Selbst- und Außendarstellung der Großkönige im Perserreich. Dareios und Xerxes im Vergleich


Hausarbeit, 2017

20 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Großkönig Dareios
2.1 Selbstdarstellung des Dareios
2.2 Außendarstellung des Dareios
2.2.1 Herodots Darstellung des Dareios
2.2.2 Weitere Darstellungen des Dareios
2.3 Charakterisierung des Dareios

3. Großkönig Xerxes
3.1 Selbstdarstellung des Xerxes
3.2 Außendarstellung des Xerxes
3.2.1 Herodots Darstellung des Xerxes
3.2.2 Weitere Darstellungen des Xerxes
3.3 Charakterisierung des Xerxes

4. Vergleich und Analyse

5. Ergebnis

6. Quellenverzeichnis

7. Literaturverzeichnis

8. Internetquellenverzeichnis

1. Einleitung

„ Die Namen der persischen K ö nige lassen sich auf griechisch so ü bertragen: Dareios der Tatkr ä ftige “ und „ Xerxes der Krieger [...]. “ 1

Viel wird über Dareios (549 v. Chr. - 486 v. Chr.) und Xerxes (519 v. Chr. - 465 v. Chr. ), Vater und Sohn, in der Forschung diskutiert. Dabei stellen sich eindeutige, aber auch völlig verschiedene Bilder, der beiden Könige dar. Während Dareios als tatkräftig und „Ordner des Reiches“2 betitelt wird, wurde über Xerxes, in der älteren Literatur, ein viel negativeres Bild übermittelt.3 Er wird als „tragischer Xerxes“, wie auch als „Krieger“4 tituliert.5 Dabei traf er oft Entscheidungen, in Bezug auf Kriege oder allgemeine Bestrafungen, aus emotionalen Gründen.6 Neuere Forschungen beschreiben Xerxes jedoch als jemanden, der den allgemeinen Regeln und Sitten der Könige gefolgt sei.7

Die historischen Belege bzw. Taten der beiden Könige sind so unterschiedlich, dass es sich lohnt, diese näher zu durchleuchten. Um sich dem Problem zu nähern, ist es sinnvoll, Quellen heranzuziehen, die Xerxes und Dareios beschreiben. Dazu gehören bspw. die Keilinschriften der beiden Könige, die sie selbst verfassten und der Nachwelt hinterließen. Andere Quellen, die Xerxes und Dareios beschreiben, gehören zu den Außendarstellungen, wie z.B. Herodots „Historien“. Das Zusammenführen, der verschiedenen Quellen, soll schlussendlich zu einem Vergleich führen. Der angestrebte Vergleich, zwischen Selbstdarstellung und Außendarstellung der beiden Könige, ermöglicht eine realistischere Charakterisierung von ihnen. Es lässt die Beantwortung der Frage zu, inwieweit die unterschiedlichen Regierungsstile begründet waren, obwohl sie in erster Blutslinie miteinander verwandt waren.

2. Großkönig Dareios

2.1 Selbstdarstellung des Dareios

„Ich bin Darius der Großkönig, König der Könige, König von Persien, König der Länder, des Hystaspes Sohn, des Arsames Enkel, ein Achämenide.“8 So beginnt Dareios seine erste Verkündung in der Behistun Inschrift, die zu Anfang deutlich macht, wie er sich selbst als Herrschers seines Perserreiches sah. Dareios beschreibt, in diesen Inschriften, seinen Werdegang als Großkönig. Deshalb ist diese Inschrift mit einer Art Propagandamittel zu vergleichen, die ihn selbst in einer verherrlichten Form darstellt.9

Während seines ersten Amtsjahres, als König der Perser, setzte er sich mit vielen innenpolitischen Dingen auseinander. Dies lag darin begründet, dass seine Machtergreifung unter den Persern stark umstritten war.10

Als Kambyses (König vor Dareios, der seinen eigenen Bruder Smerdis ermordete) gestorben war, nahm sich ein falscher König namens „Gaumata“, unter der Täuschung, dass er „Smerdis“ sei, das Anrecht auf den Thron. Dareios wusste von diesem Komplott um den falschen König und dem Mord an dem Bruder des Kambyses. Er entschied sich schnell und „mit wenigen Männern“11 den „falschen König“ zu „erschlagen.“12 So zeichnet sich Dareios selbst, als jemanden, der nur alleine (als Anführer des Komplotts) imstande war „Gaumata“ zu stürzen. Denn außer ihm „war niemand“ da, „der etwas unternommen hätte“.13

