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Michael Kohlhaas. Ein Amokläufer?

Title: Michael Kohlhaas. Ein Amokläufer?

Term Paper (Advanced seminar) , 2016 , 16 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Bahar Ilk (Author)

German Studies - Literature of History, Eras
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Summary Excerpt Details

Das Ziel dieser Arbeit ist es aufzuzeigen, dass der Protagonist Michael Kohlhaas aufgrund seiner unkontrollierten und hemmungslosen Gewalthandlungen zum Amokläufer wurde. Um diese These zu bekräftigen, wird zu Beginn der Arbeit der Begriff Amok in Bezug auf Kohns (2009) und Faust (2011) definiert und diese Definition im Verlauf der Analyse am Beispiel des Michael Kohlhaas’ untersucht. Als nächstes wird die Rechts- und Staatsphilosophie in der Zeit Kleists mit Blick auf das Naturrecht bei Hobbes analysiert, um das Verständnis der Rechtsverhältnisse bei Michael Kohlhaas zu erleichtern. Im Anschluss daran wird Kohlhaas’ Triebfeder zur Rache erörtert und sein Rachefeldzug explizit geschildert. Darauf aufbauend wird im Weiteren beleuchtet, weshalb Kohlhaas im Hinblick auf die damalige Rechtslage nicht fehdeberechtig war und als Landfriedensbrecher anzusehen ist. Am Ende konzentriert sich die Arbeit auf die Bestrafung des Protagonisten und überprüft, ob die herausgearbeiteten Ergebnisse die These, dass Michael Kohlhaas aufgrund seiner hemmungslosen Gewalthandlungen ein Amokläufer war, bestätigen.

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Amoklauf

3. Rechts- und Staatsphilosophie in Kleists Zeit

3.1 Naturrecht bei Hobbes

3.2 Das Rechtsverständnis des Michael Kohlhaas

4. Michael Kohlhaas’ Anlass zur Rache

4.1 Der Beschluss: Das „Geschäft der Rache“

4.2 Kohlhaas’ Rachefeldzug

4.3 Recht zur Selbsthilfe?

5. Am Ende der Gewalt – Kohlhaas’ Bestrafung

5.1 Die Hinrichtung

6. Resümee: Michael Kohlhaas – Ein Amokläufer?

Zielsetzung und Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Novelle „Michael Kohlhaas“ von Heinrich von Kleist unter der zentralen Forschungsfrage, inwiefern der Protagonist als Amokläufer klassifiziert werden kann. Dabei wird analysiert, wie ein ursprünglich auf Gerechtigkeit basierendes Handeln durch Radikalisierung und den Verlust staatlicher Schutzmechanismen in einen exzessiven, gewaltsamen Rachefeldzug mündet.

  • Analyse des Gewaltbegriffs und der Definition von Amok in Bezug auf die literarische Figur.
  • Untersuchung der Rechts- und Staatsphilosophie nach Thomas Hobbes im Kontext des 16. Jahrhunderts.
  • Darstellung der psychologischen und soziologischen Motive für den Rachefeldzug des Michael Kohlhaas.
  • Kritische Beleuchtung der historischen Legitimität von Fehde und Selbsthilfe im Vergleich zum Handeln des Protagonisten.
  • Diskussion der Konsequenzen von Selbstjustiz und der Rolle des Staates als Ordnungsmacht.

Auszug aus dem Buch

3.2 Das Rechtsverständnis des Michael Kohlhaas

Der Protagonist Michael Kohlhaas lebt mit seiner Familie in Brandenburg auf einem Gehöft. Bereits zu Beginn der Erzählung stellt der Erzähler seinen Protagonisten als einen paradoxen Charakter vor: „Michael Kohlhaas, [...] einer der rechtschaffensten zugleich und entsetzlichsten Menschen seiner Zeit“ (Kleist 2013, 9). Dieses Oxymoron zeigt die Ambivalenz auf, mit dem der Text in der gesamten Handlung spielt. Einerseits strebt der Protagonist nach Gerechtigkeit, andererseits missachtet er sie aber, indem er zur Selbstjustiz greift und unschuldige Menschen ermordet. Dadurch charakterisiert der Erzähler seinen Protagonisten als eine „fundamental und unauflösbar ambivalente Persönlichkeit“ (Kohns 2009, 94). Kohlhaas hätte „bis in sein dreißigstes Jahr für das Muster eines guten Staatsbürgers haben gelten können“ (Kleist 2013, 9), wenn ihn sein Rechtsgefühl nicht zum „Räuber und Mörder“ (ebd.) gemacht hätte. Demzufolge hat Kohlhaas seine rühmliche Eigenschaft nicht abgelegt, sondern sie durch maßlose Übersteigerung in ihr Gegenteil verkehrt. Sein Rechtsgefühl ist aufgrund der unrechtmäßigen Nutzung seiner Pferde zur Feldarbeit gekränkt, da ihm der gerichtliche Schutz seiner Rechte verweigert wird, versucht er, sein Recht gewaltsam zu erzwingen. Folglich kann festgehalten werden, dass Kohlhaas’ übermäßiges Rechtsgefühl ihn zu einem Schuldigen werden lässt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Novelle von Heinrich von Kleist ein, erörtert die historische Einordnung und definiert das Ziel, den Protagonisten als Amokläufer zu analysieren.

