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Von Mängelwesen und Übermenschen. Medienanthropologische Betrachtungen am des Para-Olympioniken Markus Rehm

Titre: Von Mängelwesen und Übermenschen. Medienanthropologische Betrachtungen am des Para-Olympioniken Markus Rehm

Dossier / Travail , 2016 , 31 Pages , Note: 1,1

Autor:in: Felix Luderer (Auteur)

Médias / Communication - Ethique des médias
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Markus Rehm ist Weitspringer und Kurzstreckenläufer. Seit einem Unfall in seiner Jugend, als ihm ein Bootmotor im August 2003 den Unterschenkel zerriss, trägt er am rechten Bein eine Unterschenkelprothese. Dennoch war es ihm nicht vergönnt, im Jahr 2014 an den Deutschen Leitathletik-Meisterschaften der nichtbehinderten Sportler teilzunehmen, die er prompt gewann.

Spätestens mit diesem Erfolg begann jedoch die Kontroverse um seine Leistung. Zu einer Titelverteidigung im Jahr darauf durfte er zwar teilnehmen, eine Einbeziehung in die offizielle Wertung wurde ihm aber aus Gründen der Unvergleichbarkeit der sportlichen Leistung gegenüber unversehrten Sportlern verweigert. Nicht zuletzt seit dieser Kontroverse befindet sich die internationale Sportwelt in einem Dilemma. Andere Sportarten leben sozusagen von dem technischen Fortschritt, der ein Teil des Wettkampfs ist. Im Radsport, beim Schwimmen oder im Skisport – um nur einige zu nennen – gehört ein perfekt präpariertes Material zum sportlichen Erfolg dazu. Im Rennsport ist die Ingenieursleistung und die technische Verbesserung untrennbar mit dem sportlichen Erfolg des Autorennfahrers verknüpft.

Es stellt sich daher die Frage, wo technische Unterstützung im Sport als solche anfängt und wie die Vergleichbarkeit im sportlichen Wettkampf gewährleistet bleibt. Dieser Frage versucht die Hausarbeit aus medienanthropologischer Sicht nachzugehen. Die Analyse des Menschen als mangelhaftes Wesen ist vermutlich so alt wie die Philosophie selbst. Es versucht werden, einige zentrale Theorien insofern anzureißen, wie es der Argumentationsstruktur der Arbeit dienlich erscheint.

Diese Arbeit versucht auch keine Antwort auf die sportethische Diskussion um Fairness und Inklusion zu geben – nicht zuletzt, weil ein eindeutiger Vor- oder Nachteil der Prothesen wissenschaftlich nicht erwiesen werden kann. Stattdessen soll der Mensch – am Beispiel von Markus Rehm und Oscar Pistorius der Sportler – in den (historisch gewachsenen) Kontext des technisch durchdrungenen Menschen im Rahmen einer prothetischen Medienanthropologie gestellt werden. Die Fragestellung kreist also darum, wie sehr der Mensch technisch verfasst ist.

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Der Kampf um Olympia: ethische Debatte um Fairness und Inklusion im Sport

3 Eine kurze Geschichte der Prothetik

4 Vom Mängelwesen zum Übermenschen

4.1 Der Mensch als (un)vollkommenes Wesen

4.2 Der Übermensch bei Nietzsche

4.3 Der Prothesengott bei Freud

4.4 Der halbe Mensch bei Plessner

4.5 Das Mängelwesen bei Gehlen

5 Die Übung an sich selbst – Anthropotechniken bei Peter Sloterdijk

6 Die Technizität des Sports

7 Der behinderte Sportler als Übermensch und Mängelwesen

8 Fazit

9 Literatur

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht medienanthropologisch, inwieweit der Mensch als technisch verfasstes Wesen betrachtet werden kann. Anhand der Fallbeispiele der Sportler Markus Rehm und Oscar Pistorius wird analysiert, wie moderne Technik die Grenzen von Körperlichkeit verschiebt und welche sportethischen Dilemmata sich daraus im Kontext von Fairness und Inklusion ergeben.

