Ende des 20. Jahrhunderts führten der Einsatz neuer Technologien zur Informationsverarbeitung, sowie der Zerfall des Ostblocks in wirtschaftlicher Hinsicht zum heutigen Phänomen der Globalisierung. Globalisierung bedeutet für Unternehmen wachsende Chancen, jedoch zugleich mehr Wettbewerbsdruck durch weltweite Konkurrenz.
Angesichts des gestiegenen Wettbewerbdrucks sahen und sehen sich viele Unternehmen gezwungen, ihre Geschäftsprozesse und Unternehmensstrukturen neu zu organisieren. Dies führte zur Entwicklung vieler neuer Management- und Steuerungsmodelle, von denen die Balanced Scorecard (BSC), die von Robert S. Kaplan und David P. Norton entwickelt wurde, eines der erfolgreichsten ist, da sie traditionelle Ergebniskennzahlen mit zukunftsbezogenen Leistungstreibern ergänzt.
Auch der öffentliche Sektor und hier gerade Hochschulen sehen sich in den letzten Jahren starken Veränderungen ausgesetzt. Für Hochschulen ist es in Anbetracht steigender Studierendenzahlen und knapper öffentlicher Kassen immer schwerer ihren Auftrag - Forschung und Lehre - zu erfüllen. Gleichzeitig ist in den vergangenen Monaten in den Medien immer wieder von der Notwendigkeit einer Verbesserung des Bildungsstandortes Deutschland die Rede, da Humankapital die wichtigste Ressource Deutschlands sei.
Angesichts dieses Spannungsfelds von einerseits steigenden Anforderungen, andererseits geringeren Mitteln, wächst auf die Hochschulen der Druck, Konkurrenz- und Zukunftsfähigkeit herzustellen, zu sichern und zu verbessern. Die in der Politik diskutierten Lösungsansätze, wie bspw. Elite-Universitäten, Studiengebühren und Hochschulautonomie, sollen vor allem mehr Wettbewerb zwischen Hochschulen bzw. Fachbereichen oder Schwerpunkten initiieren.
In dieser Arbeit wird am Beispiel des Schwerpunkts Wirtschaftsprüfung und Controlling (WPC) des Fachbereichs IV der Universität Trier ein auf der BSC beruhendes Kennzahlensystem entwickelt. Dazu wird in einer einführenden Darstellung das veränderte Umfeld von Non-Profit-Organisationen (NPOs) und danach die grundsätzliche Möglichkeit des Einsatzes der BSC im Non-Profit-Bereich, sowie an Hochschulen analysiert. Im Hauptteil der Arbeit werden nach einer vorbereitenden Charakterisierung des Lehrstuhls konkrete Ziele, Kennzahlen und Informationsquellen vorgeschlagen, Ursache-Wirkungsbeziehungen dargestellt und anschließend kritische Faktoren beleuchtet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die BSC für staatliche und andere Non-Profit-Organisationen
2.1. Öffentliche Verwaltungen und NPOs in verändertem Umfeld
2.2. Die BSC in NPOs
2.3. BSC an Hochschulen
3. Entwurf einer BSC für den Fachbereich WPC
3.1. Vorbereitende Charakterisierung des Lehrstuhls
3.1.1. Zielsetzungen des Schwerpunktes WPC
3.1.2. Ist-Situation am Schwerpunkt WPC
3.2. Entwicklung der Perspektiven, Ziele und Kennzahlen
3.2.1. Kundenperspektive
3.2.2. Interne Prozessperspektive
3.2.3. Potentialperspektive
3.2.4. Finanzielle Perspektive
3.3. Ursache-Wirkungsbeziehungen
3.4. Kritische Faktoren
4. Abschließende Betrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, für den Schwerpunkt Wirtschaftsprüfung und Controlling (WPC) der Universität Trier ein auf der Balanced Scorecard (BSC) basierendes Kennzahlensystem zu entwickeln, um dem wachsenden Wettbewerbsdruck und dem Bedarf an strategischer Steuerung im Hochschulwesen zu begegnen.
- Analyse des Funktionswandels von Non-Profit-Organisationen und deren strategische Anforderungen
- Entwicklung einer lehrstuhlspezifischen Mission und Vision
- Konzeption von Zielsetzungen, Kennzahlen und Messgrößen entlang der vier BSC-Perspektiven
- Darstellung von Ursache-Wirkungsbeziehungen zur zielorientierten Steuerung
- Kritische Würdigung der Implementierungsvoraussetzungen und möglicher Erfolgsfaktoren
Auszug aus dem Buch
Qualität der Lehre fördern, ausbauen und sichern
Dieses Ziel bezieht sich auf die Verwirklichung des Auftrags gegenüber den Studierenden, die eine qualitativ hochwertige Ausbildung erhalten sollen. Dies nützt langfristig auch der Wirtschaft, der Gesellschaft und der Forschung. Dabei wird die Prämisse getroffen, dass die Qualität der Lehre sich an ihrer Praxisbezogenheit messen lässt, bzw. daran wie der Abschluss den beruflichen Erfolg fördert.
Als Spätindikatoren dafür, wie dieses Ziel umgesetzt wird, wurden gewählt: die Position des Lehrstuhls bei Rankings, die Arbeitslosenquote der Absolventen, der Zeitraum, bis nach dem Abschluss ein Job gefunden wird, das Durchschnittsgehalt der Absolventen, die Anzahl der Promovierten pro Jahr, die subjektive Bewertung der Lehrqualität, sowie die zusammengesetzten Werte Schwerpunktwechsel im Verhältnis durch die Gesamtzahl der Schwerpunktstudenten und die Neuzugänge im Verhältnis zu den Gesamtzugängen im Hauptstudium.
