Die ethische Problematik des Investmentbankings


Hausarbeit, 2014
13 Seiten, Note: 1,0
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abstract

1. Einleitung

2. Die Bedeutung des Investmentbankings in einer Wettbewerbswirtschaft

3. Die Ethik als allgemeinverbindliche Sittenlehre

4. Vereinbarkeit von Ethik und Investmentbanking
4.1 Der Shareholder-Value- und Stakeholder-Ansatz
4.2 Mergers & Acquisitions
4.3 Hedgefonds
4.4 Ethisches Investment

5. Schlussbemerkung

Abkürzungsverzeichnis

Literatur- und Quellenverzeichnis

Die ethische Problematik des Investmentbankings

Abstract

Thema der Hausarbeit ist es zu untersuchen, ob sich das Investmentbanking mit der allgemeinen ethischen Auffassung vereinbaren lässt. Denn die Finanz- und Wirtschaftskrise in den letzten Jahren führte zu einer öffentlichen Diskussion von Investmentbanking und ethischen Normen. Hierzu wird im ersten Teil der Arbeit die Bedeutung des Investmentbankings in einer Wettbewerbswirtschaft aufgezeigt. Das Investmentbanking dient der Kapitalversorgung der Wirtschaft und ist für die Absicherung der Unternehmen zuständig. Des Weiteren ermöglicht es die Kapitalvermehrung am Finanzmarkt durch Spekulationen. Bei der Erfüllung seiner Aufgaben vernachlässigt das Investmentbanking jedoch häufig die ethischen Aspekte. Im zweiten Teil der Arbeit wird die Ethik als allgemeinverbindliche Sittenlehre aufgegriffen und anschließend untersucht, wie sie sich in die Tätigkeiten des Investmentbankings integrieren lässt. Gegenstand der Ethik ist moralisches Handeln und Urteilen, die Wirtschaftsethik befasst sich mit moralischen Verpflichtungen in einer Wettbewerbswirtschaft. In einer Schlussbemerkung wird die Haltung der Medien und ihre Auswirkungen auf die Politik zu diesem Thema einer kritischen Bewertung unterworfen.

1. Einleitung

Die Finanzkrise im Jahr 2008 hat das Investmentbanking in die Kritik gebracht. In der Öffentlichkeit ist sogar die ethische Problematik des Investmentbankings aufgeworfen worden. Ziel der vorliegenden Untersuchung ist es, inwieweit Investmentbanking ethischen Vorgaben gerecht wird.

Das Investmentbanking ist ein Teilbereich der Bankbetriebslehre und für die Kreditinstitute ein tragfähiges Geschäftsmodell. Die volkswirtschaftliche Bedeutung des Investmentbankings besteht in der Kapitalversorgung der Wirtschaft. Bis vor einigen Jahren wurde daher die Arbeitsweise des Investmentbankings ethisch kaum in Frage gestellt. Erst durch die Finanzkrise, die sich sogar zu einer Wirtschaftskrise entwickelte, geriet die ethische Problematik in die öffentliche Diskussion. Insbesondere der Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers führte zu mannigfaltigen Verwerfungen in der Wirtschaft.

Ausgangspunkt war die Immobilienkrise in den Vereinigten Staaten. Aus dieser Immobilienkrise erwuchs eine Finanzkrise, die sich zu einer Wirtschaftskrise ausweitete. Durch die intensive Verflechtung der internationalen Finanzwirtschaft verbreitete sich die Krise auch auf die europäischen Staaten sowie Deutschland.

Investmentbanking ist für eine effiziente Wettbewerbswirtschaft unabdingbar und sorgt für eine notwendige Versorgung der Wirtschaft mit Finanzmitteln. Aus politischen Gründen (Clinton-Regierung) wurde in den USA der Immobilienmarkt mit günstigen Zinsen (Leitzins 1%) subventioniert. Durch dann steigende Kreditzinsen waren viele Immobilienbesitzer nicht mehr in der Lage, ihren Ratenverpflichtungen nachzukommen. Dies führte letztendlich zu einem Zusammenbruch des Immobilienmarktes. Da viele Investoren an der Immobilien-Hausse teilhaben wollten, sind Kreditforderungspapiere geschaffen worden, um diese dann gewinnbringend weiterzuverkaufen. Die Banken, die diese Papiere von ihren Investment-Abteilungen weiter verkauften, konnten somit ihr Risiko schmälern und noch mehr Kredite an die Privatwirtschaft für Immobilienkäufe herausgeben.