2. Der Amoklauf: Hier werden die historischen Wurzeln des Amok-Begriffs und die moderne Definition durch die WHO dargelegt, um eine Vergleichsgrundlage für das Verhalten von Kohlhaas zu schaffen.

3. Rechts- und Staatsphilosophie in Kleists Zeit: Dieses Kapitel verknüpft die Staatstheorie von Thomas Hobbes mit dem Gerechtigkeitsempfinden von Michael Kohlhaas und analysiert den Übergang vom Naturzustand in den Gesellschaftsvertrag.

4. Michael Kohlhaas’ Anlass zur Rache: Die Ereignisse an der Tronkenburg und die bürokratischen Ungerechtigkeiten werden als Auslöser für das „Geschäft der Rache“ und den darauffolgenden Rachefeldzug untersucht.

5. Am Ende der Gewalt – Kohlhaas’ Bestrafung: Dieses Kapitel behandelt das Scheitern von Kohlhaas’ Rache, seine Verhaftung sowie die finale Hinrichtung unter Berücksichtigung der rechtlichen Folgen seines Handelns.

6. Resümee: Michael Kohlhaas – Ein Amokläufer?: Die Arbeit zieht das Fazit, dass Kohlhaas durch seine unkontrollierte Gewalt und sein mörderisches Vorgehen tatsächlich die Kriterien eines Amokläufers erfüllt.

Schlüsselwörter

Michael Kohlhaas, Heinrich von Kleist, Amoklauf, Rechtsphilosophie, Thomas Hobbes, Selbstjustiz, Rache, Gewalt, Naturrecht, Gesellschaftsvertrag, Landfriedensbruch, Gerechtigkeit, Fehde, Radikalisierung, Delinquenz.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit befasst sich mit der literarischen Figur des Michael Kohlhaas und untersucht kritisch, inwieweit sein Handeln, das von einer zunächst gerechtfertigten Suche nach Recht in exzessive Gewalt umschlägt, als Amoklauf bezeichnet werden kann.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die zentralen Themen umfassen die literarische Analyse von Kleists Novelle, die staatsphilosophischen Grundlagen von Thomas Hobbes, die psychologische Dynamik von Rache und die rechtshistorische Einordnung von Fehde und Selbstjustiz im Mittelalter.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist es, die These zu belegen, dass Michael Kohlhaas aufgrund seiner unkontrollierten, hemmungslosen Gewaltexzesse und der Missachtung unschuldiger Menschen die Merkmale eines Amokläufers aufweist.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die durch den Einbezug von soziologischen Gewaltbegriffen, historischen Kontextualisierungen und rechtsphilosophischen Theorien gestützt wird.

Was steht im inhaltlichen Fokus des Hauptteils?

Der Hauptteil behandelt die Entwicklung vom betroffenen Bürger zum gewalttätigen Rebellen, beleuchtet die Rolle der staatlichen Willkür und analysiert die spezifischen Akte der Gewalt, wie Brandstiftungen und Morde.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Zu den prägenden Begriffen gehören Amoklauf, Selbstjustiz, Rechtsgefühl, Rachefeldzug, staatliche Ordnung und die Ambivalenz der Figur Michael Kohlhaas.

Wie spielt das Hobbes’sche Naturrecht eine Rolle für Kohlhaas?

Die Arbeit nutzt Hobbes’ Theorie, um zu zeigen, dass Kohlhaas durch sein Handeln den Gesellschaftsvertrag verlässt und in einen archaischen Naturzustand zurückfällt, in dem er versucht, das Recht mit Gewalt selbst durchzusetzen.

Warum wird Kohlhaas als Landfriedensbrecher eingestuft?

Kohlhaas beging mit seinem eigenmächtigen Feldzug einen Bruch des „Ewigen Landfriedens“ von 1495, der Fehden verbot, und handelte somit als Pferdehändler ohnehin ohne die für Fehden erforderliche rechtliche Legitimation.

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Details

Title
Michael Kohlhaas. Ein Amokläufer?
College
University of Duisburg-Essen
Grade
1,3
Author
Bahar Ilk (Author)
Publication Year
2016
Pages
16
Catalog Number
V380753
ISBN (eBook)
9783668572904
ISBN (Book)
9783668572911
Language
German
Tags
michael kohlhaas amokläufer
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Bahar Ilk (Author), 2016, Michael Kohlhaas. Ein Amokläufer?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/380753
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