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Chancen und Grenzen der MINT-Förderung für Mädchen

Die geschlechtertheoretische Sicht

Título: Chancen und Grenzen der MINT-Förderung für Mädchen

Tesis (Bachelor) , 2015 , 47 Páginas , Calificación: 1,0

Autor:in: Simone Steiner (Autor)

Pedagogía - Sistemas educativos, políticas educativas
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Im Zuge der Bildungsreformen der 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts wurde die Benachteiligung der Mädchen im allgemeinbildenden Schulsystem nach und nach aufgehoben. Mittlerweile haben die Mädchen die Jungen hier sogar überflügelt, was sich in anteilig höheren Quoten beispielsweise des Gymnasiumbesuchs oder der Höhe der Schulabschlüsse niederschlägt. Auffällig ist jedoch, dass nach vor scheinbar geschlechtsspezifische Präferenzen, was Fächer- und Berufswahl angehen, sehr deutlich in Erscheinung treten. Studien wie PISA und TIMSS zeigen außerdem auf, dass sich spätestens ab der Sekundarstufe I auch Leistungsunterschiede in den sogenannten MINT1-Fächern zuungunsten der Mädchen feststellen lassen. Im Ergebnis scheinen Mädchen ihren Vorteil aus dem allgemeinbildenden Schulsystem nicht in Studium und Beruf zu transferieren, indem sie sich en gros auf wenige, traditionell weiblich konnotierte Ausbildungs- und Studiengänge beschränken, die dann im Berufsleben vergleichsweise schlechtere Verdienste und Karrieremöglichkeiten bieten. Dies wird im zweiten Kapitel der Arbeit referiert.

Im Zuge dieser Befunde einerseits, die weiterhin auf eine Ungleichheit qua Geschlecht hinweisen, und dem demographischen Wandel und allseits beklagten Fachkräftemangels andererseits, wurden nunmehr seit einigen Jahren Initiativen und Projekte ins Leben gerufen, die sich der Förderung von Mädchen im MINTBereich widmen. Durch verschiedene Maßnahmen soll den Mädchen der MINTBereich näher gebracht werden, ihnen die Scheu vor Fächer- und Berufswahl in diesem Bereich genommen werden.

Leitendes Forschungsanliegen dieser Arbeit soll nun sein, die Chancen und Grenzen dieser MINT-Förderung für Mädchen aus geschlechtertheoretischer Sicht auszuloten. Zielgruppe sind Mädchen der Sekundarstufe I.

Extracto


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Mädchen im allgemeinen Bildungssystem – kurzer historischer Rückblick und Bestandsaufnahme

2.1 Empirische Befunde PISA,IGLU, TIMSS

2.2 Konsequenzen für Studienfach- und Berufswahl

3. Geschlechtertheorien

3.1 Sozialisation im kulturellen System der Zweigeschlechtlichkeit

3.2 Doing Gender

4. Doing Gender im allgemeinbildenden Schulsystem

4.1 Doing Gender seitens der Eltern

4.2 Doing Gender seitens der Lehrkräfte

5. MINT-Förderung für Mädchen – Chancen und Grenzen

5.1 Das Beispiel Ada-Lovelace-Projekt Rheinland-Pfalz

5.2 Empirische Befunde

5.2.1 Entwicklung des Anteils der Studentinnen in den MINT-Fächern

5.2.2 Evaluative Ergebnisse der Projektaktivitäten

5.3 Chancen und Grenzen der MINT-Förderung aus geschlechtertheoretischer Sicht

6. Fazit und Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Wirksamkeit von MINT-Förderprogrammen für Mädchen der Sekundarstufe I. Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen dem schullaufbahnbezogenen Erfolg von Mädchen und ihrem Wahlverhalten bei der Berufs- und Studienwahl vor dem Hintergrund geschlechtertheoretischer Ansätze zu analysieren und Chancen sowie Grenzen derartigen Fördermaßnahmen aufzuzeigen.

