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Demenz und Retraumatisierung. Herausforderungen in der Altenpflege von jüdischen Holocaust-Überlebenden

Title: Demenz und Retraumatisierung. Herausforderungen in der Altenpflege von jüdischen Holocaust-Überlebenden

Bachelor Thesis , 2010 , 73 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Kristina Klages (Author)

Nursing Science - Dementia
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Das Dritte Reich hinterließ tiefe Spuren in unserer Gesellschaft. Auch heute noch stellen die Verbrechen des Nazi-Regimes uns vor wichtige Aufgaben und Herausforderungen. Eine dieser Herausforderungen ist der Umgang mit Überlebenden des Holocaust, die die Verfolgungen und Misshandlungen durch das Nazi-Regime als Kinder oder Jugendliche miterleben mussten.

Viele dieser Menschen leben inzwischen in Pflegeeinrichtungen. Das Pflegepersonal sieht sich hier nicht nur mit posttraumatischen Belastungsstörungen konfrontiert. Oft brechen Traumata auch nach einer langen Zeit wieder auf. Dieser Vorgang heißt Retraumatisierung. Vor allem wenn Demenz und Retraumatisierung gleichzeitig auftreten, müssen Pflegekräfte einen professionellen Umgang mit den Symptomen lernen.

Kristina Klages untersucht in dieser Publikation, ob und wie genau eine Demenz sich auf Retraumatisierungen auswirkt. Gleichzeitig wirft sie jedoch auch einen praktischen Blick auf die Herausforderungen im Umgang mit Betroffenen. Hierfür erklärt sie praxisnah, wie Altenpflegekräfte sich an die Bedürfnisse der Holocaust-Überlebenden anpassen können.

Aus dem Inhalt:
- Demenz;
- Retraumatisierung;
- Holocaust-Überlebende;
- posttraumatische Belastungsstörungen;
- Altenpflege

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Aufgabenstellung und Zielsetzung der Arbeit

3 Historischer Hintergrund

4 Literaturstudie

4.1 Trauma

4.1.1 Definition von Trauma

4.1.2 Klassifizierung von Traumata

4.2 Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)

4.2.1 Definition PTBS

4.2.2 Symptome der PTBS

4.2.3 Komplexe PTBS

4.3 Traumatische Erfahrungen im zweiten Weltkrieg

4.3.1 Holocaust

4.3.2 Traumatische Einflüsse des Holocausts auf jüdische KZ-Insassen

4.3.3 Situation pflegebedürftiger jüdischer Holocaust-Überlebender im Alter

4.4 Reaktivierung von Traumatisierungen im Alter

4.5 Demenz

4.5.1 Klassifizierung Demenz

4.5.2 Demenzformen

4.6 Person-zentrierter Ansatz zur Pflege von Menschen mit Demenz nach Kitwood

5 Schnittstelle zwischen Demenz und Retraumatisierung

5.1 Methodisches Vorgehen

5.2 Demenz und Retraumatisierung

5.2.1 Schweigen als Überlebensstrategie

5.2.2 Überlebensschuldgefühle

5.2.3 Auslöser und Reaktionen

5.2.4 Interventionen seitens des Pflegepersonals

6 Zusammenfassung und Ausblick

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die spezifischen Herausforderungen in der Altenpflege jüdischer Holocaust-Überlebender, die an Demenz erkrankt sind. Ziel ist es, die Schnittstelle zwischen demenziellen Erkrankungen und der Reaktivierung traumatischer Erfahrungen (Retraumatisierung) zu beleuchten und pflegerische Ansätze basierend auf dem person-zentrierten Modell nach Kitwood zu begründen.

  • Psychosoziale Folgen des Holocausts und PTBS
  • Herausforderungen in der Pflege demenziell erkrankter Überlebender
  • Identifikation von Traumatisierungsauslösern (Triggern) im Pflegealltag
  • Anwendung des person-zentrierten Ansatzes nach Kitwood
  • Biografieorientierte Arbeit als Grundlage für individuelle Pflegeentscheidungen

Auszug aus dem Buch

5.2.3 Auslöser und Reaktionen

Im Hinblick der individuellen Geschichte jedes einzelnen Bewohners einer Pflegeeinrichtung gibt es bestimmte Trigger (Auslöser), die an Ereignisse während der Verfolgung im Holocaust erinnern. Das durch vielfältige psychische Strategien verdrängte Trauma wird wieder aktiviert und bringt schmerzvolle Erinnerungen zurück ans Tageslicht (vgl. Leonhard, 2005, S. 164-165). Die normalen Gegebenheiten im Alltag der Einrichtungen können schmerzvolle Erinnerungen auslösen und gerade Menschen mit Demenz sind diesen Auslösern vollkommen ausgesetzt. Die medizinischen und pflegerischen Erfordernisse verdeutlichen oft, wie sehr Gegebenheiten im Alltag traumatische Erinnerungen auslösen und die gegenwärtige Situation zur damaligen Situation werden lassen. Eine Pflegeperson ist, soweit es möglich ist, mit der Biografie des Überlebenden vertraut. Dennoch ist es nicht möglich, jedes Detail eines schwerwiegenden Traumas zu kennen, wodurch Sachverhalte und Gegenstände zum Auslöser einer Retraumatisierung werden können, womit eine Pflegekraft nie gerechnet hätte. Eine prekäre Situation, die immer wieder in der Arbeit mit Holocaust-Überlebenden erwähnt wird, ist die Angst vor Duschen. Viele Überlebende weigern sich, eine Dusche zu betreten und können in vehemente Hysterie und Abneigung ausbrechen, wenn sie eine Dusche nur sehen. Somit gilt die Dusche als schwerwiegender Trigger (Auslöser) für Retraumatisierungen (vgl. Leonhard, 2005, S. 216).

