Mototherapie nach Kiphard bei sensorischen Wahrnehmungsstörungen im Bereich der kinästhetischen, taktilen und vestibulären Analysatorebene


Studienarbeit, 2005

16 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltverzeichnis

1 Zielstellung der Arbeit und Problemdiskussion

2 Terminologische Abklärung und Einordnung der Mototherapie

3 Maßnahmen und Inhalte zur Durchsetzung der Zielstellung

4 Methodisch- didaktische Ansätze

5 Schlussfolgerungen für die eigene praktische Arbeit

6 Literatur

1 Einleitung – Zielstellung der Arbeit und Problemdiskussion

Die Zielstellung der Arbeit ist Ihnen einen Überblick über die bekanntesten Wahrnehmungsstörungen bei Kindern zu geben und in diesem Zusammenhang die möglichen therapeutischen Interventionsmöglichkeiten, die uns die Mototherapie zur Verfügung stellt anhand von praktischen Beispielen zu erläutern und bildhaft zu beschreiben. Ich möchte ihnen daher zuerst nähere Erläuterungen allgemein zu Wahrnehmungsstörungen geben, die von mir hervorgehobenen speziellen Störungen hervorheben und anschließend explizit Therapiemöglichkeiten anführen, die zur Behebung der Störungen, zur Linderung der Problematik oder zum Erhalt des funktionellen Niveaus dienlich sind. Dazu zuerst ein paar einführende Worte.

Der Praxis der Motopädagogik und der Mototherapie liegt ein gemeinsames entwicklungsförderndes und persönlichkeitsstabilisierendes psychomotorisches Basisprogramm zugrunde. Die Motopädagogik beschäftigt sich vorrangig mit der ganzheitlichen Erziehung und Persönlichkeitsbildung von Kindern über die Maßnahmen der motorischen Lernprozesse und Verhaltensänderungen. Ursächlich ist hierzu zu nennen, dass sich eine gesellschaftliche Veränderung vollzogen hat, die auch an den Kindern nicht spurlos vorbeigegangen ist. Eine ständige sensorische Reizüberflutung und schulischer Dauerstress haben dazu geführt, dass es zu pathogenen Lernbelastungen kam. Auch im Prozess der Persönlichkeitsentwicklung kommen die emotionalen und sozialen Werte zu kurz, was dann alles zusammen zu psychomotorischen Erregungs- und Gefühlsstauungen führt. Die Folgen sind gesteigerte Überaktivität, Ablenkbarkeit, Reizbarkeit und Bewegungsunruhe. Diese grundlegend gesellschaftlichen Veränderungen der kindsgemäßen Entwicklungsbedingungen führten in kürzester Zeit zu so genannten Verhaltens- und Leistungsstörungen der Kinder. An diesen Störungen versucht die Motopädagogik mit oben genannten Maßnahmen anzusetzen, um die Erziehung und Persönlichkeitsentwicklung einzuleiten.

Die Mototherapie beschäftigt sich auch mit Kindern, die an Lern- und Leistungsstörungen leiden. Doch sie grenzt sich sehr deutlich von der Motopädagogik damit ab, dass diese Störungen pathologischen Entwicklungsstörungen und Bewegungsmustern zugrunde liegen. Auffällig werden diese dann im psychomotorischen Leistungs- und Verhaltensbereich. Die Mototherapie ist nicht als neue Fachbezeichnung zu verstehen, sondern vereinigt stattdessen unterschiedlichste Ansätze aus dem pädagogischen, physio- und psychotherapeutischen Raum. Die motorischen Lernprozesse der Motopädagogik finden fast auch ohne Einschränkung in der Mototherapie statt.

Die therapeutischen Ziele müssen klar im Sinne der Sachorientiertheit, der Funktionsbezogenheit und der jeweiligen Stärken und Schwächen des behinderten Kindes ausgerichtet sein. Mit Sachorientiertheit ist gemeint, dass die Übungen schwerpunktmäßig orientiert sein sollten, um gezielte Hilfe bei sensomotorischen Teilstörungen anzubieten. Dabei besteht aber die Gefahr, dass die Übungssequenzen wie Rezepte verabreicht werden und den Kindern kein Raum für Selbstbestimmung und Kreativität lässt. Man sollte sich in der Mototherapie nicht nur an den Störungssymptomen leiten lassen, und an ihnen versuchen herumzutherapieren, sondern immer die Ganzheit des Patienten im Auge behalten. Die gestörte Persönlichkeit steht im Mittelpunkt des therapeutischen Bemühens und nicht die Haltungsschwäche oder das Lateralitätsproblem. Darin spiegeln sich die Prinzipien der Motopädagogik wieder, die außer dem Vorgehen der Ganzheitlichkeit, auch die Kindgemäßheit, die Entwicklung- und Lernorientierung sowie die Handlungs- und Kommunikationsbezogenheit berücksichtigen. Die Mototherapie hat sich demzufolge an der Individualität und an der Problemlage des einzelnen Patienten zu orientieren. Dies setzt voraus, dass die therapeutischen Methoden, der Inhalt und das Material flexibel eingesetzt und angepasst werden müssen. Deshalb sollten die pädagogischen und therapeutischen Inhalte individuell gewichtet sein. (Vgl. Kiphard. S. 10ff.)

