Der internationale Musikmarkt wird (noch) von fünf ‚Majors’ (BMG, Sony, EMI, TimeWarner, Polygram/Universal) beherrscht. Rund 90 Prozent aller Tonträger werden von diesen Giganten hergestellt und/oder weltweit vertrieben. Auch in Lateinamerika haben sie den Markt unter sich aufgeteilt. Für kleine Firmen bzw. Label bleiben nur Nischenmärkte oder die Vorarbeit für die ‚Majors’ übrig.
Um ihre Position auf den nationalen Märkten Lateinamerikas zu verbessern – sie verkaufen bisher im Durchschnitt nur 80 Prozent der Tonträger dort – haben fast alle ‚Majors’ nationale Ableger gegründet. So werden sie zu ‚nationalen’ Konkurrenten für die wenigen verbliebenen ‚Indies’ (Independent), kleinen nationalen Labeln, die kein globales Kapital besitzen, um im Wettbewerb auf Dauer zu bestehen. Fast alle bekannten lateinamerikanischen Musiker sind inzwischen bei einem der ‚Majors’ unter Vertrag.
Ausgehend von dem heutigen Stand der Musikindustrie in Chile, liefert die vorliegende Arbeit zunächst einen Überblick über die Entwicklung der Musik in Chile. Anschließend wir die Musik in Zusammenhang mit dem Staat und der Gesellschaft gebracht.
Zum Ende werden die lateinamerikanischen Einflüsse auf die chilenische Popularmusik herausgearbeitet, wie auch die Entwicklung von Jazz, Pop, Rock und Techno.
Inhaltsverzeichnis
1 Chiles Musikmarkt im regionalen Zusammenhang
1.1 Chile
2 Die Geschichte der Musik in Chile
2.1 Indigene Musik
2.1.1 Musik als Mittel der Evangelisierung
2.2 Von der Kolonialmusik zur Folklore
2.3 Der musikalische Aufbruch im 19. Jahrhundert
2.4. Von der Wiederentdeckung der Folklore bis zur Nueva Canción
2.4.1 Musik als Waffe - Victor Jara und die Politisierung des chilenischen Liedes
2.4.2 Diktatur oder Exil?
2.5. Chilenische Konzertmusik im 20. Jahrhundert
3. Musik, Staat und Gesellschaft
4. Lateinamerikanische Einflüsse auf die chilenische Popularmusik
5. Jazz, Pop, Rock und Techno erobern die Peripherie
6. Chilenische Musik im Internet
7. Schluss
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entwicklung der chilenischen Musiklandschaft unter dem Einfluss von Globalisierung, politischer Repression und kulturellem Wandel. Das Ziel ist es, die Transformation musikalischer Ausdrucksformen – von indigenen Wurzeln über die politisierte Nueva Canción bis hin zur modernen Techno-Szene – zu analysieren und den Einfluss staatlicher Bildungs- und Kulturpolitik sowie internationaler Marktdynamiken auf die chilenische Identität und Musikproduktion zu beleuchten.
- Historische Entwicklung der chilenischen Musik von der Kolonialzeit bis zur Moderne.
- Einfluss der Nueva Canción-Bewegung auf die Politisierung der Musik und die Folgen der Militärdiktatur.
- Bedeutung von staatlicher Bildungs- und Kulturpolitik für die Musikausbildung in Chile.
- Auswirkungen der Globalisierung und des internationalen Musikmarktes auf lokale Interpreten und Independent-Label.
- Rolle neuer Technologien und des Internets bei der Verbreitung chilenischer Musik.
