Diese Arbeit wurde im Rahmen der Übung i.G. 5.3.2 (II), die von Herrn Dr. Johannes Domsich im Sommersemester 1998 gehalten wurde, als Abschlußarbeit erstellt. Die Aufgabenstellung war, Marken und Produkte für einen bestimmten Lebensabschnitt zu finden, wobei
auf die Interpretation Wert zu legen sei.
Ich war im Sommer in Deutschland und habe erkennen müssen, daß in der dortigen Gastronomie mehr Bedeutung auf das richtige Glas gelegt wird. Nicht nur, daß es für verschiedene Sorten jeweils eigene Arten gibt (bedeutend mehr als hierzulande), sondern auch, daß die Form an sich einfach überzeugt. Ich habe daraufhin von der Firma Clausthaler sowie Sahm (Glashersteller, insbesondere des Clausthaler-Glases, das mich außergewöhnlich angesprochen hat) Unterlagen angefordert und mich anhand von einigen Büchern in die Materie eingelesen und vertieft.
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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und Vorwort
2. Das Beispiel: Clausthaler-Bierglas
3. Theorie
3.1. Erlebnisse aus der Sicht des Marketing
3.2. Erlebnismanagement
3.3. Individualerlebnisse ausgedrückt durch Gläser
3.3.1. Der Glaskörper als Ausdrucks- und Erlebnisträger
3.3.2. Trinkerlebnisse und Getränkefarben
3.3.3. Auf der Suche nach Erlebnisneutralität
4. Zusammenfassung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Das primäre Ziel dieser Arbeit ist es, die Rolle von Produktdesign – spezifisch am Beispiel des Clausthaler-Bierglases – als Träger für emotionale Erlebnisse in einem bestimmten Lebensabschnitt zu untersuchen. Die Forschungsfrage widmet sich der Interpretation, wie gezielte gestalterische Parameter eines Glases ein bestimmtes Lebensgefühl und soziale Identität bei Männern um die Mitte 30 widerspiegeln und emotionalisieren können.
- Marketingrelevanz von Erlebniswerten und Erlebnismanagement.
- Psychologische Grundlagen der Bedürfnisstruktur und Wahrnehmung von Produkten.
- Theoretische Systematisierung von Erlebnissen und deren Abgrenzung zu Emotionen.
- Bedeutung des Glaskörpers als Ausdrucks- und Erlebnisträger im Designprozess.
- Soziologische Einordnung von Lebensstilen und deren Einfluss auf den Konsum.
Auszug aus dem Buch
3.3.1. Der Glaskörper als Ausdrucks- und Erlebnisträger
Die Firma Riedel hat zum erstenmal einer interessierten Öffentlichkeit verständlich gemacht, daß man durch eine bewußte Gestaltung von Kelchform (insbesondere Silhouette) und Trinkzonenausführung (Randdesign) die gustatorischen Eigenheiten eines Getränks (insbesondere Rotwein) erlebnisreicher genießen kann.
Die Firma Sahm erforscht seit mehreren Jahren (vgl. K.-H. Schilling-Oeffelke, „Glasdesign: Neue Gestaltungskonzepte für Biergläser“, in: Managementfaktor Design, München 1994, S. 301 ff.) intensiv die Bedeutung der Glaszonen.
Grundsätzlich können die Teile eines Glases das Image eines Produktes reflektieren bzw. unterstützen (Glas als Ausdrucksträger) oder aber zu ganz bestimmten sensorischen Eindrücken führen (Glas als Erlebnisträger). Sahm ist nun in der Lage, mit Hilfe einer Problemlösungsheuristik z.B. das Image eines Bieres in definiertes Glasdesign zu übertragen. Anders ausgedrückt: Die Entscheidungsträger sind nicht mehr nur auf Geschmacks- und Gefallensurteile angewiesen. Die durch eine Marktstudie erfaßten Imagefacetten einer Getränkemarke können methodengerecht auf die Glasparameter übertragen werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung und Vorwort: Der Autor erläutert die Entstehung der Arbeit im Rahmen einer Übung und begründet die Wahl des Clausthaler-Glases als Fallbeispiel durch seine Beobachtungen in der deutschen Gastronomie.