  • Sozialisation im kulturellen System der Zweigeschlechtlichkeit
  • Mechanismen des „Doing Gender“ in Familie und Schule
  • Evaluation des Ada-Lovelace-Projekts
  • Geschlechtertheoretische Reflexion von Fördermaßnahmen
  • Analyse von Defizitzuschreibungen und Karriereaspirationen

Auszug aus dem Buch

3.2 Doing gender

Auf den Usus, die Differenzierung des männlichen und weiblichen Geschlechts auf biologische Unterschiede einzuschränken, haben angloamerikanische Feministinnen in den 1960er Jahren mit der Abgrenzung der Begrifflichkeiten von „sex“ und „gender“ reagiert. Der Begriff „sex“ wird üblicherweise mit "biologisches Geschlecht" übersetzt und anatomisch definiert. Der Begriff „gender“ wird in der Regel in der Bedeutung von "sozialem Geschlecht" verwendet und stellt auf die soziale Konstruktion von geschlechtsspezifischen Rollen, Normen, Verhaltenserwartungen und Attributen ab. Die begriffliche Unterscheidung von sex und gender hat enorme Vorteile gebracht, um gegen die Definitionsmacht der Geschlechterunterscheidung als biologisch determiniert argumentieren zu können. (vgl. Küppers, 2011, S. 24) „Sie enttarnte gender als soziales Konstrukt und deckte auf, dass dichotome Geschlechterzuschreibungen, Geschlechterrollen und Hierarchisierungen historisch entstanden sind und durch gesellschaftliche Strukturierungen, Aushandlungen und Bedeutungszuschreibungen zustande kommen.“ (ebd., S.24)

1987 brachten Candace West und Don Zimmerman ihren „doing gender“-Ansatz in die wissenschaftliche Diskussion ein. Für sie wird Geschlecht in täglicher Interaktion kontinuierlich hervorgebracht; um einerseits den Anspruch der Omnirelevanz der Klassifikationskategorie Gender klarzumachen, andererseits die analytische Abkopplung von sex und gender darzulegen, führen sie drei neue, voneinander unabhängige Kategorien in die Diskussion ein. „sex“ bezeichnet das biologische bzw. körperliche Geschlecht; „sex category“ meint die soziale Zuordnung zu einem Geschlecht; und „gender“ bezeichnet das soziale Geschlecht im Sinne von Handlungen und Verhaltensweisen, die im Lichte spezifischer Erwartungen und normativer Konzepte über das jeweilige Geschlecht gesetzt werden. (vgl. West & Zimmerman, 1991, S. 14f.)

Diese Perspektive kann als eine mikrosoziologische betrachtet werden und richtet den Blick auf alltägliche Praktiken und Interaktionen. Hier ist es wichtig zu betonen, dass die Zweigeschlechtlichkeit nicht nur dargestellt, sondern überhaupt erst hervorgebracht wird. Dieser Ansatz hat unter dem Ausdruck „doing gender“ Eingang in den wissenschaftlichen Diskurs gefunden und betrachtet, wie sich die Individuen innerhalb eines gesellschaftlichen Systems aktiv und interaktiv die mit den jeweiligen Geschlechterrollen einhergehenden Regeln, Normen und Verhaltensweisen aneignen, produzieren und somit reproduzieren.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Bildungsreformen seit den 60er Jahren, die den Mädchen zum Erfolg im Schulsystem verhalfen, während geschlechtsspezifische Präferenzen bei der MINT-Fächerwahl bestehen blieben.

2. Mädchen im allgemeinen Bildungssystem – kurzer historischer Rückblick und Bestandsaufnahme: Dieses Kapitel analysiert anhand empirischer Studien die Leistungsunterschiede zwischen Mädchen und Jungen und diskutiert die negativen Konsequenzen des geschlechterkonformen Wahlverhaltens für die berufliche Karriere.

3. Geschlechtertheorien: Das Kapitel führt zentrale theoretische Zugänge ein, insbesondere die Sozialisation in einem zweigeschlechtlichen System und das Konzept des „Doing Gender“ zur Erklärung von Geschlechterkonstruktionen.

