In dieser Forschungsarbeit wird u.a. der militärsoziologische und völkerrechtliche Aspekt des arabisch-politischen Transformationsprozesses analysiert. Es geht im Kern um das Problem der politischen und sozioökonomischen Stagnation in der muslimisch-arabischen Diaspora. Hier spielen der militärsoziale Komplex sowie das Dogma islamischer Konfessionen eine wesentliche Rolle. Die Rechtsstaatlichkeit und der Begriff des Staates im Allgemeinen werden von der radikal-islamischen militaristischen Ideologie ad absurd geführt. Ein Demokratisierungsprozess auf pluralistischer und sozialer Basis erscheint ebenfalls unmöglich, weil der gesellschaftliche Diskurs immer durch die ständige Revolutionierung des Gewaltapparates unterdrückt wird.
Gewidmet ist diese Arbeit vor allem meinen Professoren Karl-Peter Sommermann und Prof. Dietmar Schößler, sowie Prof. Jochen Hörisch und General Millotat. Insbesondere jedoch gilt diese Arbeit meiner Familie und Ugur Caglar. Besonders gilt sie auch Dilara Kalmis die mir sehr viel bedeutet.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung und Forschungsstand
Dar as-salam und Dar el-harab
Die kulturelle Hegemonialachse verschiebt sich von West nach Ost
Forschungsstand
I. Global Governance – Theorie zur Institutionalisierung des Völkerrechts
1. Völkerrecht als Exekutiv – und Normensystem zur Beilegung globaler Krisen
2. Völkerrecht als Legitimationsfrage
II. Der Staatsbegriff in seinem Inhalt
1. Der Staatsbegriff als Teil der Sozialordnungsdifferenzierung
2. Die Positivierung des Rechts und die Abkehr von religiösen Dogmen
3. Der Rechtsstaat als administrative Delegierung zwischen Staat und Gemeinwesen und Formung des Verfassungsvertrages
III. Der Rechtsstaat als Grundlage des Rechtssicherheitsstaates
1. Die Behemotisierung stellt den Rechtsstaat im Okzident und Orient vor große Herausforderungen
2. Der ungleiche Kampf des Rechtsstaates gegen die ideologisierte Kampfform
3. Der Rechtsstaat als Teil des Verteidigungswillens der Zivilgesellschaft im in Ost und West
IV. Die Neuen Arten der Kriegführung als Herausforderung für staatliche Ordnung im Abendland und im transformierenden Morgenland
1. In der asymmetrischen Konfliktsituation spielt das Kräfteverhältnis eine fast untergeordnete Rolle
2. Der asymmetrische Akteur baut auf die Kontinuität der militärischen Schlagkraft und das langfristige ökonomische Zerrmürben
3. Ein Krieg ohne Kriegserklärung
V. Der Staat in der völkerrechtlichen Definition
1. Der Staat als soziales Wesen, nach G. Jellinek
2. Der Staat als Kontinuität und Diskontinuität der Geschichte
3. Der Staat als kollektiver Verband
4. Individualistisch-objektive versus kollektivistisch-kosmopolitische Theorie
5. Der Staat als Sachwalter von Rechten und Pflichten
6. Der Staat und die ökonomische Ordnung
VI. Der Verfassungsbegriff
1. Der Verfassungsbegriff in seiner historischen Bedeutung
2. Der Verfassungsbegriff und verfassungsgebende Gewalt
3. Die Verfassung als lebendig-politisches Objekt
VII. Das islamische Staats- und Normenverständnis
1. Der Islam in seinem Sein als Eigenschaft
2. Der Begriff des Kafir - Ungläubigen
3. Die Tauhid-Lehre im orthodoxen Islam
4. Die Bedeutung des Kalima - Glaubensbekenntnisses
5. Der Begriff der Scharia
6. Der Terminus des Fiqh
7. Die soziologische Rechtstheorie Ibn Chalduns als relativistische Rechtsdenkschule
8. Diesseitige und jenseitige Rechtsnormen
VIII. Der arabische Nationalismus als Gegenkonzept zum kosmopolitischen islamischen Staat
1. Bourguiba und das Verhältnis zum Islam in Tunesien
2. Bourguiba im Widerstreit mit Theologen aus der islamischen Hemisphäre
IX. Das politische Ordnungssystem in verschiedensten theoretischen Ansätzen
1. Die Demokratie als politischer Kampfbegriff
2. Definitionsbereich der Begrifflichkeit Demokratie
3. Demokratie als Prozessresultat
4. Die postmoderne Demokratietheorie
5. Demokratietheorien der Moderne - Von Max Webers Herrschaftssoziologie zu Anthony Downs ökonomsiertes Demokratieverständnis
6. Schumpeters differenter Theorie Ansatz
7. Das pluralistische Demokratiekonzept
8. Das Partizipatorische Konzept der Demokratie
9. Die Theorie der komplexen Demokratie
10. Kritische Betrachtung der Demokratie
11. Neofunktionale Systemlehre von Niklas Luhmann (Speyrer Richtung)
12. Jürgen Habermas formaldemokratische Lehre (Frankfurter Schule)
X. Das Gesellschafsgefüge als Grundlage des Verständnisses des militärsozialen Komplexes in der arabischen Diaspora
1. Der Gesellschaftsbegriff nach R. Lepsius
2. Das Weimarer Parteiensystem als Problemfaktor in der westlichen Diaspora
3. Der Klassenbegriff nach Lepsius
