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Peter Ackroyds Hawksmoor als Echokammer der Gothic novel

Title: Peter Ackroyds Hawksmoor als Echokammer der Gothic novel

Thesis (M.A.) , 2002 , 63 Pages , Grade: 1

Autor:in: M.A. Anke Grundmann (Author)

English Language and Literature Studies - Literature
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Summary Excerpt Details

Unter dem Einfluß postmoderner Theorien und Konzepte hat sich in der englischsprachigen Gegenwartsliteratur eine Richtung entwickelt, die traditionelle literarische Gattungen und Themen aufgreift und dabei trotzdem auf eine innovative Weise mit den konventionellen Mustern und Formen von Literatur spielt. Besonders deutlich wird diese Kombination von tradierten und experimentellen Elementen in den Texten, die sich im weitesten Sinne mit Geschichte bzw. der Darstellung historischer Ereignisse beschäftigen. Ein Vertreter dieser Richtung ist der 1949 in London geborene Autor und Literaturkritiker Peter Ackroyd. Der Großteil seiner Werke zeichnet sich durch eine Gemeinsamkeit aus: Romane wie The Great Fire of London (1982), The Last Testament of Oscar Wilde (1983), Hawksmoor (1985), Chatterton (1987), First Light (1989), English Music (1992) und Dan Leno and the Limehouse Golem (1994) spielen in vergangenen Epochen oder stellen einen intertextuellen Bezug dazu her. Die Bandbreite der dafür gewählten literarischen Genres reicht von der fiktiven Autobiographie über den Detektivroman, den Künstlerroman, den historischen Roman bis hin zur Gothic novel.
Die konventionelle Gothic novel, für die sich im deutschen Sprachgebrauch die Bezeichnung Schauerroman etabliert hat, wird im allgemeinen auf den Zeitraum von der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts bis etwa 1820 datiert. Diese recht exakte zeitliche Festlegung läßt vermuten, daß es sich bei diesem Genre um eine literarische Strömung handelt, deren Entstehung und Ende von epochenspezifischen Bedingungen abhängig waren. Die Gothic novel scheint somit eine Gattung zu sein, die nur im Kontext des Dualismus von Absolutismus und Aufklärung existieren konnte und deren Ende durch die Rationalisierung und Mechanisierung im 19. Jahrhundert bedingt war.
Der Blick auf die zeitgenössische, vor allem postmoderne Literatur zeigt jedoch, daß die im Schauerroman verwendeten Elemente und Motive keineswegs überkommen sind, sondern auch in der Gegenwartsliteratur immer noch den Effekt erzeugen, der für die Gothic novel charakteristisch ist: wohligen Schauer beim Leser hervorzurufen. Auf welche Weise diese Elemente und Motive in Peter Ackroyds Roman Hawksmoor verwendet werden, inwiefern sie eine den Theorien der Postmoderne folgende Modifikation erfahren und welche Wirkungen sie beim Rezipienten erzielen, soll Gegenstand der vorliegenden Arbeit sein.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Elemente der Gothic novel

