Drogenkartelle in Mexiko. Kritik an der Narco-Kultur in „Trabajos del Reino“ von Yuri Herrera


Bachelorarbeit, 2016

42 Seiten, Note: 1.3

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zusammenfassung des Buches "Trabajos del Reino"

3. Begriffsbedeutungen 7-
3.1. Narco-Kultur
3.2. Narco-Corrido
3.3 Literatura sobre los Narcos

4. Darstellung der Kritik an der Narco-Kultur 19-
4.1. Kritik an der Narco-Kultur in „ Trabajos del Reino
4.2. Darstellung der Macht des Königs in „ Trabajos del Reino
4.3. Auswirkungen der Narco-Kultur auf Lobo

5. Bekämpfung der Narco-Kultur

6. Schluss

7. Literaturverzeichnis

8. Abbildungsverzeichnis

Miren lo que son las cosas,

Y el poder hasta que onda llega.

Pues se les volvió a escapar.

El Chapito de las celdas

Creo que no hay seguridad,

Que a este señor lo detengan.

Ahora si que es una burla,

Pal gobierno mexicano

Pues por medio de otro túnel,

Se escapo del altiplano.

Y ahora traen en movimiento,

Al gobierno americano.

El señor Guzmán Loera,

Lo será por todo el tiempo

El capo más poderoso,

Que se burlo del gobierno

Porque de esa inteligencia,

El chapito se está riendo.

(El Komander; 2015- La fuga del Chapo Guzmán)

1. Einleitung

In Mexiko herrscht seit Jahren ein Drogenkrieg, der zunächst nur unter den rivalisierenden Kartellen ausgetragen wurde, jedoch mit der Wahl 2006 des Präsidenten Felipe Calderón (2006-2012) seinen Höhepunkt erlangte, indem Calderón den Drogenkartellen den Krieg erklärte. Durch den innerstaatlichen Krieg gab es im Zeitraum zwischen 2006 und 2014 mehr als 80.000 Todesopfer und mehr als 20.000 Vermisste in Mexiko (Bauszus; 2014).

Eines der Kartelle, und zugleich das Mächtigste, ist das Sinaloa-Kartell im Westen Mexikos. Angeführt wird dieses vom Drogenboss Joaquín „El Chapo“ Guzmán Loera. Sogar die USA hat „El Chapo“ zum zweiten Mal zu ihrem Staatsfeind Nummer eins, nach 2013, erklärt. Zurzeit geht die Persönlichkeit des 1,60 Meter großen Anführers des Sinaloa-Kartells durch sämtliche Medien, da Guzmán bereits nach 17 Monaten Gefängnisaufenthalt durch einen für ihn errichteten 1,5 Kilometer langen Tunnel fliehen konnte, jedoch am 7. Januar 2016 wieder gefasst werden konnte (Ahrens; 2015).

Nach 2013 konnte er zum zweiten Mal aus einem Hochsicherheitsgefängnis entkommen. Durch die spektakuläre Flucht aus dem Gefängnis, im Juli 2015, ist um Joaquín Guzmán weltweit ein großer Hype entstanden. Es werden Loblieder über Guzmán verfasst, in Form eines Sub-Genres (Narco-Corrido) des traditionellen Gesangs Mexikos, der Corrido, um die Bewunderung über den Drogenboss auszusprechen (Abb.4).

Der Drogenkrieg hat Überhand in Mexiko genommen, wodurch in der Literaturwissenschaft ein neues Genre namens Narcoliteratura entstanden ist. Diesem Genre nimmt sich auch der mexikanische Autor Yurri Herrera an, der in der Grenzstadt Juaréz (Mexiko), in der die Ausmaße des Drogenkrieges besonders ersichtlich werden, aufgewachsen ist. Seine Novelle „Trabajos del Reino“ erzählt von dem Phänomen der Drogenkartelle in Mexiko.

Zurzeit sind die Narcocorridos in Mexiko beliebter als jemals zuvor. In diesen wird mit Reichtum, Macht und Frauen geprahlt und dadurch werden perspektivlose junge Mexikaner dazu verleitet, sich den illegalen Machenschaften der Kartelle anzuschließen. Dabei wird nicht über mögliche Folgen und dessen Konsequenzen, durch den Eintritt in ein Drogenkartell, nachgedacht. Diese Konsequenzen macht sich Yuri Herrera zum Thema, indem er das Leben in einem Drogenkartell beschreibt.

