Erzeugen Mengen- und Wertsteuern gleiche Steuerlasten?


Hausarbeit, 2017
13 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

A. Einführung

B. Hauptteil

1. Steuerinzidenz

2. Mengensteuern

C. Zusammenfassung und Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1 Mengensteuer- Anbieter als Steuerschuldner 5

Abb. 2 Nachfrager als Steuerschuldner

Abb. 3 Mengensteuer im Monopol

Abb. 4 Mengensteuer im Oligopol

Abb. 5 Die Wirkung einer Wertsteuer

A. Einführung

Die Besteuerung kann im Allgemeinen als Umverteilung der Ressourcen zu Lasten des privaten und zu Gunsten des öffentlichen Sektors verstanden werden. Im Zuge dieser auferlegten Reallokation kann davon ausgegangen werden, dass die betroffenen Wirtschaftsubjekte bestrebt sind, der Steuerlast durch Steuerausweichung oder Steuerüberwälzung zu entgehen. Diese Annahme führt zugleich zu den Fragen wer letztlich der tatsächliche Träger der Steuerlast ist, welchen Einfluss die Steuern auf die Effizienz haben und inwieweit das Verhalten der Wirtschaftsubjekte beeinflusst wird. Die vorliegende Arbeit wird diese Fragen am Beispiel der Mengen- und Wertsteuer näher untersuchen und eine abschließende Bewertung liefern.

Im ersten Abschnitt des Hauptteils erfolgt ein grundlegender Überblick der für das Verständnis relevanten Begrifflichkeiten. Anschließend werden die für den Betrachtungsgegenstand essenziellen Arten und Ebenen der Steuerinzidenz thematisiert.

Im zweiten Abschnitt wird eingangs der Begriff der Mengensteuer abrissartig erläutert. Vornehmlich wurden in diesem Teil der Arbeit die Effekte einer Mengensteuer bei den Marktformen der vollständigen Konkurrenz, des Monopols und des Oligopols näher untersucht. Für jede dieser Marktformen wurde eine detaillierte Untersuchung der Überwälzungsspielräume und gesamtwirtschaftlichen Wohlfahrteffekte vorgenommen.

Der darauf folgende letzte Abschnitt des Hauptteils untersucht die Auswirkungen einer Wertsteuer bei den Marktformen der vollkommenen Konkurrenz und des Monopols. Dabei werden zuerst die relevanten Begrifflichkeiten definiert und darauf aufbauend die Wohlfahrtseffekte einer Wertsteuer analysiert.

Abschließend erfolgt die Zusammenfassung der Arbeit. Hierbei sollen die Ergebnisse kritisch gewürdigt und eine Schlussfolgerung gezogen werden. Anknüpfend sollen die Effekte der Mengen- und der Wertsteuer gegenübergestellt werden, um zu prüfen inwieweit beide die gleiche Steuerlast erzeugen.

B. Hauptteil

1. Steuerinzidenz

Die Steuerinzidenz geht der Frage nach wer der eigentliche Träger der Steuerlast ist, da der gesetzlich bestimmte Steuerschuldner nicht zwangsläufig mit dem tatsächlichen Steuerschuldner übereinstimmen muss. Die gesetzliche Steuerinzidenz, welche per Gesetzt den Steuerdestinatar definiert, kann aufgrund von Überwälzungsmöglichkeiten vom tatsächlichen Träger der Steuerlast abweichen (vgl. Wigger 2006:167). Die Reaktionen auf die Steuerbelastungen können in drei Kategorien unterteilt werden. Dazu zählt die Steuerüberwälzung im weiteren Sinne. Hier versucht der Steuerdestinatar durch sachliche, zeitliche oder räumliche Anpassung die Steuerlast zu vermeiden. Die Steuerüberwälzung im engeren Sinne versucht die Zahllast an Dritte weiterzugeben. Ist weder eine Vermeidung, noch Weitergabe der Steuerlast möglich, so hat der Steuerdestinatar die Möglichkeit die zusätzliche Steuerlast durch ein höheres Arbeitsaufkommen bei den Haushalten oder Rationalisierung bei den Unternehmen entgegenzuwirken. Ein weiteres Problem der Steuerüberwälzung resultiert aus den verschiedenen Arten und Ebenen der Inzidenz. Bei den Inzidenzebenen lässt sich eine Unterteilung in effektive und formale Inzidenz vornehmen. Die effektive Inzidenz zielt auf die wirkliche Verteilungswirkung, während die formale Inzidenz auf die vorgesehene Steuerlast abzielt. Die Inzidenzarten beschäftigen sich dagegen mit der Steuerwirkung, wobei diese wiederum von der staatlichen Mittelverwendung abhängt. Es lässt sich eine Unterteilung der Inzidenzarten in die absolute Inzidenz (Veränderung einer Steuer bei konstanten Staatsausgaben), die Differentialinzidenz (Substitution zweier Steuern gegeneinander) und die Budgetinzidenz (gleichzeitige Veränderung von Steuern und Staatsausgaben) vornehmen (vgl. Scherf 2009:223-225, Zwick 2007:29).