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Einführung in die Thematik der Traumafolgen bei Holocaust-Überlebenden in der heutigen Altenpflege und deren Relevanz.

2 Aufgabenstellung und Zielsetzung der Arbeit: Definition des Forschungsfokus auf jüdische Überlebende mit Demenz und die Erörterung pflegerischer Herausforderungen.

3 Historischer Hintergrund: Darstellung der historischen Fakten zum Holocaust als Basis für das Verständnis der traumatischen Erlebnisse der Betroffenen.

4 Literaturstudie: Fundierte theoretische Auseinandersetzung mit den Begriffen Trauma, PTBS, Demenz und dem person-zentrierten Pflegeansatz nach Kitwood.

5 Schnittstelle zwischen Demenz und Retraumatisierung: Analyse der empirischen Daten aus Interviews zur Verknüpfung von Demenzsymptomen und Retraumatisierungserfahrungen.

6 Zusammenfassung und Ausblick: Resümee der Arbeit mit dem Fazit, dass person-zentrierte Pflege und menschliche Zuwendung entscheidend für die Begleitung traumatisierter Überlebender sind.

Schlüsselwörter

Holocaust-Überlebende, Altenpflege, Demenz, Retraumatisierung, PTBS, Person-zentrierter Ansatz, Kitwood, Traumatisierung, Biografiearbeit, Pflegeinterventionen, Trigger, Überlebensschuldgefühle, Holocaust, Pflegequalität, Trauma-Reaktivierung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Situation jüdischer Holocaust-Überlebender in der Altenpflege, die zusätzlich an einer Demenz erkrankt sind und bei denen es durch die Krankheit vermehrt zu Retraumatisierungen kommt.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Schwerpunkte liegen auf den Auswirkungen von KZ-Haft und Verfolgung, den Symptomen der PTBS, den Herausforderungen bei demenziellen Erkrankungen und der praktischen Anwendung des person-zentrierten Ansatzes nach Kitwood.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Ziel ist es, die Schnittstelle zwischen demenzieller Erkrankung und Retraumatisierung theoretisch zu fundieren und pflegerische Ansätze zu finden, die den Betroffenen Sicherheit und Wohlbefinden ermöglichen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine umfassende Literaturstudie sowie auf qualitative Experteninterviews mit Pflegepersonal und einer Pflegedienstleitung in einem jüdischen Altenwohnheim.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert theoretisch Trauma und Demenz, beleuchtet spezifische Auslöser für Retraumatisierungen im Pflegealltag und diskutiert Strategien wie das person-zentrierte Pflegemodell zur Unterstützung der Überlebenden.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit ist zentral durch Begriffe wie Holocaust-Überlebende, Retraumatisierung, Person-zentrierter Ansatz, Demenz und Biografieorientierung geprägt.

Warum ist das Duschen ein kritischer Moment für viele Überlebende?

Das Duschen kann bei Holocaust-Überlebenden aufgrund von Assoziationen mit den menschenunwürdigen Zuständen in den Konzentrationslagern, wie beispielsweise der Angst vor der Gaskammer, starke Hysterie und Abwehrreaktionen auslösen.

Welche Rolle spielt das person-zentrierte Modell nach Kitwood hierbei?

Das Modell nach Kitwood betont, dass die Person mit Demenz in ihrem vollen Menschsein anzuerkennen ist. Es dient dazu, durch positive zwischenmenschliche Beziehungen und die Achtung der Lebensgeschichte das "Personsein" zu bewahren und Stress für die Überlebenden zu minimieren.

Inwieweit beeinflusst die Demenz das Erinnern?

Durch den Abbau kognitiver Fähigkeiten und den Verlust des Kurzzeitgedächtnisses sind die Betroffenen stärker in ihrer Vergangenheit gefangen, wodurch traumatische Erlebnisse ungefiltert und mit hoher Intensität in der Gegenwart wiedererlebt werden können.

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Details

Title
Demenz und Retraumatisierung. Herausforderungen in der Altenpflege von jüdischen Holocaust-Überlebenden
College
University of Applied Sciences Münster
Grade
1,0
Author
Kristina Klages (Author)
Publication Year
2010
Pages
73
Catalog Number
V379717
ISBN (eBook)
9783956873355
ISBN (Book)
9783956873379
Language
German
Tags
Demenz Flashbacks Retraumatiserung Trigger Holocaust Holocaust-Überlebende Posttraumatische Belastungsstörung Altenpflege
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Kristina Klages (Author), 2010, Demenz und Retraumatisierung. Herausforderungen in der Altenpflege von jüdischen Holocaust-Überlebenden, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/379717
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