Die Schule hat die Aufgabe, heranwachsende Schülerinnen sowie Schüler, um ihnen die Teilhabe sowie Chancengleichheit in der Gesellschaft zu ermöglichen, mit pädagogischen Maßnahmen und Wissensvermittlung zu sozialisieren. Sie bereitet dabei die Kinder auf das Erwachsenenleben vor. Dies erfordert eine Angleichung an die gesellschaftlichen Bedingungen und Gegebenheiten, welches zur Folge hat, dass die zu Erziehenden mit ihren Unterschiedlichkeiten einem Normalisierungsprozess unterzogenen werden müssen. Die Schule ist Erfüllungsort gesellschaftlicher Bedingungen und Erwartungen sowie Produktionsort späterer Teilnehmer für die Erwachsenenwelt. Sie muss dafür einheitliche gesellschaftszentrierte Inhalte vorlegen, in der das Versagen und der Erfolg Einzelner im gleichen Zug individualisiert wird. Die homogene Erwartungshaltung führt zur Benachteiligung und Diskriminierung einzelner Schüler. Im pädagogischen Raum wird Heterogenität zum Anspruch und Diversität zum Erschwernis.
Die vorliegende Arbeit bezieht sich auf die Schule als (Re-)Produktionsort von sozialen Ungleichheiten sowie Bildungsungleichheit. In diesem Kontext liegt der Fokus auf den aktuellen Intersektionalitätsdiskursen und auf dem Versuch die Effekte mehrdimensionaler Diskriminierungsformen anhand der Kategorien Behinderung, Geschlecht und Migration aufzuzeigen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Schule: Reproduktionsort sozialer Ungleichheiten
3. Heterogenität und Vielfalt im Bildungssystem; Inklusiver Unterricht
4. Intersektionalität: Schnittstellen Migration und Geschlecht/Behinderung
4.1 Intersektionalitätsbegriff
4.2 Migration, Behinderung und Geschlecht
4.3 Intersektionalität im Bildungssystem
5. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Schule als Ort der (Re-)Produktion von sozialen Ungleichheiten und Bildungsungleichheit, wobei der Fokus auf intersektionalen Diskursen liegt, um Effekte mehrdimensionaler Diskriminierungsformen anhand der Kategorien Behinderung, Geschlecht und Migration aufzuzeigen.
- Analyse der Schule als Reproduktionsort sozialer Disparitäten
- Einführung in die Konzepte Heterogenität und Diversität
- Untersuchung intersektionaler Schnittpunkte bei Diskriminierungsformen
- Rolle der Lehrerschaft im Umgang mit Heterogenität
- Aufzeigen von Lösungsansätzen für mehr Chancengleichheit
Auszug aus dem Buch
4.1 Intersektionalitätsbegriff
Der im deutschsprachigen Raum in der Entwicklungsphase befindliche Begriff Intersektionalität bezieht sich auf die ineinander Verknüpfung und Überkreuzung sozialer Differenzkategorien (vgl. Walgenbach, 2013, S. 1). Sie ist keine alleinige Addition, Multiplikation oder reduktive Verknüpfung von Kategorien. Intersektionalität beinhaltet im Wesentlichen eine aus mehrfachumständen entstandene Mehrdimensionalität, in der die „Kategorien sich wechselseitig verstärken, abschwächen oder verändern“ (Walgenbach, 2013, S. 11, Baldin, 2014, S. 50). Die unterschiedliche Zusammenwirkung und Wechselwirkung führt zu einer individuellen Benachteiligung (vgl. Walgenbach, 2013, S. 1, Baldin, 2014, S. 55). Die theoretischen Impulse stammen aus den ‚Black Feminismus‘ und ‚Critical Race Theory‘ Diskursen. Intersektionalität findet in den ‚Gender Studies‘ sowie in ‚Cultural Studies‘ oder Abhandlung über Menschenrechte der United Nations Verwendung (vgl. Walgenbach, 2013, S. 1f.). Der Begriff ‚Intersectionality‘ wurde erstmals von der amerikanischen Juristin Kimberlé Crenshaw verwendet. Sie führte die Diskriminierungsform als eine Konstellation aus dem Zusammenwirken unterschiedlicher Kategorien auf (ebd. S. 11f.). Ihr Konzept entwickelte sie auf Basis ihrer juristischen Fallanalysen, die zur Feststellung führte, dass das amerikanische Antidiskriminierungsgesetzt entweder den ‚Weißen Frauen‘ oder ‚Schwarzen Männern‘ zugutekam, aber am Schnittpunkt Geschlecht und Rasse die ‚Schwarze Frau‘ vernachlässigte (ebd. S. 12). Sie nutzte zur Erklärung die Metapher einer Straßenkreuzung, in der die Diskriminierung aus allen Richtungen kommt und bei Kollision eine individuelle Form der Diskriminierung verursacht (ebd. S. 12). Dies wird an einem Gerichtsfall, in der schwarz-amerikanische Frauen gegen einen US-Amerikanischen Automobilkonzern nicht klagen konnten, da das Gericht die zusammenfasste Klage wegen geschlechtlicher und rassistischer Diskriminierung nicht annahm, deutlich (ebd. S. 13).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung umreißt die Rolle der Schule bei der Sozialisation und Selektion sowie die Zielsetzung, Diskriminierungsformen mehrdimensional anhand intersektionaler Ansätze zu beleuchten.