2. Das Beispiel: Clausthaler-Bierglas: Dieses Kapitel stellt das spezifische Glasdesign vor und diskutiert, wie es durch seine Formgebung und haptische Gestaltung gezielt auf die Erlebniswelt von Männern um die 30 ausgerichtet ist.
3. Theorie: Der theoretische Rahmen spannt sich von der Definition des Erlebnisses im Marketing über das Erlebnismanagement bis hin zur tiefgehenden Analyse der sensorischen Wirkung von Glasparametern.
3.1. Erlebnisse aus der Sicht des Marketing: Hier wird der Versuch unternommen, den Begriff „Erlebnis“ von Emotionen abzugrenzen und die Entstehung von Erlebnissen über die Sinneswahrnehmung zu erklären.
3.2. Erlebnismanagement: Das Kapitel beschreibt, wie Unternehmen Erlebnissituationen bewusst initiieren können, um positive und aktivierende Konsumerlebnisse zu erzeugen.
3.3. Individualerlebnisse ausgedrückt durch Gläser: Dieser Abschnitt unterteilt die gestalterische Optimierung von Gläsern in drei Kriterien: den Glaskörper, die Farbe und die Erlebnisneutralität.
3.3.1. Der Glaskörper als Ausdrucks- und Erlebnisträger: Es wird analysiert, wie spezifische Glaszonen und Parameter genutzt werden können, um Imagefacetten oder sensorische Erlebnisse gezielt zu unterstützen.
3.3.2. Trinkerlebnisse und Getränkefarben: Kurze Betrachtung dazu, wie die Farbe eines Getränks die Wahrnehmung des Glases beeinflusst.
3.3.3. Auf der Suche nach Erlebnisneutralität: Diskussion über die Entwicklung von Glastypen, die als Archetypen fungieren und eine breite Nutzerakzeptanz durch kollektive Assoziationen erreichen.
4. Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit einer Synthese, in der das Clausthaler-Glas als Spiegelbild eines modernen Zeitgeistes und spezifischen Lebensgefühls für eine junge, konsumorientierte Zielgruppe interpretiert wird.
Schlüsselwörter
Erlebnismanagement, Marketing, Produktgestaltung, Clausthaler, Bierglas, Konsumgesellschaft, Lebensstil, Zielgruppenanalyse, sensorisches Design, Glasarchitektur, Markenimage, Individualerlebnisse, Ästhetik, Zeitgeist, Konsumverhalten.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Bedeutung von Produktdesign als emotionaler Informationsträger, konkret am Beispiel des Clausthaler-Bierglases, um zu verstehen, wie Produkte die Konsumwelt emotional aufladen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Felder sind das Erlebnismarketing, die Psychologie des Konsums, die Analyse von Designparametern bei Trinkgefäßen und die soziologische Einordnung von Lebensstilen der Zielgruppe.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die gezielte Ausrichtung eines Produktes auf eine spezifische Zielgruppe (Männer um die 30) durch die gestalterische Interpretation von Erlebniswerten nachzuweisen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde angewendet?
Es wurde eine qualitative Analyse auf Basis von Marketingtheorien, psychologischen Erkenntnissen über Erlebnisse sowie einer designorientierten Auswertung von Glasparametern (Problemlösungsheuristik) durchgeführt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung des Erlebnisbegriffs und eine detaillierte Untersuchung der Glasparameter, die eingesetzt werden, um spezifische Imageträger zu formen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Erlebnismanagement, Konsumidentität, Glasdesign, sensorische Erlebniswerte und zielgruppenspezifische Markenpositionierung charakterisiert.
Warum spielt die Form des Glases eine so wichtige Rolle für den Konsumenten?
Die Form dient als visuelles und haptisches Kommunikationsmittel, das dem Konsumenten unbewusst signalisiert, wie das Getränk zu konsumieren ist und welches Lebensgefühl damit verbunden wird.
Welche Rolle spielt die sogenannte "Greifzone" am Glas?
Die reliefierte Greifzone dient laut Analyse dazu, das haptische Erlebnis „tougher“ zu gestalten, um einen zu femininen Eindruck des Glases zu vermeiden und das Produkt für die Zielgruppe attraktiver zu machen.
- Arbeit zitieren
- MMag. Philipp Kaufmann (Autor:in), 1998, Das Bierglas als Erlebnisobjekt von Menschen (Männern) um die Mitte 30, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/3800