Die Anfänge der deutschen Sportvereine liegen in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts. Die sich unter Turnvater Jahn entwickelnden Turnvereine gelten als Vorreiter der modernen Sportvereine und sind auf eine gesunde und wehrhafte Körperertüchtigung ausgerichtet gewesen.
"Die Zahl der Vereine stieg von 23073 (1954) über 39201 (1970) auf 50739 (1979)." Derzeit gibt es in Deutschland ca. 100 000 Sportvereine und gegenwärtig ist jeder dritte Bundesbürger Mitglied eines Sportvereins. Besonders populär ist dabei der Fußball, "der nicht selten sogar die Politik aus den Schlagzeilen verdrängt und von manchen auch […] als eine Art Religion betrachtet wird. Auch der Handball beispielsweise hat […] eine beträchtliche Strahlkraft!" (Wunderlich 2006: 20).
Dies weist auf die hohe gesellschaftliche Relevanz des Vereinssports und speziell auf die eben genannten Sportarten hin und gibt somit Anlass für Untersuchungen zu diesem Thema.
Ziel dieser Arbeit ist es, Vereinsnamen von Sportvereinen sprachwissenschaftlich zu unter-suchen. Im Rahmen des Seminars aus der Analysepraxis "Grundprobleme der Namenkunde", welches ich im Sommersemester 2015 an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg be-sucht habe, soll nun der Hauptthese nachgegangen werden, ob und inwiefern sich die Bil-dung von Fußball- und
Handballvereinsnamen der jeweiligen 1. und 2. Bundesligen unter-scheidet. Einerseits ist die Motivation für diese Arbeit aus persönlichem Interesse entstanden. Andererseits wurden Sportvereinsnamen bisher nur sehr unzureichend beschrieben und macht dieses Thema deshalb so interessant, weil es in dieser Form (Vergleich von Fußball- und Handballvereinsnamen) noch nicht erforscht wurde.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Einführung und Zielsetzung
1.2 Vorgehen und Methode
2 Sportvereine
2.1 Rechtliches zur Namenswahl
2.2 Der Verein aus namenkundlicher (onomastischer) Sicht
2.3 Die Bildung von Sportvereinsnamen
2.3.1 Ortsname
2.3.2 Bezeichnungsname (als Kürzel)
2.3.3 Gründungsjahr
2.3.4 Beinamen
2.3.5 Kombinationsmöglichkeiten der Vereinsnamensbildung
2.3.6 Namenswechsel
3 Ein Vergleich von Fußball- und Handballvereinsnamen
3.1 Einführung Fußball- und Handballvereine
3.2 Datenerhebung
3.3 Datenauswertung
4 Schluss
Zielsetzung & Themen
Das Ziel dieser Arbeit ist es, die Bildungsweise der Vereinsnamen von Fußball- und Handballmannschaften der 1. und 2. Bundesliga sprachwissenschaftlich zu untersuchen und zu vergleichen, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Struktur der Namensgebung zu identifizieren.
- Sprachwissenschaftliche Analyse von Vereinsnamen
- Vergleich zwischen Fußball- und Handballvereinen
- Untersuchung der Konstituenten (Ortsnamen, Bezeichnungsnamen, Gründungsjahre, Beinamen)
- Rolle von Sponsoring und rechtlichen Rahmenbedingungen bei der Namensgebung
- Korpuserstellung und Datenauswertung im Profisport
Auszug aus dem Buch
2.3.1 Ortsname
Durch die Angabe des Ortsnamens ist es möglich, den Sportverein geografisch zuzuordnen. Die am häufigsten gebrauchten Ortsbezeichnungen sind sicherlich Städte und Stadtteile, Gemeinden und Dörfer. Dagegen können jedoch auch andere geografische Einheiten als Ortsname dienen, wie es z. B. beim SG Hoher Westerwald oder FC Angeln 02 der Fall ist. In den meisten Fällen ist es üblich, einen Ortsnamen anzugeben. Kommen zwei oder noch mehr Ortsnamen vor, wird zwischen sie ein Bindestrich (1.FC Mühlheim-Styrum) oder ein Schrägstrich (FSG Dauborn/Neesbach) gesetzt, selten auch gar nichts (SV Wehen Wiesbaden). Bei der Verwendung dieser drei Möglichkeiten besteht kein Zusammenhang mit den kommunal-politisch-hierarchischen Verhältnissen der betreffenden Orte. Bei einer Hand voll Vereine wird der Ort sogar durch eine Präposition angebunden (FSG im Amt Schafflund, SpVg von Bürbach usw.). Es besteht keine Pflicht, überhaupt einen Ort im Vereinsnamen zu führen. In den offiziellen Fassungen fehlt er in der Tat manchmal. Was sich die Vereine davon versprechen, bleibt allerdings ihr Geheimnis. Auch in Sportberichterstattungen ist oft nur von den Rapidern (anstatt von Rapid Wien), den Werderanern (anstatt von Werder Bremen) oder den Borussen (anstatt von Borussia Mönchengladbach) die Rede (vgl. www.vereinsnamen.de).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung der Relevanz von Sportvereinsnamen und Definition der Forschungsfrage sowie des methodischen Vorgehens.