Doch wie gelingt es Yuri Herrera das Leben in einem Kartell, trotz der steigenden Anzahl an Mitgliedern, durch die gezielte, pompöse Außendarstellung des organisierten Verbrechens, als einen Ort der Gefahren und negativen Beeinflussung der Mitglieder darzustellen?

Dieser Frage möchte ich nachgehen, indem ich zunächst einzelne zentrale Begriffe kläre, die für das Grundverständnis der Thematik des Buches und der weiteren Analyse der Fragestellung nützlich sind. Zu diesen Begrifflichkeiten gehören die Narco-Kultur, Narcocorrido und die Narco-Literatur.

Um die Kritik an der Narco-Kultur in „Trabajos del Reino“ herauszuarbeiten, werde ich die Kritik auf der inhaltlichen Ebene darstellen um mich daraufhin genauer der Macht des Drogenbosses widmen zu können, da diese Totalität des „Königs“ der Auslöser für die Entwicklungsprozesse des Hauptprotagonisten Lobo[1] ist, an denen erkennbar wird, wie sehr die Narco-Kultur die geistige Entwicklung eines Mitgliedes beeinflussen kann.

Im letzten Kapitel des Hauptteils werde ich mittels der Novelle „Trabajos del Reino“ untersuchen ob Yuri Herrera dem Leser Schwächen des Narco-Systems aufzeigt um der Narco-Kultur entgegenzuwirken.

2. Zusammenfassung von „Trabajos del Reino“

In dem Roman „Trabajos del Reino“ vom mexikanischen Autor Yuri Herrera handelt es sich vermutlich um eine mexikanische Stadt nahe der Grenze zu den USA - es könnte Ciudad Juarez sein oder Tijuana oder eine andere der berüchtigten Grenzstädte die für den Austausch von Drogen zwischen den USA und Mexiko bekannt sind. Yuri Herrera, der das Leben in einem Drogenkartell und dessen Strukturen dem Leser verdeutlichen möchte, nennt in seinem Roman keine Namen, weder einer Stadt, noch die Namen der Protagonisten, mit einer Ausnahme den des Hauptprotagonisten „Lobo“. Ebenfalls wird das Thema des Drogenhandels nicht explizit angesprochen, lediglich werden Andeutungen des Autors zum Geschäft mit den Drogen gemacht.

Der Hauptprotagonist Lobo lebt als obdachloser Straßenmusiker in den Nebenstraßen einer der Grenzstädte Mexikos. Als kleiner Junge wurde er von seinen Eltern zurück gelassen. Lobos Vater hinterließ ihm sein Akkordeon um durch das Singen seinen Lebensunterhalt zu sichern.

Beim Singen der traditionellen „Corridos“ in einer Kneipe wird er von einem Drogenboss (el Rey) "entdeckt", und damit ändert sich für Lobo alles.

Der „König“ gibt Lobo einen Platz in seinem Königreich, jedoch nur unter der Voraussetzung, dass Lobo, genannt der Künstler, Lobeshymnen über den König singt und diese verbreitet. Durch diese „Narcocorridos“ erlangt der Künstler Anerkennung am Hof und ist ein gefragter junger Mann, der sich mit der Zeit das Vertrauen des Königs verdient und kaum noch von seiner Seite weicht, da er die Heldentaten glaubt, die er verfasst. Er singt nicht nur Lieder über die Wohltaten des Königs, sondern auch über das brutale Verhalten von einfachen Mitgliedern des Hofes. Dabei singt er über das „Fingerabzwacken“ oder auch über das Sammeln der Zähne von Opfern als Souvenir. Jeder der sich am Hof ein Loblied vom Künstler wünscht, soll auch eines erhalten. Durch diese Lieder wechselt Lobo auf die Seite der „Guten“ und wird zu einem Propagandisten der Brutalität des Drogenkartells.

Während dieser Zeit lernt er die Strukturen im Kartell kennen. Jeder Protagonist im Buch wird benannt nach seiner Aufgabe am Hof wie zum Beispiel der Journalist, der Erbe, der Juwelier.

Im Palast beginnt Lobo, der im Palast „Künstler“ genannt wird, Bücher zu lesen, die ihm der vom König gekaufte Journalist leiht; und je mehr er Worte verstehen und einzusetzen lernt, desto klarer wird sein Blick auf die wichtigen Figuren des Kartells, auf die Strukturen der Gewalt, in der sie alle leben.

