Evolutorische Ökonomik heute und gestern

Ideenvergleich anhand von Texten Nelsons und Veblens


Zwischenprüfungsarbeit, 2010
16 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1. Eigenschaften der Evolutorik nach Nelson

2. Charakteristika der allgemeinen evolutorischen Theorie

3. Evolutorische Ökonomik und Evolution in nicht-ökonomischen Lehren
3.1 Eigenschaften der Evolutionstheorie in nicht-ökonomischen Lehren
3.2 Eigenschaften der Theorie der Evolutorischen Ökonomik

4. Zwei Attitüden zum Wirtschaftswachstum

5. Kritik Veblens

6. Nelson vs. Veblen - Ideenvergleich

7. Stellungnahme

8. Literaturverzeichnis

Einleitung

Am Ende des 19. Jahrhunderts tauchte in den industrialisierten Ländern westlichen Europas ein Gedankenstrom auf, der zu den Ideen Karl Darwins und Herbert Spencers anknüpfte. Der Gedankenstrom richtete sich hauptsächlich gegen das Paradigma und die Methoden der neoklassischen Ökonomik - insbesondere jedoch gegen den Institutionalismus. Unterschiedliche ökonomische Konzepte ließen zu, die wirtschaftlichen Prozesse durch die Analogien zu den Prozessen der Evolution in der Natur zu erklären.

Als Gegenstand der Lehre betrachtet die Evolutorik das Kennenlernen der menschlichen Tätigkeit in der Wirtschaft, die Bestimmung der Prinzipien des wirtschaftlichen Wachstums und Erlangung der Verständnis für die Aktivität der wirtschaftlichen Subjekte (sog. Aktoren, Elemente, Systeme) sowie für die Mechanismen, die „naturbezogene” (aber nicht „mechanische“) Grundlagen für diese Aktivitäten bilden. Und all das unter der Voraussetzung des prinzipiell unvollkommenen Wissens.

1. Eigenschaften der Evolutorik nach Nelson

Um sich ein Bild von den Postulaten zu machen, die die Evolutorik stellt, ist es nützlich, nach den Quellen dieser Konzeption zu greifen.1 Im Artikel von Nelson2 ist anfangs der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts diese Theorie ganz detailliert skizziert worden. Diese Theorie wurde später zu einer Diskussionsgrundlage für andere forschende Wirtschaftswissenschaftler. Damit sind auch die Aussagen des Ökonomen Veblens von vor einem Jahrhundert „wiederbelebt“ worden.

2. Charakteristika der allgemeinen evolutorischen Theorie

Nelson kommentiert mit Distanz die Feststellung Marshalls,3 der der Vertreter der Meinung ist, „die Mekka von Wirtschaftswissenschaftler“ die „biologische“ Ökonomik sei. Am Anfang seiner Ausführungen bestätigt er lediglich die im Allgemeinen gültige Tendenz, die - seiner Ansicht nach - die Wirtschaftsforscher aufweisen:

1) Über die biologische Ökonomik wird in Kategorien der in Dynamik der Prozesse gedacht, die in der Natur vorkommen
2) Über die neoklassische Ökonomik wird in Kategorien von Statik und Dynamik gedacht, die auf den Prinzipien der Gleichgewichte und der Mechanik basieren.4

Nelson ist der Ansicht, dass die Theorien der Gleichgewichte, die im 20. Jh. von den Ökonomen geschafft worden sind, auch gewissermaßen unbewusst auf der Mechanik von Newton basieren und deswegen „zu mechanisch“ sind.5 Er bemerkt, dass die Voraussetzungen für die neoklassische Variante der Lehre oftmals schon am Anfang unvollkommen sind. So ein Fall sei z.B. der neoklassische Versuch der Erklärung des wirtschaftlichen Wachstums. Das

Wachstum ist dort exogen - vorausgesetzt wird, dass die Aktoren, trotz stetigen Handelns nach ihrem besten Wissen, das Wachstum nur mit Hilfe der makroökonomischen Schocks erreichen. Die keynesianische Ökonomik betrachtet die Aktoren nicht als Einheiten, die sich das Wissen zuerst aneignen müssen, um ökonomisch optimal zu handeln, indem sie mehr oder weniger rationale Entscheidungen treffen (durch Versuch und Irrtum). Was die Neoklassik nicht berücksichtigt, ist dass das Wissen der einzelnen Aktoren kumulativ ist und auf der Makroebene zum allgemeinen Fortschritt führt. Die in der Evolutorik betrachteten Entitäten (Aktoren, Elemente) besitzen die Fähigkeit, Lösungen der vor ihnen gestellten Probleme zu finden. Nelson hält es für schwierig, eine formale Theorie der Evolutorik zu schaffen. Seiner Ansicht nach, diejenigen Wirtschaftswissenschaftler, die die Analogien zur Mechanik und der Theorien der Gleichgewichte loswerden wollen, haben einen Preis zu zahlen. Dieser Preis ist die Minderwertigkeit der Analysen. Die Evolutionisten glauben daran, dass die neoklassische Ökonomik diejenigen Sachen vermeidet, die ihnen als wichtig, - manchmal auch schlüssig - vorkommen.6 Diese Ökonomen glauben nicht, dass die Probleme, die sie besprechen wollen, irgendwelche „Optimierung“ betreffen oder dieser unterliegen; Nelson schreibt zum Beispiel: “The heart of any explanation of extant living forms thus must be evolutionary analysis of how the particular equilibrium, and not a different one, came to be.”7 Man kann sich Folgendes vorstellen: wenn das Zweck der evolutorischen Analyse die Erklärung des Phänomens des Gelangens einer Entität zu gewissem Optimum ist, dann werden die neoklassischen Voraussetzungen für die Notwendigkeit der Analyse der vorläufigen Gleichgewichtsstände als falsch betrachtet. Das ist darauf zurückzuführen, dass wenn eine Entität lernt, kann sie irgendwann in der Zukunft auch das neue Optimum finden: „Actors behave ‘as if’ they were maximizing [and that, Anm. d. Verf.] does not tell us much about why they are doing what they are, and provides only a start on any prediction of what they will end up doing if conditions change.”8