  • Medienanthropologische Analyse des Menschen als "Mängelwesen" und "Übermensch"
  • Kritische Auseinandersetzung mit Prothetik und Anthropotechniken
  • Technizität des Leistungssports und das Dilemma der Vergleichbarkeit
  • Inklusion behinderter Sportler in den professionellen Wettkampfsport
  • Philosophische Einordnung technischer Hilfsmittel als hybride Körperelemente

Auszug aus dem Buch

Der Übermensch bei Nietzsche

Der Mensch steht nach Friedrich Nietzsche auf einer Zwischenstufe zwischen Tier und Übermensch. Das Ziel seines Daseins muss es sein, diesen Status zu überwinden. Er ist dazu jedoch nicht fähig, weil das Leben des Menschen wie gewohnt abläuft und auch nach Gewohnheit gedacht und gehandelt wird. Daher spricht sein Zarathustra belehrend zum Volke: „Ich lehre euch den Übermenschen. Der Mensch ist Etwas, das überwunden werden soll. Was habt ihr gethan, ihn zu überwinden?“ (Nietzsche 2014: 8). Die Menschen nehmen seine Moralpredigt jedoch nicht ernst. Stattdessen offenbart sich dabei das genealogische Konzept, welches Zarathustra erläutert und womit er die Menschen zu überzeugen versucht. Die lebendige Natur – und so auch der Mensch als Wesen – habe stets nach Höherentwicklung gestrebt. Daher muss der Mensch begreifen, dass auch er nur eine Zwischenstufe ist, die in einem fortwährenden Entwicklungsprozess steht (vgl. Pieper 1990: 46ff.). Denn er schämt sich nach wie vor, vom Affen abzustammen und an ihm noch immer, trotz seiner hohen Entwicklungsstufe, markante Merkmale des Affen zu erkennen. Der Übermensch wiederum schämt sich, dass seinesgleichen vom Menschen abstammt. Und Zarathustra ermahnt die Seinen, denn:

„Alle Wesen schufen bisher Etwas über sich hinaus: und ihr wollt die Ebbe dieser grossen Fluth sein und lieber noch zum Thiere zurückgehn, als den Menschen zu überwinden? Was ist der Affe für den Menschen? Ein Gelächter oder eine schmerzliche Scham? Und ebendas soll der Mensch für den Übermenschen sein: ein Gelächter oder eine schmerzliche Scham. Ihr habt den Weg vom Wurme zum Menschen gemacht, und Vieles ist in euch noch Wurm. Einst wart ihr Affen, und auch jetzt noch ist der Mensch mehr Affe, als irgend ein Affe. […] Der Übermensch ist der Sinn der Erde“ (Nietzsche 2014: 8, vgl. Pieper 1990: 46ff.).

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Einführung in die medienanthropologische Fragestellung und Vorstellung der sportethischen Kontroverse am Beispiel von Markus Rehm.

2 Der Kampf um Olympia: ethische Debatte um Fairness und Inklusion im Sport: Darstellung der medialen Stilisierung von Behindertensportlern und der juristischen Auseinandersetzungen um technische Hilfsmittel im Leistungssport.

3 Eine kurze Geschichte der Prothetik: Historischer Abriss zur Entwicklung von Prothesen als Mittel zur anatomischen Ergänzung und gesellschaftlichen Reintegration.

4 Vom Mängelwesen zum Übermenschen: Theoretische Grundlegung durch verschiedene Philosophen von Kapp bis Gehlen, die den Menschen als unfertiges, auf Technik angewiesenes Wesen definieren.

4.1 Der Mensch als (un)vollkommenes Wesen: Analyse der Organprojektionstheorie von Ernst Kapp und deren Bedeutung für die menschliche Künstlichkeit.

4.2 Der Übermensch bei Nietzsche: Betrachtung des Menschen als Übergangswesen, das nach Höherentwicklung und Selbstüberwindung strebt.

4.3 Der Prothesengott bei Freud: Untersuchung der Freudschen Auffassung des Menschen als „Prothesengott“, der sich durch Technik vor der Natur schützt.

4.4 Der halbe Mensch bei Plessner: Erörterung von Plessners Gesetz der natürlichen Künstlichkeit und der existenziellen Notwendigkeit des Ausgleichs von Mängeln.