Es schien für die vermögenden Investoren so, dass sie nahezu risikolos ihr Vermögen weiter steigern konnten und Privatpersonen mit Kreditbedarf das Risiko tragen mussten, indem die Kreditschuldner bei steigenden Zinsen nicht mehr die steigende Kreditforderung begleichen konnten und die Kreditgläubiger ein im Wert steigende Immobilie erhielten. Diese große Disparität zwischen den sich verschuldeten Privatpersonen und den immer reicher werdenden vermögenden Investoren wirft moralische Fragen auf.

Die Ethik befasst sich mit der Einschätzung vom menschlichen Handlungen. Es geht um die Frage des „Guten“ und des „Bösen“ und wo sich seine Grenzziehungen bilden kann. Es ist zu untersuchen, welche Geschäfte nachhaltig und für das Allgemeinwohl wertschöpfend sind. Ferner steht eine Bewertung an, welche Geschäfte rein spekulativ sind und aus Profitgier getätigt werden.

2. Die Bedeutung des Investmentbankings in einer Wettbewerbswirtschaft

Das Investmentbanking besteht grundsätzlich aus der Kapitalanlage (Geldanlage, Vermögensanlage) in verschiedene Produktgruppen wie zum Beispiel Wertpapiere (Aktien, Anleihen, Fonds, Derivate etc.), Sachwerte und Immobilien. Die Produktwahl, das Risiko und die Ertragskraft hängen von der Entscheidung des Investors ab. Die Funktion des Investmentbankings ist die Kapitalversorgung von Banken, Versicherungen, Unternehmen, Gebietskörperschaften und privaten Investoren. Auch ist die Geschäftstätigkeit von Investmentbanken die Absicherung von Risiken, die Risikoeinschätzung, Unter-nehmensübernahmen und die Platzierung von Neuemissionen.[1] Außerdem bietet es Chancen, am Wachstum der internationalen Finanzmärkte teilzuhaben. Durch die Kapitalversorgung können die oben genannten Institutionen am Wirtschaftsprozess teilhaben, sind gegenüber anderen Unternehmen konkurrenzfähig und können wachsen.[2]

Das Investmentbanking entwickelte sich aus dem Trennbankensystem in den USA in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts.[3] Nach dem Zweiten Weltkrieg wird das Investmentbanking auch zum Geschäftsfeld deutscher Großbanken. Zu den Aufgaben des Investmentbankings gehört auch die Anlage- und Unternehmensberatung sowie die Anbahnung von Fusionen.[4] Auch die Kapitalversorgung der Wirtschaft führt zu Wachstumschancen der Unternehmen und damit zu einer Zunahme der Beschäftigung. Die Bedeutung von Investmentbanking für die Wirtschaft hat somit einen bedeutsamen Stellenwert.

Aufgrund des hohen Wettbewerbsdrucks nutzen viele Unternehmen die Möglichkeit, spekulative Anlagen zu platzieren, um sich gegenüber dem Mitbewerber einen Vorteil zu verschaffen. Ein Wettbewerbsdruck liegt in der Finanzbranche nicht nur zwischen den konkurrierenden Firmen vor, sondern auch unter den einzelnen Mitarbeitern. Somit versucht sich jeder auf seine Weise durchzusetzen und möglich schnell, möglichst hohe Gewinne zu generieren.

Warentermingeschäfte sind für Weiterverarbeitungsproduzenten von Nahrungsmitteln essentiell, da sie durch Absicherungen ihre Preise kalkulieren können. Manche Kapitalmarktteilnehmer nutzen diese Absicherungsgeschäfte ihrerseits, indem sie Produkte der Nahrungsmittelabsicherung kaufen und versuchen, durch eine Wertsteigerung der Warentermingeschäfte einen Gewinn zu erzielen. Durch Weiterverkauf oder Modifizierung des Produktes wird die Absicherung zu einem spekulativen Gut, welches mit dem ursprünglichen Gedanken, dem Weiterverarbeitungsproduzenten die Nahrungsmittelpreise zu sichern, nichts mehr zu tun hat.[5] Somit kommt es zu einer steigenden Volatilität der Preisspannen, die Unternehmen brauchen noch mehr Absicherungen und die Spekulanten kaufen noch mehr gehebelte Produkte.