4. Die Jeunes Arabic und gesellschaftspolitische Bewegung und die Militärindoktrination
5. Die militärisch-arabische Indoktrination auf Grundlage der deutschen Militärideologie
XI. Die arabischen Gewaltapparate als politische und ökonomische Machtfaktoren
1. Der militärsoziale Komplex als Konservator der archaischen Strukturen im arabisch geostrategischen Raum
2. Das militarisierte ökonomische System und die Stagnation
3. Die Revolutionierung des orientalischen Gewaltapparates versus einer modernen arabischen Jugend
XII. Der Begriff der Revolution
1. Freiheit als Grundsatz des Revolutionsbegriffs
2. Freiheit und Sicherheit als Teile eines revolutionären Systemwechsels
3. Die arabisch-islamische Revolution als Phänomen der ständigen kriegerischen Auseinandersetzung
XIII. Definition des Terminus des Krieges
1. Einfache Betrachtung des Begriffs
2. Staatsrechtliche Festlegung des Begriffs
3. Der Krieg nach Clausewitz
4. Würdigung von Clausewitz‘ soziologischer Kriegslehre und Kriegsdefinition
5. Moltkes perfektionierter Kriegsbegriff
6. Die Kriegsvorstellungen am Vorabend des Ersten Weltkrieges und die Wehrpflicht
7. Der Begriff des Krieges in der Gegenwart und Zukunft und die Notwendigkeit eines dominanten Primats der Politik
XIV. Der orientalisch-islamische Staat aus historischer Perspektive
1. Die arabischen Gewaltapparate als revolutionäre Wesen militärsozialen Komplex
2. Die El-Thoura el Arabija als nationalistisches Fundament des militärsozialen Komplexes
3. Der Militärputsch als Mittel der staatlichen Machterhaltung und Machtaustradierung
XV. Der Versuch einer neuen revolutionären Staatsstruktur in der arabischen Hemisphäre und dessen Scheitern
1. Die Militärtechnokratie und die korrupte Misswirtschaft als ständiger Zyklus
2. Der Bummerrang der „liberal-bürgerlichen“ Revolution zu einem extremistisch-militärisch islamischen Feldzug im Nahen-Osten und die Schwächen der neuen arabischen Strukturen
Vorläufige Schlussbetrachtung und Vorausschau
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die politische Transformation im islamischen Raum und die damit verbundene Frage, ob sich dieser Prozess als echte demokratische Revolution oder lediglich als Neuformierung autokratisch-militärischer Machtstrukturen beschreiben lässt. Der Fokus liegt dabei auf der Analyse der soziokulturellen und geopolitischen Gegebenheiten sowie der Rolle des Militärs und religiöser Normen als Machtfaktoren.
- Die Rolle des Militärs als Konservator archaischer Machtstrukturen.
- Die Divergenz zwischen westlichen Rechtsstaatskonzepten und dem islamisch-orientalischen Staatsverständnis.
- Einfluss von Global Governance und völkerrechtlichen Normen auf regionale Transformationsprozesse.
- Kulturelle und religiöse Determinanten als Hindernisse für westlich geprägte Demokratisierung.
- Die Dynamik zwischen politischer Stagnation, wirtschaftlicher Misswirtschaft und aufkommenden revolutionären Bewegungen.
Auszug aus dem Buch
Die kulturelle Hegemonialachse verschiebt sich von West nach Ost
Nun ist sicherlich fest zu halten, dass in einer Zeit der universellen Zivilisation, hierunter ist zu verstehen, dass es grundsätzlich Verständnis von gemeinsamen Werten, Normen, Praktiken und institutionellen Strukturen gibt auf die sich alle Kulturkreise durchaus haben einigen können. Durchaus lässt damit auch verbinden, dass die Universalität des Kulturbegriffes auf Annahmen wie auch Doktrinen beruht die sowohl von der westlich-abendländischen Kultur anerkannt werden, wie möglicherweise auch von anderen Kulturen kreisen nicht westlicher Coleur.
Man könnte hier wie Huntigton, das tut auch von Davos-Kultur sprechen, weil gerade hier, dass Good-governance-Konzept gelebt wird und zumindest versucht wird dieses hier zur Praxis zu bringen. Der Glaube allerdings, dass durch westliche Güter oder gar westlichen Materialismus nicht-westliche Kulturkreise dazu gebracht würden sich westlichen Normen und Werten anzuschließen und sogar die abendländische Kultur annehmen würden ist und bleibt größtenteils ein Irrglaube. Die Kommunikationsrevolution unserer Tage verstärkt zum großen Teil die Fehleinschätzung der abendländischen Kultur gegenüber anderen Kulturkreisen überlegen zu sein. Hierbei kann auch von einer kommunikativen Hegemonie oder sogar von einem kommunikativen Hegemonialanspruch gesprochen werden.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung und Forschungsstand: Die Einleitung beleuchtet die These vom "Kampf der Kulturen" und analysiert, wie kulturelle Identitäten und geostrategische Interessen die weltpolitischen Bruchlinien bestimmen, anstatt klassischer ökonomischer Interessen.