Dareios musste die „Lüge“ des Kambyses, rund um den Mord seines eigenen Bruders, aufdecken.14 Die Konsequenz daraus war, dass die Länder vom Königreich abfielen. Aus diesem Grund widmete sich Dareios, durch Militärgewalt, zunächst innenpolitischen Problemen, um das Reich wieder zu vereinen.15

In den Keilinschriften bezieht sich Dareios oft auf den „Allweisen Herrn“ Ahuramazdah. All seine Taten und Entscheidungen (z. B. Bestrafungen, Bauten und seine Herrschaft) begründete er mit dem „Willen des Allweisen Herrn.“16 Dareios beschreibt sich als stark gottgläubig. Die Forschung gibt sich hierbei, aufgrund der ungenügenden Quellenlage, verschwiegen und macht zu den Hintergründen des Glaubens der Perserkönige keine eindeutigen Aussagen.17

Dareios spiegelt schon in den ersten Zeilen seiner Inschriften wieder, wie er mit Perserreichsgegnern umging. Er belohnte „einen Mann, der treu war, reich [...]; doch wer treulos war, den“ hatte er „hart bestraft“.18 Denn im gesamten Perserreich wurde das Recht des Königs vereinheitlicht und die „richterliche Gewalt“19 an die Satrapen (Oberhaupt der Satrapie) übergeben.20 Hart bestrafen ließ er, laut seiner Selbstdarstellung, vor allem Hochverräter. Beispielsweise ließ er den selbsternannten König von Medien, während der Aufstände, „Nase, Zunge und Ohren abschneiden und ein Auge ausstechen“ und ließ ihn pfählen, sodass das „Volk ihn [zur Abschreckung] sah.“21 Erkennbar in den Keilinschriften sind zwei Aspekte, einmal die soeben beschriebene Bestrafung mit Beispielen, als auch die Belohnung für diejenigen die dem Perserreich treu waren. Den Teil der Belohnungen unterfütterte Dareios, in seinen Inschriften, nicht mit Beispielen. Diese scheinen möglicherweise für ihn nachrangig und nicht erwähnenswert gewesen zu sein. Weiterhin tritt in den Inschriften von Behistun das Wort „Lüge“ oft auf. Es scheint Dareios sehr wichtig zu sein, dass seine Bürger ihm loyal und ehrlich gegenüber waren.22 Er beginnt, in seinen Inschriften, mit den Lügenkönigen23, die er niederschlug und endet mit einem Rat an den nächsten König: „Du der du nachmals König wirst, sei einem Lügenknecht nicht Freund keinem, der Frevel verübt.“24 Dareios versuchte also Recht und Ordnung, im Perserreich, stets aufrecht zu erhalten.

In seiner Grabinschrift unternahm Dareios den Versuch, sich selbst zu charakterisieren. Er lobpreist seinen Gott Ahuramazdah, dass er „Weisheit“ und „Tüchtigkeit“ auf Dareios den König niedersenkte.25 Darüber hinaus beschreibt Dareios, dass er „nicht jähzornig“ war, „auch wenn es in mir kocht, bezwinge ich meinen Zorn. Ich beherrsche meinen eigenen Sinn fest.“26 Dareios wies hier auf seine Zeit hin, bevor er König wurde, und unter Kambyses, eine schwere Zeit als Lanzenträger verbracht hatte.27 Er zeigte dadurch aber auch, dass er lernwillig war. Abschließend spricht er, in der Grabinschrift, zum Volk und bittet dieses „nachdrücklich“ seine Botschaft in die Welt zutragen, nämlich „wes Art“ er war, „ferner welches“ seine „Fertigkeiten“ waren „und worin“ seine Überlegenheit“ bestand.28 Dareios verdeutlicht nochmal stark, dass seine Inschriften geltend waren: „Höre vielmehr auf das, was von mir verkündet worden ist. [...]. Was von mir geleistet worden ist, das sieh vielmehr an.“ Nun aber spricht Dareios nicht ausdrücklich an „wes Art“ er war, welche „Fertigkeiten“ er besaß und „worin seine Überlegenheit bestand.“29 Deshalb ist es essenziell noch andere Quellen heranzuziehen, um Dareios gänzlich charakterisieren zu können.

2.2 Außendarstellung des Dareios

2.2.1 Herodots Darstellung des Dareios

Herodot war ein griechischer Geschichtsschreiber und gilt als „Vater der Geschichtsschreibung.“30 Seine Geburt wird auf ca. „484 v. Chr.“31 datiert. Er war somit kein direkter Zeitzeuge unter der Herrschaft des Dareios, aber doch unter Xerxes gewesen. Seine „Historien“ basieren auf seinen Forschungsreisen und Interviews, die zum größten Teil mündlich überbracht worden waren. Da er aus Griechenland stammt und dieses Werk einem großen griechischen Publikum gewidmet worden war, sind diese aus einer griechischen Perspektive verfasst. Also die Perspektive eines Gegners der Perser. Herodot versucht jedoch in seinem Werk, beide Perspektiven neutral zu betrachten.

