Fast 20.000 Beschwerden über Versicherungsunternehmen und –vermittler gab es 2015 beim Versicherungsombudsmann e.V. Die Insurance Distribution Directive, die von der EU-Kommission und der europäischen Versicherungsaufsicht EIOPA geschaffen wurde, soll diese Situation verbessern. Mit dem alleinigen Ziel des Verbraucherschutzes wird die IDD den Vertrieb von Versicherungen fundamental verändern. Die Richtlinie greift tief in die Geschäftsprozesse der Versicherer ein und setzt Mindeststandards, um dem Missbrauch von Informationsvorsprüngen gegenüber dem Versicherungskunden entgegenwirken: Produkte und Informationen müssen bedarfsgerecht und transparent vermittelt werden und Abläufe für den Kunden klar und nachvollziehbar gestaltet sein.
Dieses Buch beschäftigt sich mit den verschiedenen Facetten der IDD, die bis 2018 in deutsches Recht umgesetzt werden muss. Angefangen mit der Darstellung der Entstehung der IDD im europäischen Rechtsetzungsverfahrens, folgt eine kritische Betrachtung der daraus resultierenden Geschäftsmodellveränderungen des Versicherungsvertriebs sowie -betriebs. Schlussendlich rundet der Autor die Auswirkungsanalyse aus der Perspektive der Versicherungsnehmer ab.
Aus dem Inhalt:
- Insurance Distribution Directive;
- Insurance Mediation Directive;
- EU-Vermittlerrichtlinie;
- Verbraucherschutz;
- Versicherungsvermittlerrichtlinie;
- Versicherungswirtschaft
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung
1.3 Gang der Arbeit
2 Die Weiterentwicklung der Insurance Mediation Directive: Die Insurance Distribution Directive
3 Umsetzung der Insurance Distribution Directive
3.1 Die IDD als konzeptionelle Grundlage
3.2 Die erste deutsche Umsetzung: der Referentenentwurf
3.3 Die zweite deutsche Umsetzung: der Gesetzesentwurf
4 Auswirkungen der Insurance Distribution Directive auf ausgewählte Bereiche der Versicherungswirtschaft
4.1 Auswirkungen auf Geschäftsprozesse von Versicherungsunternehmen
4.1.1 Produktpolitik
4.1.2 Sortimentspolitik
4.1.3 Vertriebspolitik
4.2 Auswirkungen auf den Versicherungsvertrieb
4.2.1 Regulierung der Tätigkeitszulassung
4.2.2 Regulierung der Tätigkeitsausübung
4.2.3 Regulierungsintensität der Vertriebskanäle
4.2.4 Folgen der Regulierungsintensität
4.3 Auswirkungen auf die Versicherungsnehmer
5 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Auswirkungen der "Insurance Distribution Directive" (IDD) auf die deutsche Versicherungswirtschaft. Dabei wird analysiert, wie die IDD in deutsches Recht umgesetzt wurde und welche kausalen Folgen sich daraus für Versicherungsunternehmen, den Versicherungsvertrieb sowie Versicherungsnehmer ergeben. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Frage, ob die neuen regulatorischen Rahmenbedingungen zu einer tatsächlichen Verbesserung der Beratungsqualität führen.
- Historische Entwicklung und Einordnung der IDD im europäischen Kontext.
- Analyse des Umsetzungsprozesses der IDD in deutsches Recht.
- Auswirkungen der IDD auf die Produktpolitik und Geschäftsprozesse von Versicherern.
- Wettbewerbsrelevante Folgen der Regulierungsintensität für den Versicherungsvertrieb.
- Reflektion über den Verbraucherschutz und die Beratungsqualität für Versicherungsnehmer.
Auszug aus dem Buch
1.1 Problemstellung
Mit einem Anteil von 6,41 % am deutschen Bruttoinlandsprodukt und einer Mitarbeiterzahl von ca. 295.600 ist die Versicherungswirtschaft ein signifikanter Wirtschaftszweig in Deutschland. Sie charakterisiert sich durch die Produktion und Vermittlung von Versicherungsprodukten, die mittels einer Ausgabe von Zustandsgarantien einen Risikotransfer bewirken, mit dem Ziel die Risikosituation des Versicherungsnehmers (im nachfolgenden VN) zu verbessern. Ein solcher Risikotransfer bedingt unter marktwirtschaftlichen Bedingungen, dass beide Parteien das Geschäft als nutzenstiftend empfinden. Zur Bewertung dieses Risiko-Nutzen-Verhältnisses werden entsprechende Risikoinformationen benötigt. Diese, wie z. B. die Eintrittswahrscheinlichkeit, kann das Versicherungsunternehmen (im nachfolgenden VU) zwar durch den Besitz von Erfahrungswerten aus seinem versicherten Kollektiv bestimmen. Allerdings besitzt nur der VN selbst Kenntnis über die vollständigen Risikoinformationen einschließlich eventueller gefahrenerhöhender Umstände. Ein klassisches Beispiel hierfür ist die Risikolebensversicherung, bei der das VU zwar die Eintrittswahrscheinlichkeit nach dem Alter des VN bestimmt, diese sich aber noch durch Vorerkrankungen signifikant erhöhen kann. Aus dieser Perspektive ist das VU der Prinzipal, der auf eine vollständige Bereitstellung der Risikoinformationen des VN als Agenten angewiesen ist. Es besteht eine Informationsasymmetrie zu Gunsten des VN. Aus einer anderen Perspektive existiert eine weitere Prinzipal-Agenten-Beziehung. Bei der Erläuterung des Versicherungsumfangs vertraut der VN als Prinzipal darauf, dass das VU ihm eine bedarfsgerechte Versicherungsleistung anbietet. Um dies festzustellen, ist der VN auf die Lieferung von Informationen über den Versicherungsumfang und die versicherten Risiken seitens des VU angewiesen. Das VU besitzt somit, verstärkt durch die in der Regel fehlende versicherungstechnische Fachkompetenz des VN, einen Informationsvorsprung gegenüber dem VN. Im Kontext dieser Beziehung befinden sich beide Akteure in einem doppelten Prinzipal-Agent-Konflikt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in die ökonomische Relevanz der Versicherungswirtschaft ein, beleuchtet die existierende Informationsasymmetrie und Prinzipal-Agenten-Problematik und definiert das Ziel sowie den Aufbau der Untersuchung.