Dass bei einigen Kennzahlen auch andere Faktoren als die Leistung des Lehrstuhls eine Rolle spielen (wie z.B. Konjunktur bei der Arbeitslosenquote der Absolventen oder Zeitraum, bis ein Job gefunden wird) ist offensichtlich. Dies kann jedoch durch statistische Verfahren, bspw. im Rahmen eines Vergleiches mit den Kennzahlen anderer Schwerpunkte oder Universitäten, bereinigt werden. Bei der Position des Lehrstuhls bei Rankings ist darauf zu achten, dass nur solche Rankings in den Indikator einfließen, die auch die Leistung des Lehrstuhls messen und idealerweise auch ausweisen. Ebenso sollte beim Durchschnittsgehalt der Absolventen nicht nur das Einstiegsgehalt, sondern das Gehalt zu mehreren Zeitpunkten gemessen werden. Auch hier müssen äußere Einflussfaktoren wie Inflation, Konjunktur und regionale Effekte (z.B. Nähe zu Luxemburg) berücksichtigt werden. Zudem stellt sich die Frage, inwiefern das Gehalt nach bspw. fünf Jahren mit der Lehrqualität korreliert. Inwiefern die Subjektive Bewertung der Lehrqualität Aussagekraft besitzt ist zu überprüfen. Denkbar wäre es, dass die Qualität der Lehre von den Studenten unter Umständen schlechter eingeschätzt wird, als sie in Wirklichkeit ist. Denn ein objektiveres Urteil ist erst nach Eintritt in den Arbeitsmarkt zu erwarten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet das veränderte Umfeld von Hochschulen unter dem Druck der Globalisierung und der Mittelknappheit, was die Notwendigkeit der Einführung innovativer Steuerungsmodelle wie der Balanced Scorecard begründet.
2. Die BSC für staatliche und andere Non-Profit-Organisationen: Dieses Kapitel erörtert die Übertragbarkeit der BSC auf den Non-Profit-Sektor und analysiert spezifische Besonderheiten bei der Anwendung an Hochschulen.
3. Entwurf einer BSC für den Fachbereich WPC: Dieser Kernbereich der Arbeit umfasst die Charakterisierung des Lehrstuhls WPC, die Ableitung spezifischer Ziele und Kennzahlen für alle vier Perspektiven sowie die Analyse von Wirkungszusammenhängen und kritischen Erfolgsfaktoren.
4. Abschließende Betrachtung: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, betont den Nutzen einer BSC als Steuerungsinstrument und weist auf die Notwendigkeit einer kontinuierlichen Anpassung an die organisatorischen Rahmenbedingungen hin.
Schlüsselwörter
Balanced Scorecard, BSC, Non-Profit-Organisation, NPO, Hochschulmanagement, Lehrstuhl WPC, Strategische Steuerung, Kennzahlen, Kundenperspektive, Prozessperspektive, Potentialperspektive, Finanzielle Perspektive, Ursache-Wirkungsbeziehungen, Bildungsmanagement, Qualitätssicherung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Konzeption und Entwicklung einer Balanced Scorecard, die speziell auf die Anforderungen eines universitären Lehrstuhls (hier: Schwerpunkt WPC) zugeschnitten ist.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind das strategische Management im Hochschulbereich, die Operationalisierung von Visionen in messbare Kennzahlen sowie die Berücksichtigung der Besonderheiten von Non-Profit-Organisationen bei der Implementierung von BSC-Systemen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist die Schaffung eines Steuerungssystems, das eine hochwertige Forschung und Lehre sicherstellt und dem Lehrstuhl ermöglicht, seine Leistungsfähigkeit im Wettbewerb unter Beweis zu stellen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf der theoretischen Adaption des Balanced-Scorecard-Modells von Kaplan und Norton, ergänzt durch eine Ist-Analyse des Lehrstuhls und die Herleitung spezifischer Indikatoren für Forschung, Lehre und Verwaltung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine vorbereitende Charakterisierung des Lehrstuhls, die detaillierte Entwicklung von Zielen und Kennzahlen für die vier Perspektiven (Kunden, Prozesse, Potential, Finanzen) sowie die Darstellung von Ursache-Wirkungsketten.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie strategische Steuerung, Balanced Scorecard, Kennzahlenmanagement, Qualität der Lehre und Forschung sowie Effizienz in Non-Profit-Organisationen geprägt.
Wie unterscheidet sich die BSC an einem Lehrstuhl von der klassischen Unternehmens-BSC?
Im Gegensatz zu gewinnorientierten Unternehmen steht bei der universitären BSC nicht die finanzielle Perspektive als Ziel, sondern als Restriktion im Vordergrund, während die Kundenperspektive (Studierende, Gesellschaft) die oberste Priorität einnimmt.
Was stellt laut dem Autor eine besondere Herausforderung bei der Umsetzung dar?
Die größte Herausforderung ist die Schwierigkeit, qualitativ hochwertige Leistungen in Lehre und Forschung quantitativ messbar zu machen, ohne dabei einen unverhältnismäßig hohen Verwaltungsaufwand zu erzeugen.
- Quote paper
- Gregor Meyer (Author), Michael Kilbinger (Author), 2004, Erstellung einer Balanced Scorecard für den Lehrstuhl WPC, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/38054