2.1 Der Gothic villain

2.1.1 Dyer und sein reales Pendant Nicholas Hawksmoor

2.1.2 Der Erzähler Dyer

2.1.3 Der Satanist Dyer

2.1.4 Dyer als mittelalterlicher Schurke

2.1.5 Dyer als „ewiger Wanderer“

2.2 Die Verfolgungsstruktur

2.3 Der Handlungs- und Erlebnisraum: die Kirchen

2.3.1 Die Kirchen als Metapher des Todes

2.3.2 Die Kirchen als Sinnbild des Schurken

2.3.3 Die Kirchen als Mittel der postmodernen Selbstreflexion

2.3.4 Die Kirchen als zeitliche Konstanten

3. Das Geschichtskonzept

3.1 Geschichte als Kreislauf

3.2 Das zirkuläre Zeitkonzept als Element des magischen Weltbilds

3.3 Subjektive vs. objektive Geschichte

4. Angst und Schrecken

4.1 Angst und Schrecken im konventionellen Schauerroman

4.2 Angst und Schrecken in Hawksmoor

4.2.1 Angst und Schrecken durch Verunsicherung

4.2.2 Innerer Schrecken vs. äußerer Schrecken

4.2.3 Die Verunsicherung des Lesers

5. Schluß

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Magisterarbeit analysiert Peter Ackroyds Roman Hawksmoor (1985) als eine moderne, postmoderne „Echokammer“ der klassischen Gothic novel. Ziel der Untersuchung ist es, die Verwendung genretypischer Elemente – wie den Schurken, die Verfolgungsstruktur, den Handlungsraum der Kirchen sowie die Erzeugung von Angst – aufzuzeigen, die von Ackroyd durch intertextuelle Bezüge und postmoderne Modifikationen transformiert werden, um das Verhältnis von Fiktionalität, Realität und Geschichte neu zu hinterfragen.

  • Analyse der Modifikation des klassischen Gothic villain durch die Figur Nicholas Dyer.
  • Untersuchung der Kirchen als zentrales Motiv, das zwischen Tod, Okkultismus und Architektur vermittelt.
  • Diskussion des zyklischen Geschichts- und Zeitkonzepts im Vergleich zur linearen Fortschrittslogik.
  • Untersuchung der postmodernen Erzählstrategien zur Erzeugung von Angst und Schrecken durch Verunsicherung des Lesers.

Auszug aus dem Buch

2.1.3 Der Satanist Dyer

Auf den ersten Blick ist Dyer der Bösewicht. Er ist Anhänger des Satanskultes und ein mehrfacher Mörder. Jede Kirche, die er baut, weiht er mit einem Menschenopfer, indem er entweder Menschen in den Tod treibt, wie den Jungen Thomas Hill oder sie tötet wie den Landstreicher Ned, den Jungen Dan, Yorick Hayes und Thomas Robinson. Das Blut der Opfer wird an den Plätzen der neu errichteten Kirchen verteilt und die Leichen in den Fundamenten vergraben. Laut den Regeln des Satanskultes müssen alles Opfer im wörtlichen oder übertragenen Sinne jungfräulich bzw. unschuldig sein: „[...] in our Eucharist the Bread must be mingled with the Blood of an Infant.“24 Dyers Mordopfer sind daher entweder Kinder oder Männer mit kindlichen Charaktereigenschaften.

Ein weiteres Merkmal des Schurken ist, daß sich seine Biographie von der der anderen Figuren unterscheidet. Weber formuliert das so:

Häufig [...] ist eine geheimnisumwitterte Geburt Teil der Autor-Strategie den Schurken herauszulösen aus allen familiären und sozialen Banden, um so das Fremdartig-Unheimliche und Archetypische seines Wesens noch zu überhöhen.“25

Im Fall von Dyer wird dieses Motiv umgesetzt, indem seine Geburt mit Verfall, Schmerz und Tod assoziiert wird. So findet seine Geburt in einem heruntergekommen Haus statt und seine Mutter überlebt die äußerst schmerzvolle Entbindung nur knapp.26 Dyer selbst vergleicht seine Geburt mit dem Auftritt auf einer (Welt-) Bühne begleitet mit „all the Symptoms of Death“.27 Die Tatsache, daß bereits sein Lebensanfang unter dem Vorzeichen des Todes steht, antizipiert, daß das Motiv „Tod“ ein in Dyers Biographie ständig wiederkehrendes Element ist, das schließlich seinen Klimax in den Satansmorden findet.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung etabliert das Ziel, Hawksmoor als postmoderne Transformation des klassischen Schauerromans zu untersuchen, und führt in die theoretischen Konzepte von Intertextualität und Metafiktion ein.

2. Elemente der Gothic novel: Dieses Kapitel analysiert die genretypischen Motive des Schurken, der Verfolgungsstruktur und der architektonischen Schauplätze, die in Ackroyds Roman durch postmoderne Perspektivwechsel und zeitliche Überlagerungen neu kontextualisiert werden.