2 Die Weiterentwicklung der Insurance Mediation Directive: Die Insurance Distribution Directive: Es wird die historische Genese der europäischen Versicherungsregulierung von der IMD zur IDD dargestellt, wobei die Notwendigkeit einer neuen Richtlinie aufgrund unzureichender Harmonisierung erläutert wird.
3 Umsetzung der Insurance Distribution Directive: Dieses Kapitel analysiert den zweistufigen Umsetzungsprozess der IDD in Deutschland vom Referenten- bis zum Gesetzesentwurf und reflektiert dabei auftretende Abweichungen und Konkretisierungen.
4 Auswirkungen der Insurance Distribution Directive auf ausgewählte Bereiche der Versicherungswirtschaft: Der Hauptteil untersucht detailliert die Effekte der IDD auf die Produktpolitik (Produktentwicklung, -gestaltung, -management), die Sortimentspolitik sowie auf die Zulassung, Ausübung und Regulierungsintensität im Versicherungsvertrieb.
5 Zusammenfassung: Das Fazit fasst die wesentlichen Erkenntnisse über die IDD-Umsetzung zusammen und bewertet die Auswirkungen auf die Akteure des Marktes, insbesondere in Hinblick auf den Verbraucherschutz und die Wettbewerbsstrukturen.
Schlüsselwörter
Insurance Distribution Directive, IDD, Versicherungswirtschaft, Versicherungsvertrieb, Versicherungsnehmer, Produktpolitik, POG-Anforderungen, Versicherungsvermittler, Beratungspflicht, Verbraucherschutz, Markttransparenz, Informationsasymmetrie, Honorarberatung, Regulierung, Wettbewerbsstruktur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der "Insurance Distribution Directive" (IDD) und deren Auswirkungen auf die deutsche Versicherungswirtschaft, insbesondere auf die Prozesse von Versicherern und die Tätigkeit von Vermittlern.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentral sind die Umsetzung der europäischen Vorgaben in deutsches Recht, die Veränderungen in der Produktpolitik, die neuen Anforderungen an den Versicherungsvertrieb und der Schutz des Verbrauchers.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel ist es, die Auswirkungen der IDD aufzuzeigen und zu prüfen, ob die durch die Richtlinie intendierte Verbesserung der Beratungsqualität durch die neuen Rahmenbedingungen tatsächlich erreicht werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor führt eine Analyse auf Basis des aktuellen Wissensstandes zum Gesetzgebungsverfahren durch und nutzt ergänzend das 3-Ebenen-Modell von Haller, um die Auswirkungen auf die Produktgestaltung zu bewerten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im vierten Kapitel werden die Auswirkungen auf die Geschäftsprozesse von Versicherungsunternehmen, die Sortimentspolitik, die Vertriebspolitik sowie die spezifische Regulierungsintensität bei verschiedenen Vermittlertypen detailliert analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem IDD, Versicherungsvertrieb, Produktpolitik, POG-Anforderungen, Beratungsqualität und Informationsasymmetrie.
Inwiefern beeinflusst die IDD die Produktentwicklung bei Versicherern?
Die IDD führt durch die POG-Anforderungen dazu, dass Versicherer bereits in der Konzeptionsphase Zielmärkte definieren und Produktüberprüfungen sowie Stressszenarien durchführen müssen, was den Prozess aufwendiger und dokumentationsintensiver gestaltet.
Welche Konsequenzen ergeben sich durch die IDD für Versicherungsmakler (VM) und Versicherungsberater (VB)?
Die Richtlinie verschärft die Zulassungs- und Ausübungskriterien und führt zu einer zweidimensionalen Regulierungsintensität, wobei besonders Versicherungsmakler durch ihre provisionsbasierte Struktur vor neue Herausforderungen bei der Vergütungstransparenz und Haftung gestellt werden.
Wie bewertet der Autor die Rolle des Versicherungsnehmers in diesem Kontext?
Der Autor betont, dass die Wirksamkeit der IDD maßgeblich davon abhängt, ob Versicherungsnehmer die Unterschiede in der angebotenen Beratungsqualität und den Kostenstrukturen der Vermittlertypen überhaupt erkennen und entsprechend nachfragen können.
- Citar trabajo
- Mirko Domazet (Autor), 2017, Die Insurance Distribution Directive und die deutsche Versicherungswirtschaft. Entwicklung, Umsetzung und Auswirkungen der IDD, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/379295