2. Mengensteuern

Im kommenden Abschnitt soll insbesondere die Inzidenz einer Mengensteuer bei den verschiedenen Marktformen der vollständigen Konkurrenz, des Monopols und des Oligopol näher betrachtet werden. Der Schwerpunkt liegt hierbei in erster Linie bei den sich ergebenden Überwälzungsmöglichkeiten und den gesamtwirtschaftlichen Wohlfahrtseffekten. Unter einer Mengensteuer werden Steuern verstanden, deren Bemessungsgrundlage spezifische Mengeneinheiten (Menge oder Gewicht) sind und auf die ein fixer Betrag (pro Einheit) als Steuer anfällt. Die Mengensteuer wird im Allgemeinen von den Anbietern erhoben und an den Staat abgeführt. Es bleibt zu beachten, dass der Anbieter, der die Mengensteuer erhebt nicht zwangsläufig auch die Steuerlast trägt. Vielmehr sind es verschiedene Faktoren die bestimmen, ob die Anbieter oder die Nachfrager die Träger der Steuerlast sind. Es ist lediglich zu erkennen, dass eine Mengensteuer , die auf den Preis eines Gutes aufgeschlagen wird, einen Keil zwischen den Anbieterpreis und den Konsumentenpreis treibt. Zu den entscheidenden Faktoren für die Bestimmung von Wohlfahrtseffekten durch die Implementierung oder Änderung einer Mengensteuer zählen die Marktform und die Angebots- und Nachfrageelastizitäten. Für die weitere Betrachtung wird daher die Mengensteuer unter der Annahme vollkommener Konkurrenz und durchschnittlicher Angebots- und Nachfrageelastizität betrachtet. Unter den getroffenen Annahmen und ohne Einführung einer Mengensteuern entspricht im Gleichgewicht das Angebot der Nachfrage . Wird eine Mengensteuer erhoben, ergibt sich für die Produzenten der Anbieterpreis und die Unternehmen der Konsumentenpreis . Durch die Steuer kommt es entweder zu einer Verschiebung der Angebotskurve nach oben (Abb. 1) oder der Nachfragefunktion nach unten (Abb. 2).

Anbieter als Steuerschuldner Nachfrager als Steuerschuldner

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1 Mengensteuer- Anbieter als Steuerschuldner Abb. 2 Nachfrager als Steuerschuldner

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Scherf ( 2009: 228,232)

Den Fall, dass die Anbieter die Steuerschuldner sind, stellt Abb. 1 dar. Durch die Verschiebung der Angebotsfunktion nach oben (von A zu A‘) kommt es zu einem neuen Marktgleichgewicht im Schnittpunkt von N und A‘ (Punkt 2). Der Konsumentenpreis steigt von auf , während die Anbieter nur noch einen Preis von realisieren können. Des Weiteren kommt es zu einem Produktionsrückgang von zu . Das Steueraufkommen (Fläche 2 3) wird sowohl von den Konsumenten, als auch von den Anbietern getragen. Dabei entspricht die Fläche ( 2 1) dem Verlust an Konsumentenrente und die Fläche ( 1 3) dem Verlust an Produzentenrente. Der Preiseffekt und damit die Steuerüberwälzung auf die Nachfrager, hängen maßgeblich von den Angebots- und Nachfrageelastizitäten ab. Die Überwälzung der Steuerlast auf die Nachfrager ist insbesondere dann möglich, wenn eine hohe Angebotselastizität oder eine geringe Nachfrageelastizität vorliegen. Beim Vergleich des Steueraufkommens (Fläche 2 3) mit dem Verlust an Konsumenten- und Produzentenrente (Fläche 2 1 3 ) ist zu erkennen, dass die Verluste die Einnahmen überwiegen (Fläche 2 1 3 4). Dieser gesamtwirtschaftliche Wohlfahrtsverlust, der durch eine Steuerausweichung ( in Form von Mengensenkungen hervorgerufen wird, ist als Excess burden bekannt. Im Fall, dass die Nachfrager die Steuerlast tragen (Abb. 2) verschiebt sich die Nachfragefunktion nach unten, die restlichen Effekte sind analog zum vorherigen Fall. Es kann zusammengefasst werden, dass die Nachfrager einen höheren Bruttopreis zahlen und die Anbieter einen geringeren Nettopreis erhalten. Zudem ist die Inzidenz einer Mengensteuer bei vollkommener Konkurrenz unabhängig davon von wem diese getragen wird, sie hängt primär von den Angebots- und Nachfrageelastizitäten ab (vgl. Scherf 2009: 227-232, Wigger 2006:168-170; Kotlikoff/ Summers 1987:1045-1047; Zwick 2007:30-31).

