Im zeitlichen Wandel unserer Gesellschaft erfährt Bildung einen immer höheren Stellenwert. Während die Entwicklung weg von der Industrialisierung und von der verarbeitenden Industrie hin zu Dienstleistungen, Infrastruktur, Verkehr und dem Forschungs- und Bankenwesen voran geht, ist ein guter Bildungsabschluss Grundvoraussetzung für die berufliche Laufbahn.
In Zeiten der Globalisierung gilt das Motto: "höher, schneller, weiter", wer da nicht mithalten kann, endet schnell am Rande der Gesellschaft. Schon die Kleinsten spüren den Leistungsdruck, spätestens in der Phase der "Übertrittempfehlung" von der Grundschule zum Gymnasium oder dem Wechsel zur Regelschule. Der Eintritt in ein Gymnasium ist ein einschneidender Teilabschnitt für die 10- bis 11-Jährigen und suggeriert den "besseren" Bildungsweg, den Weg zum Studium und der Karriere.
Derzeit arbeite ich ehrenamtlich in der Arbeitsgruppe ABC der Landesgesundheitskonferenz und weiß um die Schwierigkeiten, die Politik zeitweise zur Umsetzung von Gesetzentwürfen hat. In der Gruppe sind Leistungserbringer, Sozialversicherungsträger, Spitzenverbände der freien Wohlfahrtspflege, Institutionen der Wirtschaft und der Arbeitnehmer, die Selbsthilfe, Einrichtungen der Gesundheitsvorsorge und des Patientenschutzes, Institutionen der Wissenschaft sowie Mitglieder der Landesregierung vertreten.
Momentan formulieren wir Wirkungsziele für Thüringen für den Bereich "gesund aufwachsen", indem die Unterstützung in Diagnostik und Gesundheitsförderung für Kinder mit erhöhtem Förderbedarf einen großen Schwerpunkt beinhaltet. Was kann Politik hier leisten, um die Chancengleichheit zu gewährleisten?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Entwicklung der Bildungspolitik bis heute
3. Was bedeutet AD(H)S im Unterricht?
3. 1. Hilfe durch sonderpädagogischen Förderbedarf
4. Bildungspolitik– zwischen Anspruch und Wirklichkeit
5. Jenaplan- Schule
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Herausforderungen des inklusiven Schulsystems in Deutschland für Kinder mit AD(H)S. Im Zentrum steht dabei die Frage, wie politische Rahmenbedingungen und didaktische Konzepte wie das Jenaplan-Modell dazu beitragen können, Chancengleichheit und individuelle Förderung trotz diagnostizierter Teilleistungsstörungen zu gewährleisten.
- Historische Entwicklung der Bildungspolitik in Deutschland
- Definition und Symptomatik von AD(H)S im schulischen Kontext
- Sonderpädagogischer Förderbedarf und Inklusionsstrategien
- Diskrepanz zwischen bildungspolitischem Anspruch und schulischer Realität
- Das Jenaplan-Konzept als Modell für heterogene Lerngruppen
Auszug aus dem Buch
3. Was bedeutet AD(H)S im Unterricht?
Aufmerksamkeitsdefizit- (Hyperaktivität)- Störung bezeichnet ein auffälliges Verhalten hinsichtlich der Konzentration, Aufmerksamkeit, Impulskontrolle und Selbstregulation. Nach der internationalen Klassifikation von Krankheiten International Classification of Diseases (ICD-10), der WHO (Weltgesundheitsorganisation) gehört AD(H)S zur Gruppe der Verhaltens- und emotionalen Störungen im Kindes- und Jugendalter. (Versorgungsatlas, 2015). Pro Jahr werden in Deutschland ca. 250.000 Kinder mit dieser Diagnose gezählt und gehört somit zu der am häufigsten diagnostizierten psychischen Störung im Kindes- und Jugendalter. (ebd.). 85 % der Betroffenen zeigen weitere Symptome, die als Komorbidität bezeichnet werden und sich in Teilleistungsstörungen, wie bspw. Lese-, Rechtschreibschwäche, Rechenschwäche oder im Sozialverhalten äußert, wobei Jungen 3- 6 mal häufiger betroffen sind, als Mädchen (Saldern, 2013: 48f.). Die Auffälligkeiten können je nach Schweregrad variieren und reichen von hoch aktiven, lauten Kindern, denen das still sitzen schwer fällt, bis zu besonders ruhigen Kindern, die meist nur durch schlechte Noten auffallen.