2 Terminologische Abklärung und Einordnung der Mototherapie

Die Mototherapie ist ein Teilgebiet des Fachgebietes Motologie. Der Aufbau gliedert sich wie folgt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Durch diese terminologische Gliederung lässt sich auch gut erkennen, inwiefern sich Wahrnehmungsstörungen in das Fachgebiet der Mototherapie eingliedern lassen. Ganz deutlich wird der Bereich Motopathologie, wenn man sich betroffene Kinder oder auch Erwachsene anschaut. Ein gutes Bespiel ist der Bereich der akustischen Wahrnehmungsstörungen. Landläufig herrscht ja die Meinung, dass der Mensch 85% seiner Reize durch den optischen Analysator aufnimmt, er daher der wichtigste für das menschliche Leben ist. Oberflächlich betrachtet mag das stimmen. Blinde Menschen haben natürlich Orientierungsschwierigkeiten und Probleme Dinge schnell zu finden oder auszuführen. Motorisch hingegen sind sie relativ unauffällig. Selten beobachtet man im Sinne der Sportwissenschaft grobe Auffälligkeiten in Gang oder Feinmotorik, ganz im Gegenteil, meist haben Blinde eine ganz hervorragende Feinmotorik, da ihr das Ausweichen auf Taktilität und Kinästhetik gute bis sehr gute koordinative Leistungen gewährleistet. Ganz anders hingegen ist es bei akustischen Wahrnehmungsstörungen. Betroffene haben große Auffälligkeiten zum Beispiel im Gangbild und bei anderen motorischen Bewegungsprozessen. Man muss sich vorstellen, dass sie niemals eine akustische Rückmeldung von der Bodenstruktur bekommen, daher nur durch das Auge einschätzen können, ob ein Boden uneben ist oder nicht. Dies ist meist viel zu wenig, denn das menschliche Gehirn braucht zur richtigen Koordinierung der Bewegung dringend akustische Rückmeldungen der Umgebung. Dies ist nur ein wichtiges Beispiel für motorische Wahrnehmungsstörungen. Ein weiteres Beispiel wäre der Bereich der taktil-kienästhetischen Wahrnehmungstörungen. Ich fasse mit Absicht die beiden Bereiche zusammen, da sie schwer zu trennen sind und jeder der Teilbereiche Wirkungen auf den jeweils anderen hat. Beobachtet man nun Menschen mit großen Schwächen in diesem Bereich wird man feststellen, dass sie große Probleme im Bereich der Sprache haben. Dies ist eindeutig belegbar. Damit ein Mensch koordinierte Laute aussprechen kann muss er ein hohes kinästhetisches Empfinden im Bereich der Zunge und des Mundes haben. Nicht ohne Grund ist auf dem motorischen Homunkulus im Kortex ein sehr großer Bereich dem der Zunge gewidmet. Fehlt dieses Empfinden oder ist es gestört, so ist der betroffenen Mensch nicht in der Lage sinnvolle Laute auszusprechen und hat somit gravierende Sprachprobleme. Kinästhetisches Empfinden ist daher eine Vorraussetzung für die Bildung und Entwicklung der Sprache.

Dies sollten nur zwei kurze Beispiele für Wahrnehmungsstörungen sein, wo man mit mototherapeutischen Interventionen sinnvoll ansetzen kann. (Vgl. Kiphard, S. 22f.)

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Mototherapie nach Kiphard bei sensorischen Wahrnehmungsstörungen im Bereich der kinästhetischen, taktilen und vestibulären Analysatorebene
Hochschule
Universität Leipzig  (RSB)
Note
1,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
16
Katalognummer
V37917
ISBN (eBook)
9783638371315
ISBN (Buch)
9783638762199
Dateigröße
437 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mototherapie, Kiphard, Wahrnehmungsstörungen, Bereich, Analysatorebene
Arbeit zitieren
Dipl. Sportlehrer, stud. med. Mario Heinrichs (Autor), 2005, Mototherapie nach Kiphard bei sensorischen Wahrnehmungsstörungen im Bereich der kinästhetischen, taktilen und vestibulären Analysatorebene, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/37917

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Mototherapie nach Kiphard bei sensorischen Wahrnehmungsstörungen im Bereich der kinästhetischen, taktilen und vestibulären Analysatorebene



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden