Diese Arbeit soll sich mit Kinderarbeit als einem von vielen Einflussfaktoren auf die (ökonomische) Entwicklung eines Landes beschäftigen. Es soll untersucht werden, welche theoretischen Auswirkungen verschiedene Maßnahmen zur Bekämpfung von Kinderarbeit auf die betroffenen Familien sowie die ökonomische Situation eines Landes haben.
Im ersten Abschnitt dieser Arbeit soll sich hierfür als Arbeitsgrundlage zunächst mit der genaueren Definition von Kinderarbeit sowie der aktuellen globalen Situation befasst werden. Darauffolgend werden auch die Zusammenhänge zwischen Kinderarbeit und der erfolgreichen Entwicklung eines Landes skizziert, um die Relevanz dieses Bereichs und damit auch dieser Ausarbeitung, hervorzuheben. Im Anschluss daran soll das Modell multipler Equilibria des Ökonomen Kaushik Basu zur Erklärung von Kinderarbeit herangezogen werden. Die Kernfrage dabei lautet, ob und unter welchen Umständen ein gesetzliches Verbot die Lösung des Kinderarbeitsproblems sein könnte. Darauf folgt die Vorstellung weiterer möglicher Maßnahmen zur Bekämpfung von Kinderarbeit sowie deren Beurteilung in Bezug auf das vorgestellte Modell um abschließend eine zusammenfassende Einschätzung vornehmen zu können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Kinderarbeit – Zahlen und Informationen
3. Kinderarbeit als Entwicklungshindernis
4. Kinderarbeit - ein ökonomisches Modell
5. Strategien im Kampf gegen Kinderarbeit
5.1 Armutsbekämpfung
5.2 Schulförderung
5.3 Handelsboykott
5.4 Gesetzliches Verbot
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht Kinderarbeit als einen zentralen Einflussfaktor auf die ökonomische Entwicklung von Ländern und analysiert theoretische Auswirkungen verschiedener entwicklungspolitischer Strategien zur Bekämpfung dieser Problematik. Die Forschungsfrage fokussiert sich dabei insbesondere auf die Frage, ob und unter welchen Bedingungen staatliche Eingriffe wie Verbote oder ökonomische Fördermaßnahmen effektiv sind, ohne die betroffenen Familien ökonomisch zu destabilisieren.
- Globale Definitionen und Ausprägungen von Kinderarbeit
- Zusammenhang zwischen Kinderarbeit und Entwicklungshindernissen
- Anwendung des Modells multipler Equilibria zur Analyse von Kinderarbeit
- Vergleichende Bewertung von Interventionsstrategien (Armutsbekämpfung, Schulbildung, Boykotte)
Auszug aus dem Buch
4. Kinderarbeit - ein ökonomisches Modell
Das von dem indischen Ökonomen Kaushik Basu erarbeitete Modell multipler Equilibria beruht auf zwei einfachen Annahmen: erstens die Luxusgut-Annahme und zweitens die Substitutions-Annahme. Die Luxusgut-Annahme besagt, dass Eltern ihre Kinder nur dann zur Arbeit schicken, wenn sie durch Armut dazu gezwungen sind. Sie sehen die Zeit, die ihre Kinder mit nicht-erwerbsmäßigen Tätigkeiten verbringen als Luxusgut, das sie sich bei geringem Einkommen nicht leisten können und deshalb nur oberhalb bestimmter Einkommensgrenzen nachfragen.
Die Substitutions-Annahme geht davon aus, dass die Arbeitskraft von Kindern und Erwachsenen Substitute sind (Basu/Van 1998: 416). Diese zweite Annahme widerspricht der häufig vertretenen Meinung, dass bestimmte Arbeiten nur von Kindern verrichtet werden können und ist deshalb von besonderer Bedeutung. Kinderarbeit wird häufig mit dem Argument gerechtfertigt, dass viele Arbeiten nur von Kindern auf Grund ihrer körperlichen Voraussetzungen geleistet werden können.
Ein prominentes Beispiel für solche Tätigkeiten ist die Produktion von Teppichen. Es wird behauptet, dass Kinder für das Knüpfen feiner Teppichknoten besser geeignet sind als Erwachsene, da ihre Finger und Hände kleiner sind. Zahlreiche Studien haben allerdings belegt, dass Kinder in keiner der untersuchten Branchen, inklusive der Teppichherstellung, einen Vorteil gegenüber erwachsener Arbeitskraft bieten (Todaro/Smith 2011: 369). Weiterhin wird für das Modell angenommen, dass alle Erwachsenen, unabhängig von der Höhe des Lohnsatzes, arbeiten gehen, was in einer vollkommen unelastischen, vertikalen Arbeitsangebotskurve resultiert. Um den Produktivitätsunterschied zwischen Kindern und Erwachsenen zu berücksichtigen, wird unterstellt, dass die Arbeitsleistung eines Kindes einem bestimmten Bruchteil der Arbeitsleistung eines Erwachsenen entspricht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die historische Entwicklung und die aktuelle Relevanz von Kinderarbeit als globales entwicklungspolitisches Problem.
2. Kinderarbeit – Zahlen und Informationen: Dieses Kapitel definiert verschiedene Formen der Kinderarbeit und liefert statistische Daten zur globalen Verbreitung.
3. Kinderarbeit als Entwicklungshindernis: Hier wird der negative Einfluss von Kinderarbeit auf Humankapitalbildung und ökonomische Entwicklungsprozesse erläutert.
4. Kinderarbeit - ein ökonomisches Modell: Das Kapitel stellt das Modell multipler Equilibria von Kaushik Basu vor, um die ökonomischen Mechanismen von Kinderarbeit und die Wirkung von Verboten zu analysieren.
5. Strategien im Kampf gegen Kinderarbeit: Es werden vier zentrale Ansätze zur Bekämpfung von Kinderarbeit – Armutsbekämpfung, Schulförderung, Handelsboykott und gesetzliche Verbote – theoretisch untersucht.
6. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass es kein Patentrezept gibt und Maßnahmen immer an die lokalen wirtschaftlichen Gegebenheiten angepasst werden müssen.
Schlüsselwörter
Kinderarbeit, Entwicklungsökonomik, Humankapital, Kaushik Basu, multiple Equilibria, Luxusgut-Annahme, Substitutions-Annahme, Armutsbekämpfung, Schulförderung, Handelsboykott, Arbeitsmarkt, Weltbank, ILO, Entwicklungshindernis, Kinderrechtskonvention.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert Kinderarbeit als ökonomisches Phänomen und untersucht, wie verschiedene politische Maßnahmen deren Bekämpfung beeinflussen können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Definition von Kinderarbeit, ihre Rolle als Hindernis für die Entwicklung eines Landes und die ökonomische Wirkung von Interventionsstrategien.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, mittels ökonomischer Modellierung zu verstehen, unter welchen Bedingungen staatliche Verbote oder Fördermaßnahmen erfolgreich zur Reduktion von Kinderarbeit beitragen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine theoretische Analyse auf Basis von entwicklungsökonomischen Modellen, insbesondere des Modells multipler Equilibria von Kaushik Basu, angewandt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der theoretischen Zusammenhänge, die Anwendung des ökonomischen Modells sowie eine kritische Bewertung von vier spezifischen Lösungsansätzen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich vor allem durch Begriffe wie Kinderarbeit, ökonomische Entwicklung, Humankapital und entwicklungspolitische Interventionsstrategien charakterisieren.
Wie unterscheidet sich die Wirkung eines Verbots in verschiedenen Marktsituationen?
In Märkten mit multiplen Gleichgewichten kann ein Verbot effektiv sein, während in armen Ländern mit nur einem stabilen Gleichgewicht ein Verbot oft zu einer Verschlechterung der ökonomischen Lage der Familien führt.
Warum sind Handelsboykotte laut der Analyse oft kontraproduktiv?
Boykotte können die Nachfrage nach Arbeitskräften in Exportsektoren senken, was zu Arbeitslosigkeit führt und betroffene Kinder in noch schlechter bezahlte informelle Sektoren drängt.
Welche Rolle spielt die Bildungspolitik im Kampf gegen Kinderarbeit?
Die Schulförderung wird als wirksamer Anreiz gesehen, um den kritischen Lohnsatz zu senken und Eltern zu motivieren, ihre Kinder in die Schule statt in die Arbeit zu schicken.
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- Anonym (Author), 2017, Der internationale Kampf gegen Kinderarbeit. Eine Analyse der Wirkungen verschiedener Strategien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/380713