Im Unterricht werden die Kinder als störend empfunden, da sie die anderen Schüler vom lernen ablenken. Durch die geringe Konzentrationsfähigkeit sind diese teilweise langsamer, desinteressierter oder aber gelangweilter, als ,normale‘ Kinder, wodurch Lehrer und Erzieher an die Grenze der Belastbarkeit im Schulalltag gelangen (vgl. ebd.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die historische Rezeption von AD(H)S und stellt die aktuelle bildungspolitische Relevanz der Förderung von Kindern mit erhöhtem Unterstützungsbedarf dar.
2. Die Entwicklung der Bildungspolitik bis heute: Dieses Kapitel skizziert den Wandel des deutschen Bildungssystems von der preußischen Zucht-Erziehung über die Teilung in DDR und BRD bis hin zur aktuellen Struktur als Ländersache.
3. Was bedeutet AD(H)S im Unterricht?: Hier werden die medizinischen und psychologischen Grundlagen von AD(H)S dargelegt sowie deren Auswirkungen auf den Schulalltag und das Lernumfeld beschrieben.
3. 1. Hilfe durch sonderpädagogischen Förderbedarf: Der Abschnitt erläutert die rechtlichen und pädagogischen Rahmenbedingungen für sonderpädagogische Unterstützung sowie die verschiedenen Bereiche des Förderbedarfs.
4. Bildungspolitik– zwischen Anspruch und Wirklichkeit: Das Kapitel analysiert die kritische Diskrepanz zwischen dem inklusiven Anspruch und der praktischen Umsetzung an deutschen Schulen unter Berücksichtigung der Pisa-Ergebnisse.
5. Jenaplan- Schule: Diese Sektion stellt das reformpädagogische Modell der Jenaplan-Schule vor, das durch altersübergreifende Stammgruppen und individuelle Förderung eine Alternative zum leistungsorientierten Schulmodell bietet.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und fordert eine stärkere Verzahnung von Politik und Bildungseinrichtungen, um den Anforderungen an Inklusion gerecht zu werden.
Schlüsselwörter
Bildungspolitik, AD(H)S, Inklusion, Sonderpädagogischer Förderbedarf, Jenaplan, Chancengleichheit, Leistungsdruck, Schulentwicklung, Heterogene Lerngruppen, Komorbidität, Diagnose, Pädagogik, Lernstörung, Schulalltag, Reformpädagogik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Situation von Kindern mit AD(H)S im deutschen Bildungssystem und der Frage, wie durch inklusive Ansätze eine bessere Teilhabe ermöglicht werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten zählen die historische Einordnung der Bildungspolitik, die medizinische Definition von AD(H)S, die gesetzlichen Grundlagen sonderpädagogischer Förderung und die Analyse von Schulformen wie der Jenaplan-Schule.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Politik und Schule gemeinsam Hindernisse bei der Umsetzung von Inklusion überwinden können, um Kindern mit besonderem Förderbedarf gerechtere Bildungschancen zu bieten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin stützt ihre Argumentation auf eine Literaturanalyse bestehender bildungspolitischer Rahmenpläne, medizinischer Klassifikationen und reformpädagogischer Konzepte sowie auf eigene Erfahrungen aus der Gremienarbeit.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Aufarbeitung des Bildungssystems und des Störungsbildes AD(H)S sowie eine praktische Betrachtung des Jenaplan-Konzepts als Lösungsmodell für heterogene Lerngruppen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie Inklusion, Bildungspolitik, AD(H)S, Förderbedarf und Chancengleichheit definieren.
Warum ist das Jenaplan-Modell besonders für Kinder mit AD(H)S geeignet?
Das Modell verzichtet auf starre Jahrgangsgruppen und Leistungsselektion, was Schülern ermöglicht, in ihrem eigenen Tempo zu lernen und durch eine familiäre Atmosphäre Ängste und Konkurrenzdruck abzubauen.
Welche Rolle spielt die Politik bei der Inklusion?
Die Politik trägt die Verantwortung für die strukturellen Rahmenbedingungen und die einheitliche Umsetzung des Inklusionsgedankens, wobei die Arbeit kritisiert, dass hierbei derzeit noch zu große regionale Diskrepanzen bestehen.
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- Anonym (Autor), 2017, Chancengleichheit in der Bildungspolitik bei Kindern und Jugendlichen mit Förderbedarf in der Jenaplan-Schule, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/379300