Auszug aus dem Buch
2.4.1 Musik als Waffe - Victor Jara und die Politisierung des chilenischen Liedes
Ein Musiker, von dessen Talent Violeta Parra sehr überzeugt war und für den sie zwei Lieder schrieb, war Victor Jara. Er stammte vom Land und hatte den ersten Kontakt mit einer Gitarre über den Dorflehrer, der bei ihnen wohnte und ihm einige Griffe beibrachte. Victors Mutter war eine Folkloresängerin, die aber kaum Zeit zum Spielen hatte. So übte Victor auf ihrer Gitarre und lernte von einem Nachbarn die ersten Akkorde. Nach dem Umzug der Familie nach Santiago ging er bald auf die Schauspielschule. Zu dieser Zeit, 1957, lernte er Violeta Parra kennen und schloss sich der Folkloregruppe Cuncumén, die sich als erste einen indigenen Namen gegeben hatte. Er lernte viele Volkstänze und baute diese auch in seine Theaterstücke ein. Er sah die „Volksmusik als [...] zeitgenössisches Ausdrucksmittel, das die Fähigkeit zur Entwicklung [...] barg, wenn man die Verbindung zu seinen ursprünglichen Wurzeln nicht zerstörte.“ 1962 verließ er Cuncumén und arbeitete als Lehrer an einer neugegründeten Schule für Folklore. Er sah diese Arbeit als wichtig an, da in zunehmendem Maße die Produkte der internationalen Musikindustrie den kleinen chilenischen Markt überschwemmten.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Chiles Musikmarkt im regionalen Zusammenhang: Analysiert die Dominanz internationaler Musikkonzerne (Majors) auf dem chilenischen Markt und die Auswirkungen von Globalisierung sowie Preisverfall auf die lokale Musikproduktion.
2 Die Geschichte der Musik in Chile: Zeichnet die musikalische Entwicklung von indigenen Traditionen und der Rolle der Jesuiten über die Folklore bis hin zu den Komponisten des 20. Jahrhunderts nach.
3. Musik, Staat und Gesellschaft: Untersucht die Rolle des chilenischen Erziehungssystems und die staatliche Förderung von Musik und Kultur sowie deren Wandel unter verschiedenen Regierungen.
4. Lateinamerikanische Einflüsse auf die chilenische Popularmusik: Beleuchtet den Austausch mit Nachbarländern und wie Importe wie der Tango, Bolero oder argentinischer Rock die chilenische Szene prägten.
5. Jazz, Pop, Rock und Techno erobern die Peripherie: Beschreibt die Emanzipation dieser Stile in Chile sowie die Herausforderungen durch Zensur und kommerziellen Druck.
6. Chilenische Musik im Internet: Bietet einen Überblick über digitale Ressourcen, Plattformen und Initiativen zur Verbreitung und Archivierung chilenischer Musik.
7. Schluss: Fasst die Kernaussagen zusammen und fordert eine stärkere nationale Kulturpolitik zur Anerkennung und Förderung chilenischer Musik sowie zur Aufarbeitung der Geschichte.
Schlüsselwörter
Chile, Musikgeschichte, Nueva Canción, Folklore, Musikmarkt, Victor Jara, Kulturpolitik, Musikpädagogik, Popmusik, Rock, Jazz, Globalisierung, Indigene Musik, Tonträgerindustrie, Internet
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die musikalische Entwicklung Chiles unter Berücksichtigung historischer, politischer und sozialer Faktoren, von indigenen Einflüssen bis hin zur heutigen globalisierten Musikwelt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Bereiche sind der Einfluss der Musikindustrie, die Rolle der Musik als politisches Ausdrucksmittel, der Einfluss internationaler Stile und die Bedeutung der staatlichen Kulturförderung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Transformation der chilenischen Musiklandschaft und deren Relevanz für die kulturelle Identität im Kontext gesellschaftlicher Umbrüche aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor stützt sich auf eine tiefgehende Literaturanalyse sowie auf die Auswertung von Statistiken, Zeitzeugenberichten und musikwissenschaftlichen Quellen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse der Musikstile, eine Untersuchung staatlicher Institutionen, den Einfluss regionaler Nachbarländer sowie die moderne Entwicklung von Rock-, Pop- und elektronischer Musik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Chile, Nueva Canción, Folklore, Musikmarkt, Globalisierung, politische Repression und musikalische Identität.
Welche Rolle spielte Victor Jara für die chilenische Musik?
Victor Jara war eine zentrale Figur der Nueva Canción; er politisierte das chilenische Lied und nutzte seine Musik als Ausdrucksmittel gegen soziale Ungerechtigkeit und kulturelle Invasion.
Wie wirkte sich die Militärdiktatur auf das Musikleben aus?
Die Diktatur führte zu Verboten, Zensur, Emigration vieler Musiker und einer Unterbrechung der kulturellen Entwicklung, was die Musikszene nachhaltig veränderte.
- Citar trabajo
- Torsten Eßer (Autor), 2004, Klänge an der Peripherie. Musik in Chile von den Mapuche bis zum Techno, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/380748