Die Fabel "Polifemo y Galatea", die im Todesjahr ihres Autors herausgegeben wurde, gilt als eines der bedeutendsten Werke von Luis de Góngora y Argote (1561-1627). Wie für Fabeln aus dem 17. Jahrhundert üblich, bezieht sich dieses Werk auf Inhalte, die aus der griechisch-römischen Mythologie stammen.
In diesem Fall wird der Mythos um den Zyklopen Poly-phem, der Nymphe Galateia sowie dem Jüngling Akis nacherzählt. Im Zuge dieser Nacherzählung lässt Góngora viele inhaltliche Ähnlichkeiten zu der Darstellung des römischen Ge-schichtsschreibers Ovid erkennen, der diese Geschichte ebenfalls in den von ihm stammenden Metamorphosen beschreibt, sodass von einer bewussten Bezugnahme auf diese ausgegangen werden kann.
Das Ziel dieser Arbeit ist es, den Inhalt dieser Fabel und dessen semantische Ausgestaltung zu erschließen, um diese frühneuzeitliche literarische Darstellung in ihrer Bedeutsamkeit im Allgemeinen und in ihrem literaturwissenschaftlichen Wert im Besonderen ansatzweise nachvollziehen zu können. Dabei sollen zum einen die rhetorischen Figuren, derer sich Góngora bedient, analysiert und zum anderen die intertextuellen Inhalte erschlossen werden, auf die er Bezug nimmt. Aus Platzgründen verzichtet diese Arbeit auf eine umfassende Analyse der strukturellen und syntaktischen Ausgestaltung dieser Fabel und beschränkt sich auf exemplarische Kurzbemerkungen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die semantische und inhaltliche Ausgestaltung des „Polifemo“
2.1 Beschreibung Polyphems sowie dessen Heimat
2.2 Beschreibung Galateias und ihrer Wirkung auf andere
2.3 Auftritt und Beschreibung des Akis
2.4 Das Liebesspiel zwischen Akis und Galateia
2.5 Der Gesang des Polyphem
2.6 Die Entdeckung des Liebespaares und Tod des Akis
3. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Das Ziel dieser Arbeit ist es, den Inhalt der Fabel „Polifemo y Galatea“ von Luis de Góngora sowie deren semantische Ausgestaltung zu erschließen. Dabei soll die Bedeutung dieses Werkes innerhalb der frühneuzeitlichen Literatur analysiert und der literaturwissenschaftliche Wert durch die Untersuchung rhetorischer Figuren und intertextueller Bezüge nachvollzogen werden.
- Analyse der semantischen Ausgestaltung und Metaphorik bei Góngora
- Intertextuelle Bezüge zur griechisch-römischen Mythologie und Ovid
- Untersuchung der Figurendarstellung von Polyphem, Galateia und Akis
- Interpretation von Allegorien und Symbolik innerhalb der Fabel
- Erforschung der räumlichen Inszenierung als arkadische Welt
Auszug aus dem Buch
Die semantische und inhaltliche Ausgestaltung des „Polifemo“
Im Folgenden wird die semantische und inhaltliche Ausgestaltung, die Luis die Góngora für seine Fabel Polifemo y Galatea verwendet hat, beschrieben und analysiert. Die ersten drei Strophen des Werkes stellen eine Widmung Góngoras an den Grafen der andalusischen Stadt Niebla dar, der zu einer einflussreichen Adelsfamilie gehörte. Luis de Góngora, der selbst aus Andalusien stammte, pflegte offenbar eine persönliche Beziehung zu diesem Grafen. Diese ersten Strophen leisten daher noch keinen inhaltlichen Beitrag zu dieser Fabel, sodass auf die Analyse ihres Inhaltes im Rahmen dieser Arbeit verzichtet wird.
In der vierten Strophe beschreibt Góngora die Heimat des Polyphems, die, wie auch in Homers Odyssee, die sizilianische Küste ist. Bei der Beschreibung der Umgebung nennt er zum einen die antike sizilianische Stadt Lilibeo und zum anderen die Metapher „las fraguas de Vulcano“ (V. 27). Bei der Metapher handelt es sich um die Schmieden des römischen Gottes des Feuers, Vulcanus, die auf vulkanische Aktivitäten hindeutet und die Heimat des Polyphems in der Nähe des Ätnas vermuten lassen. Insbesondere mit dem Hinweis auf das Grab des Typhon (V. 28) wird deutlich, dass es sich um den Ätna handeln dürfte. In der griechischen Mythologie sei Typhon im Rahmen eines Kampfes mit Zeus nach Sizilien geflohen, wo Zeus diesen mit dem Ätna beworfen und vergraben hätte. Unter dem Vulkan gefangen, erzeuge Typhon mit seiner Wut die vulkanische Aktivität. Nach diesen Verweisen und Beschreibungen erwähnt Góngora in den letzten beiden Versen der vierten Strophe die Höhle des Polyphems mithilfe zweier Metaphern. Der Höhleneingang, den er mit der Metapher „boca“ beschreibt, wird durch einen Felsen, den er mit der Metapher „mordaza“ beschreibt, verschlossen. Mit dieser metaphorischen Beschreibung landschaftlicher Verhältnisse, nach der ein Mundknebel einen Mund verschließt, verwendet Góngora ein menschliches Körperteil sowie ein menschliches Instrument.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Fabel von Luis de Góngora ein, erläutert ihren mythologischen Kontext und definiert das Ziel der Arbeit, die semantische Ausgestaltung sowie rhetorische und intertextuelle Aspekte des Werkes zu untersuchen.
