Zielsetzung dieser Arbeit ist insbesondere die Beantwortung der Frage, inwieweit die Inanspruchnahme staatlicher Fördermittel für Umweltschutzmaßnahmen im Krankenhaus den beihilferechtlichen Tatbestand erfüllt und ob diese als Dienstleistungen im allgemeinen wirtschaftlichen Interesse eingestuft werden können.
Die Finanzierung der Krankenhäuser stellt eine vielschichtige, komplexe Rechtsmaterie dar, die seit Beginn der Dualen Finanzierung mit Einführung des Krankenhausfinanzierungsgesetzes (KHG) im Jahre 1972 mehreren Strukturreformen unterzogen wurde, mit der Zielsetzung einer wirtschaftlichen Sicherung der Krankenhäuser für eine leistungsfähige und bedarfsgerechte Versorgung der Bevölkerung. Die ersten strukturierten Umweltschutzbemühungen in deutschen Krankenhäusern hatten ihren Ursprung in den achtziger Jahren und ihre Hochzeit bis Ende der neunziger Jahre, vorwiegend geprägt durch die besonderen Anforderungen an die Abfallentsorgung in den Kliniken. Danach traten die Strukturreformbemühungen zur Kostensenkung im Gesundheitswesen massiv in den Vordergrund. Umweltschutz im Krankenhaus findet aktuell insbesondere wieder Beachtung in der Problematik pharmakologischer Substanzen bei der Verabreichung von Medikamenten und Diagnostika, deren Wirkstoffe bereits heute zunehmend Probleme bei der Trinkwasseraufbereitung verursachen. Auch die kontinuierlich steigenden Energiekosten motivieren Krankenhäuser als Großverbraucher zur Einführung innovativer Energieversorgungskonzepte. In diesem Zusammenhang stellt sich unweigerlich die Frage nach der Investitionskostenfinanzierung solcher Umweltschutzprojekte. Soweit diese Mittel nicht über die gesetzlich definierte Krankenhausfinanzierung erfolgt, kommt insbesondere die Inanspruchnahme weiterer Fördermittel in Frage. Hierbei sind generell auch die EU-rechtlichen Rahmenbedingungen des Beihilferechts zu beachten.
Inhaltsverzeichnis
Teil 1: Allgemeiner Teil
A. Ausgangslage und Zielsetzung
I. Umweltschutz im Krankenhaus: Motivation, Entwicklung, aktueller Stand
II. Rechtlicher Hintergrund
III. Wirtschaftliche Gründe
IV. Zwischenergebnis
B. Möglichkeiten der Finanzierung von Umweltschutzprojekten im Krankenhaus
I. Rechtliche Rahmenbedingungen für die Finanzierung
II. Trägerschaft und Rechtsform eines Krankenhauses
III. Anwendungsbereich des KHG
C. Voraussetzungen für eine Investitionsförderung nach dem KHG
I. Aufnahme in den Krankenhausplan und in das Investitionsprogramm
II. Plankrankenhaus und Versorgungsvertrag nach SGB V
III. Zweckbetrieb i.S.d. Abgabenordnung
IV. Zwischenergebnis
D. Finanzierung von Investitionen
I. Investitionsförderung durch die Länder
II. Finanzierung aus Budgetüberschüssen
III. Verwendung von Eigenmitteln
IV. Diskussion und Ergebniszusammenfassung Teil 1: Berücksichtigung von Umweltschutzvorhaben bei der Investitionsförderung im Krankenhaus
Teil 2: Hauptteil
A. Inanspruchnahme von Fördermitteln für Umweltschutzmaßnahmen im Krankenhaus unter Beachtung beihilferechtlicher Kriterien
I. Rechtsgrundlagen – Beihilferechtliche Rahmenbedingungen
II. Förderprodukte, Förderprogramme
III. Zwischenergebnis
IV. Tatbestand der Beihilfe gemäß Art. 107 I AEUV
V. Vereinbarkeit mit dem Binnenmarkt nach Art. 107 III c) AEUV
VI. Dienstleistung von allgemeinem wirtschaftlichen Interesse
B. Risiken und Folgen einer materiell und formell rechtswidrigen Beihilfe
I. Rückzahlungsansprüche und haftungsrechtliche Konsequenzen
II. Mögliche Vorteile einer Anmeldung der Maßnahme bei der Europäischen Kommission
C. Vergaberecht, Nachweis der Wirtschaftlichkeit
I. Wirtschaftliche Verwendung der Mittel
II. Anwendung des Vergaberechts auf freigemeinnützige Krankenhäuser
Teil 3: Schlussteil
A. Ergebnis, Zusammenfassung
B. Ausblick und offene Fragestellungen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie Umweltschutzprojekte in Krankenhäusern finanziert werden können, wenn diese nicht durch die reguläre duale Krankenhausfinanzierung abgedeckt sind, und analysiert dabei die beihilferechtlichen Rahmenbedingungen der Europäischen Union für staatliche Fördermittel.
- Rechtliche und wirtschaftliche Rahmenbedingungen der Krankenhausfinanzierung in Deutschland.
- Analyse der beihilferechtlichen Kriterien für staatliche Zuwendungen bei Umweltinvestitionen.
- Prüfung der Vereinbarkeit solcher Fördermaßnahmen mit dem Binnenmarkt nach Art. 107 und 108 AEUV.
- Untersuchung der Einstufung von Umweltschutzmaßnahmen als Dienstleistungen von allgemeinem wirtschaftlichem Interesse (DAWI).
- Risikoanalyse bei materiell oder formell rechtswidrigen Beihilfen und Bedeutung des Vergaberechts.
Auszug aus dem Buch
I. Umweltschutz im Krankenhaus: Motivation, Entwicklung, aktueller Stand
Zunächst stellt sich die Frage, warum Krankenhäuser sich überhaupt im Umweltschutz engagieren und hierbei Investitionen tätigen sollten.