I. Global Governance – Theorie zur Institutionalisierung des Völkerrechts: Dieses Kapitel erörtert die Rolle des Völkerrechts als exekutives Normensystem und diskutiert die Legitimationsproblematik globaler Governance-Strukturen in Zeiten hybrider Kriegführung.
II. Der Staatsbegriff in seinem Inhalt: Es wird der Wandel des westlichen Staatsverständnisses untersucht, von naturrechtlichen Ursprüngen hin zur Positivierung des Rechts im Rechtsstaat als Ausdruck einer komplexen gesellschaftlichen Rollendifferenzierung.
III. Der Rechtsstaat als Grundlage des Rechtssicherheitsstaates: Die Untersuchung befasst sich mit den Herausforderungen, denen sich der Rechtsstaat im Okzident und Orient durch ideologisch geprägte, "behemotische" Gewaltstrukturen gegenübersieht.
IV. Die Neuen Arten der Kriegführung als Herausforderung für staatliche Ordnung im Abendland und im transformierenden Morgenland: Hier werden asymmetrische Konfliktformen analysiert, bei denen nicht die quantitative Stärke, sondern qualitative Faktoren und langfristiges ökonomisches Zermürben eine entscheidende Rolle spielen.
V. Der Staat in der völkerrechtlichen Definition: Basierend auf G. Jellinek wird der Staat als soziales und juristisches Gebilde analysiert, wobei die Wechselwirkung zwischen staatlicher Souveränität, kollektiver Identität und ökonomischer Ordnung im Fokus steht.
Schlüsselwörter
Global Governance, Rechtsstaat, Völkerrecht, Islamische Staatslehre, Arabischer Nationalismus, Transformation, Asymmetrische Kriegführung, Militärsozialer Komplex, Demokratisierung, Politische Kultur, Legitimation, Identität, Soziale Ordnung, Geopolitik, Institutionenanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die politische Transformation in der islamisch geprägten Welt und setzt sich kritisch mit der Anwendbarkeit westlicher Demokratiemodelle und Rechtsstaatskonzepte auf diesen geostrategischen Raum auseinander.
Welches sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Rolle des Militärs, das islamische Normenverständnis, den arabischen Nationalismus sowie die Herausforderungen asymmetrischer Konfliktführung für moderne staatliche Ordnungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Beantwortung der Forschungsfrage, ob die gegenwärtigen politischen Transformationsprozesse in der arabischen Welt tatsächlich revolutionäre und rechtsstaatliche Tendenzen aufweisen oder ob sie eine bloße Neuformierung autokratisch-militaristischer Strukturen darstellen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit nutzt eine institutionenanalytische und politikwissenschaftliche Herangehensweise, ergänzt durch eine tiefgreifende soziologische Betrachtung der Machtstrukturen unter Heranziehung von Theoretikern wie Max Weber, Niklas Luhmann und R. Lepsius.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in Analysen zum Rechtsstaat, zur Theorie des Völkerrechts, zur islamischen Staats- und Normenlehre sowie zu den Auswirkungen des militärsozialen Komplexes auf die ökonomische und politische Stabilität in der Region.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem "Behemotisierung", "Militärsozialer Komplex", "Asymmetrische Kriegführung" und "Transformationsprozess".
Wie unterscheidet sich die Auffassung von Demokratie im Orient von westlichen Ansätzen?
Im Orient wird Demokratie häufig als nationalistisches oder religiös-dogmatisches Instrument betrachtet, das stark mit der Macht des Militärs und ideologischen Vorstellungen verknüpft ist, anstatt als prozessuales System individueller Teilhabe und Rechtsstaatlichkeit.
Welche Rolle spielt das Militär in den untersuchten arabischen Staaten?
Das Militär fungiert oft nicht als neutrales Staatsorgan, sondern als "Deep State" und wirtschaftlicher Akteur, der primär die Erhaltung der eigenen Machtstruktur sichert und eine echte politische oder gesellschaftliche Reform blockiert.
Warum hält der Autor die "arabische Revolution" für eine stagnierende Transformation?
Der Autor argumentiert, dass die Umstürze oft nur die militärische Führungsschicht ausgetauscht oder neu justiert haben, ohne dabei die fundamentalen, archaischen Machtstrukturen oder die korrupten ökonomischen Zyklen aufzubrechen.
- Citar trabajo
- Ilya Zarrouk (Autor), 2017, Der Transformationsprozess in der arabischen Welt unter völkerrechtlicher und militärsoziologischer Berücksichtigung, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/379296