Vor der Machtergreifung war es das Ziel des Dareios, Gaumata zu stürzen. Daher schloss er sich einer Gruppierung an, die sich schon vor Dareios dazu entschlossen, den König zu stürzen. Dareios drang die Gruppierung dazu, „sofort zu handeln und nichts aufzuschieben“.32 Er tat dies im vollen Wissen, dass wenn er die Gruppe schnell dazu drang zu handeln, er, im Falle des Erfolgs, die Führung bzw. den Respekt der Rebellen erlangte und letztendlich zum neuen König ernannt werden würde. Dareios argumentierte, nach langen Debatten, stichhaltig und überzeugend für das sofortige Handeln, denn „irgendwer wird“ die Rebellen „an den Mager (Gaumata) verraten“, um sich daraus einen „Vorteil“ zu verschaffen.33 So überzeugte Dareios die Rebellen, sofort gegen Gaumata zu ziehen. Unter einem „Vorwand“, dass Dareios „dem König eine Botschaft“ seines „Vaters“ überbringen würde, gelangten sie in den Palast, um den „falschen König“ zu stürzen.34

Schon früh begann Dareios taktisch zu handeln und seine überlegene Intelligenz auszunutzen. Herodot stellt Dareios in einem Licht dar, indem er die Lüge dazu nutzte, um selbst an die Macht zu gelangen. Denn Dareios sagte nach Herodot Folgendes: „Wo eine Lüge am Platz ist, muß man eben lügen.“35

Nach dem Sturz Gaumatas kam es zur sogenannten „Verfassungsdebatte“36 unter den Rebellen. Dabei standen „drei Verfassungen“ zur Auswahl, die Demokratie, die Oligarchie und die Alleinherrschaft.37 Nach Dareios „überragt die Letzte [die Alleinherrschaft] die anderen beiden, [...], bei weitem.“38 So kam es dazu, dass sich die Mehrheit, demokratisch, für die Alleinherrschaft entschied.39 Dareios überließ auch im Rahmen der Wahl, wer der Alleinherrscher werden sollte, nichts dem Zufall. Derjenige, dessen Pferd bei Sonnenaufgang wieherte, sollte der neue König werden. Zusammen mit dem Stallhalter der Pferde, wendeten sie den Zufall zu Dareios Gunsten und so wurde er der neue König von Persien.40 Bis hierhin zeichnet Herodot Dareios als intelligenten Politiker, der die Strukturen und die Menschen mit denen er sich umgab, gut kannte.

Seine Intelligenz machte er sich zunutze und stabilisierte das Reich, indem er es „in [...] Provinzen“ teilte, „die bei ihnen Satrapien“ hießen. Danach „setzte er die Steuern fest, die ihm von den Völkern eingehen sollten.“41

Im Rahmen der Sicherung des Reiches bekam Dareios Rat durch seine Frau Atossa. Sie bestand darauf, dass der König nicht „untätig“ sein sollte, um daraufhin neue Länder zu erobern.42 Denn ihrer Meinung nach festigte sich dadurch ein König im eigenen Reich.43 Dareios stimmte ihr zu, denn er „denke und plane“ dies auch.44 Jedoch beherzigte er diesen Rat vorerst nicht und widmete sich weiter innenpolitischen Dingen wie den Skythen.45 Dareios Priorität lag vorerst darin, das Land sicher zu gestalten. Er ließ zwar Makedonien erobern und Samos unterwerfen (beides westliche Gebiete), aber seine Prioritäten lagen nicht in der Ausbreitung in den Westen. Er kümmerte sich vorzugsweise um die eigene Wirtschaft seines Landes. Wenn es in diesem Zusammenhang, auch um Eroberungen ginge, tat er dies in Richtung Osten. Denn „den größten Teil Asiens“46 hatte Dareios schon erforscht. Dareios tat demnach nichts, worüber er keine Informationen besaß.47

Bestrafungen für Hochverräter und Belohnungen für diejenigen, die dem Perserreich wohl gesonnen waren, gehörten auch zum persischen Alltag. Die Strafe für Hochverräter war immer der Tod. Dareios ließ das Volk an den Bestrafungen teilhaben.48 Bei Belohnungen beschreibt Herodot Dareios als jemanden, der einen nur dann beschenkte, wenn die Taten einer Person in direkter Verbindung mit Dareios standen.