4. Doing Gender im allgemeinbildenden Schulsystem: Hier wird detailliert untersucht, wie Eltern und Lehrkräfte durch Erwartungen, Leistungsattributionen und Feedback-Kulturen die geschlechtsspezifische Fächerwahl beeinflussen und Stereotype reproduzieren.

5. MINT-Förderung für Mädchen – Chancen und Grenzen: Anhand des Ada-Lovelace-Projekts werden Maßnahmen zur MINT-Förderung vorgestellt und kritisch auf ihre empirische Wirksamkeit sowie ihre theoretische Problematik hin geprüft.

6. Fazit und Ausblick: Das abschließende Kapitel fasst zusammen, dass Fördermaßnahmen zwar individuell erfolgreich sein können, aber aus geschlechtertheoretischer Perspektive Gefahr laufen, bestehende Stereotype durch die Dramatisierung von Geschlecht eher zu verfestigen als aufzubrechen.

Schlüsselwörter

MINT-Förderung, Mädchenbildung, Doing Gender, Geschlechtertheorie, Sozialisation, Berufswahl, Studienwahl, Ada-Lovelace-Projekt, Chancengleichheit, Leistungsattribution, Stereotype, Zweigeschlechtlichkeit, Bildungsreformen, Geschlechterrolle, MINT-Bereich.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Bachelor-Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Chancen und Grenzen von MINT-Fördermaßnahmen für Mädchen unter Einbeziehung geschlechtertheoretischer Erkenntnisse und dem Kontext der schulischen Sozialisation.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Untersuchung umfasst die historische Bildungsentwicklung von Mädchen, Sozialisationstheorien, das Konzept des „Doing Gender“ in Familie und Schule sowie die Evaluation von Praxisprojekten im MINT-Bereich.

Welches ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, aus einer geschlechtertheoretischen Sicht auszuloten, ob und wie MINT-Förderprojekte tatsächlich dazu beitragen, Geschlechterstereotype abzubauen, ohne dabei ungewollt Ungleichheiten zu reproduzieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer Literatur- und Theorieanalyse sowie einer Evaluation empirischer Studien und statistischer Daten zur Projektwirkung im MINT-Bereich.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung (Geschlechtertheorien), eine Analyse der Sozialisationsbedingungen durch Eltern und Lehrkräfte sowie eine empirische Bestandsaufnahme und kritische Reflexion des Ada-Lovelace-Projekts.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Typische Schlüsselbegriffe sind MINT-Förderung, Doing Gender, soziale Konstruktion von Geschlecht, Bildungsbiografie und Geschlechterrollenkonformität.

Wie beeinflussen Eltern laut dieser Arbeit die MINT-Fächerwahl ihrer Kinder?

Eltern beeinflussen die Wahl maßgeblich durch geschlechtsrollen-klischeehafte Erwartungen, wobei sie MINT-Fächer oft als männlich konnotiert betrachten und Erfolge bei Mädchen eher auf Fleiß statt auf Begabung zurückführen.

Welches Dilemma identifiziert die Autorin bei den Fördermaßnahmen?

Die Autorin stellt ein Dilemma fest: Die Förderung „dramatisiert“ Geschlecht als Vergleichskategorie, um Gleichheit herzustellen, was jedoch paradoxerweise die Wahrnehmung von Unterschieden und Defiziten bei Mädchen erst recht festigt.

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Detalles

Título
Chancen und Grenzen der MINT-Förderung für Mädchen
Subtítulo
Die geschlechtertheoretische Sicht
Universidad
University of Hagen
Calificación
1,0
Autor
Simone Steiner (Autor)
Año de publicación
2015
Páginas
47
No. de catálogo
V379461
ISBN (Ebook)
9783668642911
ISBN (Libro)
9783668642928
Idioma
Alemán
Etiqueta
Gender MINT Geschlechtertheorien Ungleichheit
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Simone Steiner (Autor), 2015, Chancen und Grenzen der MINT-Förderung für Mädchen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/379461
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