Die Orthodoxe Kirche verehrt die Heiligen als Sieger über die Sünde, als Leute, die Tugend durch frommes Leben erlangt haben. Diese Ehre wird ausgedrückt durch: die Bestimmung eines speziellen Erinnerungstags für sie, durch Aufbau von Kirchen, die ihnen gewidmet sind, durch Verehrung ihrer heiligen Reliquien und die Abbildung ihrer Gestalten auf den heiligen Ikonen, in den Lobpreisungen ihres Lebens und Tugend durch die Hymnographie und durch das Erbitten ihrer Fürsprache für uns.
Erste bekannte Zeugnisse von einem Kult für einen Heiligen finden sich seit der Mitte des 2 Jh. n.Ch. Nach dem Tod des 86-jährigen Bischofs von Smyrna, Polykarp (23.02.156).
Zwei alttestamentlichen Gestalten sind besonders interessant in diesem Hinsicht – Jona und Elija. Die sind aber nur ein kleiner Teil der reichen hymnographischen Schatzkammer aus der klassischen byzantinischen Periode der Orthodoxie (orthodoxia byzantina), mit einigen Parallelen im gottesdienstlichen Schaffen der slavia orthodoxa.
Dieser kurze Einblick in die hymnologische Lobpreisung hat nicht den Anspruch, ausführlich zu sein, aber er belegt ein neues Herangehen an die christliche Hymnographie als eine eigene Art biblischer Exegese.
Inhaltsverzeichnis
1. Biblische Gestalten aus dem Alten Testament im Orthodoxen Gottesdienst. Die Heiligen Elija und Jona.
2. Die Orthodoxe Kirche verehrt die Heiligen als Sieger über die Sünde
3. Exkurs: Anordnung der Feiertage nach ihrer Wichtigkeit
4. Stellung des Propheten Jona im Gottesdienst
5. Basis für die christliche Hymnographie
6. Exkurs: Oden, Kanon, Hirmos und Troparion
7. Entstehen und die Entwicklung des Kanons
8. Wo und wie kommen die Gestalten der beiden alttestamentlichen Propheten Elija und Jona im Gottesdienst vor?
9. Die Verehrung des Propheten Elia
10. Die Lesung des Evangeliums in der Liturgie
11. Nun zu Jona
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung und Darstellung der alttestamentlichen Propheten Elija und Jona innerhalb der orthodoxen Liturgie und Hymnographie und analysiert, wie biblische Figuren in gottesdienstliche Texte integriert und exegetisch interpretiert werden.
- Verehrung von Heiligen und biblischen Propheten in der Orthodoxen Kirche
- Strukturelle Bedeutung des Kanons, der Hirmoi und Troparien in der byzantinischen Hymnographie
- Liturgische Einbindung des Propheten Elija und seine Darstellung als Vorbild und Fürsprecher
- Typologische und messianische Deutung des Propheten Jona im Kontext von Buße und Auferstehung
- Verbindung von biblischer Poesie und gottesdienstlicher Praxis
Auszug aus dem Buch
Wo und wie kommen die Gestalten der beiden alttestamentlichen Propheten Elija und Jona im Gottesdienst vor?
Die Gestalt des alttestamentlichen Propheten kennen wir aus der Heiligen Schrift und aus der Überlieferung. Der biblische Zyklus von Erzählungen über Elia im 1. und 2. Königebuch berichtet von einem israelitischen Propheten, dessen Dienst während des 8. Jahrhunderts geschah. Die fünf beschriebenen Episoden von seinem Leben beschäftigen sich mit dem Kampf zwischen der Anbetung von Jahwe und Baal, dem offiziellen Gott von Tyros, der in Israel durch die Königin Isebel eingeführt worden war. Die sechste Episode betrifft die wunderbare Himmelfahrt Elijas mit dem feurigen Wagen.
Die Persönlichkeit des Propheten und sein Dienst stellen ein interessantes Moment in der alttestamentlichen Prophetie dar, einen eigenartigen Übergang zwischen den früheren Propheten (Kultpropheten) und den späteren Propheten (Schriftsteller). Sein Benehmen erinnert an Samuel, den Mann der geistlich unerschütterlichen Tat, und seine Worte an Amos mit seinem unermüdlichen Aufruf zum Bewahren des Gesetzes (der Tora).