Des Weiteren wird der Künstler Zeuge von Intrigen, welche zu zwei Morden an Mitglieder des Hofes führen. Ebenfalls lernt der Künstler die eigentlichen Geschäfte des Königs kennen, bei denen es sich um Drogenhandel zwischen dem König und anderen Kartellen handelt. Der Künstler hat bei dem Tauschgeschäft mit Drogen und Geld jedoch keine moralischen Bedenken, da er weiterhin völlig verblendet von der Größe des Königs sowie des Hofes ist.

Schließlich verliebt er sich in eine junge Frau „la Cualquiera“, die sich als Tochter des Königs herausstellt. Dieser ist mit „la Bruja“ (die Hexe) verheiratet. Diese zwei verbindet ein Geheimnis, welches dem Künstler am Ende des Buches zum Verhängnis wird.

Die zwei Morde, die auf grausame Art und Weise begangen wurden, werden einem Verräter angehängt, welcher jedoch zu finden und zu bestrafen gilt. Diesen zu entlarven wird zur Aufgabe des Künstlers. Dieser soll sich getarnt als „freier Narco-Sänger“ in das Kartell eines anderen Drogenbosses einschleusen, um den Verräter dadurch zur Strecke zu bringen.

Als er am Hof seines „wahren“ Königs erscheint, wartet dieser dort bereits auf ihn. Doch bevor der Künstler dem König über seine erfolgreiche Arbeit berichten kann, unterbricht ihn der König. Dieser zeigt dem Künstler eine Überschrift einer Zeitung. Die Drogenballade, welche der Künstler im anderen Kartell vorsang, war das Geheimnis, welches zwischen dem König und seiner Frau, der Hexe, bestand. Der König und seine Frau sind nicht in der Lage, einen männlichen Nachfolger auf seinen Thron zu zeugen. Dieses, ab nun, offene Geheimnis schwächt den König und somit auch sein Reich. Die Macht des Königs war verschwunden.

Bevor der König die Chance hat, den Künstler umzubringen, erscheinen Polizisten um den König festzunehmen. Dem Künstler gelingt die Flucht und verlässt den Hof. Draußen angekommen, erwartet ihn die X-Beliebige. Von diesem Zeitpunkt an versteht Lobo, dass er von der Schönheit des Palasts und der Größe des Königs geblendet wurde und das wahre Leben außerhalb von Mauern herrscht. Er freut sich auf ein gemeinsames Leben mit der X-Beliebigen, doch entschließt sie sich, den Sänger zu verlassen.

Somit steht Lobo wieder am Anfang seines alten Lebens, jedoch mit der Erkenntnis, dass er seinen Platz in der Gesellschaft gefunden hat sowie auch seine Aufgabe, ehrliche Menschen mit seinen Corridos zu unterhalten.

3. Begriffsbedeutungen

3.1. Narco-Kultur

Die „Narco-Kultur“ ist eine von vielen Sub-Kulturen[2] in Mexiko. Diese ist ein Ausdruck von Macht, welche auf materielle Güter basiert und sich verschiedener Symbole bedient (Maihold; 2012, 64).

Die Objekte, wie Waffen, Uhren oder auch Handys sind mit Gold verfeinert. Dadurch demonstriert der Narco seine Macht und Reichtum nach außen. Es entsteht der Eindruck einer Kultur des Protzes und einer Mentalität von „ todo vale para salir de pobre, una afirmación pública de que para qué se es rico si no es para lucirlo y exhibirlo “ (Maihold; 2012; 64)

Daraus entsteht der Eindruck der Straffreiheit, woraus wiederum resultiert, über dem Gesetz zu stehen und die Fähigkeit die eigene Rangordnung sowie die eigene Justiz und Gerechtigkeit durchzusetzen (Maihold; 2012, 70).

Die Narco-Kultur wird als eine Art „Netzwerk von Bedeutungen“ verstanden. Damit wird gemeint, dass diese Kultur häufig in Verbindung mit Gegenständen gebracht wird: auffällige Kleidung, pompöse Häuser, Schmuck und protzige Autos sowie repräsentative Musik (Maihold; 2012, 70).