2 Sportvereine: Theoretische Grundlagen zu rechtlichen und onomastischen Aspekten der Vereinsnamensgebung sowie eine detaillierte Erläuterung der einzelnen Namenskonstituenten.
3 Ein Vergleich von Fußball- und Handballvereinsnamen: Konkrete Anwendung der theoretischen Konzepte auf ein Korpus von Vereinen der 1. und 2. Bundesligen beider Sportarten mittels tabellarischer Datenerhebung und -auswertung.
4 Schluss: Zusammenfassung der Ergebnisse, die eine starke Ähnlichkeit der Bildungsweisen bei nur minimalen Unterschieden zwischen den beiden Sportarten belegt.
Schlüsselwörter
Sportvereinsnamen, Onomastik, Sprachwissenschaft, Fußball, Handball, Vereinsnamensbildung, Konstituenten, Ortsname, Bezeichnungsname, Gründungsjahr, Beiname, Bundesliga, Namensforschung, Korpusanalyse, Vereinsrecht
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die sprachwissenschaftliche Bildung und Struktur von Vereinsnamen im deutschen Profisport, speziell bei Fußball- und Handballvereinen.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die Arbeit behandelt die onomastischen Grundlagen von Vereinsnamen, rechtliche Aspekte bei der Namenswahl und die Analyse der Namensbestandteile wie Ortsnamen, Bezeichnungsnamen, Gründungsjahre und Beinamen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es herauszufinden, ob und inwiefern sich die Bildung von Vereinsnamen zwischen der 1. und 2. Fußball- sowie Handball-Bundesliga unterscheidet.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird ein korpusbasiertes Verfahren angewandt, bei dem offizielle Vereinsnamen der Saison 2014/15 erhoben und mittels Excel-Tabellen hinsichtlich ihrer Konstituenten ausgewertet werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Kategorien der Vereinsnamensbildung definiert, gefolgt von einer Datenerhebung und einer komparativen Analyse der Fußball- und Handballvereine.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die zentralen Charakteristika sind Namenskunde, Vereinsnamensbildung, Profisport-Kultur, onomastische Konstituenten und der interdisziplinäre Vergleich zweier populärer Sportarten.
Warum spielt die Unterscheidung zwischen "Turnvereinsabstammung" und "Fußballkürzel" bei Handballvereinen eine so wichtige Rolle?
Die Analyse zeigt, dass Handballvereinsnamen historisch oft auf ihre Wurzeln in Turnvereinen verweisen, was sich in den verwendeten Kürzeln (z.B. TV, TSV) im Gegensatz zu den spezifischen "FC"-Kürzeln im Fußball deutlich niederschlägt.
Welche Rolle spielt der Beiname bei der Vereinsidentität laut der Arbeit?
Der Beiname wird als sprachwissenschaftlich äußerst interessant eingestuft, da er Identifikation und regionale Bindung ausdrücken könnte, jedoch in der Praxis des Profisports aktuell nur selten als Mittel zur Fanbindung genutzt wird.
Hat der Trend zu Sponsorennamen die Vereinsnamensgebung bereits stark beeinflusst?
Nein, die Arbeit stellt fest, dass sich Sponsorennamen als direkter Bestandteil des Vereinsnamens rechtlich nicht durchgesetzt haben, da die Satzungen der Sportverbände eine solche Kommerzialisierung der Namen untersagen.
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- Dominik Kremer (Author), 2015, Die Bildung von Sportvereinsnamen. Ein Vergleich zwischen Fußball- und Handballvereinen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/378749