Die Autorität Elijas ist unbestritten. Seine Zeitgenossen nennen ihn „Mann Gottes“ (1 Könige 17:18), weil er des Herren Wort in eigenem Munde hat (Vers 24), knien vor ihm (1 Könige 18,7; 2 Könige 1,13) und glauben, dass er vom Geist des Herren erfüllt ist (1 Könige 18,12). Besonders interessant sind auch andere biblische Zeugnisse aus der deuterokanonischen (apokryphen) Literatur. Der weise Sirach schreibt in seinem „Preis der Väter“: Und der Prophet Elia brach hervor wie ein Feuer, und sein Wort brannte wie eine Fackel; er brachte eine Hungersnot über sie und verrringerte ihre Anzahl durch seinen Eifer. Denn durch das Wort des Herrn schloß er den Himmel zu; dreimal brachte er Feuer herab.
Zusammenfassung der Kapitel
Die Orthodoxe Kirche verehrt die Heiligen als Sieger über die Sünde: Beschreibt die Grundlagen der Heiligenverehrung in der Orthodoxen Kirche und die Bedeutung von Reliquien, Ikonen und Festtagen.
Exkurs: Anordnung der Feiertage nach ihrer Wichtigkeit: Erläutert die liturgische Hierarchie der Heiligenfeste, die von Hochfesten bis hin zu einfachen Gedenktagen reicht.
Stellung des Propheten Jona im Gottesdienst: Definiert die Position von Jona als „kleinerem“ Heiligen innerhalb der orthodoxen Tradition im Gegensatz zum prominenten Eliatag.
Basis für die christliche Hymnographie: Analysiert den Einfluss des Alten Testaments und der jüdischen Liturgie auf die Entstehung christlicher Hymnen und Gebetsformeln.
Exkurs: Oden, Kanon, Hirmos und Troparion: Bietet eine terminologische Klärung der hymnographischen Formen und deren biblischer Verwurzelung.
Entstehen und die Entwicklung des Kanons: Beschreibt die historische Entwicklung der Kanon-Form und deren Rolle im klösterlichen Leben des Ostens.
Wo und wie kommen die Gestalten der beiden alttestamentlichen Propheten Elija und Jona im Gottesdienst vor?: Untersucht die Einbettung der Prophetenfiguren in die Vesper- und Morgengottesdienste sowie deren biblischen Hintergrund.
Die Verehrung des Propheten Elia: Detailbetrachtung der liturgischen Texte und der Bedeutung des Eliatages innerhalb des Kirchenjahres.
Die Lesung des Evangeliums in der Liturgie: Erörtert die neutestamentliche Rezeption der Propheten, insbesondere in Bezug auf die Tabor-Ereignisse.
Nun zu Jona: Beleuchtet die hymnologische Rezeption des Jona-Liedes als Bußruf und als messianischen Prototyp für Christi Auferstehung.
Schlüsselwörter
Orthodoxe Kirche, Hymnographie, Prophet Elija, Prophet Jona, Kanon, Hirmos, Troparion, Menäen, Altes Testament, Biblische Exegese, Heiligenverehrung, Liturgie, Byzanz, Buße, Messianische Deutung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die gottesdienstliche Verehrung und hymnographische Darstellung der alttestamentlichen Propheten Elija und Jona in der Orthodoxen Kirche.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der liturgischen Einbindung biblischer Figuren, der Struktur des byzantinischen Kanons und der Entwicklung der Hymnographie als Form der Schriftauslegung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie die Gestalten Elija und Jona durch spezifische liturgische Texte und Gesänge im Bewusstsein der Gläubigen verankert und exegetisch interpretiert werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine kirchengeschichtliche und liturgiewissenschaftliche Analyse angewandt, die primärquellenbasierte Vergleiche mit liturgischen Büchern wie den Menäen durchführt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der historischen Entwicklung der Heiligenverehrung, den hymnographischen Gattungen wie Hirmos und Troparion sowie der spezifischen gottesdienstlichen Rolle von Elija und Jona.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Orthodoxe Kirche, Hymnographie, Kanon, Prophet Elija, Prophet Jona, Biblische Exegese und Liturgie.
Warum wird Elija im Gottesdienst als "Engel in Fleisch" bezeichnet?
Dieser Titel im Otpustitelnia Tropar unterstreicht die außergewöhnliche geistliche Stellung Elijas, seine Nähe zu Gott und seine Rolle als Vorläufer des Jüngsten Gerichts.
Welche Bedeutung hat das Jona-Lied für die orthodoxe Hymnographie?
Das Jona-Lied dient als zentrales Motiv für die Themen Buße, Umkehr und als messianischer Prototyp für den dreitägigen Aufenthalt Christi im Grab und seine anschließende Auferstehung.
- Citar trabajo
- Ass. Prof. Dr. Ivaylo Naydenov (Autor), 2017, Biblische Gestalten aus dem Alten Testament im Orthodoxen Gottesdienst. Die Heiligen Elija und Jona., Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/379443