Greift man die eben genannten Gegenstände noch einmal auf und fügt zu jedem einzelnen Gegenstand das Präfix „Narco“ hinzu, so erhält man eine Signatur, ein Erkennungsmerkmal einer Firma oder eines Betriebs, wie in diesem Fall bei der Narco-Kultur. Dadurch werden charakteristische Markenzeichen für/von Personen erstellt, welche sich an diesem Betrieb, in diesem Fall an dem Drogenhandel, beteiligen. Ein typisches Markenzeichen ist zum Beispiel die unter den „Mitgliedern“ gemeinsame Nutzung von verschiedenen Elementen die im Zusammenhang mit dem Drogengeschäft stehen. Dazu wird beispielsweise das gezeichnete Marihuana-Blatt gewählt, welches die Anhänger der Narco-Kultur auf ihren Hüten, Gürteln oder auch Schuhen tragen.

Auch wenn das Geschäft mit den Drogen illegal ist und auch der Grund für die hohe Anzahl an Todesopfern in Mexiko, steigt die Anzahl der Mitglieder und Anhänger Tag für Tag, sodass sich der Drogenhandel in Mexiko National sowie Transnational verbreitet. In Zahlen ausgedrückt bedeutet diese Expansion des Drogenhandels, dass sich in etwa 1 Prozent der mexikanischen Bevölkerung mit der Kultur der Drogenhändler identifiziert (Maihold; 2012, 71).

Spricht man über den Drogenhandel, so spricht man von dem Nichtvorhandensein von Grenzen zwischen Ländern, denn das Phänomen des Drogenhandels ist ein globales Phänomen. Dabei kann man sich nicht nur auf die mexikanischen Dealer und den Drogenkrieg in Mexiko beziehen, sondern auch auf die Drogendealer in Kolumbien, die Mafia in Italien oder auch das Geschäft mit den Drogen in den USA. Jedoch ist es anders, sobald über die Narco-Kultur gesprochen wird. Die Narco-Kultur hat ihre eigene Struktur und einen besonderen Stellenwert in der Welt des Drogenhandels. Außerdem ist diese Struktur der Bedeutungen an jedem Ort unterschiedlich. Jedoch muss das Thema des Drogenhandels als eine Sache angesehen werden, und die Kultur der „Narcos“ als eine andere Sache, auch wenn diese zwei Sachen voneinander abhängig und untrennbar sind (Gómez/Figueroa; 2013, 3-4).

Es ist also möglich über den Drogenhandel zu sprechen, ohne die Narco-Kultur zu erwähnen, jedoch nicht andersherum. Es existiert also keine Definition zum Begriff „Narco-Kultur“, welche die Vielfalt der Merkmale, noch die Territorialität berücksichtigt.

In dieser Arbeit geht es jedoch ausschließlich um das Phänomen der Narco-Kultur in Mexiko, da davon auszugehen ist, dass jedes Land seine eigenen Verhaltensweisen aufzeigt, obgleich beim Thema Drogengeschäft über ein transnationales Phänomen gesprochen wird.

Der Drogenhandel gab Platz für die Entstehung einer Reihe von Beziehungen und sozialen Prozessen, welche nicht nur die Kartelle als spezieller Akteur einbeziehen, sondern auch die Beteiligten die direkt oder indirekt von dem Drogenhandel profitieren. Dadurch entsteht eine „Drogen-Gesellschaft“, als Ausdruck einer soziokulturellen Umgebung.

Allerdings handelt es sich dabei nicht nur um die Illegalität der Aktivitäten, sondern dass die Strukturen das soziale Gefüge betreffen und durchdringen, um so die Aktivität des Drogenhandels als Normalität dazustellen (Villatoro; 2013, 59-61).

Dadurch hat die Narco-Kultur immer mehr an Bedeutung und Bekanntheit im öffentlichen Leben gewonnen und die Kartelle versuchen ihre Werte, Normen und Regeln der Gesellschaft aufzudrängen. Durch die Etablierung ihrer Normen in der Gesellschaft wird erreicht, dass die Bevölkerung eine verfälschte Idee der Welt, der Kriminalität und der eigenen Gesellschaft bekommt (Maihold; 2012, 62-63).

Wie ich bereits erwähnt habe, verbindet man mit der Narco-Kultur die Themen Narco-Musik, Narco-Architektur, Narco-Autos und vieles mehr. Die ursprüngliche Bedeutung des Begriffs „Narco“ hat sich jedoch im Laufe der Zeit gewandelt. Abgeleitet wurde der Begriff „Narco“ aus dem altgriechischen „narkoun- deutsch- lindern/beruhigen“. Durch das voran gestellte Wort „Narco“ in Verbindung mit jedem anderen beliebigen Wort, werden diese in Zusammenhang mit Drogen gebracht. Die originale Bedeutung wurde bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts wertefrei und hauptsächlich im pharmazeutischen Sinne verwendet. Seit einem knappen Jahrhundert wird der Begriff „Narco“ in erster Linie mit Betäubungsmitteln im juristischen Sinne in Verbindung gebracht. Seitdem trägt dieser Begriff eine negative Konnotation mit sich (Astorga; 2004, 23-24).