Während sich im Fall der vollkommenen Konkurrenz die Anbieter an den Marktpreisen orientieren, ist ein gewinnmaximierender Monopolist daran interessiert, so viel zu produzieren bis sein Grenzerlös den Grenzkosten entspricht. Die Implementierung einer Steuer würde die Grenzkostenfunktion nach oben verschieben. Dies führt wiederum zu einem Produktionsrückgang und letztlich zu steigenden Preisen. Für die nachfolgende Untersuchung wird folgende lineare Preis-Absatz-Funktion (PAF) mit der dazugehörenden Erlösfunktion und der sich durch differenzieren ergebende Grenzerlösfunktion betrachtet. Zudem wird unterstellt, dass die Grenzkostengerade horizontal verläuft. In diesem Fall hängt die Preisänderung maßgeblich von dem Verlauf der Nachfragefunktion ab. Würde die Grenzkostenfunktion dagegen vertikal verlaufen, gebe es weder eine Preis- noch eine Mengenänderung. Dieser Effekt würde dazu führen, dass die Steuerlast alleine vom Anbieter getragen werden müsste.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3 Mengensteuer im Monopol

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Scherf (2009: 233)

In der Ausgangssituation ohne Steuern bildet der Schnittpunkt der Grenzerlösfunktion (GE) mit der Grenzkostenfunktion (A0) in Punkt A das Gewinnmaximum des Monopolisten. Die optimale Preis-Menge-Kombination (X0, P0) kann durch den Cournotschen Punkt C0 abgelesen werden. Wird eine Mengensteuer (t) eingeführt, kommt es aufgrund der gestiegenen Grenzkosten zu einer Verschiebung der Grenzkostenfunktion parallel nach oben von A0 zu A1. Es ergibt sich ein neues Gewinnmaximum für den Monopolist, welches im Punk B liegt, da sich dort die neue Grenzkostenfunktion (A1) mit der Grenzerlösfunktion schneidet. Die neue optimale Preis-Mengen-Kombination (X1, PN) wird durch den nach oben verschobenen Cournotschen Punkt C dargestellt. Der Gleichgewichtspreis ist zugleich der neue Konsumentenpreis, durch subtrahieren der Steuerlast (t) ergibt sich der Anbieterpreis . Das gesamte Steueraufkommen wird, wie im Konkurrenzfall, durch Anbieter und Nachfrager gleichermaßen getragen. Dabei bildet die blaue Fläche die Zahllast der Nachfrager und die grüne die Zahllast der Anbieter . Auch hier ist zu erkennen, dass die Verluste an Konsumenten- und Produzentenrente das gesamte Steueraufkommen überwiegen. Die anhand einer Mengensenkung (X0 auf X1) hervorgerufene Zusatzlast der Besteuerung wird durch die Fläche (AC0C1D) veranschaulicht. Mit den hier getroffenen Annahmen der linearen Preis-Absatz-Funktion und der konstanten Grenzkosten wird die Steuerlast im gleichen Verhältnis auf beide Wirtschaftsubjekte aufgeteilt. Würden dagegen die Grenzkosten steigen, wäre die Zahllast der Nachfrager geringer als die der Anbieter. Bei Annahme einer Iso-elastischen Nachfragefunktion würde der Preis stärker als die Steuer steigen und somit wäre eine komplette Überwälzung auf die Nachfrager möglich (vgl. Scherf 2009:233).

[...]

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Erzeugen Mengen- und Wertsteuern gleiche Steuerlasten?
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Note
2,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
13
Katalognummer
V379592
ISBN (eBook)
9783668570719
ISBN (Buch)
9783668570726
Dateigröße
548 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Steuerinzidenz, Mengensteuer, Wertsteuer
Arbeit zitieren
M.Sc. Economics Jasmin Mak (Autor), 2017, Erzeugen Mengen- und Wertsteuern gleiche Steuerlasten?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/379592

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