2. Die semantische und inhaltliche Ausgestaltung des „Polifemo“: Dieses Hauptkapitel analysiert detailliert die Charakterisierung der Figuren Polyphem, Galateia und Akis sowie deren Handlungen, wobei der Fokus auf Góngoras Gebrauch von Metaphern, Allegorien und mythologischen Bezügen liegt.
2.1 Beschreibung Polyphems sowie dessen Heimat: Das Kapitel befasst sich mit der metaphorischen Darstellung des Wohnortes Polyphems am Ätna und seiner physischen Gestalt als Zyklop und Sohn Neptuns.
2.2 Beschreibung Galateias und ihrer Wirkung auf andere: Hier wird Galateias Schönheit durch positive Metaphern sowie ihr Charakter durch negative Symbole beleuchtet, ergänzt durch ihre Wirkung auf umgebende Gottheiten.
2.3 Auftritt und Beschreibung des Akis: Die Analyse konzentriert sich auf die Einführung des Akis als leidenschaftlicher Jüngling und seine visuelle Erscheinung im Kontext der nächtlichen Szenerie.
2.4 Das Liebesspiel zwischen Akis und Galateia: Dieses Kapitel behandelt die Annäherung der Liebenden, die Geschenke des Akis und die allegorische Schilderung des Verliebens sowie des anschließenden Liebesaktes.
2.5 Der Gesang des Polyphem: Im Fokus steht Polyphems Liebeslied, das durch den Kontrast von scheinbarer Sanftheit und innerer Grausamkeit charakterisiert ist und die subjektive Wahrnehmung des Zyklopen offenbart.
2.6 Die Entdeckung des Liebespaares und Tod des Akis: Das abschließende Kapitel des Hauptteils beschreibt den jähen Stimmungswechsel Polyphems, die Entdeckung der Liebenden und die gewaltsame Tötung des Akis durch einen Berggipfel.
3. Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung resümiert, dass Góngora mit seiner rhetorisch hochkomplexen Gestaltung und den tiefgehenden intertextuellen Bezügen primär ein gelehrtes Publikum ansprach und seine Meisterschaft in der Bearbeitung antiker Mythen demonstrierte.
Schlüsselwörter
Luis de Góngora, Polifemo y Galatea, Siglo de Oro, griechisch-römische Mythologie, Metapher, Allegorie, Barock, Intertextualität, Polyphem, Galateia, Akis, Ovid, Metamorphosen, Arkadien, Rhetorik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die semantische Ausgestaltung der Fabel „Polifemo y Galatea“ des spanischen Dichters Luis de Góngora unter Einbeziehung mythologischer und rhetorischer Analysen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Charakterisierung der mythologischen Figuren, die Analyse von Metaphern und Symbolen sowie die literarische Bedeutung von Intertextualität in der Fabel.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, das Werk durch die Untersuchung seiner rhetorischen Figuren und intertextuellen Bezüge in seiner literarischen Komplexität und Bedeutsamkeit zu erschließen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine chronologisch orientierte, textnahe Analyse und stützt sich dabei stark auf die Forschungsergebnisse des Góngora-Experten Damaso Alonso.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert schrittweise die Beschreibung der Hauptfiguren, das Liebesspiel zwischen Akis und Galateia, den Gesang des Polyphem sowie den dramatischen Ausgang der Geschichte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Góngora, Polifemo, Galateia, Metaphorik, Mythologie und Intertextualität.
Wie beschreibt Góngora die Heimat des Polyphems?
Góngora nutzt Metaphern wie die „Schmieden des Vulcanus“ und den Hinweis auf das Grab des Typhon, um die vulkanische, lebensfeindliche Umgebung am Ätna zu illustrieren.
Welche Rolle spielt die Allegorie des „trojanischen Pferdes“ im Text?
Sie dient als Metapher für die Überwindung der Hochmütigkeit Galateias durch Akis, der es schafft, ihre emotionale Abwehr zu durchdringen.
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- Christoph Wünnemann (Author), 2016, "Polifemo y Galatea" von Luis de Góngora. Die semantische Ausgestaltung der Fabel, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/380419