[...]


1 Hdt. 6, 98.

2 Zitiert nach: Hinz 1976, 226.

3 Vgl. Wiesehöfer 1993, S. 71. Xerxes galt allgemein als der „schlechte König“, kannte keine Grenzen des Ehrgeizes, war Brutal „gegen seine Gegner“ und besaß keine religiöse Toleranz. Xerxes und Kyros (als guter König) stehen hier im Vergleich. Hier lässt sich einiges auf den Vergleich zwischen Dareios und Xerxes übertragen.

4 Hdt. 6, 98.

5 Vgl. Wiesehöfer 1993, S. 84.

6 Vgl. Hdt. 7, 7. Er ließ Ägypten (welches nach Dareios Tod vom Reich abfiel), zur Bestrafung, „in noch härtere“ Abhängigkeiten (Volk zum König) fesseln.

7 Vgl. Bakker 2002, S. 590. Viele Fragen die bis dato an Xerxes gefragt wurden, bildeten Perspektiven und Ergebnisse aus Sicht der Hellen. Aus persischer Sicht kann Xerxes als Höhepunkt des Königreichs gesehen werden und nicht als Niedergang.

8 Zitiert nach: Hinz 1974, S. 123.

9 Wiesehöfer 1994, S. 34.

10 Vgl. Hinz 1976, S. 145.

11 Zitiert nach: Hinz 1974, S. 125.

12 Zitiert nach: Hinz 1974, S. 125.

13 Hinz 1974, S. 124 - 125.

14 Vgl. Hinz 1976, S. 145. Da das Volk, bis zu diesem Zeitpunkt, nur von dem Mord des Smerdis wusste und nicht berücksichtigte, dass es sich um einen falschen König hielt.

15 Vgl. Demandt 1995, S. 117.

16 Zitiert nach Hinz 1974, S. 124.

17 Vgl. Wiesehöfer 1993, S, 147. Z.B. ob und inwieweit die Götter, für die Könige, nur ein Lippenbekenntnis waren.

18 Zitiert nach: Hinz 1976, S. 124.

19 Vgl. Walser 1972, S. 26.

20 Vgl. Walser 1972, S. 25-27.

21 Hinz 1974, S. 126.

22 Vgl. Hinz 1974, S. 133.

23 Vgl. Hinz 1976, S. 145 - 155. Von denen es, nach Gaumata, noch andere gab, die sich offen gegen Dareios aussprachen.

24 Zitiert nach: Hinz 1974, S. 133.

25 Vgl. Hinz 1976, S 232.

26 Zitiert nach: Hinz 1976, S. 232.

27 Vgl. Hinz 1976, S. 134.

28 Zitiert nach: Hinz 1976, S. 235.

29 Zitiert nach: Hinz 1976, S. 235.

30 Vgl. Will 2010, S. 17.

31 Zitiert nach: Will 2010, S. 11.

32 Hdt. 3, 71.

33 Hdt. 3, 71.

34 Hdt. 3, 72.

35 Hdt. 3, 72. Hier zeigt Herodot aber auch, wie Dareios die Lüge ausnutzt (siehe Fußnote 35).

36 Bringmann 1976, S. 266.

37 Hdt. 3, 82.

38 Hdt. 3, 82.

39 Vgl. Hdt. 3, 83.

40 Vgl. Hdt. 3, 85.

41 Hdt. 3, 89. Satrapien gab es auch unter Kyros, dass die Länder Steuern zahlten war unter Dareios neu.

42 Hdt. 3, 134.

43 Vgl. Hdt. 3, 134.

44 Hdt. 3, 134.

45 Vgl. Hdt. 3, 134. Die Skythen waren ein Wandervolk und stellten schon immer eine Bedrohung für das Perserreich dar.

46 Hdt. 4, 44.

47 Vgl. Hdt. 4, 44. Dareios wusste, dass es im Osten noch viel Reichtum für sein Reich gab.

48 Hdt. 3, 159.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Selbst- und Außendarstellung der Großkönige im Perserreich. Dareios und Xerxes im Vergleich
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin
Note
1,7
Autor
Jahr
2017
Seiten
20
Katalognummer
V379100
ISBN (eBook)
9783668577909
ISBN (Buch)
9783668577916
Dateigröße
551 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Dareios, Xerxes, Vergleich, Perserreich, Großkönig, Großkönige
Arbeit zitieren
Mike Enders (Autor), 2017, Selbst- und Außendarstellung der Großkönige im Perserreich. Dareios und Xerxes im Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/379100

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