Im Allgemeinen werden unter Umweltschutz alle Maßnahmen verstanden, die geeignet sind die natürliche Lebensgrundlage unter Beachtung der vielfältigen Wechselbeziehungen zwischen den Ressourcen Wasser, Boden und Luft sowie Klima zu erhalten und zu schützen. Insbesondere spielen hierbei auch die Einflüsse auf die menschliche Gesundheit durch die zunehmende Umweltbelastung eine wesentliche Rolle. Umweltschutzmaßnahmen sollen folglich auch dazu beitragen, die Lebensqualität und das Wohlbefinden des Menschen zu erhalten und zu fördern.
Die Umweltschutzdefinition im beihilferechtlichen Sinne kann Artikel 2 Nr. 101 AGVO entnommen werden. Hier heißt es: „'Umweltschutz': jede Maßnahme, die darauf abzielt, einer Beeinträchtigung der natürlichen Umwelt oder der natürlichen Ressourcen durch die Tätigkeit eines Beihilfeempfängers abzuhelfen, vorzubeugen oder die Gefahr einer solchen Beeinträchtigung zu vermindern oder eine rationellere Nutzung der natürlichen Ressourcen einschließlich Energiesparmaßnahmen und die Nutzung erneuerbarer Energien zu fördern;“.
Krankenhäuser haben einen staatlich vorgegebenen Versorgungsauftrag für eine bedarfsgerechte Versorgung der Bevölkerung mit medizinischen Leistungen auf Grundlage des Krankenhausfinanzierungsgesetzes (§ 1, § 2 Ziffer 1. KHG) sowie des § 107 I SGB V und leisten hierbei auch einen wichtigen Beitrag bei der Behandlung umweltbedingter Erkrankungen. Hier spielt die Hygiene und Umweltmedizin auch in Bezug auf den Umweltschutz eine zunehmende Rolle.
Zusammenfassung der Kapitel
Teil 1: Allgemeiner Teil: Dieser Teil beleuchtet die rechtlichen Grundlagen der Krankenhausfinanzierung und die Bedeutung sowie Motivation für Umweltschutzprojekte im Krankenhaussektor.
Teil 2: Hauptteil: Der Hauptteil analysiert die beihilferechtliche Zulässigkeit staatlicher Förderungen für Umweltschutzmaßnahmen, insbesondere im Hinblick auf den Binnenmarkt, sowie Risiken bei Rechtsverstößen und vergaberechtliche Anforderungen.
Teil 3: Schlussteil: Der Schlussteil fasst die Ergebnisse zusammen und gibt einen Ausblick auf die notwendige Weiterentwicklung der Finanzierungssysteme für eine ganzheitliche ökologische Ausrichtung der Krankenhäuser.
Schlüsselwörter
Krankenhausfinanzierung, Umweltschutz, EU-Beihilferecht, Investitionsförderung, Krankenhausfinanzierungsgesetz, Dienstleistung von allgemeinem wirtschaftlichem Interesse, DAWI, Binnenmarkt, staatliche Beihilfe, Vergaberecht, Zweckbetrieb, Gemeinnützigkeit, Umweltschutzinvestitionen, Wettbewerb, Rückforderung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Finanzierung von Umweltschutzprojekten in Krankenhäusern durch staatliche Programme unter Berücksichtigung der EU-beihilferechtlichen Vorgaben.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die deutsche Krankenhausfinanzierung (KHG), das EU-Beihilferecht (Art. 107/108 AEUV), das Vergaberecht sowie die Konzepte zur Dienstleistung von allgemeinem wirtschaftlichem Interesse (DAWI).
Was ist das primäre Forschungsziel?
Das Ziel ist zu klären, unter welchen Bedingungen Krankenhäuser staatliche Fördermittel für Umweltschutzmaßnahmen erhalten können, ohne gegen europäisches Beihilferecht zu verstoßen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt eine rechtswissenschaftliche Analyse, die gesetzliche Bestimmungen und europarechtliche Vorgaben auf ein fiktives Fallbeispiel eines freigemeinnützigen Krankenhauses anwendet.
Was deckt der Hauptteil der Arbeit ab?
Im Hauptteil wird detailliert untersucht, ob staatliche Förderungen als Beihilfe einzustufen sind, wie diese gegebenenfalls mit dem Binnenmarkt vereinbar gemacht werden können und welche Risiken bei einer rechtswidrigen Beihilfe bestehen.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Arbeit?
Die zentralen Schlagworte sind Krankenhausfinanzierung, Beihilferecht, Investitionsförderung, DAWI und Umweltschutz.
Kann ein Krankenhaus in freigemeinnütziger Trägerschaft problemlos Umweltschutzprojekte fördern lassen?
Dies ist schwierig, da die Mittel im KHG zweckgebunden sind und zusätzliche Förderungen oft beihilferechtlich geprüft werden müssen, sofern sie nicht als Dienstleistung von allgemeinem wirtschaftlichem Interesse eingestuft werden.
Welche Rolle spielt die Abwasserentsorgung in der Arbeit als Beispiel?
Die Abwasserreinigung dient als konkretes Beispiel für eine Umweltschutzmaßnahme, bei der geprüft wird, ob sie als "Dienstleistung von allgemeinem wirtschaftlichem Interesse" (DAWI) eine beihilferechtlich zulässige Finanzierung ermöglichen könnte.
- Arbeit zitieren
- Thomas Joosten (Autor:in), 2017, Finanzierung von Umweltschutzprojekten in Krankenhäusern unter Zuhilfenahme staatlicher Förderprogramme unter dem Blickwinkel der Rahmenbedingungen des EU-Beihilferechts, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/379277