Beim Gebrauch des Wortes „Narco“ ist es irrelevant ob die Herstellung eines Produktes für oder über die Drogenhändler angefertigt wurde. Aus diesem Grund muss unterschieden werden zwischen dem was von innerhalb dieser kriminellen Gruppen ausströmt und jenem, welches von außerhalb der Gruppen entstammt, welches mit dem Drogenhandel und all seinen Facetten in Verbindung gebracht wird. Somit ist es notwendig den Gebrauch von „lo narco“ und „el narco“ zu differenzieren.

Spricht man von „lo narco“, geht es darum, was man sich unter „el narco“ vorstellt. „Lo narco“ ist also die gesellschaftliche Darstellung der Drogenhändler, die durch Sitten, Riten und Normen, durch die Kartelle, aufgebaut wurde (Maihold; 2012, 66-67).

Lo narco no es precisamente, el narco. Lo narco es lo que sobre el narco se imagina. Lo narco es la representación social reconstruida a partir de la emanación de sentido en torno de usos, costumbres, ritos y prácticas de los que comercian con drogas ilegales. [...] La narcotidianidad es el vecino que, harto de vivir apegado al decálogo de "la cultura del esfuerzo", "apretarse el cinturón" y "empujar parejo", decide prosperar económicamente de la noche a la mañana y erige una "tiendita" en su cochera.

Somit kann man festhalten, dass der Zwischenraum von „el narco“ und „lo narco“ die Narco-Kultur ausmacht. Die Narco-Kultur entstand durch das kriminalisierte Verbrechen, aber auch durch die kollektive Wahrnehmung der Gesellschaft. Die Narco-Kultur kann man also definieren als „eine Gruppe von Verhaltensweisen und Werte, ihrer eigenen Geheimsprache, Symbolik und Bedeutungen“, welche durch die Drogenhändler konstruiert wurden.

Die Narco-Kultur bestimmt in gewissen Regionen Mexikos den Alltag. Die Kartelle werben damit, was der Staat der Bevölkerung nicht bieten kann: einen Job mit gutem Einkommen und dem damit verbundenen Luxus. Armut und fehlende Perspektiven treiben die Jugendlichen letztendlich in die Hände der "Narcos". So auch im Buch „ Trabajos del reino“ in dem der Hauptprotagonist keinerlei Perspektive hat. Die Sehnsucht nach Anerkennung und einem besseren Leben treibt ihn in die Hände des „Königs“. Für einen Moment lang wird Lobo in eine Welt voller Reichtum, Frauen und Respekt eingeführt.

In Mexiko ist eine große Begeisterung rund um die Narcos entstanden. Ihr Handeln scheint in vielen Gebieten Mexikos akzeptiert und anerkannt zu sein, obwohl die Kartelle Schuld am Tot von tausenden Menschen sind.

Die Anerkennung entsteht durch Investitionen in die Infrastruktur (Schulen, Krankenhäuser) der Armenviertel und in abgelegene Dörfer. Aber wie bereits erwähnt, auch durch die Vergabe von Berufen, die für die Kartelle notwendig sind. Folglich werden sie dort von den Bürgern und lokalen Politikern geschützt und teilweise sogar geschätzt

Dieses Phänomen der Anerkennung der Narco-Welt wird ebenfalls im Buch beschrieben, indem der Kartell-Boss jeden Monat eine Audienz für die Bürger hält und der sich deren Wünsche und Problemen annimmt (Herrera; 2010, 58).