2. Schule: Reproduktionsort sozialer Ungleichheiten: Dieses Kapitel erläutert, wie das Bildungssystem durch seine Selektions- und Sozialisationsfunktion gesellschaftliche Strukturen reproduziert und soziale Ungleichheiten festigt.
3. Heterogenität und Vielfalt im Bildungssystem; Inklusiver Unterricht: Hier werden die Begriffe Heterogenität und Diversität im gesellschaftlichen Machtkontext diskutiert und die Bedeutung inklusiver Bildung als Gegenentwurf zur Segregation dargelegt.
4. Intersektionalität: Schnittstellen Migration und Geschlecht/Behinderung: Dieses Hauptkapitel definiert den Intersektionalitätsbegriff, analysiert die genannten Kategorien und untersucht deren Zusammenwirken im schulischen Raum.
4.1 Intersektionalitätsbegriff: Dieser Abschnitt erläutert die theoretischen Grundlagen und die Entstehungsgeschichte des Begriffs Intersektionalität durch Kimberlé Crenshaw.
4.2 Migration, Behinderung und Geschlecht: Hier werden die einzelnen Differenzkategorien definiert und in ihrem jeweiligen sozialpolitischen und bildungsrelevanten Kontext betrachtet.
4.3 Intersektionalität im Bildungssystem: Dieser Teil befasst sich mit der konkreten Auswirkung intersektionaler Diskriminierung auf Schülerinnen und Schüler sowie der Rolle der Lehrkräfte.
5. Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und fordert eine reflexivere, mehrdimensionale Sichtweise in der Pädagogik, um echte Chancengleichheit zu fördern.
Schlüsselwörter
Intersektionalität, Schule, Bildungsungleichheit, Heterogenität, Diversität, Diskriminierung, Migration, Behinderung, Geschlecht, Inklusion, soziale Segregation, Lehrerschaft, Sozialisation, Selektion, Chancengleichheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Schule als einen Ort, an dem soziale Ungleichheiten reproduziert werden, und untersucht, wie verschiedene Merkmale wie Geschlecht, Migration und Behinderung dabei zusammenwirken.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die soziale Reproduktion durch das Bildungssystem, der Umgang mit Heterogenität und Vielfalt, inklusive Pädagogik sowie die theoretische Fundierung des Intersektionalitätsansatzes.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die Effekte mehrdimensionaler Diskriminierung im schulischen Kontext aufzuzeigen und zu begründen, warum eine intersektionale Betrachtungsweise notwendig ist, um Bildungsungleichheit abzubauen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Analyse bestehender bildungswissenschaftlicher und soziologischer Diskurse und Studien, um intersektionale Zusammenhänge herzuleiten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit der Herkunft des Intersektionalitätsbegriffs, der Definition der Kategorien Behinderung, Migration und Geschlecht sowie deren spezifischen Auswirkungen im schulischen Lehr- und Lernraum.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter sind unter anderem Intersektionalität, Bildungsungleichheit, Heterogenität, Inklusion, soziale Segregation und institutionelle Diskriminierung.
Warum spielt die Lehrerschaft eine entscheidende Rolle im Kontext der Intersektionalität?
Lehrkräfte agieren als Vermittlungsstelle zwischen pädagogischem Anspruch und gesellschaftlicher Wirklichkeit; ihre persönliche Haltung und Reflexion sind maßgeblich dafür, wie sie die Heterogenität ihrer Schülerschaft wahrnehmen und bewerten.
Wie trägt das stratifizierte Schulsystem zur Diskriminierung bei?
Durch frühe Laufbahnbestimmungen und die Tendenz, bestimmte Schülergruppen (z.B. mit Migrationshintergrund) vermehrt in Sonderschulen zu segregieren, festigt das System bestehende soziale Benachteiligungen.
- Arbeit zitieren
- Abdurrahim Derya (Autor:in), 2016, Intersektionalität im Kontext Schule. Intersektionale Aspekte und Bildungsungleichheit an den Schnittstellen Migration, Geschlecht und Behinderung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/378848