Einleitung
Louis Malle war begeisterter Zuschauer bei der Tour de France. Auf seine Beweggründe angesprochen, warum er mit ‚Vive le Tour!’ ausgerechnet dieses Sportereignis portraitierte, antwortete er: Die Tour ist wahrlich ein Teil meiner Kindheit. Die Tour ist etwas, das mich immer fasziniert hat. Sie ist möglicherweise die härteste Sportart, die überhaupt existiert. Also filmte ich das: die Unfälle, die Stürze, die unglaubliche Anstrengung, wenn sie die Berge erklimmen und wie man diese auf ihren Gesichtern sehen kann... Und die Zirkusatmosphäre, die die Tour de France umgibt. Dieser Enthusiasmus des Autors beim Eindringen in die Materie merkt man dem Film in jeder Szene und bei jedem Schnitt an. Die Frage, die im Raume stehen bleibt, ist die nach Malles filmerischer Objektivität – läßt sich der Autor zu sehr von seiner Begeisterung einnehmen, oder ist ‚Vive le Tour’ doch dem noch näher zu definierenden Genre des Dokumentarfilms zuzuordnen? In Teil zwei dieser Arbeit soll auf diese Frage eine Antwort gefunden werden.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Filmprotokoll
2. Analyse
2.1 Allgemeine Definitionen
2.2 Richard Meram Barsam: Nonfictional Film – A Critical History
2.3 Michael Rabinger: Dokumentarfilme drehen
2.3.1 Dokumentarfilme als Zeitzeugen
2.3.2 Dokumentarfilme als kreative Bearbeitung des Wirklichen
2.3.3 Dokumentarfilme als Mittel der Sozialkritik
2.3.4 Dokumentarfilme als strukturierte Geschichte
2.3.5 Dokumentarfilme als kollektive Kunstform
Schluß
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den Dokumentarfilm „Vive le Tour!“ von Louis Malle vor dem Hintergrund verschiedener filmtheoretischer Definitionen und Ansätze, um zu klären, ob der Film trotz seiner enthusiastischen Herangehensweise als objektiver Dokumentarfilm klassifiziert werden kann.
- Filmanalyse und Protokollierung ausgewählter Szenen
- Theoretische Auseinandersetzung mit dem Genre Dokumentarfilm
- Kritische Würdigung der Arbeit von Richard Meram Barsam
- Anwendung von Michael Rabingers fünf Schlüsselqualitäten des Dokumentarfilms
- Sozialkritische Dimensionen und narrative Struktur des Werks
Auszug aus dem Buch
2.3 Michael Rabinger: Dokumentarfilme drehen
Michael Rabinger beginnt sein Werk über den Dokumentarfilm, indem er die urtypische Idee dessen, was dem Dokumentarfilm zugrunde liegt, offenbart. Nämlich „die allgemeine Überzeugung, daß er wirkliches menschliches Leben und tatsächliches Geschehen einfängt.“ Damit liegt er nahe an der Definition Willard van Dykes. Rabinger decodiert die Funktion des Dokumentarfilms aber weiter. In fünf Schlüsselqualitäten zeigt er die grundlegenden Funktionen des Genreprodukts auf.
Auf ‚Vive le Tour!’ angewandt, ergeben sich folgende Bilder:
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Der Autor führt in das Interesse von Louis Malle an der Tour de France ein und stellt die zentrale Forschungsfrage nach der Objektivität des Films im Kontext des Dokumentarfilmgenres.
1. Filmprotokoll: Eine detaillierte tabellarische Analyse einzelner Einstellungssequenzen, die Kameraführung, Bildaufbau und Ton dokumentieren.
2. Analyse: Dieser Hauptteil vergleicht den Film mit theoretischen Definitionen des Dokumentarfilms von John Grierson, Pare Lorentz, Richard MacCann und Andrew Sarris.
2.1 Allgemeine Definitionen: Eine Zusammenstellung verschiedener theoretischer Ansätze zur Einordnung des Dokumentarfilmgenres.
2.2 Richard Meram Barsam: Nonfictional Film – A Critical History: Anwendung von Barsams Definitionen auf „Vive le Tour!“ unter Berücksichtigung historischer Kontexte und der Authentizität des Filmmaterials.
2.3 Michael Rabinger: Dokumentarfilme drehen: Anwendung der von Rabinger definierten fünf Schlüsselqualitäten des Dokumentarfilms auf Malles Werk.
2.3.1 Dokumentarfilme als Zeitzeugen: Einordnung des Films als zeitgeschichtliches Dokument der Tour de France von 1962.
2.3.2 Dokumentarfilme als kreative Bearbeitung des Wirklichen: Diskussion der kreativen Auseinandersetzung mit der Realität im Kontext von John Griersons Definition.
2.3.3 Dokumentarfilme als Mittel der Sozialkritik: Untersuchung, ob der Film gesellschaftskritische Aussagen oder den Druck auf die Athleten thematisiert.
2.3.4 Dokumentarfilme als strukturierte Geschichte: Analyse der narrativen Spannungskurve und Dramaturgie des Films.
2.3.5 Dokumentarfilme als kollektive Kunstform: Betrachtung des Films als kollektives Ereignis zwischen Filmemacher, Protagonisten und Publikum.
Schluß: Zusammenfassendes Fazit über die Bedeutung von „Vive le Tour!“ als ursprüngliche Form des Dokumentarfilms.
Schlüsselwörter
Louis Malle, Vive le Tour, Dokumentarfilm, Filmanalyse, Tour de France, Michael Rabinger, Richard Meram Barsam, Filmprotokoll, Zeitzeuge, Sozialkritik, Realität, Dramaturgie, Sportberichterstattung, Zelluloid, Filmtheorie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit widmet sich einer filmwissenschaftlichen Analyse von Louis Malles Werk „Vive le Tour!“ und dessen Einordnung in das Genre des Dokumentarfilms.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Im Fokus stehen die theoretische Definition des Dokumentarfilms, die Analyse der filmischen Gestaltung und die Untersuchung der Darstellung von Sport als soziales Phänomen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es zu untersuchen, ob „Vive le Tour!“ trotz der erkennbaren Begeisterung des Autors den Anforderungen an einen sachlichen Dokumentarfilm entspricht.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Analyse verwendet?
Die Arbeit kombiniert ein detailliertes Filmprotokoll mit einer vergleichenden Analyse fachspezifischer Literatur namhafter Dokumentarfilmtheoretiker.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Analyse unter Anwendung der Definitionen von Barsam und Rabinger sowie eine praktische Untersuchung der filmischen Mittel.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Dokumentarfilm, Filmanalyse, Zeitzeugenschaft, sozialkritische Aussage und die künstlerische Konstruktion von Realität.
Wie bewertet der Autor Malles Umgang mit der „Objektivität“?
Der Autor stellt fest, dass Malles Begeisterung zwar in jeder Szene spürbar ist, der Film dennoch durch die kreative Verarbeitung der Fakten und die Beobachtung sozialer Strukturen als Dokumentarfilm legitimiert wird.
Welche Rolle spielen die Stürze und die soziale Kritik im Film?
Diese Elemente dienen laut der Arbeit dazu, die sportliche Leistung über eine reine Sportberichterstattung hinaus als menschliches Dokument und moralisch hinterfragbares Phänomen darzustellen.
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- Tobias Senzig (Author), 2005, Filmanalyse zu Louis Malle's: Vive Le Tour!, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/38069