3. Das Geschichtskonzept: Hier wird untersucht, wie Ackroyd durch eine nicht-lineare, zirkuläre Darstellung von Ereignissen und Objekten eine eigene, subjektive Version von Geschichte konstruiert, die den klassischen Fortschrittsglauben ablehnt.

4. Angst und Schrecken: Das Kapitel beleuchtet, wie der Roman durch die Verunsicherung des Lesers, das Aufheben zeitlicher Distanz und die Verknüpfung von rationalem Denken mit irrationalen, okkulten Mustern eine spezifisch postmoderne Wirkung von Unbehagen erzeugt.

5. Schluß: Die Zusammenfassung resümiert, dass Hawksmoor keine bloße Kopie ist, sondern eine intertextuelle „Echokammer“, in der traditionelle Gothic-Elemente verzerrt und durch moderne narrative Verfahren in Frage gestellt werden.

Schlüsselwörter

Peter Ackroyd, Hawksmoor, Gothic novel, Schauerroman, Postmoderne, Intertextualität, Metafiktion, Nicholas Dyer, Architektur, Geschichte, Zeitkonzept, Angst, Satanismus, Schauer, Fiktionalität.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht Peter Ackroyds Roman Hawksmoor hinsichtlich seiner intertextuellen Bezüge zur klassischen Gothic novel und analysiert, wie diese traditionellen Motive durch postmoderne Erzähltechniken transformiert werden.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind die Rolle des Schurken, die symbolische Bedeutung der Architektur (Kirchen), die Konzepte von Zeit und Geschichte sowie die Erzeugung von Angst beim Leser.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass Hawksmoor eine „Echokammer“ darstellt, in der der Autor Genrekonventionen aufgreift, verzerrt und spielerisch variiert, anstatt einen konventionellen Schauerroman zu schreiben.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Roman auf der Basis postmoderner Literaturtheorien (u.a. Nünning, Weber) in Bezug auf genretypische Elemente der Gothic novel untersucht.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert detailliert die Figurenkonzeption von Nicholas Dyer, die Funktion der Kirchen als räumliche und zeitliche Konstanten, das zirkuläre Geschichtskonzept und die Wirkungsästhetik von Angst und Schrecken.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Postmoderne, Gothic novel, Intertextualität, Metafiktion, zirkuläres Zeitkonzept und Dekonstruktion des Rationalismus charakterisieren.

Warum spielt Architektur eine so zentrale Rolle für die Figur Dyer?

Architektur dient Dyer als Möglichkeit zur Selbstverwirklichung und als „steinerne Manifestation“ seiner okkulten Weltanschauung, durch die er versucht, seinen Einfluss über den Tod hinaus dauerhaft zu festigen.

Wie unterscheidet sich die Erzeugung von „Angst“ in Hawksmoor vom klassischen Schauerroman?

Im Gegensatz zum klassischen Schauerroman, der durch zeitliche Distanz den Leser schützt, erzeugt Ackroyd Angst durch die Einbettung der unheimlichen Ereignisse in die Gegenwart des Lesers, was eine Identifikation und direkte Verunsicherung ermöglicht.

Was ist die Bedeutung der Fusion von Dyer und Inspektor Hawksmoor?

Die Fusion symbolisiert das Scheitern des rationalen Weltbildes des Inspektors am Ende des Romans; er wird vom Repräsentanten der Irrationalität absorbiert, womit der Autor die Überlegenheit des magischen Weltbildes im Text unterstreicht.

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Details

Title
Peter Ackroyds Hawksmoor als Echokammer der Gothic novel
College
Bielefeld University  (Fakultät für Linguistik und Literaturwissenschaft)
Grade
1
Author
M.A. Anke Grundmann (Author)
Publication Year
2002
Pages
63
Catalog Number
V38025
ISBN (eBook)
9783638372183
ISBN (Book)
9783638705448
Language
German
Tags
Peter Ackroyds Hawksmoor Echokammer Gothic
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
M.A. Anke Grundmann (Author), 2002, Peter Ackroyds Hawksmoor als Echokammer der Gothic novel, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/38025
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