Neben den gerade in der Öffentlichkeit heftig kritisierten Nahrungsmittelspekulationen gibt es auch noch weitere Fehlentwicklungen. Die Forderungsverkäufe von Krediten, die durch Tauschgeschäfte und weitere Verbriefung in vielen Portfolios von Banken, Fonds und Versicherungen landen, führen zu einer Aufblähung der Finanzwirtschaft. Hiermit werden die Grenzen des ethischen Wirtschaftens überschritten. Dabei kann der sogenannte Trader (Händler) spekulative Anlagen handeln, Langzeit-Investments wie Fonds oder Anleihen in seinem Portfolio aufnehmen oder auch Absicherungsgeschäfte für Großbanken, Versicherungen und Unternehmen tätigen.

Unternehmen, die nicht inhabergeführt sind, sondern Kapitalgesellschaften, benötigen Eigenkapital, welches sie überwiegend über die Börse generieren. Dort treffen Angebot und Nachfrage von Geldern aufeinander. Institutionelle Anleger, Fonds, Versicherungen, Banken und auch Privatpersonen können somit von dem emittierenden Unternehmen Anteile in Form von Aktien erwerben. Das Unternehmen verfügt nach einer solchen Emission über mehr Eigenkapital. Infolgedessen wird auch die Möglichkeit verbessert, bei den Kreditinstituten und am Markt sich durch Schuldverschreibungen weiteres Kapital zu beschaffen.[6]

Die Risiken des Investmentbankings liegen im spekulativen Bereich, welche zu einer Überhitzung auf den Finanzmärkten führen kann. Durch die Kapitalbündelung an bestimmten Investitionen kann es aufgrund von Leverage-Effekten zu einer Überhitzung bis hin zu Zusammenbrüchen kommen. Als ein Beispiel für diese Übertreibung lässt sich im Jahr 2000 das Platzen der Internetblase anführen. Die Auswirkungen bestanden darin, dass die gerade neu emittierten Internetunternehmen für immer vom Markt verschwanden und viele Investoren ihr eingesetztes Kapital verloren.[7] Ein weiterer Kritikpunkt ist die vorhandene Möglichkeit von gehebelten Leerverkäufen größerer Anlagebeträge. Diese Leerverkäufe können dazu führen, dass es zu einer Beschleunigung von Staatskrisen und Zusammenbrüchen von Unternehmen kommen kann.[8]

3. Die Ethik als allgemeinverbindliche Sittenlehre

Die Philosophie unterteilt sich in verschiedene Disziplinen (Ethik, Logik, Metaphysik, Anthropologie, Rechtsphilosophie, Ökonomik, Politik u.a.). Für die vorliegende Facharbeit ist der Teilbereich Ethik genauer zu untersuchen. Die Herkunft des Wortes Ethik stammt aus dem griechischen Wort „ethos“ und bedeutet einerseits „Gewohnheit, Sitte, Brauch“.[9] Es besagt, wer durch seine Erziehung und die Gesellschaft geprägt ist, moralisch zu handeln, der beruft sich auf das Gelernte. Andererseits heißt die Ethik im griechischen Wort ethikos auch der Charakter oder die Sitte. Hier wird unterschieden, dass das sittliche Verhalten aus der Überlegung und Einsicht heraus selbst, ganz individuell entwickelt wird.

Schon die altgriechischen Philosophen Sokrates (470 v. Chr. bis 399 v. Chr.), Platon (427 v. Chr. bis 348 v. Chr.) und Aristoteles (384 v. Chr. bis 322 v. Chr.) befassten sich mit ethischen Überlegungen. Sokrates, dessen Thesen seine Schüler schriftlich hinterlassen haben, stellt das Wissen um das Gute und damit verbunden das rechte Handeln (Tugendhaftigkeit) in den Vordergrund. Sein Schüler Platon entwickelte das Konzept der Ethik weiter, indem er eine Ideenlehre zum Guten entwickelte. Von Platon stammt die Idee vom idealen Staat, die er in seinem berühmten Werk Politeia niedergelegt hat. Von Aristoteles, der einen großen Einfluss auf die Philosophie des Mittelalters hatte, stammt die über Jahrhunderte geltende Tugendlehre.[10]

Auch der römische Philosoph, Redner und Politiker Marcus Tullius Cicero (106 v. Chr. bis 43 v. Chr.) beeinflusste das abendländische Denken erheblich. In seiner Sittenlehre („Vom rechten Handeln“ u.a.) kritisiert Cicero profitorientiertes Handeln und jede Form des Egoismus.[11] Die griechischen und römischen Philosophen hatten auch Einfluss auf das Christentum. Handlungsanweisungen für die in der Wirtschaft Tätigen finden sich in der Katholischen Soziallehre und der Evangelischen Sozialethik. Nach christlicher Tradition ist der Mensch gemeinschaftsorientiert, reiner Eigennutz und profitorientiertes Handeln wird abgelehnt.

