kinder und Jugendliche, in der psychothera- peutisch gearbeitet wird. Der Experte ist damit an seinem Arbeitsplatz lokalisiert. Der Interviewer führt an, dass er etwas nicht weiß, auch wenn er das Stichwort ADHS ver- wendet, mit dem er sich im Leitfaden auseinandergesetzt hat. Außerdem fragt er nach einer Diagnostizierung, was heißt, dass er den Begriff ADHS durchaus als Krankheit versteht, über deren Zusammenhänge er mehr erfahren möchte. Die spezielle Form der Eröffnung betont ADHS als Differenz zwischen ,gehäuft‘ und ,selten‘. Der Intervie- wer fragt den Experten nicht zuerst, ob er ihm etwas zum Begriff ADHS sagt, sondern nach der quantitativen Komponente in einer eigentlich qualitativen Erhebungsmethode.

4-5 B: Also bei den Jungen sind es heutzutage circa 50 Prozent, die mit der Diagnose ADHS zu mir in die Praxis kommen. (#00:00:53)

Mit dem Adverb ,also‘ wird die Expertise auf das Patientengeschlecht gelenkt. Der Ex- perte ist sofort bei seiner Erfahrung. Mit der zeitlichen Komponente des ,heutzutage‘ spezifiziert er, dass seine Aussage mit Patienten zu tun hat, die einem Erfahrungswert nach in der Praxis vorstellig werden. Mit dem Verweis ,zu mir in die Praxis‘ stellt er klar, dass Jungen mit der Diagnose ADHS zu ihm in Behandlung kommen. Der Interviewer ist also am richtigen Ort.

6 I: Das ist aber viel. (#00:00:56)

Die Reaktion des Interviewers ist außerhalb des Leitfadens. Er bringt mit seiner Konjunktion ,aber‘ fast einen Einwand oder eine Verwunderung an, indem er mit dem Indefinitpronomen ,viel‘ die quantitativ gut einschätzbare Angabe der 50 Prozent nahezu in Frage stellt. Hier zeigt sich, dass trotz des Leitfadens keine praktische Erfahrung beim Interviewer vorhanden ist.

7-8 B: So viel. Ja, so viel, ja. Am meisten erfasst, eine Standarddiagnose heutzutage. Ist tat sächlich so viel. Bei den Jungs, ja. (#00:01:06)

Der Experte antwortet stakkatoartig und wiederholend mit der vergleichenden Konjunk- tion ,so‘ und dem Indefinitpronomen ,viel‘. Mit der zustimmenden Wiederholung von ,so viel‘ und zweifacher Verwendung des Antwortpartikels ,ja‘ betont er seine Angabe. Die Erwähnung von ,Standarddiagnose‘ verdeutlicht, dass ADHS keine Spezialdiagnose, sondern geläufig ist. Noch einmal versichert er dem Interviewer mit der Wiederholung von ,heutzutage‘, ,so viel‘ und der adjektivischen Betonung ,tatsächlich‘ die reale Kom- ponente, dass es sich hier nicht um Vorspiegelung falscher Tatsachen handelt.

9 I: Bei den Jungs vor allem? (#00:01:08)

Wieder fragt der Interviewer außerhalb der Leitfragen, um die klare Aussage des Ex- perten erneut verifiziert zu bekommen und tautologisch fast in einer Frage zu wieder- holen. Die Irritation, dass erstens so viele Kinder mit ADHS in der Praxis behandelt werden und zweitens, dass es von allen Jungs circa 50 Prozent sein sollen, ist nicht zu leugnen.

10 B: Bei den Jungs. Ja. Nein, vor allem bei den Jungs.

Der Befragte muss dem Interviewer noch einmal seine Aussage bejahen, die er dann in einer interessanten Wendung mit einem gegenteiligen ,Nein‘ ebenfalls bestätigt. Hier stellt sich durchaus eine Verunsicherung auf beiden Seiten dar, da ADHS wohl eher als abstrakter Begriff im Bewusstsein des Interviewers verankert ist, während er beim Experten zum Praxisalltag gehört, ganz so, als frage man einen Kinderarzt „Kommen in ihre Praxis im Winter Kinder mit Husten?“

[...]

Ende der Leseprobe aus 48 Seiten

Details

Titel
ADHS als Beziehungssyndrom. Eine Betrachtung im Kontext der Bindungstheorie
Hochschule
FernUniversität Hagen
Note
1,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
48
Katalognummer
V378667
ISBN (eBook)
9783668557185
ISBN (Buch)
9783668557192
Dateigröße
948 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ADHS, tiefenpsychologisch-psychoanalytische behandlung, hyperaktive kinder, bindungstheorie, mentalisierung, affektregulierung
Arbeit zitieren
Bernd Aschenbrenner (Autor), 2017, ADHS als Beziehungssyndrom. Eine Betrachtung im Kontext der Bindungstheorie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/378667

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