Betrachtet man die hierarchische Struktur der Drogenkartelle, so erkennt man Parallelen zu den Führungsstrukturen der italienischen Mafia. Sollte der Kartell-Boss, sei es durch Verhaftung oder durch Mord eines konkurrierenden Syndikats, nicht mehr die Spitze des Kartells anführen können, folgt diesem in den meisten Fällen ein Verwandter, wie beispielsweise beim Tijuana-Kartell im Jahr 2002. Dabei folgte auf den Boss zunächst der erste Bruder, woraufhin nach dessen Tod der zweite Bruder Chef dieser „Organisation“ wurde. Bisher ist kein Fall bekannt, bei dem Mitglieder des Kartells den Boss gestürzt hätten. Dieses zeigt zum einem das

Vertrauen sowie den Respekt vor dem Anführer des Kartells, aber auch den Zusammenhalt innerhalb dieser Gruppierungen. Ähnlich verlief die Nachfolge auf den Thron bei weiteren mexikanischen Kartellen (Golf-Kartell, Juarez-Kartell) (Hoffmann, 2009; 63).

Im weiteren Verlauf dieser Arbeit werde ich mich mit Produkten auseinandersetzen, welche aus der Narco-Kultur hervorgegangen sind. Dazu werde ich mich auf den Narco-Corrido sowie auf die Literatur über die Narcos konzentrieren. Diese zwei Narco-Produkte sind die Grundlagen de

Buches von Yuri Herrera „Trabajos del Reino“ und somit für eine genauere Bearbeitung meiner Ausgangsfrage notwendig.

3.2. Narco-Corrido

Der Narco-Corrido ist das Produkt, durch welches die Narco-Kultur am Stärksten in der Öffentlichkeit repräsentiert wird.

Das Phänomen des Narcocorridos wird von Eric Lara als all jene Corridos bezeichnet, in denen die Themen des Drogenhandels (Narcotráfico) vermittelt werden und/oder dessen zentrale Thematik die Illegalität behandelt (Lara; 2005, 61).

Des Weiteren fügt Lara an, dass der traditionelle Corrido ursprünglich eines der wichtigsten Mittel zur Informationsverbreitung innerhalb der mexikanischen Bevölkerung war.

De forma más general, se sabe que el corrido ha pasado a ser aquella forma de la música mexicana en la que se transmiten, de gente en gente y de generación en generación, las historias de la vida cotidiana de los pueblos, de los personajes políticos y de los bandoleros regionales y nacionales. (Lara; 2003, 212)

Die wichtigste Funktion, welche der Corrido während des 20. Jahrhunderts hatte, war die Verbreitung von Ereignissen, die sich in der Zeit der mexikanischen Revolution von 1910 abspielten. In diesen Corridos wurden Geschichten von Helden erzählt, welche als Freiheitskämpfer agierten. Dieser Held gab dem Dorf die Hoffnung zurück, welche durch die politische Situation in ihrem Land verloren ging. Aus diesem Grund entfaltete sich der Corrido rasant und gewann immer mehr an Popularität in Mexiko (Lara; 2003, 213).

In den Corridos wurden die Sehnsüchte, Hingaben, Frustrationen und Sympathien vieler Teile der mexikanischen Bevölkerung wiedergespiegelt. Die Corridos formten die Entstehungen von Helden und Anti-Helden, Mythen und Legenden (Lara, 2003: 214).

[...]


[1] In dieser Arbeit verwende ich für die Protagonisten Synonyme, bzw. deutsche Übersetzungen. So nutze ich für den Hauptprotagonisten Lobo statt el Artista, Künstler. El Rey wird in dieser Arbeit Drogenboss oder König genannt. La Cualquiera ist die X-Beliebige, la Bruja ist die Hexe. El Joyero als Juwelier, el Periodista als Journalist und der Heredero ist der Erbe.

[2] Mit Subkultur(en) bezeichnet man Lebensformen, die Teil eines größeren kulturellen Ganzen sind, jedoch Normenordnungen, aufweisen, die von der Gesamtkultur abweichen. Das Maß dieser Abweichung schwankt. Es vom Status von Teilkulturen, die in das übergeordnete soziale System weitgehend integriert sind, bis hin zu Gruppen, die als Gegenkultur auftreten (Stangl; 2011).

Ende der Leseprobe aus 42 Seiten

Details

Titel
Drogenkartelle in Mexiko. Kritik an der Narco-Kultur in „Trabajos del Reino“ von Yuri Herrera
Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover
Note
1.3
Jahr
2016
Seiten
42
Katalognummer
V379248
ISBN (eBook)
9783668594241
ISBN (Buch)
9783668594258
Dateigröße
845 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Drogen, Narcos, Spanisch, Literaturwissenschaft, Mexiko
Arbeit zitieren
Anonym, 2016, Drogenkartelle in Mexiko. Kritik an der Narco-Kultur in „Trabajos del Reino“ von Yuri Herrera, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/379248

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