Ein weiterer Theorieentwurf zur Ethik liefert der Kantianismus, eine Denkschule, die sich auf Immanuel Kant beruft. Kants berühmter kategorischer Imperativ lautet: „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“[12] Kant gibt Normen vor, nach denen die Menschen sowohl ihre eigene Autonomie als auch die Autonomie Anderer respektieren.[13] Kant schreibt dem Menschen vor, vernunftbegabt im Sinne der Allgemeinheit zu handeln.

Die Ethik an sich befasst sich mit der Wissenschaft der Moral. Die Herkunft des Wortes Ethik aus dem lateinischen Wort „mos“ (Plural „mores“) verbindet sowohl Sitte als auch Charakter. Im deutschen Sprachgebrauch wird für das Wort Moral eher der Begriff Sitte verwendet und bezeichnet das moralisch/sittlich richtige menschliche Handeln. Aufgabe der Menschen ist es, die Theorie des ethischen Wissens praktisch anzuwenden.

Die Ethik wird in drei Kategorien unterschieden, in die deskriptive Ethik, die normative Ethik und die Metaethik. Erstere beschäftigt sich durch ein beschreibendes Vorgehen mit der Untersuchung der Wertevorstellung einer Gesellschaft und deren gelebter Moral von verschiedenen Kulturen.[14] Sie ist somit eine empirisch-beschreibende Methode. Die zweite Kategorie, die normative Ethik hingegen, ist ein vorschreibendes Verfahren, welches die geltenden Sitten und die Moral prüft und bewertet. Die normative Ethik bewertet also die Moral, ob etwas „richtig“ oder „falsch“ ist. Die Metaethik als dritte Ebene befasst sich mit dem Status von Begriffen, Aussagen und Argumentationen. Hier wird durch die Metaethik untersucht, ob ein solcher Begriff „gut“ ist oder ein undefinierbarer Grundbegriff ist. Die Metaethik wird auch als die Wissenschaftstheorie der Ethik definiert.[15]

[...]

[1] vgl. Ianotta, G.: Investment Banking, Berlin-Heidelberg 2010, S. 3f.

[2] vgl. Rosenbaum, J./Pearl, J.: Investment Banking, second edition, Hoboken (New Jersey) 2013, S. 202

[3] vgl. Pawelka, B. S.: Investment-Banking-Strategien deutscher Banken, Wiesbaden 2003, S. 16

[4] vgl. ebenda, S. 26

[5] vgl. Hickel. R.: Zerschlagt die Banken, Berlin 2012, S. 90

[6] vgl. Rosenbaum, J./Pearl, J.: Investment Banking, second edition, Hoboken (New Jersey) 2013, S. 217

[7] vgl. Pawelka, B. S.: Investment-Banking-Strategien deutscher Banken, Wiesbaden 2003, S. 27

[8] vgl. Paul, St./Kösters, W.: Die Bankenkrise als Kern der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise, in: Weltwirtschaftskrise-eine Systemkrise?, Hrsg.: Andersen, U., 2. Auflage, Schwalbach/Ts. 2012, S. 56ff.

[9] vgl. Pieper, A.: Einführung in die Ethik, 6. Auflage, Tübingen-Basel 2007, S. 24

[10] vgl. ebenda, S. 24ff.

[11] vgl. Rippe, K. P.: Ethik in der Wirtschaft, Paderborn 2010. S. 25

[12] Kant, I.: Kritik der Praktischen Vernunft, Berlin 1913, S. 54

[13] vgl. Rippe, K. P.: Ethik in der Wirtschaft, Paderborn 2010, S. 69

[14] vgl. Pieper, A.: Einführung in die Ethik, 6. Auflage, Tübingen-Basel 2007, S. 11f.

[15] vgl. ebenda, S. 86

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Die ethische Problematik des Investmentbankings
Note
1,0
Jahr
2014
Seiten
13
Katalognummer
V380683
ISBN (eBook)
9783668573116
ISBN (Buch)
9783668573123
Dateigröße
475 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
problematik, investmentbankings
Arbeit zitieren
Anonym, 2014, Die ethische Problematik des Investmentbankings, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/380683

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