3. Evolutorische Ökonomik und Evolution in nicht- ökonomischen Lehren

3.1 Eigenschaften der Evolutionstheorie in nichtökonomischen Lehren

Nelson hält u.a. Technologie, Prozesse der Änderung in

Unternehmensorganisationen und im Recht für besonders mit der langfristigen ökonomischen Änderung verknüpft. Unterschiede und Ähnlichkeiten nach Nelson:

Tab. 1. Typologie und Eigenschaften von Evolutionstheorien.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten9

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Nelson, R. R. (1995), „Recent Evolutionary Theorizing About Economic Change“, Journal of Economic Literature, Vol. 33, No. 1.

3.2 Eigenschaften der Theorie der Evolutorischen Ökonomik

Laut Nelson, als evolutorisch kann man folgende Theorien, Modelle und Argumente bezeichnen, die Folgendes berücksichtigen:

- Änderung in der Zeit
- Hauptziel: Verstehen von Prozessen, die hinter dieser Änderung stecken
- Nebenziel: Antwort auf die Frage: „wie ist zu jenem und nicht dem anderen Wert einer konkreten Variable gekommen?“
- Entitäten lernen durch Erfahrung. Änderungen in Verhaltensweisen, die wegen der Rückkopplung seitens der Umgebung stattfinden und die die Adaptation zu neuen Bedingungen zum Ziel haben, werden als evolutorisch bezeichnet
- Das individuelle Lernen sowie Adaptation und Selektion - ändern sich gleichzeitig
- Theorien, die strikt deterministisch sind, zählen nicht zu der Evolutorik
- Eine plangemäße Änderung ist nicht evolutorisch

4. Zwei Attitüden zum Wirtschaftswachstum

Neoklassik:

Wachstum ist ein beweglicher Gleichgewichtszustand; der technologische Fortschritt beeinflusst ständig die Produktivität des Kapitals und der Arbeitskraft; Aufwand von Kapital und Aufwand von Arbeitskraft sind zusammengekoppelt;

Das wirtschaftliche Wachstum wird seinerseits mit Hilfe eines Wertmaßes berechnet: das Maß ist Zuwachs von realen Löhnen; der Wirtschaftsfortschritt ist gewissermaßen endogen, aber Modelle, die anhand eines endogenen sowie eines exogenen Wachstums gebaut sind, beharren immer noch auf den mechanischen Theorien der Gleichgewichte.

Evolutorik:

Ansätze - Nelson und Winter (1974). Voraussetzungen:

[...]

1 Richard Nelson, Sidney Winter - Ökonomen aus den Vereinigten Staaten, Autoren von: An Evolutionary Theory of Economic Change (erstmals erschienen in 1982).

2 Nelson, R. R. (1995), „Recent Evolutionary Theorizing About Economic Change“, Journal of Economic Literature, Vol. 33, No. 1, S. 43.

3 Alfred Marshall - britischer Wirtschaftswissenschaftler, Autor von: “Principles of Economics“ (1890).

4 Vgl. Nelson, R. R. (1995), „Recent Evolutionary Theorizing About Economic Change“, Journal of Economic Literature, Vol. 33, No. 1, S. 50, Abs. 1.

5 Vgl. Ebenda, S. 44.

6 Vgl. Ebenda, S. 51, Abs. 1.

7 Ebenda, S. 51, Abs. 2.

8 Ebenda.

9 Ebenda, S. 62, Abs. 1.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Evolutorische Ökonomik heute und gestern
Untertitel
Ideenvergleich anhand von Texten Nelsons und Veblens
Hochschule
Universität Leipzig  (Institut für Öffentliche Finanzen und Public Management)
Veranstaltung
Evolutorische Ökonomik
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
16
Katalognummer
V380697
ISBN (eBook)
9783668572720
ISBN (Buch)
9783668572737
Dateigröße
472 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Evolutorische Ökonomik, Ideenvergleich, Theorie, Ansatz, Grundlagen
Arbeit zitieren
Master of Arts Piotr Szczepaniak (Autor), 2010, Evolutorische Ökonomik heute und gestern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/380697

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