4.5 Das Mängelwesen bei Gehlen: Analyse des Menschen als handelndes, zukunftsorientiertes Wesen, das seine biologische Unangepasstheit kulturell kompensiert.

5 Die Übung an sich selbst – Anthropotechniken bei Peter Sloterdijk: Beschreibung von Anthropotechniken als mentale und physische Verfahren zur Selbstoptimierung und Immunisierung.

6 Die Technizität des Sports: Untersuchung der untrennbaren Verbindung von Sport und technischer Aufrüstung, die den Athleten zum hybriden Wesen macht.

7 Der behinderte Sportler als Übermensch und Mängelwesen: Synthese der Begriffe am Beispiel paralympischer Athleten, die durch Training und Technik eigene Grenzen transzendieren.

8 Fazit: Zusammenfassende Antwort auf die Ausgangsfrage über die technische Verfasstheit des Menschen und die Folgen für den Sport.

9 Literatur: Verzeichnis der verwendeten Quellen und weiterführenden Literatur.

Schlüsselwörter

Medienanthropologie, Prothetik, Sportethik, Inklusion, Markus Rehm, Übermensch, Mängelwesen, Anthropotechniken, Techno-Doping, Technikphilosophie, Leistungsoptimierung, Hybridität, Körperlichkeit, Parasport, Enhancement.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert das medienanthropologische Verständnis des Menschen als ein technisch verfasstes Wesen, das seine biologischen Defizite durch den Einsatz von Werkzeugen und Prothesen ausgleicht.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen umfassen die Philosophie der Technik, die Ethik im Behindertensport sowie die mediale und soziale Konstruktion von Leistung und Behinderung.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sehr der moderne Leistungssportler als ein hybrides Produkt aus Natur und Technik fungiert und wie die philosophischen Konzepte des Mängelwesens und Übermenschen hierbei zur Anwendung kommen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine medienanthropologische und technikphilosophische Untersuchung, die existierende Theorien (u.a. von Nietzsche, Freud, Plessner, Gehlen, Sloterdijk) auf den aktuellen Kontext des Behindertensports überträgt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in einen historischen Abriss der Prothetik, eine ausführliche Theoriegeschichte zum Verständnis des Menschen als "Mängelwesen" sowie eine detaillierte Analyse der "Technizität" im modernen Sport.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind insbesondere Medienanthropologie, Prothetik, Anthropotechnik, Enhancement und die ethische Problematik der Vergleichbarkeit sportlicher Leistungen.

Wie unterscheidet sich der Fall von Markus Rehm von dem des Oscar Pistorius?

Während Pistorius vor Gericht das Recht auf Teilnahme an Olympischen Spielen erstritt, wird Rehm trotz ähnlicher prothetischer Voraussetzungen die Teilnahme an offiziellen Wertungen der nichtbehinderten Sportler bisher verwehrt.

Welche Rolle spielt der Trainer im Kontext der Anthropotechnik?

Sloterdijk sieht den Trainer als entscheidende Figur, die dem Athleten einen "zweiten Willen" einpflanzt, um durch rigide Selbstdisziplinierung Leistungen zu ermöglichen, die der Mensch allein nicht erreichen könnte.

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Résumé des informations

Titre
Von Mängelwesen und Übermenschen. Medienanthropologische Betrachtungen am des Para-Olympioniken Markus Rehm
Université
University of Weimar  (Fakultät Medien)
Cours
Mediale Anthropologie
Note
1,1
Auteur
Felix Luderer (Auteur)
Année de publication
2016
Pages
31
N° de catalogue
V380329
ISBN (ebook)
9783668568273
ISBN (Livre)
9783668568280
Langue
allemand
mots-clé
Human Enhancement Anthropotechnik Doping Sport Markus Rehm Paralympics Nietzsche Freud Gehlen Sloterdijk Plessner Mängelwesen Mensch Medienanthropologie Philosophie Anthropologie
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Felix Luderer (Auteur), 2016, Von Mängelwesen und Übermenschen. Medienanthropologische Betrachtungen am des Para-Olympioniken Markus Rehm, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/380329
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Extrait de  31  pages
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